Deckentraining - wie aufbauen?

  • Du hast inhaltlich geschrieben, dass ich trainiere angestarrt zu werden. Und das ist inhaltlich schlicht falsch.


    Klar kann man einen Border Collie über Eingrenzung recht schnell beeindrucken. Dieser Hundetyp ist darauf selektiert das gut zu schlucken. Darauf basiert ja meistens die komplette Ausbildung. Also wurde darauf auch seit vielen Jahren selektiert. Bei anderen Hunderassen führt das ausschließliche Korrigieren und üben über Frust allerdings nicht selten dazu, dass sich alles sehr hochschaukelt. Pudel kommen damit oft schlecht klar.


    Abgesehen davon ist es logistisch schwierig mit blocken und maßregeln zu arbeiten, wenn der Hund direkt neben einem zur Ruhe kommen soll. Das geht nur, wenn ich Distanz zwischen mir und dem Hund haben will, denn ein weiterer Faktor, den man bei dieser Methode nutzt, ist ja der Entzug der Nähe.

  • Du machst dir alles wie es dir gefällt oder? Nirgends!!! Steht das du fürs anstarren belohnst. Da steht ICH möchte eines nicht das ich angestarrt werde weil die Erwartung da ist, dass ein Keks kommt.

    Wer redet außerdem vom Border Collie? Ich nicht, ich habe durch aus schon andere Hunde bei mir gehabt und im Training als Border Collies 🙄.

  • Erstmal: allen danke für den Input und die vielen Herangehensweisen! Mir hilft das enorm, die Gedanken zu sortieren und für mich auch die to-dos im Kopf abzulegen, um final zu schauen, was davon am besten zu meinem Hund passt. Unser Welpe fährt schon sehr auf Leckerchen ab, das ist einerseits toll für mich, denn so lief das Training bisher in allen Belangen wirklich gut ab, aber er neigt dann auch dazu, zu aufgeregt zu werden - deswegen werde ich so einen "Mittelweg" anstreben, nicht ganz ohne Leckerchen, aber eher "langweilig", wie dagmar sagt, und ruhig auf die Matte legen, wie paws. Merke ich, dass er selbst das zu aufgeregend findet, dann lasse ich es weg.


    Und bei allem versuche ich selbst gut Zen zu sein. Das ist eh das schwierigste :ugly:

    Es soll ja schon fair bleiben aber wenn zb Besuch kommt ist es auch mit 4-5 Monaten kein Thema die Zeit auf der Decke zu verpennen.

    Das ist komischerweise auch wieder kein Problem bei ihm. Neulich kam die Schwiegermutter vorbei und nachdem er sie begrüßt hatte, ist er auf seinen Liegeplatz getappert (ohne, dass ich was sagen musste), hat sich hingelegt und war für den Rest des Besuchs weg. Ich glaub, sie war schon fast etwas traurig, dass er ihren Besuch so komplett "verpennt" hat :woozy_face:

  • Ich war gestern abend das erste Mal mit meiner Hündin in einem Restaurant, allerdings im Außenbereich. War für`s üben optimal und es war gestern abend noch so schön warm.


    Man hat uns einen Tisch etwas am Rand gegeben. Der Hund konnte sich neben dem Tisch auf seine Decke legen, hat aber die erste Zeit natürlich in der Gegend herum geschaut und geschnüffelt. Aber alles völlig ruhig und unaufgeregt.


    Nach einer knappen Stunde lag mein Hund unter dem Tisch zwischen unseren Füßen und hat geschlafen. Wir haben sie einfach so gut wie gar nicht beachtet. Nur, wenn jemand dicht am Tisch vorbei gegangen ist oder die Bedienung kam, haben wir auf sie geguckt und ggf. die Leine etwas kürzer genommen.


    Ich war richtig stolz; für das erste Mal als Hund mit territorialem Verhalten einfach nur super gemacht :partying_face:

  • Ja, du hast recht.


    Ich vergesse manchmal, wie "schwierig" die ersten Monate waren, wie oft ich den Hund bereut habe, wieviel Tränen vergossen wurden ...


    Wir haben schon soooooo viel erreicht und ich denke, meiner Zara gehts ganz gut hier :bindafür:

  • Richtig, richtig toll :smiling_face_with_heart_eyes: sowas wünsch ich mir für unseren Zwerg auch, ich will ja in erster Linie, dass er bei all dem keinen Stress hat, oder so wenig die möglich. Drücke euch weiter die Daumen, dass alles so gut läuft!

  • Wir haben es erst relativ spät mit dem Zweithund geübt, weil er in seinem ersten Lebensjahr gesundheitliche Probleme hatte (Vorhautentzündung und Bauchschmerzen), weswegen er sich öfter mal umbetten musste, weil ihm der Untergrund z.B. zu hart / kalt / warm war.


    Als diese Sachen weg waren, haben wir es mit dem Junghund wie mit dem Ersthund gemacht:

    Neben unserem Esstisch (so 2-3m entfernt) sind die Hundekörbchen.

    anfangs wurden die Hunde, wenn sie gefüttert waren und unser Essen auf dem Tisch stand, zu den Körbchen geführt und motiviert, rein zu gehen. Ruhiges Lob. Dann haben wir uns unserem Essen zugewandt.

    Das "bleib!" kannten sie, haben wir aber erst mal nicht dazu gesagt.


    Wenn sie dann wieder rausmarschieren wollten (was sie natürlich tun wollten...), haben wir sie wieder ruhig hingebracht, oder, wenn wir es früh genug erkannt haben, "bleib" gesagt.

