Bindungsarbeit und Hundererziehung unter nicht ganz einfachen Bedingungen plus Fragen zu Schleppleinentraining

  • Hi,

    und diese Hunde sind nicht gechippt? So könnte man doch leicht den Besitzer ermitteln?? Oder kann man diese Tiere gar nicht einfangen??
    Oh Mann..
    Wenigstens gibt's durch Deinen Hund keine unkontrollierte Vermehrung..

    LG

    Mikkki

  • Ist dein Hund denn kastriert? Ich würde das machen lassen wenn er streunen geht, denn das wäre doch sehr traurig wenn er unzählige Nachkommen in die Welt setzt. Das Leben als Straßenhund kann zwar schön sein, muss es aber nicht.
    Ich würde zwei Sachen mit ihm versuchen. Erst mal würde ich eine wirklich geile Belohnung suchen. Wenn es gekochtes Fleisch ist, dann würde ich das nehmen. Manche Hunde stehen auch voll auf Käse, Fleischwurst, Leberwurst, Katzenfutter in den kleinen Näpfen etc. Manche empfehlen ja auch ausschließlich Handfütterung, vielleicht wäre das auch was für euch?
    Und dann würde ich das beim Schleppleinentraining nutzen und den Abruf super gut belohnen. Das wäre mein Schritt eins, Ziel: besser abrufbar sein, auch wenn er mit Leine gesichert ist.
    Dann würde ich ihn auch mit den beiden Hündinnen laufen lassen. Aber! ich würde ihn vorher ran rufen oder zumindest eine Art Aufmerksamkeit einfordern und ihn dann zu ihnen lassen. Die Aufmerksamkeit natürlich auch sehr hochwertig belohnen. Je nachdem wie schnell er bei Langerweile abhaut, würde ich die Schleppleine dazu einfach fallen lassen oder ab machen. Wenn sie schleift, kannst du ihn ja "einfangen" wenn du merkst er will streunen gehen. In der Situation mit den Hündinnen würde ich in geeigneten Momenten immer mal wieder Aufmerksamkeit einfordern (kurz ran rufen, belohnen, zu ihnen schicken). Das geht aber nur wenn er ohne Ablenkung schon halbwegs auf dich achtet.

    Ich picke mir jetzt mal ein paar Textstellen raus wo ich Ideen zu habe:

    Und heute an der kurzen Leine, wo er alle paar Meter in der gespannten Leine hing: ich bleib stehen, gehe dann die 1,5 m in seine Richtung und löse dann mit „Weiter“ auf oder gehe ich dann einfach weiter, wenn ich auf seiner Höhe bin?

    Wieso rufst du ihn nicht ran? Bleibt er denn auch stehen und wartet zuverlässig auf dich bis du aufschließst? Ich würde das umdrehen und darauf achten, dass der Hund sich einreiht und das Spielchen so lange machen bis er nicht mehr permanent zieht. Sonst geht dir der Lerneffekt flöten und der Hund ist gefrustet, weil du einfach nur nicht schnell genug bist und ihn begrenzt. Bring ihm lieber bei was er stattdessen machen soll, nämlich in deinem Radius laufen ohne zu ziehen.
    Schau mal bei Kikopup auf youtube: [media]https://www.youtube.com/watch?v=sFgtqgiAKoQ[/media] So würde ich das trainieren.


    Wenn er aufgeregt ist und schnell weiter will und ich aber stehengeblieben bin, dreht er sich an der gespannten Schleppleine kurz zu mir um, aber ohne wirklich zu schauen, und fast im gleichen Moment dreht er sich schon wieder zurück und will weiterlaufen.

    Hier bist du einfach nicht schnell genug. Dein Hund nimmt dich wahr. Manche Hunde drehen sogar nur das Ohr mal Richtung Halter, aber dennoch ist das ein Grund dich so richtig zu freuen. Er interagiert ja schon in einer Art und Weise mit dir, allerdings ist das nur flüchtig. Ich würde jegliche Aufmerksamkeit SOFORT belohnen. Wenn er sich umdreht, sofort SUPER (oder dein Belohnungswort) und Futter in seine Richtung werfen. Am besten etwas vor ihn, sodass er den Zug aus der Leine nimmt. Also du bist hier einfach etwas zu langsam für deinen Hund. Für so Timing-Sachen kann man sich auch ins Clicker-Training einarbeiten. Man muss das nicht mit dem Clicker machen, aber ein Markerwort kann hier durchaus sinnvoll sein wenn es schnell gehen muss.


