Reizoffener Junghund

  • Bzgl drinnen nicht zur Ruhe kommen: Natürlich schwer, man man draußen seine Energie nicht loswerden konnte, aber drinnen nix darf. So quasi.


    Wie äußert sich denn das "Nicht zur Ruhe kommen" tatsächlich?


    "Ruhe halten können" als wichtige Lektion, heißt nicht scheintot im Eck liegen, sondern eher "Es gibt nicht den ganzen Tag Aufmerksamkeit für Hund, oder Extraprogramm und Langeweile ghört auch mal zum Leben und man muss sich nicht das Hirn weg spielen oder 6790 Runden durch die Wohnung fetzen und wir üben auch nicht dauernd was", aber dazwischen sind junge Hunde trotzdem immer mal mehr, mal weniger aktiv.


    Vielleicht, was ich so reininterpretier, ist da einfach die Erwartung zu hoch oder das Bild vom Junghund bei allen anderen daheim eines, das gar nicht stimmt.


    Die Schlafphasen beim Junghund sind nimmer die eines Welpen, der Bewegungsbedarf steigt und ja klar, Pubertät kann auch seltsame Knoten Kopf machen und man sich mal denken "Äh, wer ist dieses Tier da in meiner Wohnung", aber vielleicht, ganz vielleicht, weil ich nicht dabei bin sondern nur Bilder im Kopf vom geschriebenen Wort krieg, ist eigentlich eh alles in Ordnung nur weniger Perfektion tät gut und mehr Bewegung.


    Bzgl. reizoffen, weil das so ein Modewort geworden ist und gefühlt jeder Ersthundehalter es nach 3 Wochen kennt, bin ich ja grundsätzlich meist mal skeptisch. Reizunempfänglicher Hund wär auch doof.

    Dass ein junger Hund der Welt nicht nur top souverän begegnet, mal was nicht einordnen kann, mal kurz mit was Stress hat, mal überdreht, mal ausprobiert, mal hüpft, mal springt, mal rast wie vom wilden Affen gebissen, mal den Fußball da hinten oder das laufende Kind totaaal spannend findet und nicht immer weiß wohin mit Aufregung find ich eigentlich recht normal. Die Menge machts, ab wann es irgendwann nimmer so normal wär, denk ich.

    Ich find halt nicht, dass man automatisch in "problematischeren" Kategorien denken muss. Junger Hund ist kein erwachsener Hund und lernt grad die Welt kennen. Mit mehr menschlicher Gelassenheit geht das oft leichter.


    Oder ist sie so ängstlich? Kein FCI - Hund, sondern von privat, nehm ich an?

    • Neu

    Hi


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    • Danke die Worte machen mir wirklich Mut und du hast es perfekt getroffen bezüglich hoher Erwartungen. Ich hatte davor nur mit älteren Hunden zu tun und kann das ganze nicht recht einschätzen. Durch den Wegfall der Hundeschule kann ich mich auch nicht mit anderen Junghundebesitzern austauschen.

      Ich habe immer nur große Angst etwas falsch zu machen und eine Baustelle für immer zu haben.

      Wie du sagst: sie ist einfach etwas aktiver drinnen und schläft nicht mehr so viel wie gewohnt. Und ja draußen nimmt sie die Reize einfach bewusster wahr und ist dementsprechend angespannter.

      Mir machte es nur etwas Sorge, dass sie ihre Aufregung gegen mich richtet und eben auch mal nach mir schnappt.


      Allgemein ist sie nicht ängstlich, aber seit kurzem vermehrt etwas unsicherer, aber das haben junge Hunde ja phasenweise mehr oder weniger. Achso und sie ist aus dem SSv und der ganze Wurf war sehr selbstbewusst!

    • Die Methode mit dem Knie fruchtet nicht wirklich. Wenn man sie kurz auf die Seite legt und festhält bis sie ruhig ist hilft das schon, aber eben nicht nachhaltig. Und auf die Seite legen ist meiner Meinung nach sowieso nicht die richtige Methode.


      Anfangs habe ich mich schnell aus der Ruhe bringen lassen. Mittlerweile werde ich fast gar nicht mehr laut, weil es auch einfach nichts bringt.


      Es tut gut zu hören, dass es weniger wird. Ich wollte einfach mal Erfahrungswerte hören, weil mir das zur Zeit sehr fehlt. Die Trainerin kann uns dann bestimmt den richtigen Ansatz an die Hand geben.

    • Ich laufe mit meiner knapp 5monatigen Hündin deutlich mehr. Natürlich ist sie die meiste Zeit im Freilauf. Solange sie sich an die Regeln hält, darf sie richtig Gas geben und durchaus mal die Sau raus lassen. Ich finde, Bewegung ist gerade gut zum Stressabbau und auch als Ausgleich zum Zusammenreißen im Alltag. Und mMn auch wichtig für die körperliche Entwicklung.


      Wenn Eve sich doch mal hoch spult, kommt sie kurz an die Leine oder, wenn es ganz ganz schlimm ist (war) habe ich sie fest gehalten bzw. fixiert bis sie sich beruhigt hatte und anschließend durfte sie 2, 3 Leckerchen suchen. Allerdings kennt sie das festhalten von Zuhause und weiß, dass sie dann runter fahren soll. Dementsprechend schnell geht das bei uns.

