Hund wird immer neurotischer

  • Also eins vorweg: Ich schaue mich schon nach einem guten Verhaltenstrainer um – denn das Verhalten meines Hundes wird immer absurder/grotesker.

    Er war leider schon immer recht ängstlich. Ich bin der Zweithalter und weiß leider nicht, was in seiner Kindheit vorgefallen ist. Dazu kommt, dass er Vizsla-typisch über-sensibel ist.

    Anfangs hatte er "nur" Angst vor Frauen und Kindern. Ich habe dann immer versucht, sein positives Verhalten zu verstärken. Sprich: Wenn er nicht ängstlich weggerannt ist/ruhig geblieben ist, hat er ein Leckerlie bekommen. Dann ist uns beim Spazierengehen mal ein "Sommer-Skifahrer" entgegen gekommen. Das hat ihn so nachhaltig schockiert (er stand danach wirklich unter Schock – zittern, sabbern, zehn Minuten nicht ansprechbar. Ich wollte schon in die Klinik, weil ich dachte, er wäre vergiftet), dass er nun vor dem Geräusch Angst hat, wenn harte Reifen auf Asphalt rollen (Kinderwagen, Rollkoffer, Tretroller). Und zwar richtig, richtig übel.

    Die neueste Neurose (und das ist die, die mich fertig macht): Er hat Angst vor Tischen. Ja. Tische. Es ist unglaublich. Wie ein klassischer Vizsla tobt er manchmal gerne durchs Büro/die Wohnung. Jetzt ist er einmal beim Spielen gegen den Büro-Tisch und einmal gegen den Wohnzimmer Tisch gedonnert. Ich habe mich leider bei beiden Malen sehr erschreckt, weil das Geräusch brutal war (trappel, trappel, trappe, knall, bumm). Aber es ging ihm danach gut, er hat sich nicht weh getan. Allerdings muss mein Erschrecken irgendwie bei ihm einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen haben. Wenn er an einem Tisch vorbei will, der nahe an der Wand steht, bleibt er vor der Lücke stehen und blockiert. Ich kann es nicht besser beschreiben. Er steht dann dort wie auf Glatteis. Zittert. Und bewegt sich nicht. Wenn ich vorbei will, muss ich ihn schieben (habe das aber nur einmal gemacht). Wenn er allerdings spielt oder mit seinem Spielzeug rumläuft bzw. zum Futternapf rennt, ist alles normal. Nur wenn er daran denkt, klappt es nicht. Ich habe dann versucht mit Leckerlies seine Motivation zu wecken. Sprich: Rufen, wenn er kommt, füttern, auf die andere Seite stellen und wieder rufen. Das hat ihn so gestresst, dass er nach zweimal hin und her nur noch am Hecheln war.

    Wie gesagt: Heute steht der erste Termin bei einer Trainerin an, die sich mit Angsthunden auskennt. Aber habt ihr noch Tips? Ich bin gerade ziemlich verzweifelt. Der Kleine ist toll, aber mir wird es langsam zu viel. Es kommt immer mehr dazu und es wird einfach nur noch absurd.

  • Er ist 2 3/4. Er leidet auch an einer Schilddrüsenunterfunktion und wird gerade eingestellt. Da er auch allergisch und sehr dünn ist, habe ich schon diverse Checks gemacht (alle möglichen Blutwerte getestet usw.). Die Allergie (Futtermilben) haben wir mittlerweile gut im Griff. Sein Schilddrüsenwert geht auf die Zielgerade zu.

  • Ich persönlich würde momentan noch gar nicht viel unternehmen bis er mit den Tabletten gut eingestellt ist, denn ohne richtige Hormongabe wird wahrscheinlich sowieso kein Durchdringen zu ihm sein.
    Zumindest war das bei meinem Benny so. Erst als er mit den Tabletten gut eingestellt war, konnte man mit dem Training zum Abstellen der Verhaltensprobleme etwas erreichen, vorher war Benny dazu gar nicht in der Lage weil er nicht aufnahmefähig war.

  • Er steht dann dort wie auf Glatteis. Zittert. Und bewegt sich nicht. Wenn ich vorbei will, muss ich ihn schieben (habe das aber nur einmal gemacht). Wenn er allerdings spielt oder mit seinem Spielzeug rumläuft bzw. zum Futternapf rennt, ist alles normal. Nur wenn er daran denkt, klappt es nicht. Ich habe dann versucht mit Leckerlies seine Motivation zu wecken. Sprich: Rufen, wenn er kommt, füttern, auf die andere Seite stellen und wieder rufen. Das hat ihn so gestresst, dass er nach zweimal hin und her nur noch am Hecheln war.

    Wie gesagt: Heute steht der erste Termin bei einer Trainerin an, die sich mit Angsthunden auskennt. Aber habt ihr noch Tips?

    Nur, dass du sehr gut aufpassen solltest, was die so vorschlägt. Das sind zwei gute Beispiele, wie man es auf keinen Fall machen sollte: Schieben und mit Leckerlis locken. Wenn die Trainerin zum Beispiel sowas vorschlägt, dann kannst du dir das Geld sparen. Der Hund wird nur immer ängstlicher werden, wenn du jetzt an den falschen gerätst.

    Ich drücke die Daumen, dass es mit eingestellter Schilddrüse dann ganz schnell bergauf geht. Bis dahin würde ich den Hund von Auslösern fernhalten. Jede Angstsituation festigt die Angst.

  • Bestätigen ist immer super. Aber locken ist was ganz anderes. Zeigst du dem Hund vorher schon das Futter, bringst du ihn in einen heftigen inneren Konflikt. Das geht meist nach hinten los.

  • Und er hat die Leckerlies dann genommen ? Das würde mich bei so ängstlichem Verhalten stark wundern. Locken bringt meistens nichts, belohnen schon ... aber ein Hund der Panik hat wird niemals fressen können. Locken kann massiven Druck ausüben, so ist das zumindest bei meinem Angsthund.

  • Ich habe dann versucht mit Leckerlies seine Motivation zu wecken. Sprich: Rufen, wenn er kommt, füttern, auf die andere Seite stellen und wieder rufen. Das hat ihn so gestresst, dass er nach zweimal hin und her nur noch am Hecheln war.

    Ich kann mir vorstellen, dass du (aus Unwissenheit) durch dein Verhalten seine Angst verstärkst und das kann sich in Zukunft über immer mehr Situationen hinziehen.
    Man geht an viele Sachen beim Hund leider viel zu menschlich heran und dann können dadurch Probleme entstehen.
    Z.B. einem Kind würde man gut zureden und es in den Arm nehmen, wenn es Angst hat, bei einem Hund hat das gegenteilige Folgen. Da Hunde sehr auf die Körpersprache achten, kann man alleine dadurch schon seine Angst vergrößern - selbst ist einem das oftmals gar nicht bewusst.

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