    Und die Idee ist doch, dass er von sich aus auf mich achtet ohne dass ich ihn anspreche, oder?

    Ja natürlich. Allerdings bringt das nicht jeder Hund mit. Es gibt Hunde die sind sehr eigenständig und checken höchstens flüchtig mal ab ob der Halter noch da ist oder machen komplett ihr eigenes Ding. Andere sind super aufmerksam. Deswegen habe ich mir mal die Stellen raus gepickt, weil ich da schon Potenzial sehe, dass man ihn dahingehend trainieren kann. Eventuell hast du nie einen Hund der sich immer in deinem Dunstkreis bewegt ohne Leine, allerdings kann man sich vielleicht auch in der Mitte treffen, sodass er nach dir schaut (in Sichtweite bleibt) und zumindest abgepfiffen werden kann. Auch an der Leine "normal" laufen wäre ja schon ein riesiger Fortschritt.
    Dennoch musst du das trainieren, aktuell weiß er ja gar nicht was du von ihm willst.
    Ich habe am Anfang auch jeden noch so kleinen Blick, jedes kleinste Zuwenden z.B. Ohren drehen, Kopf annähernd in meine Richtung etc. meines Hundes zu mir hochwertig belohnt, weil er einfach nicht auf mich geachtet hat.


    Und gibt es eine Möglichkeit, ihm dieses Winseln abzugewöhnen? Das macht er seit ich ihn kenne: begrenzt sein = winseln.

    Ich denke schon, denn dein Hund hat einfach Frust, weil er aktuell nichts darf was ihm Spaß macht. Sobald du mehr mit ihm zusammen machen kannst und er versteht was du von ihm willst, wird das sicher weniger.


    Ich kann dir sonst noch das Buch "Antijagdtraining" von Ariane Ullrich empfehlen. Das kann man auch gut für Basics verwenden. Ich habe es zB genutzt, weil mein Hund immer zu anderen Hunden hin gerannt ist. Ihr habt ja aber ohnehin eine Jagdthematik. Es geht auch viel ums Schleppleinentraining und eben Aufmerksamkeit. Die Basics eben, aber wirklich gut beschrieben mit DVD und Anleitungen.

    Letztendlich musst du dir überlegen ob es Sinn für dich macht diesen Hund zu erziehen. Wenn die Umgebung für einen halb-wilden Hund gemacht ist, kann man ihn ja theoretisch auch einfach laufen lassen. Alles andere ist eben viel Arbeit und horch mal in dich rein ob du diesen Hund mit soviel Freiheitsdrang an dich binden willst.

  • und diese Hunde sind nicht gechippt? So könnte man doch leicht den Besitzer ermitteln?? Oder kann man diese Tiere gar nicht einfangen??

    Oft tragen die Jagdhunde Neonhalsbänder mit Telefonnummern, dann kann man den Besitzer anrufen. Bei uns in der Gegend wurden sie bisher eigentlich immer spätestens am nächsten Tag wieder eingesammelt. Aber über die Galgos in Spanien (werden in unserer Gegend nicht eingesetzt) habe ich gelesen, dass sie zu Hunderten in Tierheimen sitzen, da sie am Ende der Saison "entsorgt" und einfach ausgesetzt werden. Bin mal gespannt wie es hier in der Gegend ist, es ist die erste Jagdsaison, die ich miterlebe, wenn ich richtig informiert bin ist sie Anfang März oder spätestens aber Anfang April vorbei.

    @pawtastic: vielen vielen herzlichen Dank für deine super ausführliche Antwort! Ich habe mich riesig gefreut!! Ja, ich werde meinen Hund auf alle Fälle kastrieren, sobald er alt genug ist (ist gerade 10 1/2 Monate). Denn ich will auch auf keinen Fall, dass es wegen ihm noch mehr Hunde hier gibt.
    An die Handfütterung hab ich auch schon gedacht, seit etwa einer Woche muss ich ihn auch nicht mehr zum Fressen überreden, vielleicht wäre das jetzt wirklich eine Option. Jepp, und eine richtig supertolle Belohnung könnte gekochtes Fleisch sein - Leberwurst etc. findet er zwar alles lecker, aber noch nicht supertoll.

