Bologneser beißt jemanden in die Nase

  • Hallo,
    gestern Abend hatte ich ein sehr schockierendes Erlebnis.
    Mein Hund Picco (1,5jähriger Bologneser) hat meinen Freund in die Nase gebissen, und zwar so, dass es eine relativ tiefe Wunde gab, die auch ganz kräftig geblutet hat...

    Die Situation war folgende: Picco lag auf dem Boden und hat an einem getrockneten Büffelohr gekaut. Mein Freund hat sich zu ihm auf den Boden gelegt und wollte mit ihm spielen. Picco hat geknurrt und die Zähne gefletscht, weil er das Büffelohr nicht hergeben wollte... das Ganze ging über mehrere Minuten so. Als mein Freund dann irgendwann zu nahe mit dem Gesicht am Hund bzw. am Büffelohr dran war, hat Picco nach ihm geschnappt und ihn voll an der Nase erwischt.
    Jetzt hat mein Freund einen riesen Kratzer im Gesicht, der ganz kräftig geblutet hat und wo wahrscheinlich eine Narbe bleibt.

    Ich hab Picco am Genick gepackt und ins Nebenzimmer gesperrt, da war er dann bestimmt eine halbe Stunde drin und hat wie irre gekläfft, weil er raus wollte. Ich hab dann gewartet, bis er aufgehört hat zu bellen und hab ihn dann wieder rausgelassen.

    Ich hab ehrlich gesagt keine Ahnung, ob meine Reaktion angemessen war. Was meint ihr? Wie hättet ihr reagiert?

    Und was noch wichtiger ist - wie soll ich jetzt weiter vorgehen? Ich mein, klar, mein Freund hat ihn provoziert, er war bis zu nem gewissen Grad selbst schuld... aber Picco hätte trotzdem nicht beißen dürfen. Wenn das bei einem kleinen Kind passiert wäre, welches ihn nicht bewusst gereizt hätte...?!?!

    Ich muss dazu sagen, dass es nichts Neues ist, dass Picco so reagiert. Anfangs hatten wir große Probleme, ihm jede Art von Spielzeug oder generell alles, was er im Mund hatte, wegzunehmen. Mittlerweile klappt es mit Spielzeug relativ gut, da reagiert er auf "Lass aus", aber bei essbaren Sachen ist es echt schwierig. Wenn er z.B. frisst und unsere Katze sich seinem Napf nähert, knurrt er sie solange an, bis sie das Weite sucht.

    Kann ich es gezielt mit ihm üben, ihm sein Fressen wegzunehmen, sodass er dabei friedlich bleibt? Wie soll ich dabei am besten vorgehen und was muss ich beachten?

    Wäre sehr dankbar über Tipps.
    Vielen Dank im Voraus!!

  • Hallo und Willkommen,

    Zitat

    Ich hab ehrlich gesagt keine Ahnung, ob meine Reaktion angemessen war. Was meint ihr? Wie hättet ihr reagiert?

    Ich finde die Reaktion unangemessen, ich hätte deinen Freund ins Abseits befördert.
    Er ist selber Schuld, dass er gebissen wurde in meinen Augen. Und du mit, wenn du diese Situation genauso miterlebt hast! Denn du hättest deinem Freund klar machen müssen, dass er Picco in Ruhe lassen soll, weil er es nicht kennt, dass man ihm etwas wegnimmt.

    Dein Hund hat geknurrt! Was soll er bitteschön sonst noch tun, um zu sagen: lass mich in Ruhe?

    Eure Katze ist schlau, sie verzieht sich, wenn Picco knurrt!

    Wenn du möchtest, dass du deinem Hund alles aus dem Maul nehmen kannst, musst du das mit ihm Stück für Stück über einen superguten Tausch üben.
    Hat er einen Kauknochen, biete ihm einen noch viel besseren Kauknochen an.
    Hat er ein Spielzeug, biete ihm ein noch viel schöneres Spielzeug an!

    Ich finde dies "alles aus dem Maul nehmen können" eigentlich nur wichtig für Situationen, wo der Hund etwas für ihn Gefährliches im Maul hat.
    Alles andere finde ich Quatsch. Wenn ich meinem Hund einen Kauknochen gebe, ist es seiner.

    Sorry, aber das ist meine ehrliche Meinung und soll kein Angriff gegen dich darstellen!

  • katja: Danke für deine schnelle Antwort. Ich kann deine Meinung im Grunde genommen nachvollziehen - ich denke mir auch, wenn mein Hund was zum Essen hat, ist es seins und das soll er behalten dürfen.

    Andererseits - muss er deshalb beißen??? Eigentlich nicht, finde ich.

