Ohne Vorwarnung zum Angriff

  • Hallo an Alle,

    gestern Nachmittag hatten wir einen unglückliches Zusammenprall zweier Hunde.
    Während ich mit meinen Hund beim Abliegen war, arbeitete meine Partnerin mit ihrem Mischling die Übungen der BH ab. Da ihr Hund gegenüber anderen Hunden nicht unproblematisch ist, darf er die Übungen nicht ohne Leine machen. Deshalb wird er immer über eine zweite bzw. Schleppleine abgesichert. Die Übungen liefen absolut super ab.
    Erst als eine andere Hundeführerin mit Ihrem Boxer am Rande des Platzes zu ihrem Auto laufen wurde, passierte es. Sie rief Tschüß zu uns rüber, die auf dem Hundeplatz arbeiteten. Unsere Trainer drehten nur kurz den Kopf zu ihr und da startete dieser Hund durch. Ohne Vorwarnung ohne irgendwelche Aneichen bis zum Boxer.
    Dieser ist natürlich erschrocken und knurrte. Das fand der Mischling nicht toll und biss sich im Boxer fest - und ließ trotz Befehlen nicht aus.

    Endlich ließen sie dann von einander ab - da war die Lefze des Boxers durchgebissen.
    Leider konnte die Trainerin den Hund trotz abgesicherten Leine nicht stoppen - da es sogar für sie so unerwartet gekommen ist - ihr die Leine die Hände verbrannt hat und sie dann losgelassen hat.

    Wie sollen die Trainer mit diesen Hund richtig umgehen?
    Da ich selbst zu den jungen Trainern dieses Vereins gehöre, würde ich gerne wissen, wie kommt man mit diesem Hund klar? Und wie können wir solche Situationen möglichst vermeiden?

    Wir arbeiten schon nur mit 2 Hunden auf dem Platz - und nur Hunde die er kennt.
    Klar kann man sagen, die Hundeführerin mit dem Boxer hätte nicht so dicht am Platz laufen sollen, oder der Boxer hätte nicht knurren sollen - aber das ist nicht das Problem. Das Problem ist eindeutig der Hund bzw. seine Hundeführerin.


    Bitte um mögliche Lösungsvorschläge

  • Da eine pauschale Antwort zu geben ist schwer.....wenn ich mit Hunden arbeite die ein hohes Aggressionspotential anderen Hunden gegenueber haben arbeite ich grundsaetzlich erst mal alleine mit dem Hund an der Unterordnung und der Grundgehorsam.
    Wenn das sitzt (und erst dann) arbeite ich mit ihm ihm Beisein anderer Hunde. Er muss andere Hunde nicht moegen (manche Hunde haben eben eine niedrige Toleranz anderen Hunden gegenueber) aber er muss lernen das (unprovozierte) Uebergriffe absolut unerwuenscht sind und nicht geduldet werden vom Fuehrer.

    Den Hund grundsaetzlich nur 1-2 (ihm bekannten) Hunde auszusetzen die er kennt und toleriert lehrt ihm ja nichts, da das spezifische Problem nicht angesprochen wird.

    Zitat

    ...endlich liessen sie voneinander ab - da war die Leftze schon durchgebissen

    Sie liessen von selbst voneinander ab oder ihr habt sie getrennt? :???: Wie lange dauerte die Beisserei denn?

