Ich verstehe meinen Welpen nicht - sie dreht völlig durch.

  • Hallo zusammen!
    Meine Freundin und ich haben seit genau einer Woche unseren ersten Hund nach Hause geholt (Minja, Border Collie, heute genau 10 Wochen alt). Da wir beide ziemlich unerfahren sind, saugen wir sämtliche Informationen (Bücher, Internet, andere Hundebesitzer...) gierig auf, um unsere Minja möglichst gut verstehen zu lernen. Doch Lücken gibt es immer wieder, daher versuche ich es mal hierüber:

    Eigentlich ist Minja ein sehr lieber Welpe. Sie hat das nötige Vertrauen aufgebaut, lernt schnell und hört auf die Standardkommandos "Komm", "Sitz", "Aus" und "Platz" relativ gut (draußen weniger als drinnen natürlich). Die Leine wird akzeptiert, Gassi wird draußen auch gemacht und die Spaziergänge werden wohl dosiert (10-15 Min.) unternommen. Wenn sie anfängt sich zu kratzen, beißen oder lecken geht´s auch direkt nach Hause, um sie nicht zu überfordern.
    Komisch ist aber, dass sie, kaum zuhause angekommen, total aufdreht und gar nicht mehr zu kontrollieren ist. Sie springt hin und her, knabbert alles an und ist nur durch Spielchen zu beruhigen (wenn die Pausen nicht zu lange andauern). Sie springt dann auch übermotiviert an uns hoch, beißt unkontrolliert fest in die Finger und bestenfalls pinkelt sie auch völlig plötzlich los - sogar auf ihre eigene Decke! Das scheint sie allerdings nicht sonderlich zu stören, vielleicht, weil sie in einer Scheune aufwuchs!?
    Jedenfalls weiß ich dieses Überdrehen nicht zu deuten. Ich habe von Hyperaktivität wegen falschem /zu viel Futter gelesen (sie bekommt laut Packung 160g/Tag Happy Dog medium baby bei 5 Kilo), oder ist sie vom Spazierengehen nicht ausgelastet bzw. überdreht (andere Hunde wühlen sie sehr auf! - Welpenschule soll jetzt begonnen werden), wird sie geistig zu wenig beansprucht (wir "trainieren" spielerisch immer mal wieder nebenbei ein paar Kommandos), oder hat sie das falsche Spielzeug (sie hat 2-3 Beiß-und Zerrspielzeuge wie Teddy, Knoten, Seiltau, wobei sie besonders der kleine Gummiball mit Klingel aufwühlt und daher nur selten zum Spielen gegeben wird), oder ist das einfach auch normal!? Nach dieser Phase ist sie müde und schläft, am liebsten direkt bei uns in der Nähe.
    Sorry für diesen langen Bericht, aber ich denke je mehr Infos, desto wahrscheinlicher ein guter Tipp, oder!?
    Vielen Dank für Eure Antworten!!!

  • Das Verhalten eures Hundes ist normal, Welpen haben in dem Alter des öfteren ihre "wilden 5 Minuten", in denen sie dann abdrehen. Manche bezeichnen das dann ganz treffend als "Welpenspinnen". Das verliert sich mit zunehmendem Alter, wenn der Hund seine Energie anders kanalisieren kann bzw. mit all den Umweltreizen, die auf ihn eindringen, besser umzugehen vermag.
    Es ist nicht ungewöhnlich, dass ein junger Welpe nach dem Spazierengehen erstmal abdreht. Dieses Verhalten könnte man mit dem Baby, das nach einem ereignisreichen Tag abends stundenlang schreit, obwohl es eigentlich (über)müde(t) ist, vergleichen. Es ist in beiden Fällen eine Form von Stressabbau. Es ist schließlich aufregend und anstrengend die Welt zu erkunden ;).

    Nun ist das wilde Herumgetobe zwar normal, aber da ihr einen BC habt, ist eines für den Hund in den ersten Monat wichtig - RUHE lernen. Ja, einige Hunde müssen Ruhe halten und das Herunterkommen regelrecht lernen. Das ist für den Hund wichtig und macht das Leben später für alle Beteiligten angenehmer ;). Denn gerade ein BC - so intelligent er auch sein mag - neigt dazu, zum Adrenalinjunkie zu werden und sich unschöne Verhaltensmacken zuzulegen. Da müßt ihr früh gegensteuern. Ein Welpe braucht noch keine Auslastung in dem Sinne, er muß erstmal seine Umwelt erkunden und kennenlernen (und schon gar, wenn er aus suboptimaler Haltung/Aufzucht stammt). Im konkreten Fall heißt das, keine aufputschenden Spiele (Bällchen oder Stöckchen werfen) mit dem Hund, keine Dauerbeschäftigung (ein Welpe verführt ja dazu, ihn immer wieder zu bespaßen). Wenn der Hund von allein nicht zur Ruhe kommt, dann wäre eine Box - sofern ihr noch keine habt - hilfreich.
    Wie gsagt, ein paar Minuten wildes Rumgetobe sind bei Welpen normal, aber ihr solltet darauf dann nicht mit zusätzlichen Beschäftigungsangeboten eingehen. Das ist kontraproduktiv. Der Hund ist nicht unterbeshäftigt, sondern eher in dem Moment überdreht.

