bissiger Heimhund Meskaline - was nun?

  • Hallo liebe Dogforum-Community!
    Ich bin schon von klein auf mit Hunden zusammen gewesen, habe aber nun ein Problem, bei dem selbst mein Latein ein Ende findet.
    Ich habe mir aus dem Tierheim eine Hündin geholt, sie heißt Meskaline und ist mir gegenüber der totale Traumhund. Sie ist anhänglich, verschmust, freundlich im Wesen, folgsam, intelligent und verspielt.
    Leider hat sie ihr Vorbesitzer geschlagen und an eine Heizung gekettet. Und sie ist eine Mischung aus Boxer und Schäferhund - also auch schon von den Rassemerkmalen eher auch Schutzhund. Nun scheint es so, dass ihr Urvertrauen gegenüber fremdenMenschen ganz schön gelitten haben zu scheint, denn sie greift jeden Fremden an, der in ihren Nahbereich fasst. Also sie schnappt dann nach der Hand. Besonders Männer findet sie gar nicht gut, wenn ein Mann direkt auf mich zukommt und mich begrüßen will, sie ihn aber nicht kennt, greift sie ihn auch direkt an, so richtig mit knurren, schnappen und anspringen.
    Ich habe jetzt natürlich einen Maulkorb, aber mein Umfeld findet es dennoch verstörend, dass mein Hund schnappt.
    Wenn man sie ihn Ruhe lässt und nicht hinfasst, ist sie ruhig und lieb.
    Ich dachte wenn ich den leuten sage, sie sollen einfach nicht hinfassen bis der Hund sie kennt würde es gutgehen, aber manche Leute fassen eben dennoch hin bzw. Meskaline geht auch auf die Leute zu, leckt ihnen die Hand und wenn die sie dann "falsch" streicheln, also zu ihrem Kopf hin fassen, beißt sie dann sofort ohne Vorwarnung.
    Erst dachte ich sie hat Angst, aber bei anderen Hunden beißt sie auch gleich hin, um sie zu dominieren. Sie scheint also sich eher zu verteidigen, präventiv, lieber gleich dominieren bevor der andere zuhaut.
    Was kann ich da machen?
    Wie kann ich ihr das abgewöhnen? Ist strafen, also Nackengriff bei Agression der richtige Weg?
    HILFE!

  • Zitat


    Wie kann ich ihr das abgewöhnen? Ist strafen, also Nackengriff bei Agression der richtige Weg?
    HILFE!

    Hallo,

    NNNEEEEIIINNN....Bitte, bloß dem armen Wuff nicht auch noch in den Nacken packen...!!!

    Sorry, wenn ich das hier so "rausbrülle", aber das war mein erster Gedanke. Bloß nicht noch mehr tun, was ihr Angst macht. Was Du von der Hündin schreibst, scheint sie schwer traumatisiert zu sein, nachdem was sie erleben mußte.

    Erstmal meien Respekt, daß Du ihr ein Zuhause und damit auch eine Chance gibst.

    Dieses "Problem", das Du mit ihr hast, weg zu trainieren, wird bestimmt ne ganz harte Nuß. Ich bin nicht wirklich ein Hunde-Experte und auch kein Trainer, aber so aus'm Bauch raus würde ich sagen, die Hündin muß lernen, daß Menschen nicht alle gefährlich sind und ihr was Böses wollen. Du solltest intensiv dran arbeiten, ihr andere Menschen "schmackhaft" zu machen. Versuche, sie zu füttern, wenn Euch Leute entgegenkommen. Laß Menschen nur so weit an Euch ran, wie Deine Hündin es noch ertragen kann. Mit einem privaten Trainer an Deiner Seite wäre Dir sicherlich geholfen, der gezielt solche Situationen mit Euch üben kann und Dir zeigt, wie Du Deiner Hündin Sicherheit vermittelst, daß ihr andere nix tun. Ich will hier bei der Angstagression jetzt bloß keine falschen Tips geben. Aber in einem Punkt bin ich mir sicher, den Hund im Nacken zu packen und vielleicht sogar noch zu schütteln oder so, ist garantiert falsch. Sowas passiert mit Tötungsabsicht und das kann nicht das richtige Signal für einen verängstigten, traumatisierten Hund sein.

