Hund frisst draußen – wie besser kontrollieren?

  • Es wäre mir noch nie in den Sinn gekommen, meinen Hunden die tiefe Nase im Freilauf zu verbieten - es sind schliesslich Hunde und erst noch Spaniels - das wäre nur über Brechen/absolute Hörigkeit möglich. Beides für mich keine Option. An der kurzen Leine toleriere ich es aber auch nicht, da haben wir klare Regeln. Das läuft aber dann auch nicht unter Gassigehen, sondern unter disziplinierter Fortbewegung von A nach B. Gassi gehe ich zur Bedürfnisbefriedigung meiner Hunde, nicht primär zu meiner eigenen. Da muss ich ihnen echt nicht die Benutzung ihres wichtigsten Sinnesorgans verbieten wollen.

  • Meine Beiden können hervorragend tauschen, das geht sogar mit leckerem Hühnerbein, weil de Stinkekäse, den es dafür gibt, noch viel leckerer ist.
    Anzeigen haben wir für die Fährte geübt und genauso auch beim Gassi für Fressbares.
    Leckeres gesehen, Hund ins "Platz" gelegt und hochwertig belohnt.
    Nach einigem Üben hat er es dann auch selbständig ohne mein Signal gemacht.

  • Ich empfehle dir das Buch "Giftködertraining" und wirklich, jede Gelegenheit mit Futter zu nutzen, um Impulskontrolle und Blickkontakt zu dir zu üben. Wirklich jede.

    Wenn ich draußen Essbares sehe, gehe ich hin, Fuß sicherheitshalber (!) anfangs kurz drauf und stopfe den Hund voll mit Keksen, wenn er mich ansieht. Ich habe das Üben vernachlässigt, aber wenn man dranbleibt schafft man das echt, dass die das nicht sofort inhalieren und einem irgendwann eventuell sogar anzeigen.

  • Naja, Hunde sind Nasentiere, und Fressen aufstöbern ist ein Grundbedürfnis, macht Laune und belohnt sich selbst.
    Von daher muss man da extrem managen, weil Verbote für den Hund völlig unverständich sind.

    Genau so sehe ich das auch ...

    Und schlingen ist nun mal hundetypisch ... ein halbes Kilo Fleisch am Stück ist in einer Sekunde verschluckt ... beim zweiten Welpen haben wir auf einen Antischlingnapf verzichtet - soll er schlingen - und? Bisher hat es ihm nicht geschadet - prima Verdauung, kein Erbrechen .... braves Bäuerchen. Allerdings füttern wir kein Trockenfutter, denn da mag es sinnvoll sein, damit gekaut wird, wobei auch das unser Ersthund mit Antischlingnapf ewg nicht getan hat. Inhaliert ...

    Uns fällt auf, dass unser Zweithund - Welpe Winston - draußen keinerlei Interesse an Kacke, Tempos und ähnlichem zeigt ... vielleicht hängt das damit zusammen, dass er leckeres Futter bekommt? Pansen, Blättermagen - Fleisch - ordentliche Portionen - danach einen Nachtisch, getrocknete Lunge, getrockneten Pansen und ähnliches und DANACH geht es erst Gassi ...

    Der ist satt ... und weiß, nach dem Gassi gibt es Nachschub. Gibt drei Mahlzeiten - vor dem Gassi, nach dem Gassi und abends vor dem Gassi ...

    Ich würde bei einem Hund, der draußen sucht und sucht und sucht bei überreichlicher Fütterung vor dem Gassigang ansetzen ... den Napf ne Weile so voll machen, dass er was übrig lässt ... kein Trockenfutter, sondern MASSE - also nass oder Barf - angereichert mit Obst, Gemüse, Ei, Hüttenkäse, Nudeln/Kartoffeln ...

    Einem satten Hund kann ich viel leichter beibringen, dass er auf Kommando interessantes ignoriert ...


  • Ich denke, daß dieses nach Futter suchen, nicht unbedingt immer etwas mit Hunger leiden zu tun hat, sondern einfache eine üble Angewohnheit ist.
    Und soetwas kann man auch wieder abgewöhnen/abtrainieren.