  • Uhhh, sorry, dass ich mich gleich unangenehm daruaf stürzen muß....
    Unerfahren und einen BC?
    Was wollt ihr mit dem Hund mal machen?

    Bietet dem Hund eine ordenliche Rückzugsmöglichkeit und unterbindet das Aufdrehen frühzeitig.
    Wenn Hund sehr aufgedreht ist nach dem Spaziergang, dann war es eindeutig zu viel.
    Welpen können generell nicht einschätzen, wann es zu viel für sie ist.
    Es gibt Anzeichen, die eher darauf hindeuten, dass das Tierchen bereits überfordert ist. Nämlich noch bevor sie sich hinsetzt und nicht mehr weiter mag.
    Ihr habt euch hier für einen Rasse entschieden, die eine sehr hohe und vor allem schnelle Adrenalinauschüttung hat. Das bedeutet, dieses Tier fährt um einiges schneller hoch, als manch anderer Welpe.

    Daher gilt (besonders in den ersten 12 Monaten) Ruhe, Ruhe, Ruhe!
    Je mehr sie fordern, desto mehr Ruhe muß man verordnen!

    Hier ist eine Box das A und O!

  • Nachtrag: Ich hoffe, ihr habt euch schon eingehend mit den rassespezifischen Eigenschaften von BCs beschäftigt, denn diese werden nicht ohne Grund als Hunde an der "Grenze zwischen Genie und Wahnsinn" beschrieben.
    Denn wenn ich lese, dass der welpe im Stall aufgewachsen ist, dann spricht das nicht unbedingt für eine wohlüberlegte Entscheidung mit entsprechender Züchterauswahl. Ein "Stallwelpe" dürfte in vielen Fällen entsprechende Sozialisierungsdefizite mitbringen.

    Bitte das Ganze nicht als Vorwurf verstehen, ich habe selbst einen BC-Mix mit ähnlicher Vorgeschichte. Ich bereue zwar nicht, den Welpen damals mitgenommen zu haben, aber ich würde heute anders an die Hundeanschaffung herangehen. Denn optimale Aufzucht ist definitv etwas anderes. Und BCs haben rassebedingt spezielle Anforderungen - da kann man sich nichts schönreden.

  • Zitat

    Sorry für diesen langen Bericht, aber ich denke je mehr Infos, desto wahrscheinlicher ein guter Tipp, oder!?
    Vielen Dank für Eure Antworten!!!

    Ach ich schon wieder.
    Finde es gut, dass ihr hier Tipps sucht....ABER

    Sinnvoll wäre gewesen, sich VOR DER ANSCHAFFUNG entsprechende Infos zu dieser Rasse zu besorgen.
    Ich will euch wirklich nicht mit Vorwürfen bombadieren.
    Aber solch ein Tier in unerfahrenen Händen....

    Was die HuSchu angeht, klärt ab, ob diese bereits Erfahrungen mit BC haben. Sollte dort mit den klassischen Unterwerfungsmethoden gearbeitet werden - schnell weg da!
    Dieser Hund ist in vielen Punkten mit entsprechendem Feingefühl und Bedacht zu händeln.
    Seine Lernbereitschaft hilft ihm alsbald dabei euch immer einen Schritt voraus zu sein...

  • Hallo!
    Muss mich natürlich meinen Vorrednern anschließen, BC's sind irre anspruchsvoll, aber tolle Hunde, wenn man die Herausfoderung annimmt.
    Zwei Sachen sind mir beim Lesen aufgefallen zum Einen:

    Zitat

    ist nur durch Spielchen zu beruhigen


    da müsst ihr natürlich ganz massiv aufpassen, dass ihr ihr nicht beibringt, dass es für sie positiv ist, wenn sie aufdreht, weil die konsequenz von eurer seite aufmerksamkeit und spielen (also auch spaß) ist.

    Zitat

    hat sie das falsche Spielzeug (sie hat 2-3 Beiß-und Zerrspielzeuge wie Teddy, Knoten, Seiltau, wobei sie besonders der kleine Gummiball mit Klingel aufwühlt und daher nur selten zum Spielen gegeben wird)


    dazu eine frage: hat sie das spielzeug immer verfügbar, oder teilt ihr das ein?