    Vielleicht gibt es hier noch Experten, die Dir mehr sagen können, aber ich würde mich schonmal mit dem Gedanken vertraut machen, Dir einen guten, privaten Trainer zu suchen, der Dir bei der Problembewältigung hilft.

    Ich freue mich für den Hund, daß Du ihm ne Chance gibst und mit ihm arbeiten möchtest.

    Liebe Grüße und viiiiieeeeel Geduld und Durchhaltevermögen

    BETTY und Ronja

    PS.: Wie alt ist die Hündin eigentlich? Oder hab ich das überlesen...?!

  • Hallo BETTY und Ronja, danke erstmal für eure schnelle Antwort. Meskaline ist jetzt etwa drei Jahre alt. Ich dachte ja auch dass sie erstmal sehen muss, dass Menschen allgemein nicht böse sind, und dass sie einfach Zeit braucht. Aber meine Freunde/Verwandte mäkeln an mir herum dass ich ihr das nicht durchgehen lassen darf, wenn sie Agressionen zeigt, und schimpfen quasi mich aus. Wenn ich ein Abbruchsignal gebe, hört sie ja auch auf, also wenn ich NEIN sage. Ich habe ja schon Hoffnung, weil sie neuerdings ein bisschen knurrt wenn sie beißt, und nicht wie sonst einfach so zuschnappt. Vielleicht greift sie so unvermittelt an, weil sie angekettet war und eh nicht weglaufen konnte. Aber die Rasse Boxer gilt ohnehin als mutig.
    Aber das mit dem "schmackhaft machen" ist echt ne gute Idee. Vielleicht kann ich sie ja mit Futter oder Spielzeug sogar so weit ablenken dass sie "vergisst" anzugreifen. Und wenn ihr jemand ins Gesicht fasst, denk ich manchmal auch schon "selbst schuld". Das läuft so nach dem Schema "Ach ist das ein süßer Hund!" und ich sage dann "Ja, aber bitte nicht anfassen, der beisst. Er mag Fremde nicht." Typische Reaktion "Aber mich wird er doch sicher nicht....au!". :irre:
    Da fragt man sich manchmal schon was das soll.

    Liebe Grüße

  • Finger weg von dem Hund!

    Gewöhn sie an den MK und sag den Leuten mehr als deutlich, sie haben sie NICHT anzufassen!! Und mit deutlich meine ich deutlich!! Und es ist sowas von egal, was andere Leute sagen! Die halten mehr als schnell die Gosch, wenn sie plötzlich den Hund im Arm haben...

    Als zweites würde ich mich morgen hinhocken und einen Trainer suchen und zwar einen guten der mit solchen Hunden Erfahrung hat und nicht über die alte Schiene arbeitet!

    Lee war auch so ein Hund, kein drohen, sofort zupacken. Mittlerweile geht es (wir arbeiten seit fast 3 Jahren dran). Sie hat wieder gelernt zu drohen und ich hab gelernt sie rechtzeitig aus Situationen zu holen. Sie knurrt immer weniger, die meisten Menschen ignoriert sie (oder sie findet sie toll, aber das sind nicht so viele).

    EDIT: Das mit "selber Schuld" vergiß ganz schnell wieder. Wenn sie einen beisst und der ne Anzeige macht, seit ihr 2 dran (Du und dein Hund)! Und sie darf einfach nicht beissen, du mußt so weit absichern, das sowas nicht geht. Ich weiß, das ist scheiße, aber besser als ein riesen Theater wegen einem Hund der nen Menschen gebissen hat!

  • Lee war auch so ein Hund, kein drohen, sofort zupacken. Mittlerweile geht es (wir arbeiten seit fast 3 Jahren dran)

    Wow! Das klingt doch gut! Was habt ihr denn gemacht? Hattet ihr nen Trainer? Ist denn sowas teuer? Als Student hatte ich eher überlegt in einen Hundesportverein einzutreten und mit Agility o.ä. den Kontakt zu dem Hund so gut einzupendeln dass ich rechtzeitig merke wen sie nicht mag und sie dann gleich so zu stellen, dass sie nicht springen und angreifen kann. Denn bestimmten Menschen gegenüber ist sie lieb (Frau, klein, hohe Stimme), andere Typen geht gar nicht (Mann, groß, Sonnenbrille). :schockiert:

  • Zitat

    Denn bestimmten Menschen gegenüber ist sie lieb (Frau, klein, hohe Stimme), andere Typen geht gar nicht (Mann, groß, Sonnenbrille). :schockiert:

    Wie Lee. Das hat sie bis heute behalten, also ihre Probleme mit Männern. Frauen waren noch fast nie ein Thema, außer ganz am Anfang...