    Und danke für die konkreten Trainingstipps, ich werde versuche, das wie in dem Video umzusetzen.

    Hier bist du einfach nicht schnell genug. Dein Hund nimmt dich wahr. Manche Hunde drehen sogar nur das Ohr mal Richtung Halter, aber dennoch ist das ein Grund dich so richtig zu freuen. Er interagiert ja schon in einer Art und Weise mit dir, allerdings ist das nur flüchtig. Ich würde jegliche Aufmerksamkeit SOFORT belohnen. Wenn er sich umdreht, sofort SUPER (oder dein Belohnungswort) und Futter in seine Richtung werfen. Am besten etwas vor ihn, sodass er den Zug aus der Leine nimmt. Also du bist hier einfach etwas zu langsam für deinen Hund.

    Oh, das war mir tatsächlich nicht klar! Ich dachte am Ende der Leine geht es um richtigen Augenkontakt. Ansonsten belohne ich tatsächlich jede kleine Bewegung in meine Richtung, auch ein Ohrenzucken, mit einem Lob. Die Idee Leckerlis 10 Meter weit zu werfen kam mir bisher noch nicht, werde ich aber mal ausprobieren :smile: Und mit Clicker-Training werde ich mich auch mal beschäftigen!

    Ich denke schon, denn dein Hund hat einfach Frust, weil er aktuell nichts darf was ihm Spaß macht. Sobald du mehr mit ihm zusammen machen kannst und er versteht was du von ihm willst, wird das sicher weniger.

    Ein bisschen Spaß hat er schon... :smile: Es gibt Spazier-Abschnitte auf denen wir auch mal rennen und toben, er liebt weiche Tannennadeln oder so wie gerade Schnee - da kann man mit ihm richtig nachlaufen und fangen spielen. Aber du hast auf jeden Fall Recht: je mehr er versteht, desto weniger Frust. Allerdings winselt er wirklich viel - seit einiger Zeit winselt er z.B. wenn er auf seinem Bett liegt und nichts passiert, morgens wenn er aufwacht. Aber Schmerzen sind es nicht und er springt dann auch nicht auf und will raus, sondern mein Eindruck ist, dass er sich einfach beschwert, weil gerade nichts passiert.
    Und ich merke auch schon eine deutliche Verbesserung seit ich konsequenter mit der Schleppleine und klarer mit den Kommandos bin - auch wenn es da noch einiges zu verbessern gibt =)
    Ich glaube, ich war gestern nach der Begegnung mit den beiden Hündinnen beim Spazierengehen einfach wahnsinnig frustriert, da es davor mit dem Winseln kontinuierlich besser wurde und dann plötzlich gar nichts mehr ging. Und ich habe heute auch erneut festgestellt, dass Spaziergänge, die länger als 45-60 Minuten dauern dazu führen, dass er ebenfalls viel mehr winselt. Scheinbar führt bei ihm Müdigkeit dazu, dass er noch mehr in der Leine hängt und immer weiter will, wahrscheinlich ähnlich wie übermüdete Kinder. In den letzten zwei Wochen bin ich pro Spaziergang unter einer Stunde geblieben und da lief es echt gut.

    Ich kann dir sonst noch das Buch "Antijagdtraining" von Ariane Ullrich empfehlen.

    Super, danke! Das werde ich mir besorgen!!

    Letztendlich musst du dir überlegen ob es Sinn für dich macht diesen Hund zu erziehen. Wenn die Umgebung für einen halb-wilden Hund gemacht ist, kann man ihn ja theoretisch auch einfach laufen lassen. Alles andere ist eben viel Arbeit und horch mal in dich rein ob du diesen Hund mit soviel Freiheitsdrang an dich binden willst.

