Große Aufregung vor jedem Spaziergang

  • Hallo,

    seit Jahren schleppt Eneas ein Problem mit sich herum, welches mehr und mehr für alle Beteiligten zur Belastung wird und deshalb ist es höchste Zeit, sich darum zu kümmern.
    Eneas ist extrem aufgeregt, sobald er merkt, dass wir spazieren gehen. Je länger er warten muss, desto schlimmer wird es. Fiepen, dass sich zu grellen Schreien steigert, zittern, ein schnell schlagendes Herz, Unruhe bishin zur totalen Kopflosigkeit. Ich gehe oft getrennt Gassi mit meinen Hunden. Sind Zaidit od. Phelan zuerst dran und er warten muss, ist Eneas so dermaßen gestresst, dass ein Gassigang mit ihm kräfteraubend ist. Ordentliches an der Leine gehen fällt ihm dann schwer, er will nur vorwärts kommen und weiß nicht wohin mit sich. Ich bestehe darauf, dass er sich benimmt. Es klappt auch, aber er tut sich schwer.
    Bereits bei den Vorbesitzern legte er dieses Verhalten an den Tag. Vll. ist es noch erwähnenswert, dass er aus keiner sonderlich guten Haltung kommt. Das letzte Jahr in seinem ehemaligen zu Hause ging niemand mehr mit ihm raus und er vegetierte in der Whg vor sich dahin.
    Eneas ist generell sehr interessiert an jeglichen Umweltreizen. Er setzt sich mehr damit auseinander als meine anderen Hunde- schnüffeln, gucken, entdecken...
    In fremder Umgebung erschlagen ihn die Eindrücke. Das führt dazu, dass er schuppt, nur noch in der Leine hängt und nicht mehr ansprechbar ist.
    Es war ein langer Weg, bis er das Prinzip der Leinenführigkeit in vertrauter Umgebung verinnerlicht hat, aber das funktioniert schon seit längerer Zeit sehr gut!
    Heute habe ich angefangen, ihn, sobald er zu fiepen beginnt, auf seinem Platz zu schicken. Nach 1,5 Stden konnte ich das Haus verlassen. Er zeigte sich auch ruhiger. Am Abend klappte es "schon" nach 30 Min. Nur mit einem gelassenen Eneasl wird rausgegangen.
    Eneas tut sich allgemein schwer, Dinge zu verknüpfen. Meine (ehemalige) Trainerin war der Meinung, dass er nie gelernt hat "zu lernen". Am Besten funktioniert das Prinzip "Zuckerbrot und Peitsche". Dann weiß er woran er ist, was in Ordnung ist und was nicht. Eneas braucht sein geregeltes Umfeld, Regeln und Sicherheit.

    Habt ihr Tipps, wie ich ihm helfen kann, entspannter zu werden?

  • Eneas tut sich allgemein schwer, Dinge zu verknüpfen. Meine (ehemalige) Trainerin war der Meinung, dass er nie gelernt hat "zu lernen". Am Besten funktioniert das Prinzip "Zuckerbrot und Peitsche". Dann weiß er woran er ist, was in Ordnung ist und was nicht. Eneas braucht sein geregeltes Umfeld, Regeln und Sicherheit

    Klickerst Du?
    Falls ja wäre vielleicht shapen in ruhigen Momenten etwas.
    Irgendwie wärs ja praktisch wenn Eneas lernen würde, zu lernen. Shapen kommt da ganz gut weil es ja keinerlei Druck gibt.

    Würde es ihm vielleicht etwas bringen wenn Du Dich einfach neben die Haustür setzt mit ihm?
    Also anziehen und das ganze Brimborium und dann raus und dann - ....nichts.

    Ich find's super dass Du ihm vermitteln kannst, was Du willst und was nicht, damit gibst Du ihm Halt :gut:

  • Prinzipiell müsste man erreichen, dass er mit seinem Verhalten (fiepen, in der Leine hängen, etc.) nicht mehr zum Erfolg kommt.

    D.h. er bekommt nur, was er möchte, wenn er sich ruhig verhält.

