Erfahrungen mit unsicheren, schlecht sozialisierten Hunden?

  • Mein Gedanke war, dass ich dem Hund draußen Beschäftigungen anbieten muss, damit ich für sie interessant bleibe und sie sich an mir orientiert.

    Das würde ich bei einem Hund mit Umweltstress mal ganz schnell vergessen. Ich habe hier auch so ein Exemplar, der mit seiner Umwelt nicht sonderlich gut zurecht kommt. Was ich recht schnell gelernt hab, er muss lernen mit seiner Umwelt umgehen zu können, sie zu verarbeiten und zu erkunden, aber ganz sicher nicht permanent gedanklich bei mir zu sein. Das würde ihn massiv überfordern. Und je besser der Hund lernt mit seiner Umwelt zurecht zu kommen, desto mehr Gehirnzellen hat er auch irgendwann für dich frei. Also andersrum wird ein Schuh draus.


    Was solche Hunde ganz viel brauchen ist Routine, Strukturen und Rituale. Vorallem auch draußen bei den Gassi-Gängen. Wir haben wenige ausgewählte Strecken, immer die gleichen und immer solche, wo wenig Stressoren für den Hund vorhanden sind. Wir haben feste Punkte in dem Spaziergang eingebaut, wo ritualisiert immer dasselbe passiert. Z.B. eine Wiese, auf der wir immer stehen bleiben, wo er schnüffeln und nach Mäusen stöbern darf. Dann eine Stelle, an der immer Futter gestreut wird und er suchen darf. Es sind immer genau dieselben Abläufe an diesen Strecken, das gibt dem Hund Erwartungssicherheit und nimmt Stress. Großer Durchbruch war bei uns auch eine wirklich lange Schleppleine zu nehmen (30 m) und jetzt auch dem Hund Freilauf zu ermöglichen. Das Laufen an der Leine war für ihn immer mit Frust verbunden. Je mehr ich Leinenführigkeit draußen trainiert habe, desto schlechter hat er Futter genommen. Ich hab dann einfach ganz oft ins Feld gefahren, hab die Schlepp dran gemacht und hab ihn einfach laufen lassen und ihn möglichst wenig angesprochen, wenn es nicht unbedingt sein musste. Außerdem achte ich darauf, dass wir auch bei unseren 1 Stündigen Gassigängen nicht viel Strecke laufen. Mein Hund ist immer im ICE Tempo durch seine Umwelt gerast und hat sich keine Zeit genommen, seine Umwelt zu erkunden und war gefühlt wie auf der Flucht. Dass man auch mall auf einer Stelle verweilen kann und seine Umwelt in Ruhe erkunden kann, das musste er erst lernen.


    An Hundebegegnungen, Wild, Katzen und auch Menschen trainieren wir mit Click for Blick. Das hat uns sehr weitergeholfen.

    Drinnen hat er eine Ruhezone eingerichtet bekommen, die nur für ihn ist, wo er vollkommen in Ruhe gelassen wird und die auch immer wieder in Rituale und Routinen eingebunden wird, zum Beispiel eine Futterbeschäftigung nach dem großen Spaziergang.

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