    Ja, darum geht es wohl, schnief... Ich weiß halt, dass die Hunde sich hier auch mit den zahlreichen Wildschweinen anlegen (sind hier etwas kleiner als in Deutschland). Die jüngere der beiden Hündinnen musste schon zweimal genäht werden, ein Hund, der vor längerer Zeit hier mal lebte und eigentlich sogar ganz gut erzogen war, ist von einem Wildschwein so schwer verwundet worden, dass er gestorben ist. Ich will einfach nicht, dass mein kleiner Großer auch zu einem richtigen Jäger wird.
    Ich denke, ich werde noch bis zum Herbst weiter machen mit Schleppleinentraining und Grunderziehung. Dann ist er 1,5 Jahre, kastriert, und sollte ja zumindest einen guten Teil der Pubertät schon hinter sich haben. Und wenn ich sehe, dass sein Freiheitsdrang dann noch genauso groß oder sogar noch größer ist, werde ich mich entscheiden müssen, ob ich ihm diese Freiheit dann nicht auch einfach gewähre. Aber wenn er dann wie gerade eben zum Kuscheln ankommt und seinen Kopf bei mir vergräbt, keimt ein Funke Hoffnung auf, dass er Menschen vielleicht doch ganz okay finden könnte :rollsmile:
    Vielen Dank nochmal!!

  • Ist das nicht noch ein bisschen früh...? Ich dachte, Rüden sollten nach Möglichkeit nicht unter 12 Monate kastriert werden?

    Das kommt jetzt ein bisschen drauf an. Ich würde sogar erst mit über 2 Jahren kastrieren, weil der Hund ja nicht nur körperlich, sondern auch geistig erwachsen werden sollte. Allerdings ist es ja bei dir eine ganz andere Situation. Kannst du nicht verhindern, dass er fortläuft und andere Hunde begattet, sollte das so schnell wie möglich passieren. Kannst du sicherstellen, dass das nicht passiert, kannst du dir natürlich mehr Zeit lassen.


    Und ich habe heute auch erneut festgestellt, dass Spaziergänge, die länger als 45-60 Minuten dauern dazu führen, dass er ebenfalls viel mehr winselt. Scheinbar führt bei ihm Müdigkeit dazu, dass er noch mehr in der Leine hängt und immer weiter will, wahrscheinlich ähnlich wie übermüdete Kinder. In den letzten zwei Wochen bin ich pro Spaziergang unter einer Stunde geblieben und da lief es echt gut.

    Das kannst du in der Regel bei jedem Hund beobachten. Man sagt ja auch pro Monat 5min Gassi und so alt ist er ja jetzt auch noch nicht. Eine Stunde am Stück reicht völlig. Dann muss er das Erlebte erst mal verarbeiten. Es kann sein, dass er so eine Grundangespanntheit hat und dadurch schneller ins Quengeln kommt.
    Ein Hund kann sich am Tag auch nur begrenzt konzentrieren und umso mehr du machst und verlangst, umso schneller ist die Konzentration aufgebraucht. Leinenführigkeit ist anfangs auch seeeehr anstrengend für den Hund. Schau einfach, dass du nicht zuviel machst. Und wenn mal gar nichts klappt, lieber umdrehen und am nächsten Tag frisch starten.

    Für mich liest es sich so als könnte man das hinbekommen. Es ist ja auch nicht so als wäre es ein Straßenhund. Du hast eine ungünstige Rassekombi erwischt, die einfach ziemlich eigenständig unterwegs ist. Dazu die ungewöhnliche Lebenssituation. Dafür hast du ihn leider auch etwas spät geholt, ich hoffe er hatte bei der Dame wo er aufwuchs sehr viel Menschenkontakt. Dann sollte er sich ja eigentlich auch nicht grundlegend von anderen "normalen" Haushunden unterscheiden.