    Ja wir hatten eine Trainerin. Allerdings erst gegen später. Den Anfang hab ich alleine gemacht. Ich denke, mit Trainer von Anfang an wäre es einfacher gewesen.

    Wie hab ich mit ihr gearbeitet :???: Ins Detail will ich eigentlich nicht gehen. Nicht wegen Dir, sondern weil das der passende Weg für diesen einen Hund war und ich nichts davon halte, sowas auf andere Hunde zu übertragen. Das geht von mir aus bei einem Hund der ins Haus pinkelt, aber nicht bei einem der beisst!

    Grob zusammengefasst: Gewöhnung an Menschen in der Entfernung (da war das Dorf praktisch). Solange sie ruhig war loben, Entfernung nur langsam verringern. Nach ca. 6 Monaten gingen dann Gespräche mit mir (meine HP ist doch zu was gut *g* So kann ich die Zeit nachlesen...). Anfassen ging nicht und das war auch ok so. Sie hat sich nach einiger Zeit entspannt und wurde für Kontaktaufnahme gelobt. Heute entscheidet sie selber, wer darf und wer nicht. Darf einer nicht, geht sie mittlerweile hinter mich. Allerdings fehlt ihr immer noch die Führung durch mich, woran wir aber arbeiten ;)

    So Dinge wie Agi kannst Du u.U. machen, um eure Bindung zu verbessern. Aber ich finde, euer Schwerpunkt sollte wo ganz anders liegen...
    Verein ist so ne Sache. Du hast da einen Problemhund. Und wenn der Verein ist, so wie ich es kenne (und ich bin auch in einem mit dem ich auch vollkommen zufrieden bin), dann ist da nur kurz Training oder in der Gruppe. Ihr braucht aber Privat-Training. Du mußt lernen, wie Du mit ihr umgehen mußt und kannst. Und sie muß lernen, Vertrauen in Dich zu haben. Soviel das sie Dich die Situation regeln läßt (wozu auch zählt, das sie keiner anfasst, wenn sie es nicht will!!).

    Privattrainer sind fast immer teurer, als ein Verein oder eine HuSchu..

  • Ich habe auch zwei Hunde mit Vorgeschichten! Die Kleine ist die ängstlichere davon! Ich habe sie von Anfang an nur mit positiver Bestärkung versucht zu motivieren. Und da sie ebenfalls niemanden an sich heran lassen wollte, vor Allem keine Männer, haben wir das in aller Ruhe geübt!

    Mein erwachsener Sohn zB. durfte sich kaum bewegen, sie knurrte und verbellte ihn sofort. Mittlerweile läuft sie zu ihm hin und lässt sich Leckerchen geben und streicheln!
    Bei ihm hat es übrigens mit striktem Ignorieren und positiver Zuwendung meinerseits dann, funktioniert. Ich habe ihr das tatsächlich in den höchsten Tönen auch schöngeredet (Leckerchen funzen dann bei ihr nicht!). Sie reagiert da sehr gut drauf, das hat also geklappt! Aber, das kann man wirklich nicht auf alle übertragen!

    Deine Hündin reagiert anders, allerdings finde ich es schon super, dass sie auf Dein Abbruchsignal hört! Das ist ein gutes Fundament. Im Übrigen finde ich, dass sie schon eine ganze Menge gut macht! Ich würde sie auch erstmal nicht zu anderen Leuten hinlassen, von wegen des unverhofften Zupackens dann! Sie muss nicht von allen immer gestreichelt werden. Und man kann den Leuten, die häufiger kommen, schon klar machen, dass der Hals/Kopfbereich tabu ist! Das wird mit der Zeit auch kommen, aber erstmal muss ihre Distanz, die sie braucht, gewahrt bleiben!