    In einem so fortgeschrittenen Stadium sagt sich das vmtl leichter als dass es zu bewerkstelligen ist...

    Ich würde mit was „Leichtem“ anfangen, wo die Aufregung sich noch in Grenzen hält. Und dann langsam steigern.

  • So wie du das beschreibst, hat er große Probleme damit Reize richtig einzusortieren und Frust auszuhalten, oder?

    Ich fänd's schwierig, mit so einem Hund wieder über Frust-aushalten-Müssen zu trainieren, d.h. ihn wieder und wieder ins Fehlverhalten 'reinrasseln' zu lassen. Bei einem Hund, der Frust gut wegsteckt und sein eigenes Verhalten rasch anpasst, klar – aber anscheinend ist das für Eneas schwierig, den Zusammenhang zwischen "ich janke herum" und "das ist nicht gewünscht, deswegen komme ich nicht zum Ziel" herzustellen.

    Hast du mal versucht, ihn ganz, ganz kleinschrittig für jedes ruhige und erwünschte Verhalten zu bestätigen? Also wirklich in absoluten Mini-Schritten, dass es einem schon fast lächerlich vorkommt, und ansetzend, bevor er überhaupt in diese hohe Aufregung kommt?

  • Klickerst Du?
    Falls ja wäre vielleicht shapen in ruhigen Momenten etwas.
    Irgendwie wärs ja praktisch wenn Eneas lernen würde, zu lernen. Shapen kommt da ganz gut weil es ja keinerlei Druck gibt.

    Klickern tu ich nicht, aber ich habe ein Markerwort: "brav".
    Gehe ich zB mit der Leine auf Eni zu und habe vor mit ihm Gassi zu gehen, lobe ich ruuuhig das gewollte Verhalten.
    Sobald er fiebt, drehe ich mich um und gehe. Hält er die Backen und verhält sich entspannt, leine ich ihn, gehe zur Tür...ein Pieps und ich breche ab und schicke ihn zurück auf seinem Platz. Noch einmal von vorne...
    Er tut sich generell schwer, braucht viele Wiederholungen und man muss "umdenken" und ggf. einen anderen Weg einschlagen. Verstehen tut er es dann schon- mit der richtigen Methode und viel Spucke. Seit seinem Einzug vor zwei Jahren hat er Fortschritte gemacht und das kleine Hunde- ABC gelernt.

    Prinzipiell müsste man erreichen, dass er mit seinem Verhalten (fiepen, in der Leine hängen, etc.) nicht mehr zum Erfolg kommt.

    D.h. er bekommt nur, was er möchte, wenn er sich ruhig verhält.

    Mit Zug an der Leine kommt er bei mir ohnehin nicht zum Erfolg, es sei denn, wir befinden uns in einer fremden Umgebung und Eneas` Stresslevel ist so extrem hoch, dass gar nix mehr geht.
    Sein Gekreische an der Wohnungstür und die damit verbundene Aufregung ist halt sehr routiniert... ich habe mich davor gedrückt es anzugehen, aber es führt kein Weg mehr dran vorbei.
    Der dreht mir sonst durch...
    Heute am Mittag bin ich zuerst mit Phelan, dann mit Zaidit draußen gewesen (er konnte sich selbstverständlich vorher lösen). Das war unerträglich für ihn. Bin ich zuerst mit ihm unterwegs, tut er sich leichter. Wenn er aber merkt, dass die anderen raus dürfen und er nicht, fängt er wieder ein wenig damit an, aber bei weitem nicht so schlimm.
    Alleinebleiben kann er übrigens, es bezieht sich nur aufs Gassigehen. Eneas will raus, raus, raus...
    Im Haus ist er die Ruhe in Person. Er verschläft den ganzen Tag.
    Merkt er, dass ich mit ihm od. einem anderen Hund rauswill, steht er an der Tür und kreischt- bis auf heute...

    Ich würde mit was „Leichtem“ anfangen, wo die Aufregung sich noch in Grenzen hält. Und dann langsam steigern.