  • @pawtastic: vielen Dank, ganz besonders auch für deine aufmunternden Worte!! Die kann ich gut gebrauchen, denn ich könnte gerade nur heulen... Er ist eben wieder mit den beiden Hündinnen abgehauen, er saß neben mir, die beiden sind los, ich habe ihn dafür gelobt, dass er sitzen bleibt, ein Auto fuhr los, ich habe mich aufgerichtet - und er ist losgeprescht. GAR NICHTS hat auch nur zur kleinsten Reaktion geführt, er hat sogar das Auto noch überholt um den Vorsprung der beiden Hündinnen aufzuholen. Puh! Sie waren 50 Minuten weg, er kam völlig erschöpft und total schlammverschmiert wieder, wollte nicht in unser Haus, hat sich immer wieder weggeduckt, unterworfen, ich musste ihn am Geschirr nehmen. Einer, der hier lebt und schon sehr viele Hunde hatte, sagte, dass er so einen extremen Charakter wie meinen Hund tatsächlich auch noch nie erlebt hat....
    Wir haben jetzt überlegt, dass wir einen Zaun ums Dorf bauen - denn die anderen beiden sollen natürlich auch nicht jagen gehen, sie erzieherisch zu beeinflussen ist allerdings tatsächlich unmöglich.

    Kannst du nicht verhindern, dass er fortläuft und andere Hunde begattet, sollte das so schnell wie möglich passieren. Kannst du sicherstellen, dass das nicht passiert, kannst du dir natürlich mehr Zeit lassen.

    Die nächsten eventuell nicht sterilisierten Hündinnen leben mehrere Kilometer weit weg, bisher ist er alleine nur mal kurz auf den Berg hoch, wenn er was gehört hat, aber (noch) nicht runter in Richtung Dörfer. Aber nein, sicherstellen kann ich es leider nicht... D.h. ich werde ihn bald kastrieren lassen und bis der Zaun gebaut ist - das dauert bestimmt noch einige Wochen da das viele hundert Meter sind - werde ich ihn wahrscheinlich doch mehr im Zimmer lassen müssen und dafür öfter mal kurze Spaziergänge machen.

    Dafür hast du ihn leider auch etwas spät geholt, ich hoffe er hatte bei der Dame wo er aufwuchs sehr viel Menschenkontakt.

    Ja, das war leider organisatorisch nicht anders möglich :/ Menschenkontakt hatte er viel, sie hat regelmäßig Seminargruppen bei sich. Und er ist ja auch total umgänglich. Nur findet er Menschen eher langweilig. Und was mir auch wieder eingefallen ist: seine Mutter, die meiner Bekannten ja erst kurz vor der Geburt zugelaufen war, hat es geschafft mit ihm und seiner Schwester auch mal abzuhauen. Seine Schwester kam schon am nächsten Tag alleine zurück - aber er und seine Mutter erst nach 2 Tagen. Aber in dem Moment sagen, ich nehm ich doch nicht?
    Ich muss wohl v.a. akzeptieren, dass das eine schwierige Aufgabe bleibt und jetzt nicht aufgeben. Bis vor ein paar Tagen lief es auch wirklich wochenlang ziemlich gut...

  • Ist das nicht noch ein bisschen früh...? Ich dachte, Rüden sollten nach Möglichkeit nicht unter 12 Monate kastriert werden?

    In eurem Fall heiligt der Zweck die Mittel.

    GAR NICHTS hat auch nur zur kleinsten Reaktion geführt,

    Nur rufen, wenn du sicher bist, dass er kommt. Sonst nutzt sich eure Rückruf unnötig ab.

    denn ich könnte gerade nur heulen

    Musst du nicht, neben der Aufzucht trifft euch auch noch die Epigenetik. Du hast da einfach einen "halbwilden" Hund. Und wenn er immer wieder kommt, dann hat er dich gern.

  • Ich muss wohl v.a. akzeptieren, dass das eine schwierige Aufgabe bleibt und jetzt nicht aufgeben. Bis vor ein paar Tagen lief es auch wirklich wochenlang ziemlich gut...

    Schau doch sonst mal hier in den Jungspund-Thread. So ganz anders ist dein Hund eben auch nicht :roll: Er verhält sich rasse-und alterstypisch, da sind Rückschritte garantiert.
    Und immerhin weiß er wo er zu Hause ist und kommt zu dir zurück..irgendeine Art Bindung scheint ihr ja schon zu haben, immerhin spielt er mit dir auch Fangen und kuschelt mit dir.
    Ich würde nur wenn er zurück kommt weder schimpfen noch sonstwie Druck aufbauen. Ich würde mich entweder hinsetzen und warten bis er kommt oder ein Stück vom Haus weggehen und schauen, dass ich ihn angeleint bekomme. Er soll ja fürs Zurückkehren auf keinen Fall bestraft werden.