    LG Thylja

  • Da prasselt´s aber auf uns nieder ;)
    Aber auch für Kritik bin ich dankbar, ist oftmals hilfreicher als lobende Worte.
    Also zur Aufzucht muss ich sagen, dass "Stall" vielleicht das falsche Wort gewesen ist. Minja stammt aus einer Liebhaberzucht, bei der die ehemaligen Besitzer selber auch eine sehr gut sozialisierte Mutter haben. Es war auf keinen Fall eine unerfahrene Hinterhofzucht, wie es vielleicht rüberkam. Und uns persönlich war es lieber, einen Welpen von einer erfahrenen und liebevollen Privatzüchterin zu erhalten, als ein Welpen aus einer "Massenproduktion" mit fixierte Karriereplanung bzw. Geldmacherei. Zudem wurde uns als Anfänger auch der ruhigste Welpe empfohlen.

    Und natürlich haben wir uns auch Gedanken über die Rasse und unsere Unerfahrenheit gemacht. Aber Gegenfrage: wenn jemand schon 2 Hunde hatte, die aber völlig verzogen waren - ist dieser dann qualifizierter als ein unerfahrener Neuling, der aber bereit ist, mitzulernen, sich zu informieren und zu arbeiten!? Ich denke, es kommt in erster Linie auf die eigene Motivation und Arbeitsbereitschaft an. Und wir möchten mit unserem Hund "arbeiten" - für einen "läuft neben der Familie mit"-Hund ist ein Border Collie natürlich viel zu schade und überqualifiziert. Aber ich finde es auch gut, dass darauf auch so von Euch geachtet wird, denn jeder verstörte Hund ist einer zu viel.

    Zu Minja selber:
    der Verarbeitungshinweis ist gut. Viele haben hier im Forum geschrieben, dass sie viel draußen waren und anschließend ihre Hunde drinnen total müde erlebt haben. Aber das gilt wahrscheinlich nur für erwachsene Hunde. Minja selber war anfangs draußen in neuer Umgebung schon sehr aufgedreht, daher waren wir auch nur sehr kurz zum Kennenlernen draußen. Drinnen dann war sie aber nicht so wild wie jetzt, obwohl sie nun draußen viel entspannter ist. Das Spielen danach haben wir inzwischen auch abgeschafft - das war wirklich kontraproduktiv. Wir lassen sie ein bißchen toben (total unterdrücken kann auch nicht gut sein), lenken sie ein bißchen ab zum Beruhigen und dann schläft sie auch schnell. Ruhe hat sie auf jeden Fall genug. Diese Phasen sind wie gesagt meist morgens nach dem Aufstehen und kurz nach dem Mittagessen. Die Überschrift klingt wahrscheinlich auch dramatischer als es ist. Das "Runterkriegen" ist nur nicht so einfach. Die Box haben wir und nutzen sie auch, sie soll sie nur nicht als Bestrafungsort ansehen.
    Das Spielzeug haben wir eingeteilt, aber seit dem sie sich draußen etwas länger aufhält und danach die Sache verarbeitet, auch dessen Einsätze stark zurückgeschraubt, um sie nicht zu überdrehen.

    Natürlich werden wir nicht frei von Fehlern sein, aber ich denke, dass man trotz vorherige Infos immer mal wieder vor unbekannten Situationen unvorbereitet stehen wird - wichtig ist aber dann, wie man damit umgeht und reagiert, oder!?

  • Nein, ein Halter, dessen vorherige Hunde keine Erziehung genossen haben, wird auch nicht besser geeiggnet sein, als ein blauäugiger Anfänger. Da gebe ich dir durchaus recht.

    Aber das Attribut blauäugig scheint auf euch ja nicht unbedingt zu zutreffen. Dein jetziger Post vermittelt durchaus den Eindruck, dass ihr gewillt seit, gemeinsam mit und für den Hund zu lernen.

    Was die Box betrifft, kann ich euch nur nahe legen, diese als Hauptschlafplatz für den HUnd in einem getrennten, ruhigen Raum zu wählen.
    Klein Hundi wird sich schnell daran gewöhnen, dass es nach dem Spaziergang noch was zu knabbern gibt - und zwar in der Box.
    Dort kann er dann u.U. 2 - 3 Stunden ungestört durchschlafen. Das ist ganz normal. Und keine Angst, der Hund wird es nicht als bestrafung ansehen.
    Meiner geht immer dort hinein, wenn er seine Ruhe haben will.
    Schläft nachts freiwillig ab ca. 22h dort drin.
    Ich sage "komm, in die Box" er rennt freudig hinein und wartet auf sein Leckerli, wenn ich der Meinung bin, er braucht mal wieder mehr Ruhe.
    Dann legt er sich hin und schläft.
    Mit der Zeit wirst du ein Gefühl für die Bedürfnisse des Tieres entwickeln. Das geht nichtvon heute auf morgen.
    Die Kleine wird dir ganz deutlich zeigen, wie es um sie steht. Es ist an dir, das zu erkennen.

