Welpen-Austausch Teil 4

  • Ich stopfe nur immer konsequent was anderes in ihr Schnäuzchen, wenn sie Körperteile von mir wählt.

    Ja, das versuche ich auch immer, aber dadurch passiert es eigentlich nur noch dann, wenn gerade nix greifbar ist. Vor allem in Bewegung, z.B. beim Tisch abräumen oder Wäsche wegräumen. Halt oft, wenn ich mit der Aufmerksamkeit woanders bin. Und eben, wenn er zu aufgeregt ist, z.B. wenn Töchterchen morgens runter kommt oder wenn er nach dem Fressen zu viel Energie hat.

  • Ich laufe im Moment immer mit zweierlei Leckerchen (Alva darf ja nicht alles fressen) und einem Mini-Spielzeug in den Hosentaschen rum. :grinning_face_with_smiling_eyes: Dann hab ich immer alles parat.
    Wenn Umlenken nicht klappt, werde ich aber tatsächlich auch mal energischer. Denn warum sollte man etwas sein lassen, wenn es keine Konsequenzen hat. Und dranbleiben an dem Verbot. Ich neige zu "jetzt ist es auch egal", aber das ist fatal beim Terrier, der die Frage drei bis fünf mal stellt, ob das jetzt WIRKLICH verboten ist.

  • Und dranbleiben an dem Verbot.

    Das ist auch so ein Thema bei meinem Sohn: er erlaubt das an sich herumknabbern, bis es ihm weh tut. Ich sag dann immer, er soll es von Anfang an unterbinden, das sei zum einen klarer für den Hund und zum anderen sei das Thema dann auch schneller durch.

    Bei meinem Mann ähnlich. Der labert den Hund voll und ich sage dann, dass er doch bitte einmal eine klare Ansage machen soll, als immer dieses totlabern: Elna, sei lieb, lass das, aua, aus, nein, lieb sein... da werde ich schon bescheuert sein, was muss Elna erst dabei denken :D

  • Bei meinem Mann ähnlich. Der labert den Hund voll und ich sage dann, dass er doch bitte einmal eine klare Ansage machen soll, als immer dieses totlabern: Elna, sei lieb, lass das, aua, aus, nein, lieb sein... da werde ich schon bescheuert sein, was muss Elna erst dabei denken :D

    Hier in umgekehrter Konstellation 😅 ich bin diejenige, die den Hund totlabert 😅

    Aber ich bin generell viel am quatschen, mein Mann ist Ostfriese, die sind Meister der Einsilbigkeit 😂

  • 1) Abbruch ist eine absolute Katastrophe, wenn man sich nicht merken kann, ob man jetzt nein oder aus oder pfui benutzen sollte.

    2) Dazu beißt die kleine Schnappschildkröte immer noch munter in unsere Kleidung und ich hab täglich mindestens 3 neue Löcher zu stopfen. Bisher hab ich es ja eher mit Einfrieren und Ignorieren oder einem ruhigen Nein/Runter und Stoff aus dem Gebiss friemeln versucht. Aber eben ist mir echt die Hutschnur geplatzt und ich hab wütend gebrüllt (hat in dem Moment gut getan, danach hab ich mich aber echt schlecht gefühlt). Da war dann 2 Sekunden lang verblüffte Ruhe und dann ging's weiter als wäre nix gewesen...

    3) Ich weiß einfach nicht, wie ich zu ihm durchdringen kann, damit er versteht, was ich von ihm will.

    4) Im Augenblick bin ich ziemlich überfordert. Ich hab ja wirklich viel gelesen und echt gedacht, dass ich eine gute Vorstellung vom Leben mit Welpe hab, aber die Realität ist völlig anders.

    5) Heute war der erste Tag wieder normaler Alltag: Mann geht zur Arbeit, Kind in den Kindergarten, Hund musste 3x jeweils 20 Minuten allein sein. Hat wirklich gut geklappt, er hat zwar beim ersten Abschied gejault, aber bei der Rückkehr lag er entspannt an seinem Lieblingsplatz.


    Ich drösle das mal bisschen auf, ja?


    1) Abbruch muss er fern ab von solchen Momenten lernen, gell. Ich erwähne es, weil es gerne vergessen geht, dass man den Abbruch schlecht im Moment trainieren kann, wo man ihn benötigt. Abbruch übt man ganz gezielt wie jedes andere Kommando im Alltag. hast du da einen Plan? Ich vermute eher weniger, weil wenn du einen Plan hättest, wäre das Wort schon für dich schon längst so normal wie sitz und platz.- Brauchst du da Hilfe?