    Wir waren da einfach super konsequent und immer ruhig. Ein "na gut, dann geh halt raus!" gab es nicht, das hätte alles kaputt gemacht.


    Da unser Ersthund (der das natürlich schon früher gelernt hat) bei Futter steil geht, machen wir solche ruhigen Sachen komplett ohne Futterbelohnung.


    Unsere Hunde sind recht sensibel und lernen (finde ich) recht schnell. Deswegen hat es eigentlich nicht wirklich lange gedauert, bis sie verstanden haben, dass sie während unseres Abendessens in den Körbchen bleiben sollen. Sie haben sich dann auch sehr schnell entspannt und gepennt.

    Raus dürfen sie erst nach dem Auflösesignal.


    Die Zeitspanne war von Anfang an recht lang, aber uns hat in die Karten gespielt, dass es eine ruhige Situation war, wir sie automatisch ignoriert haben, weil wir gegessen haben, und die Hunde selbst satt waren.

    Ich bin kein Fan davon, Deckentraining in künstlich arrangierten Situationen zu machen und von einer Sekunde zu steigern, sodass man dann nach 10 Jahren vielleicht bei einer Stunde ist (überspitzt formuliert). Wir haben einfach überlegt, wann im Alltag eine Atmosphäre herrscht, in der es den beiden ohnehin nicht schwer fällt und haben dann darauf aufgebaut.


    Dann haben wir als nächsten Schritt das Ganze mal bei Besuch gemacht oder zu anderen Tageszeiten, z.B. wenn einer von uns den Boden wischt. Hat auch geklappt.


    Dann wurde das auf andere Decken etc. übertragen.


    Letztendlich würden sie es sicherlich in einem Biergarten nicht schaffen, einfach ohne Leine auf der Decke zu liegen, wenn andere Hunde vorbei laufen etc. Aber das haben wir nicht geübt und haben wir auch nicht vor, weil diese Situation bei uns einfach sehr selten ist.


    Sie wissen aber durch diese ganzen Trainingssituationen, dass sie Pause haben und nichts passiert, sobald eine Decke im Spiel ist. Dann nutzen wir halt eine Leine, damit sie sich nicht doch mal unbemerkt davon stehlen...


    Aber: So einfach unser Pudel war und ist: Er hätte es im Alter von Eurem Hund glaube ich noch nicht geschafft, auf Kommando so lange auf einer Decke zu bleiben.

    Wir hatten ihn aber damals schon regelmäßig im Restaurant dabei und ab dem Zeitpunkt, an dem die Decke lag, ignoriert. Er hat auch keine Kaustangen, Spielzeuge etc. bekommen. Nur Wasser stand bereit. Eigentlich hat es auch gut geklappt, dass er sich recht schnell auf die Decke gelegt hat. Aber das war ohne Kommando und ohne Erwartung unsererseits. wir haben uns einfach gefreut, wenn es geklappt hat.

  • ...was mir zu dem Thema noch eingefallen ist:

    Letztendlich geht es um zwei Dinge: Dass der Hund lernt, auf der Decke zu bleiben - und dass er lernt, dass es Situationen gibt, in denen er Pause hat und sich optimalerweise entspannen soll.


    Mit unseren Hunden mache ich es so, dass ich immer, kurz bevor ich mich einer Tätigkeit zuwende, die zu 100% meine Aufmerksamkeit erfordert und bei der ich die Hunde auf keinen Fall beachten werde, "Pause" sage.

    Naja, mit unserem Ersthund habe ich damit zu spät angefangen, er ist auch ein "wenig" penetrant und anhänglich. Er hat das mit seinen 11 Jahren nicht mehr so gut gelernt (aber er bleibt sicherer und länger auf seinem Platz und schläft dann dort).


    Aber der Pudel kennt es von Welpenalter so und hat das wirklich verknüpft. Er weiß, wenn ich "Pause" sage, gibt es für ihn nichts: keine Aufmerksamkeit, nichts zu tun, usw. Wenn er z.B. neben meinem Schreibtisch sitzt und mich erwartungsvoll ansieht, sage ich "Pause", er dreht um und marschiert in sein Körbchen oder auf einen anderen Liegeplatz und legt sich.


    Normalerweise soll man Hunden ja immer sagen, was sie stattdessen tun sollen. Ich weiß gar nicht mehr, ob ich das getan habe und ihn anfangs nach dem Wort "Pause" auch ins Körbchen geschickt habe (ich glaube nicht, weil "Pause" ja auch draußen oder sonstwo stattfinden kann).


    Ich nutze das Kommando auch, wenn ich z.B. den Ersthund streichle, mich auf der Straße mit jemandem unterhalte usw.

    Er setzt sich dann hin und wartet.


    Ich glaube insgesamt, dass er das Wort weniger mit einer Aufforderung, etwas Bestimmtes zu tun verknüpft hat, sondern eher als Ankündigung eines Zustands, der gleich eintritt. Wie auch immer: Es funktioniert und ist eines unserer hilfreichsten "Kommandos" (ich nenne es jetzt einfach mal so, ist ja egal).

  • Das find ich auch noch richtig gut! Ich arbeite im Home Office, deswegen gibt es hier eben auch feste Zeiten an denen ich absolut nicht verfügbar bin. Er erkennt das auch an und hängt mir nicht auf der Pelle, schläft oder spielt, je nach Laune, in diesen Zeitphasen, die er auch schon gut verinnerlicht hat. Ich werd das sicher auch mit implementieren, sodass es einen Universal-Begriff gibt von "es passiert jetzt nichts, und du kannst entspannen."

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