    Hundi wird älter werden und versuchen mehr von euch zu fordern. Diesem Wunsch bitte nur bedingt oder besser gar nicht nachzugeben.
    Klar, werden die Gassirunden auch mal länger. Training für grundgehorsam + zusätzl. Kopfarbeit kommen hinzu.
    Aber bitte alles wohl dosiert und in kleinen verdaulichen Häppchen.

    Sorgt dafür, dass der Hund nach Möglichkeit immer ausgeglichen ist.
    Je mehr ihr ihn puscht, desto mehr wird er verlangen. Und diese Verlangen ist auf Dauer nicht mehr zufrieden zu stellen.
    (Schau z.B. mal bei Boder Collie in Not)
    Der Hund will und muß später arbeiten. Aber erst darf und soll er in ruhe seinem Junghundedasein frönen. :roll:

    Darf ich fragen:
    Warum habt ihr euch für einen BC entschieden?
    Was ist euer Ziel - Hundesport oder hüten?

  • also ein bc ist vermutlich der absolut anstrengenste hund, den es so gibt...
    aber ich kann es verstehen....
    geht mit ihm zur welpenschule, aber bringt ihm auh gleich bei, das ruhephasen superwichtig sind.
    die brauchen bc ebenfalls. ausserdem wird er dann ausgeglichener und muss nicht ständig beschäftigt werden.
    wichtig, wenn er alt genug ist, fordert ihn. nicht überfordern, aber er braicht eine aufgabe.
    bc sind abeitshunde und eigentlich als reine familienhunde eher ungeeignet (wenn schon hütehund, dann wäe ein australien shephard aus einer familien-linie besser gewesen, die sind nicht so anstrengend und müssen nicht so massiv arbeiten wie ein bc, aber gut, zu spät...)
    macht euch, auch im nachinein, schlau über die rasse.

    ich verstehe eure begeisterung vollkommen. habe schließlich selber nen aussi-bc mix. aber meiner war auch schon erwachsen und sein charakter trat deutlich hervor.
    ihr habt euch da eine große aufgabe ins haus geholt...
    aber mit viel engagement und breitschaft hilfe anzunehmen, klappt das schon...
    wünsche euch ein glücklichs händchen und viel spaß..denn faszinierend ist diese rasse auf jedenfall und langeweile kommt nicht auf.

  • Hallo,

    ich habe auch eine Bordercolliehündin und ich würde mich immer wieder für diese Rasse entscheiden.
    Ronja ist mittlerweile schon 10 Jahre alt und sie ist der tollste Begleiter den ich mir vorstellen kann.

    Wichtig war zu Beginn einfach nur ihr klarzumachen, dass es so etwas wie Ruhepausen gibt. Ich musste sie als Welpen sogar in ein anderes Zimmer verfrachten damit sie schläft.

    Bordercollies brauchen durchaus eine Beschäftigung, aber ein zuviel ist nicht gut und leider werden einem von Außen immer wieder falsche Sachen vermittelt.
    Ich kann Dir gar nicht sagen wie viele Border ich sehe, die einfach nicht ausgelastet sind. Die Besitzer sind hilflos, denn sie laufen ja schon drei Stunden am Tag mit dem Hund und werfen auch immer schön Stöckchen oder Bälle.
    Einem Border ist dies zu langweilig und gefordert wird er damit auch nicht, eher das Gegenteil ist der Fall.

    Mach lieber ruhigere Spielchen mit ihr. Versteck Leckerlis oder Spielzeug und lass sie suchen. Lass sie den geworfenen Ball erst holen wenn Du sie losschickst, sprich sie muss sitzen bleiben während der Ball fliegt.
    Viele sagen man soll überhaupt keinen Ball verwenden, ich sag dagegen: wenn man den Ball und den Hund kontrollieren kann, dann ist das kein Problem. Du kannst ihr auch beibringen Dir im Haushalt zu helfen. Sie kann Dir die Schuhe holen, die Kehrschaufel, sie kann einen Teil des Einkaufes tragen, sie kann im Garten abgeschnittene Äste auf den Kompost bringen usw.

    Such Dir eine gute Hundeschule und nehm die Kleine häufig mit, ob ins Restaurant, oder in die Stadt. Sie lernt überall und auch ein ruhiges Liegenbleiben will gelernt werden und ist anstrengend für den Hund.

    Alles in Allem wünsche ich Dir viel Spaß mit Deiner Hündin und wenn Du weist wie Du sie sinnvoll beschäftigen kannst, dann wird einer glücklichen Zukunft nichts im Wege stehen.

    Liebe Grüße

    Steffi

Jetzt mitmachen!

Du hast noch kein Benutzerkonto auf unserer Seite? Registriere dich kostenlos und nimm an unserer Community teil!