    2) GRATULATION :party: DU WARST AUTHENTISCH

    Klar, im ersten Moment so als unerfahrene Welpenbändigerin hat man mal ein schlechtes Gewissen. Ohjeh, ich hab den Zwerg angepflaumt. Ohjeh ich hab den Zwerg kaputt gemacht ;)

    So. Ich sag dir jetzt mal was. vielleicht hilft es dir, das Ganze aus einer anderen Sichtweise zu sehen. Es ist ja heutzutage fast verpönt, authentisch zu sein. Es ist die Gegenbewegung zu "wir mussten als Kinder gehorchen". Man muss alles absprechen, diskutieren, erklären, politisch korrekt sein, dem andren seine Freiheit lassen und ihn bloss nicht begrenzen. Führt dazu, dass wir uns unausstehliche Haustiere und manchmal auch Zweibeiner heranziehen. Grenzen gehören zum Leben dazu. Die sind wichtig. Das hat ja überhaupt nichts mit "böse" zu tun. Und es gibt Leitplanken, die sind fix einbetoniert. Stösst man daran, rumpelt es im Karton. Authentisch und klar. Andere Dinge kann man diskutieren. Aber manches ist einfach so weil ich es sage, Punkt. Sieh es als Übungsfeld für die Zukunft, am Hund übst du für deine Kinder, glaub mir. Da musst du immer wieder mal authentisch sein. und dich danach nicht schlecht fühlen. (du wirst es trotzdem tun, aber Übung hilft) Man darf Tarife durchgeben und darauf bestehen. Ohne dass man den Anderen irgendwie in seiner Freiheit oder geistigen Entwicklung beschneidet.

    So, jetzt hast du deinem Welpen mitgeteilt, dass du sein Verhalten Scheisse findest. Super! Gut gemacht. Und nun?

    Er hat reagiert. Er hat gestutzt. Oha, Mutti kann auch authentisch und echt. Okay. War sie bisher nicht, ich hack nochmals rein. Pustekuchen kleiner Mann. Dann schnapp ihn dir und setz ihn irgendwo hin wo er keinen Zugriff auf dich hat. Konsequenzen durchziehen! Du hast gesagt, lass den Scheiss. Er probiert es nochmals. Tja Pech gehabt, jetzt folgt die Konsequenz. Und die Konsequenz setzt du ohne Wut im Bauch um. Das wäre er nicht verstehen. Wir Menschen müssen das immer wieder üben, nach einer Ansage runter zu kühlen und neutral weiter zu machen. Ich würde den zB. in die Küche hinter ein Türgitter setzen. Wo er keinen Zugriff mehr hat auf dich. Ergo keine Diskussion. Oder in ein Welpengitter. Soll er da rumtoben.

    3) Golden Retriever sind hartnäckig im umsetzen eines Vorhabens. Man nennt es auch stur :smile: allerdings sind sie gleicghzeitig sehr sensibel auf alles, was vom Mensch kommt. Das hat mit der Zuchtselektion zu tun. Wenn man jetzt einen Golden nur über Verbote und deckeln erziehen würde, macht der dicht. Die schalten ab, so dass man sie nicht mehr erreicht. Das schreibe ich, damit man bisschen verstehet was im Hund vor sich geht. Daher ist es auch wichtig, wirklich authentisch zu sein, und Konsequenzen dann aber neutral umzusetzen. Und manchmal ist auch einfach sinnvolles Management angebrachter als Diskussionen ohne Erfolg.

    Wenn er zB in die Kleider der Kinder beisst, wenn diese herum rennen, dann führen ihn ruhig aus der Situation und hinter ein Türgitter mit was zum spielen, kauen etc. Das meine ich mit Management. Ist ne Herausforderung mit Kindern, ganz klar, ich sage nicht dass das easy ist und verstehe, dass es manchmal tierisch nervt.

    4) du hast viel gelesen. Was man aber nicht liest, ist Punkt 2. Und das kommt jetzt auf geradem Weg auf dich zu, wie ein LKW. Der Alltag, der konsequente Umgang. Wenn man jetzt noch (ich bezieh das nicht auf dich, ist nur als Beispiel, ja?) ein eher sanfter Mensch ist, allenfalls sehr harmoniebedürftig, oder sich vielleicht nicht traut mal die Meinung zu geigen, dann wird es echt schwierig und anstrengend. Aber es ist ein wunderbares Übungsfeld für "ich habe eine klare Meinung, die vertrete ich und zu der stehe ich".

    5) sehr gut!

    Versuch irgendwie, dass der Welpe nicht der Mittelpunkt ist. Auch wenn er sich in den Mittelpunkt manövriert. Der sollte eher nebenher laufen. Also, natürlich nehme ich einen Welpen und kuschle mit ihm, spiele etc. Aber dann ist Alltag, dann ist der einfach eine Nummer im Haushalt.