    Das kann man halt aus verschiedenen Sichtweisen sehen - entweder ich gestehe meinem Hund ein gewisses Maß an "Eigenständigkeit" zu, d.h., wenn er was zum Fressen bekommen hat, gehört es ihm und er darf es verteidigen ODER ich sage, ich bin der Chef und darf ihm alles nach Belieben wegnehmen, weil er sich fügen muss.

    Ich tendiere eigentlich zur ersten Möglichkeit, aber dass dieses Verteidigen eben so weit geht, dass er beißt, das will ich natürlich auch nicht.

    Wenn ich dieses Tauschen mit ihm übe, was muss ich dabei beachten? Wie soll ich damit umgehen, wenn er knurrt und die Zähne fletscht?

  • Also ich hab das Tauschen am Anfang so geübt:

    Ich hatte was wirklich viiiiiiel besseres und tolleres als das was er gerade im Maul hat. Hab's im gezeigt und natürlich wollte er das tollere was ich in der Hand hatte und hat sein altes fallen gelassen. Wenn er es fallen gelassen hat, hab ich's genommen und er kriegt das Superleckerlie.

    Mit der Zeit muss das Leckerlie dann nicht mehr sooo viel toller sein, bzw. du kannst sein Leckerlie einfach mal nehmen und anschauen und ihm dann zurück geben. Aber am Anfang sollte dein Leckerlie schon um einiges toller sein! Am besten du bringt ihm gleich den Befehl "AUS" bei. Wenn er sein's fallen lässt um deins zu bekommen immer "AUS" sagen.

    Bei genügend Wiederholung und tollen Tauschaktionen sollte er das bald können und wird auf "AUS" sein Leckerlie/Spielzeug freiwillig hergeben :^^:

  • kathapicco
    Ich schliesse mich mal vorbehaltlos hilli an.

    Der Hund hat was zum Fressen.
    Dein Freund stört ihn dabei und will spielen mit dem Hund.
    Der Hund will in dem Momnent aber nicht spielen, sondern fressen, was sein gutes Recht ist.
    Gespielt wird dann, wenn nichts zum fressen da ist.

    Dann dauert diese Störung auch noch mehrere Minuten?
    Geduldiger Hund, wenn er in dieser Zeit nur knurrt und Zähne zeigt!

    Dein Freund hört noch immer nicht auf die Warnung des Hundes und nervt weiter.
    Geht noch näher ran, sogar mit dem Gesicht und wird endgütlig verwarnt vom Hund indem er zwickt.
    Da nehme ich an, hat dein Freund endlich verstanden.

    Zu guter Letzt, packst du den Hund am Nacken und sperrst ihn aus.
    (Äusserst extreme Handlung. Am Nacken packen und Aussperren.)
    Dafür, dass der Hund eigentlich alles richtig gemacht hat, dein Freund aber so ziemlich alles verkehrt gemacht hat, was Mensch verkehrt machen kann.

    Wenn es dumm läuft kann der Hund in solch einer Situation lernen, dass seine geduldigen Verwarnungen nichts bringen und er am besten gleich zupackt.

    Hier hätte der Hund keine Strafe verdient, aber der Freund.

    Entschuldige, wenn das etwas direkt ist.
    Ich nehme auch nicht an, dass das alles mit Absicht geschehen ist.
    Eher aus Unwissenheit.
    Was ich fast noch schlimmer finde, ehrlich gesagt.
    Sorry. :???:

  • Zitat

    katja: Danke für deine schnelle Antwort. Ich kann deine Meinung im Grunde genommen nachvollziehen - ich denke mir auch, wenn mein Hund was zum Essen hat, ist es seins und das soll er behalten dürfen.

    Andererseits - muss er deshalb beißen??? Eigentlich nicht, finde ich.

    Das kann man halt aus verschiedenen Sichtweisen sehen - entweder ich gestehe meinem Hund ein gewisses Maß an "Eigenständigkeit" zu, d.h., wenn er was zum Fressen bekommen hat, gehört es ihm und er darf es verteidigen ODER ich sage, ich bin der Chef und darf ihm alles nach Belieben wegnehmen, weil er sich fügen muss.

    Ich tendiere eigentlich zur ersten Möglichkeit, aber dass dieses Verteidigen eben so weit geht, dass er beißt, das will ich natürlich auch nicht.

    Wenn ich dieses Tauschen mit ihm übe, was muss ich dabei beachten? Wie soll ich damit umgehen, wenn er knurrt und die Zähne fletscht?

    Du schreibst, er hat ja erst gebissen, nachdem er geknurrt hat.
    Wenn man bei Hunden das Knurren nicht ernst nimmt, werden die meisten Hunde als letzten Ausweg zubeissen.