    Das ist ein guter Ansatz, "leider" ist er nur vor dem Gassigehen derart irre. Alles andere wurde erfolgreich trainiert (Futter zB erst nach Freigabe, wenn sich der Hund ruhig + mit Blickkontakt mir zuwendet).

  • So wie du das beschreibst, hat er große Probleme damit Reize richtig einzusortieren und Frust auszuhalten, oder?

    Ja! Du sagst es! :)

    Ich fänd's schwierig, mit so einem Hund wieder über Frust-aushalten-Müssen zu trainieren, d.h. ihn wieder und wieder ins Fehlverhalten 'reinrasseln' zu lassen. Bei einem Hund, der Frust gut wegsteckt und sein eigenes Verhalten rasch anpasst, klar – aber anscheinend ist das für Eneas schwierig, den Zusammenhang zwischen "ich janke herum" und "das ist nicht gewünscht, deswegen komme ich nicht zum Ziel" herzustellen.

    Das klingt sehr gut, du triffst es auf dem Punkt!

    Hast du mal versucht, ihn ganz, ganz kleinschrittig für jedes ruhige und erwünschte Verhalten zu bestätigen? Also wirklich in absoluten Mini-Schritten, dass es einem schon fast lächerlich vorkommt, und ansetzend, bevor er überhaupt in diese hohe Aufregung kommt?

    Nein, nur heute habe ich damit angefangen. Ich säusle andauernd "braaav, Eneas, ganz braaaav...", bei Fehlverhalten drehe ich um bzw. schicke ihn auf seinem Platz.
    Ich bin mir unsicher, ob Mini- Schritte wirklich eine gute Idee sind...hm. Bei ihm hat es sich auf öfters bewährt, deutlich zu sein. Sei es, bei Hundebegegnungen an der Leine od. anderem Fehlverhalten.
    Ich grüble gerade...

    Ich trainiere grundsätzlich gerne positiv und bin ein geduldiger Mensch, doch es hat sich va bei ihm bewährt, die Grenzen klar und sehr deutlich zu zeigen. Manchmal versteht Eneas nur eine Sprache.

    Danke, danke für eure Beiträge!

  • Das ist doch top! Können tut er es ja offenbar! Vllt muss bezüglich des Gassigehens auch nur dieser Teufelskreis durchbrochen werden...

    Hast du mal versucht, es auszusitzen?

    Wie verhält er sich, wenn ihr mit dem Auto zu einer Gassistrecke fahrt? Macht er da im Auto den gleichen Terz?

    Irgendwo muss doch eine „Sollbruchstelle“ sein an der das Ganze hängt...

  • Das ist doch top! Können tut er es ja offenbar! Vllt muss bezüglich des Gassigehens auch nur dieser Teufelskreis durchbrochen werden...

    Hast du mal versucht, es auszusitzen?

    Wie verhält er sich, wenn ihr mit dem Auto zu einer Gassistrecke fahrt? Macht er da im Auto den gleichen Terz?

    Irgendwo muss doch eine „Sollbruchstelle“ sein an der das Ganze hängt...

    Ja, einmal habe ich versucht, es auszusitzen. Nach drei Stunden habe ich das Handtuch geworfen. Heute war der erste Tag, andem ich so vorgegangen bin. Zeigt Eneasl das nervige Verhalten, gehts nicht weiter. Zugegeben: er findet es nicht gut. Beschwichtigen tut er und ist verwirrt.
    Irgendwann jammert er dann nur noch sehr leise, so nach einer Stunde. Rausgegangen wird erst, wenn ich nix mehr höre.

    Nein, im Auto verhält er sich ruhig, solange es sich nur um Gassigehen handelt. Fahren wir an einem ihm fremden Ort oder gar zu einer Veranstaltung, fängt er damit auch im Auto an, aber nicht so schlimm, wie an der Wohnungstür.

  • Er dreht so auf wenn er weiss jetzt gehts raus zum Gassi?
    Wäre es ein Weg, ihn nicht nur zum Gassi mit rauszunehmen sondern auch wenn du die Zeitung holst, Müll rausbringst, in den Keller gehst?
    Damit er lernt das rausgehen nicht nur unbegrenzter Spass ist?

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