    Weil meine Beiden so niedlich zusammen aussehen, und die Kleine alle dazu anregt, hin zu gehen, und sie streicheln zu wollen, musste ich da auch härter durchgreifen! Viele haben mich eingangs auch nicht ernst genommen! Also musste ich das deutlicher klar machen! Das geht auch! Mittlerweile hat sich mein Besuch daran gewöhnt sie in Ruhe zu lassen, und...nun kommt sie langsam von selbst an! Aber das hat gedauert!

    Ich würde in Deinem Fall auch einen Trainer in Betracht ziehen, ich bin auch in einer HuSchu mit meiner Mausi, aber auch erst seit kurzem, vorher habe ich ihr erstmal die Zeit u. Ruhe geben, sich hier bei uns einzugewöhnen. Aber die HuSchu ist meiner Meinung nach in Deinem Fall auch erstmal nicht das Richtige!

    Laß Dich bitte von den lieben Verwandten u. Freunden nicht verunsichern! Sie haben keine Ahnung, wovon sie da sprechen. Einen ängstlichen Hund verunsichert man mit solchen Methoden nur noch mehr, am Schluß hast Du dann einen richtigen Beißer da...

    Nein, Du musst da mit unendlich viel Ruhe, Geduld, Zeit und noch mehr Liebe ran gehen! Sie muss wissen, dass sie Dir unter allen Umständen vertrauen darf und kann, und das dauert seine Zeit! Das geht nicht von heute auf morgen, dass kann ein Jahr und länger dauern!

    Aber es ist zu schaffen! Ich freue mich über jeden Erfolg meiner Kleinen wie Bolle und wir sind beide superstolz dann, sie auch, dass kann man richtig sehen!

    Viel Erfolg, Steffi

    Achja, sie ist nun fast ein dreiviertel Jahr bei uns, und ich habe anfangs niemanden, wirklich niemanden an sie heran gelassen! Mittlerweile hat sie soviel Vertrauen in mich, dass ich für die Situationen regele, dass sie viel ruhiger geworden ist! Fremde sind jedoch immer noch ein Nogo für sie, und ganz ehrlich, das ist auch gut so! Sie muss sich nicht von allen betatschen lassen!

  • Zitat


    Wie kann ich ihr das abgewöhnen? Ist strafen, also Nackengriff bei Agression der richtige Weg?
    HILFE!

    Nein.....strafen ist bei Angstaggression nie angebracht.

    Der Maulkorb ist ja schon mal gut......auch wuerde ich dir zu einem guten Hundetrainer raten der mit Dir und der Huendin arbeitet damit die Huendin versteht das sie dich a) nicht verteidigen muss (dabei untergraebt sie ja auch deine Autoritaet) und ein Hundetrainer kann Dir zeigen wie die Huendin langsam an Menschen rangefuehrt werden kann damit sie mehr Vertrauen und/oder Gleichgueltigkeit aufbauen kann.

  • Hallo!

    So einen Pflegehund hatte ich auch mal. Erstens fände ich ganz wichtig das deine Bekannten die Situation akzeptieren, ganz ehrlich wie kommt man darauf einen Hund streicheln zu wollen wenn einem gasagt wird das er beisst ??????? Hab die Erfahrung aber auch gemacht, hab mich eine Zeitlang quasi zwischen Hund und Mensch "geschmissen" um böse Vorfälle zu vermeiden.
    Bei uns hat es ganz gut geklappt das er damals gelernt hat das fremden Leuten immer tolle Sachen vorausgehen. So musste meine sämtliche Bekanntschaft immer in Abstand an uns vorbeigehen und Leckerchen schmeissen (nicht aus der Hand geben!!!!!!!) So hat er dann irgendwann verknüpft das fremde Menschen doch was gutes sein können. Mittlerweile ist er bei seiner neuen Familie und es klappt alles relativ gut.
    Natürlich kann man das nicht verallgemeinern aber vielleicht dient es dir zum Denkanstoss.
    Ach ja, und bitte den Hund in so einer Situation nicht strafen, das macht alles nur schlimmer.

    Viele Grüße

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