    Nur findet er Menschen eher langweilig.

    Das kann dir leider immer passieren, aber dann musst du dich eben richtig interessant machen. Dafür musst du kreativ sein und starten wenn der Hund ohne Ablenkung ist. Also da, wo er sich auf dich konzentrieren kann. Vielleicht im Haus? Wenn du über Handfütterung nachdenken solltest, kannst du ihn ja z.B. aus einem Futterdummy füttern und so beginnen mit ihm zu spielen, zu zergeln, zu apportieren. Da fängt man am besten an in dem man den Dummy mit einer Schnur sichert und zottelt das Ding durch die Gegend bis der Hund das spannend findet. Es gibt im Internet dazu auch unzählige Anleitungen z.B. auch bei youtube. Ich glaube das findet man unter "Let's play", Zergeln etc.
    Auch Futter suchen oder werfen kann er spannend finden.

  • Mir fielen noch ein paar Dinge ein, die Dir auch ein Stückweit weiterhelfen könnten:

    - Leckerlies als Bestätigung werfen: ich würde die Dinger NICHT nach vorne zum Hund werfen, sondern eine relativ kurze Schlepp nutzen, sodaß der Hund, wenn er sich an deren Ende zu Dir dreht, erkennen kann, daß Du ein Leckerli wirfst. Und das dann HINTER Dich werfen. So lernt er, daß es HINTER DIR oder BEI DIR toll ist - nicht ganzganz weit vorne. Also Leckerlies werfen ja - aber net 10 Meter wie wie vorhin irgendwo geschrieben; der Hund soll BEI DIR Spaß haben, das BEI DIR soll belohnt werden So schlägst Du zwei Fliegen mit einer Klappe: Bestätigen fürs AUFDICHACHTEN, UND zeigst ihm, daß es (nur oder hauptsächlich *gg) BEI DIR toll ist... Ich mach das so, daß ich mich laut freue, wenn Hundi sich zu mir herumdreht ("Ja feiiiiin, super, komm her!" *quietsch), das Leckerli dabei deutlich sichtbar aus der Tasche ziehe, anbiete, und dann in Richtung nach hinten kullere - das Kullern spricht auch noch den Jagdtrieb an, da will fast jeder Hund umgehend hinterher. In Richtung ZU DIR, nicht VON DIR WEG.

    - Auslastung: Ein Hund, der in seinen Jagdtrieben ausgelastet wird, muß diesen nicht unautorisiert nachgehen, sobald Du net nach ihm guckst. Ich fährte z.B. mit meinem Terrier, denn wenn ich das zu lange nicht mache, dann seh ich, wie er im Wald die Waldränder scannt, auf jedes Rascheln im Unterholz reagiert etc. Ist er fährtenmäßig ausgelastet, ist er auch im Wald wesentlich entspannter unterwegs. UND: er lernt, daß erdiesem Trieb zwar nachgehen darf, aber erst nach DEINER Freigabe, auf Kommando hin.

    - Bindung erarbeiten. Nach 5 Monaten sind da noch nicht wirklich Bindung und Vertrauen vorhanden. Diese erreichst Du, indem Du mit dem Hund zusammen schwierige Situationen überstehst, ihn vor Sachen beschützt, die ihn gruseln, ihm lästige Fremdhunde oder Leute vom Leib hälst, indem ihr gemeinsame Erfolgserlebnisse habt. Das kann ein Baumstamm sein, auf dem er mal balanciert, aber auch (siehe den Punkt vorher) eine kleine Fährte, die Ihr gemeinsam erfolgreich ausgearbeitet habt. Oder einfach ein Gegenstand (oder Stückerl Fleisch), der vorher auf der Wiese "verloren" wird und dann von ihm gefunden werden darf, natürlich auch wieder in Zusammenarbeit mit Dir.

    Das dauert einfach ein bisserl, bis der Hund merken wird, daß er nach Dir gucken soll. Du hast den richtigen Ansatz - obs wie bei einem in Privathaushalt aufgezogenen Hund funktionieren wird irgendwann, weiß kein Mensch - aber verbessern kann man die Situation für Euch allmal :-) Viel Erfolg!

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