  • Hi zusammen,

    meine Ideen: Leine ist schon mal gut. Dazu evtl. Maulkorb (für den Fall des Losrennens, damit nicht nochmal eine Verletzung riskiert wird), den dürfte ein solcher Hund ja gewöhnt sein - wenn nicht, schleunigst nachholen, ohne auf die Straße zu gehen ist momentan zu riskant. Nicht wieder abbauen, bevor nicht das Problem gelöst ist!
    Dann: mal mit einem fremden Hund (ist es ein Rüde, dann erst mal eine Hündin nehmen und umgekehrt, vielleicht hilft das?), dann mit zwei fremden Hunden üben, also nach und nach Ablenkung /Reiz steigern.
    Und: nächstes Mal HANDSCHUHE für die Sicherungsleine - das Standardrezept für Schleppleinen schlechthin, dann brennt nix mehr....
    Dazu auch außerhalb des Platzes (und evtl. außerhalb der normalen Trainingszeiten, da hier dann nur die 1-2 Hunde da sind, mit denen man vorerst arbeiten will - Risikominimierung, und weniger Ablenkung) Training mit eingeweihten "Spaziergängern", also die Situationen stellen, die seine Reaktion hervorrufen - aber erst mal mit Abstand vorbeilaufen, dann etwas weniger Abstand, immer so weit weg wie der Hund noch ruhig bleibt (da hilft nur austesten, welche Entfernung er in dem Moment akzeptiert) und dann auch super loben, Leckli etc. Aber auch hier immer abgesichert üben.
    Und IMMER bei Toben, Knurren etc. deutlich zeigen, daß das Verhalten nicht erwünscht ist: "Nein" und weitergehen/-machen, ansonsten ignorieren. Wie verhält sich denn der Hundeführer sonst: Hast Du den Eindruck, er ist da konsequent genug, führt der Hund Anweisungen etc. grundsätzlich aus? Evtl. ist der Hundeführer durch das Gezeter einmal überrascht worden und hat jetzt einfach nur Angst vorm nächsten Vorfall - und genau das (Angst, Anspannung) merkt der Hund, wird ebenfalls unsicher ("Frauchen/Herrchen hat Angst, da muß was Gefährliches kommen") und geht prompt wieder vorwärts - hab ich auch schon erlebt bei uns in der HuSchu! D.h. Hund wird evtl. in seiner Unsicherheit durch die des Halters bestärkt.
    Vielleicht hilft Dir ja die ein oder andere Überlegung weiter.
    Viel Erfolg!
    LG
    BieBoss

  • Hallo,

    wie reagiert der Hund denn an der kurzen Leine auf Artgenossen? Kommt Deine Lebensgefährtin da an anderen Hunden vorbei ohne dass der Mischling Aggression zeigt?

  • In der Hundeschule, in der ich bin, wird zu Anfang weniger über Gehorsam gemacht, sondern an der allgemeinen Kommunikation gearbeitet. Also zuerst, den Hund genau lesen lernen. Die ganz kleinen ersten Anzeichen erkennen, wenn der Hund beginnt Stress zu zeigen, sich anzuspannen etc. und dann reagieren. Reagieren in dem Sinne, dass die Aufmerksamkeit des Hundes auf den Halter gelenkt wird, aber auch, dass man ihn z.B. durch größere Distanz/Richtungswechsel aus der Situation holt. Ziel ist erstmal nicht das Befolgen von Kommandos, sondern dass der Hund sich am Besitzer orientiert und sich auf dessen "Führung" einlässt. Anfangs in Einzelstunden und in relativ ruhiger Umgebung außerhalb des Hundeplatzes. Wenn bereits ein gutes Zusammenspiel da ist, nimmt der Hund (im Zweifelsfall mit Maulkorb) am Rande des Platzes langsam am Unterricht Teil. Ein Trainer ist in den ersten Stunden nur für dieses Gespann da und begleitet. Es geht dabei immer noch nicht um das korrekte ausführen der Übungen, sondern nur darum, dass der Hund auf seinen Halter konzentriert bleibt und möglichst keinen Stress hat. Ganz langsam kommt dann die Integration in die Gruppe und wenn gewünscht dann auch z.B. Begleithund-Prüfung und ähnliches.
    In meiner Hundeschule geht es aber in erster Linie um Alltagstauglichkeit, nicht darum, bestimmte Kommandos möglichst perfekt zu beherrschen.

  • Hallo ,

    das Verhalten dieses Hudnes ist krass. Er hat nicht auf andere Hunde loszugehen und schon gar nicht, sich in diese zu verbeißen. Der Faru mit dem Boxer fällt keine Schuld zu.