      Deine Einstellung finde ich auch absolut nachvollziehbar und auch richtig. Wäre sie im Freilauf nicht so distanzlos, würde ich ihr das auch gerne so viel ermöglichen.


      Festhalten mag sie leider gar nicht. Das hätten wir in der Welpenzeit wahrscheinlich öfter machen müssen.

    • Die Trainerin wird Euch ja sicher einige Tipps geben, aber noch das ein oder andere von mir:


      Ich habe relativ früh angefangen die Impulskontrolle zu üben, also absitzen lassen, Leckerli/Spielzeug fliegt in die Wiese, sie musste auf die Freigabe warten. Auf den Spaziergängen habe ich Kommandos geübt, ab und zu Tricks oder das 10-Leckerchen-Spiel gespielt. Generell habe ich sie oft Kekse suchen lassen, das liebt sie und das Schnüffeln beruhigt und fährt runter. Oder mal eine kleine Keks-Fährte legen, davor muss sie warten bis sie suchen darf. Dadurch hat sie sich auch runter fahren können. Wenn der Rückruf geklappt hat, wurde gezergelt, da konnte sie Energie loswerden. Am Anfang vom Freilauf muss immer einmal im zick zack über die Wiese gerannt werden. Das ist auch heute, mit 4, noch so. xD


      Wenn sie so überdreht ist beim Gassi würde ich Spielregeln vorgeben und das Ganze strukturieren. Vielleicht hilft ihr das. Also erst mal flitzen und Energie loswerden, dann bisschen schnüffeln, bisschen Training/Kekse suchen, nochmal flitzen und entspannter Ausklang. Am Ende habe ich dann immer die Leinenführigkeit geübt auf den letzten Metern. Und dann war mindesten 3 Stunden Pause. Da hat sie erst mal geschlafen und hat dann so vor sich hin gewurschtelt ohne dass ich sie groß beachten habe. :smile:

    • Okay, dann hätten wir dezent geklärt, dass sie kein Anzeigenhund ausm Kofferraum oder sonstwoher ist, was ja das Risiko schon mal deutlich reduziert, dass sie so aufgewachsen ist, dass sie einfach auch gar nix kennt und mit nen massiven Defizit ins Leben startete.


      Was mir sehr ins Auge sticht, ist die Angst vor dem Vielleicht. Dass sie sich gegen Dich richtet. Und diese Angst hemmt.

      Sehr plaktativ gesprochen: Ich hab sicher nicht Angst davor, dass ein Junghund mir weh tut, der Hund sollte "Angst" davor haben mir weh zu tun. Nein, Angst ist im zweiten Teil des Satzes nicht das richtige Wort und es geht auch nicht um Gewalt, eher um innere Haltung.

      Mit der Angst vorm Hund oder seiner Handlung bin ich nur in einem authentisch: im unsicher sein.


      (Tatsächlich hab ich ein einziges Mal im Leben einem Hund eine gescheuert. Nicht geplant, sondern komplett spontan. Der 5 oder 6 Monatsjungspund schaut nett, überlegt und zwickt mir mit vollem Elan voll in den Oberschenkel. Die Affektreaktion war kurz und deutlich, mir hinterher fast peinlich. Hund schaute kurz, machte "Okay, gut, blöde Idee", Thema für alle Zeit vorbei. Und gegen den Hauch eines Anflugs von "Ohoh, hab ich jetzt einen gefährlichen Hund?" half lachen und auf den noch ein wenig ungelenken Junghund mit noch bisschen zuviel Haut und den grade mal frisch gewachsenen Zähnen schauen und dann wieder innerlich lachen. Äußerlich lachen hätt sie eher angespornt zu mehr Blödsinn


      Den Hund jetzt ständig eine zu scheuern, da wären wir in einer Gewaltspirale gelandet und Handlungsempfehlung ist das auch absolut keine. Aber es war authentisch. Passierte im Moment. Und war sehr klar. Hund hat mich nicht zu beißen, auch nicht testweise. Ich fang jetzt doch nicht an, mich vor der kleinen Pubertöle da zu fürchten. Es gibt Grenzen. Mich beißen war ganz klar eine).


      Auch wieder vielleicht ist es erneut der Wunsch, Dinge richtig zu machen (100,% richtig gelingt einfach niemandem. Das Schöne ist, man kann aus dem Doch nicht richtig, trotzdem oft noch was machen. Is halt vielleicht auch nicht perfekt, aber besser als vorher) ein Hemmschuh.


      Auch nette, kleine, süße Jungtiere brauchen zb klare Vorgaben zur Orientierung. Jetzt ist da zb "Ja, kann man so machen. In die kann man am besten von allen reinspringen und am Ärmel ziehen". Statt das nicht zu wollen, gehst Du ins Meideverhalten.


      Sich da mental anders zu polen löst nicht alle Probleme von Zauberhand, aber es hilft. Und eine Jacke, wos egal ist, wenn die kaputt wird.

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