    Kleine Anekdote: ich hab ja jetzt seit 20 Jahren Golden. Nevis ist von allen mein hartnäckigster Hund. Darauf gezüchtet, in der Jagd unter keinen Umständen aufzugeben. Das zieht sich auch durch den Alltag. Als ich ihn mal baden musste (weiss nicht mehr wieso, war aber nötig) sollte er in die Wanne. Er war knapp jährig. Er kannte es, getragen zu werden, er kannte es, anders Wanne hochzustehen, er kannte das Bad etc. Alle bekannt. Nur fand er an dem Tag: ICH WILL NICHT IN DIESE WANNE! Ich zuerst so, uiuiui was mache ich, locken, säuseln, Futter ? Mein Bauch sagte: nein, DER geht da jetzt rein. Punkt. Ende des Liedes war dann, dass ich einen Ringkampf mit einem Junghund führte, wir flogen gemeinsam in die Ecke des Bades und am Ende stand er in der Wanne. ich so : Scheisse, der wird NIE WIEDER in die Wanne gehen, das habe ich für immer versaut. In dem Moment schaue ich meinen Hund an. Stand der da total entspannt in der Wanne, schnupperte am Rand und war total relaxed.... Und welcher Hund, glaubst du, klettert seither total freiwillig und ohne Grund in die Wanne, wenn ich im Bad bin? :D

    Dein Pfüdi geht nicht kaputt, wenn du dich mal durchsetzt und deine Meinung kund tust. Im Gegenteil, die werden ruhiger davon. Achja, doofes Verhalten nie ignorieren. Entweder im Keim unterbinden oder verhindern. Weil doofes Verhalten sich meistens - mit wenigen Ausnahmen - sehr lohnt für den Hund.


    ups, ist etwas länger geworden. :hust:

  • So, Kind und Mann sind aus dem Haus, jetzt hab ich Zeit zum Antworten 😁

    Abbruch muss er fern ab von solchen Momenten lernen, gell. Ich erwähne es, weil es gerne vergessen geht, dass man den Abbruch schlecht im Moment trainieren kann, wo man ihn benötigt. Abbruch übt man ganz gezielt wie jedes andere Kommando im Alltag. hast du da einen Plan? Ich vermute eher weniger, weil wenn du einen Plan hättest, wäre das Wort schon für dich schon längst so normal wie sitz und platz.- Brauchst du da Hilfe?

    Wir trainieren tatsächlich nur "Gibt's mir" so wie es in unserem Welpenschule-Buch (von Sonja Meiburg) und auch von unserer Züchterin, die auch Trainerin ist, vorgeschlagen ist. Abbruch ist das aber ja nicht, sondern nur ein "Raus aus dem Maul". Von daher wäre ich da für Tipps dankbar.

    , jetzt hast du deinem Welpen mitgeteilt, dass du sein Verhalten Scheisse findest. Super! Gut gemacht. Und nun?

    Das hat echt geholfen, er hat gestern wirklich deutlich weniger in der Kleidung gehangen, und ich hab das Nein viel energischer gesagt.

    Mit Welpengitter und Abtrennen ist es bei uns schwierig, weil wir einen sehr offenen Wohnbereich haben. Küche und Flur haben Türen, sonst nix. Dahin verziehen ich mich dann auch für ein Weilchen oder ich gehe nach oben, wohin er nicht folgen kann.

    Der Alltag, der konsequente Umgang. Wenn man jetzt noch (ich bezieh das nicht auf dich, ist nur als Beispiel, ja?) ein eher sanfter Mensch ist, allenfalls sehr harmoniebedürftig, oder sich vielleicht nicht traut mal die Meinung zu geigen, dann wird es echt schwierig und anstrengend. Aber es ist ein wunderbares Übungsfeld für "ich habe eine klare Meinung, die vertrete ich und zu der stehe ich".

    Passt eigentlich ziemlich gut auf mich. Ich schlucke Ärger sehr lange runter, bis ich dann irgendwann einfach explodiere... 🙈 Authentisch sein fällt mir wirklich schwer...

    doofes Verhalten nie ignorieren. Entweder im Keim unterbinden oder verhindern. Weil doofes Verhalten sich meistens - mit wenigen Ausnahmen - sehr lohnt für den Hund

    Danke nochmal dafür!

  • Ich muss ein Bisschen Schmunzeln. Ich hatte letzte Woche einen Termin bei Neuhundehaltern mit Goldi-Welpen, die die gleichen Probleme haben. Und ich habe ihnen unter anderem genau das erzählt, was wildsurf so schön ausgeführt hat. Unter anderem war der Aufbau eines Abbruchkommandos Thema. Wichtig hier bei ist, es nicht dann zu üben, wenn man es braucht, sondern dann, wenn man es nicht braucht, damit es verknüpft ist, wenn man es braucht. Dann ist man emotional nämlich nicht aufgewühlt. Das Kommando an sich sollte nicht die Strafe sein! Der Hund muss die Chance bekommen nach der Warnung (=Kommando) sein Verhalten zu ändern um der Strafe zukünftig zu entgehen. Dann ist das Training über Strafe nämlich fair und nachvollziehbar.

    Was ich aber durchaus mache: Wenn ein Hund bewusst körperlich mit mir wird, dann gibt es sofort die Strafe. Ohne Vorwarnung. Aber das sollten Ausnahmesituationen sein.

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