    Ein Hund, der sich so verbeißt, hat ein großes Problem. Man nennt das auch Beißen nach Kampfhundmanier, da der Hund nimmer los lässt. Hier dürfte bei mir der Hund nur noch mit Maulkorb rumlaufen, denn dieser Hund ist schlichtweg gefährlich. Wieso dieser eine BH machen soll, ist mir ein Rätsel. Er ist schlichtweg nicht BH tauglich.

    Hier braucht es einen erfahrenen Hundetherapeuten, der sich mit solchen Hunden auskennt. Wieso der Hund angeblich angeleint überhaupt weg konnte, bleibt mir auch ein Rätsel.

    So hart es klingt, dieser Hund ist verhaltensgestört. Ein normaler Trainer wird das schwerlich in den Griff bekommen. Da ich solche Fälle kenne und weiß, dass man diese auch wieeder hinbekommt, kann ich sagen, dass es geht. Ich weiß leider nur, dass man dazu sehr professionelle Hilfe braucht.

    Aber ohne Maulkorb geht da nix mehr und als erstes würde ich den Blickkontakt üben.

    LG Schopenhauer

  • Zitat

    So hart es klingt, dieser Hund ist verhaltensgestört.


    Naja....so einfach stellt man keine solche Diagnose. Von "verhaltensgestoert" konnte ich aus dem Ausgangspost nichts rauslesen ;)

  • Zitat

    Naja....so einfach stellt man keine solche Diagnose. Von "verhaltensgestoert" konnte ich aus dem Ausgangspost nichts rauslesen ;)

    Wenn ein Hund grundlos auf einen anderen Hund los geht, ihm die Lefzen durchbeißt und nicht mehr los läßt, ist er schlichtweg verhaltensgestört.

    Den Boxer trifft keine Schuld, der andere Hundeführer muss da aufpassen, und wenn man weiß, was der Mischling tut, braucht er einen Maulkorb und jemand, den ihn zu 100% festhält. Da läuft was sehr falsch, was ich von hieraus nicht beurteilen kann. Aber ich weiß, dass man so einen Hund ändern kann.

  • @Schopenhauer

    So schnell ist ein Hund nicht "verhaltensgestört". Der Hund, um den es hier geht, hat ein unerwünschtes Verhalten gezeigt und ist damit unglücklicherweise auch zum Erfolg gekommen, so dass befürchtet werden muss, dass so etwas wieder passiert. Jetzt gilt es doch erst einmal herauszufinden, WARUM der Hund so agiert hat (schlechte Erfahrungen, mangelnde Sozialisierung?). Mit dem Begriff "verhaltensgestört" wäre ich auf jeden Fall sehr vorsichtigt.

    Schöne Grüße Simone

  • hallo,
    was mir nicht wirklich klar ist, wenn ich es richtig verstanden habe, dann war der hund an zwei leinen gesichert, oder? wie konnte er dann so durchstarten?
    aber das ist eine ganz andere geschichte.

    ich arbeite mit meinem hund so, dass er keinen sichtkontakt mehr bekommt, wenn er fixiert, oder unsicher wird. ich drehe ihm raus, laufe eine kleine schleife in die andere richtung und lenke die aufmerksamkeit des hundes wieder auf mich. dann gehts mit der jeweiligen übung weiter.

    mein rüde startet ja auch gern mal los, wenn außen am zaun zu viel los ist, oder ein neuer hund in unsere gruppe kommt. aber er hätte keine chance, dass er sein vorhaben durchsetzen könnte. der versuch wird sofort unterbunden. ich führe ihn an einer 3 meter fettlederleine von 1,5 cm stärke.

    wenn ich ihn ablege, von ihm weggehe und ihn abrufe, sichert mein trainer ihn auch ab. ich würde meine leine nicht fallen lassen, wenn ich nicht sicher wäre, dass mein trainer nicht schläft. obwohl der hund immer wie ein geölter blitz auf mich zugerannt kommt, war mir die absicherung einfach wichtig, weil ein neuer hund in der gruppe war.

    es ist einfach schade, wenn halter und trainer "schlafen" und der hund so einen erfolg dadurch hat. ich hoffe, dass mir sowas nie passiert - egal, ob meiner der angreifer ist, oder ein anderer meinen angreift.

    gruß marion

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