    Zu deiner Meinung: ich bin Chef und darf das, mag ich nichts schreiben, weil ich da anderer Meinung bin. Es kommt aber auch viel auf den Hund und den Hundehalter an.

    Wenn er beim Tauschgeschäft knurrt, dann drehe dich weg. Nehme das ernst. Deinem Hund passt da gerade was nicht.

    Du musst ihm was ganz megatolles anbieten, was er unbedingt haben möchte.
    Wir haben das über Spielzeug auch über zwei die gleichen Spielzeuge geübt. So hat Joka schon als Welpe "Aus" gelernt und lässt alles fallen, was er im Maul hat.

    Wenn dein Picco das macht, "Beute" fallen lassen, dann schieb ihm direkt was ganz Tolles ins Maul. So lernt er: wow, das lohnt sich.

    Aber generell hört sich das für mich alles so an, als ob bei euch die Beziehung nicht ganz so harmonisch ist. Kann das sein?
    Hast du Picco schon, seitdem er Welpe ist?

  • Zitat

    gehört es ihm und er darf es verteidigen ODER ich sage, ich bin der Chef und darf ihm alles nach Belieben wegnehmen, weil er sich fügen muss.


    Wenn die Chefrolle schon in der Hund-Mensch Beziehung definiert werden soll, macht einen guten Chef aus, dass man ihm vertrauen kann.
    Wenn man aber das Futter, dazu noch besonders leckeres, vom Chef vor der Nase weggezogen bekommt, ist das meiner Meinung nach nicht besonders vertrausenseinflössend. :???:

  • Zitat

    Ich finde die Reaktion unangemessen, ich hätte deinen Freund ins Abseits befördert.

    also ich weiß ja nicht...... irgendwie kommt es mir so vor, als stünde der Hund über den menschen!

    Der Hund hat nicht zu beißen!!! Schon garnicht ins Gesicht.
    Was wenn es jetzt ein Kind gewesen wäre?

    Sorry, aber ich finde es geht ein bissle weit.
    Der Hund hatte die Möglichkeit auszuweichen.

    Natürlich sollte man einem Hund, der sein Futter verteidigt nicht zu nahe kommen, aber wenn es doch passiert, hat kein Hund zu beißen.

    Wäre es meiner gewesen, hätte ich nicht den Freund verbannt, sondern ebenfalls den Hund.

    Bitte übe mit deinem Hund, durch tauschen, das er sein Futter nicht verteidigen braucht.
    Und achte darauf, das ihm niemand zu nahe kommt, wenn er leckerlies hat.

    Auch würde ich ihm solche Kausachen nur noch aus der Hand füttern. Hinhalten und knabbern lassen.

    Meine Gute, wenn ich mir jetzt vorstelle, das da ein Krabbelkind "unterwegs" gewesen wäre....

  • Zitat

    also ich weiß ja nicht...... irgendwie kommt es mir so vor, als stünde der Hund über den menschen!

    Meine Gute, wenn ich mir jetzt vorstelle, das da ein Krabbelkind "unterwegs" gewesen wäre....

    Nein, der Hund kommt definitiv nicht über den Menschen!
    Und es war kein Krabbelkind, sondern ein erwachsener Mensch, der die Hundesprache nicht verstanden hat!

    Und: wenn man solch einen Hund hat, lässt man ein Krabbelkind mit Sicherheit auch nicht in die Nähe eines solchen Hundes. Das tut hier wohl auch nichts zur Sache!

    Warst du dabei? Weisst du, ob der Hund Ausweichmöglichkeiten hatte, wenn der Freund mit seinem Gesicht vor des Hundes Gesicht hing?

  • Ich kann tuundto nur zustimmen. Wenn dein Hund bereits vorgewarnt hat und weiterhin so provoziert wird, beißt er. Natürlich sollte im Idealfall ein Hund sich so ziemlich alles (außer Gewalt) gefallen lassen, ohne zu beißen. Was dein Hund in dieser Situation allerdings nur gelernt hat, ist dass selbst Knurren und Zähne zeigen nichts gebracht haben. Das nächste mal wird dein Hund daher wahrscheinlich schon früher zubeißen, denn nur dieses Verhalten hat das vom ihm gewünschte Ergebnis gebracht (dein Freund wird sich erstmal verkrümelt haben).

    Du solltest deinem Freund klar machen, dass man mit solchen Mätzchen auch den freundlichsten Hund irgendwann aus der Reserve locken kann.

    Übt langsam das Hergeben von Dingen. Tauschen gegen etwas Tolleres.

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