    Die übele Angewohnheit ist erstmal normales hündisches Verhalten!
    Jeder, der schon mal einen Hund hat, der erwachsen mit diesem Verhalten zu ihm kam, wird wissen, was hinter "wieder abgewöhnen /abtrainieren" steht!
    Arbeit und Mühe und unendliche Wiederholungen und ein sehr geschicktes Vorgehen, das gesamte Hundeleben lang.
    Ein Hund, der das einfach lässt, ist klasse. Aber wenn man einem verzweifelten Hundehalter damit beruhigen möchte, dass er es einfach abtreinieren soll, wird es wieder mal lustig hier.

    Dieses "abgewöhne" ist eine beachtliche Aufgabe für jeden Hundehalter/Trainer.

  • charly2802: Ich muss dich enttäuschen: Auch nach einem 3-Gänge-Menü mit dem Superfutter wird ein Hund etwas für ihn Interessantes beim Gassigang noch fressen - wenn man ihn lässt. Vielleicht ist dies bei deinen Hunden anders, aber eine Art Sättigungsgefühl habe ich bei meiner Kleinen noch nicht festgestellt. Ob sie ihren Sack Hundefutter auffressen würde - und vermutlich platzen würde, da 15 Kilo - habe ich nicht ausprobiert, aber ich bin mir ziemlich sicher, dass sie fressen, fressen, fressen würde.
    Gerade bei den vielfältigen Außenreizen wird alles Mögliche erst mal in die Schnauze genommen, durchgekaut und oft dann geschluckt.

    Und dabei gibt es scheinbar Unterschiede: Wenn das Abbruchsignal bei faulem Obst, Tempos, Zigarettenkippen, Hundesch*** u.ä. schon gut klappt, so heißt das nicht, dass es bei Leckerbissen wie Kleintieren mit Schwanz auch funktioniert. Habe diese bittere Erfahrung vor einer halben Stunde gemacht, als Eika im Vorgarten eines Hauses trotz Schlepp blitzschnell eine tote Maus aufnahm und es mir unmöglich war, den Kiefer zu öffnen und das nette Tierchen wieder herauszuziehen. Auch für ein Stück ihres Lieblingskäses hätte sie diese Beute nicht hergegeben, ob sie nun "satt" war oder nicht. :muede:
    Völlig normales Hundeverhalten - aber kann man eurer Erfahrung nach auch dies mit Training "abtrainieren"?

  • Ich habe das Problem mit der Kleinen auch. Die Große hat (mehr oder weniger zuverlässig) gelernt, mir draußen Dinge zu "benennen" und kommt bei Fund von Essbarem in der Regel zu mir, um ihr Superleckerchen abzustauben. Die Kleine dagegen schlingt alles runter, was sie im Vorbeigehen finden kann (auch tote Mäuse, Beeren, Nüsse, Verpackungen etc.). Ich habe sie momentan ausschließlich an der kurzen Leine und trotzdem erwischt sie immer wieder irgendwas. Nein und Tauschen funktionieren zwar - aber dazu muss ich es eben sehen bzw. es darf noch nicht geschluckt sein. Nun ja, sie kommt von der Straße.. ich denke, dass sie so überlebt hat und das Verhalten einfach drin ist..

    @charly2802
    Füttern vorm Gassigehen finde ich etwas problematisch im Hinblick auf das Magendrehungsrisiko. Mir ist lieber, wenn nach dem Fressen erstmal Ruhephase angesagt ist.

  • Aber wenn man einem verzweifelten Hundehalter damit beruhigen möchte, dass er es einfach abtreinieren soll, wird es wieder mal lustig hier.

    Man kann es nicht in jedem Fall abtrainieren! Es gibt Hunde, die bereits als Welpen auf der Strasse gelebt haben und nach Nahrung suchen für sie überlebenswichtig war. In so einem Fall ist es sehr schwierig, die unkontrollierte Futtersuche abzugewöhnen oder umzuleiten.

    Aber bei Hunden, die das nur aus Gewohnheit oder Langeweile machen, ist es sehr gut möglich.

  • Völlig normales Hundeverhalten - aber kann man eurer Erfahrung nach auch dies mit Training "abtrainieren"?

    Natürlich kann man das trainieren. Und dennoch ist es erstmal völlig normal. Man trainiert ja auch in anderen Bereichen "normales Hundeverhalten" um oder ab.
    Wenn Hunde von Beginn an lernen Beute zum Menschen zu bringen ist es einfacher als wenn sie immer nur ihre Beute weggenommen bekommen. Beute aus dem Maul eines anderen nehmen ist bei Hunden nicht üblich. Welpen nehmen von erwachsenen was aus dem Maul, aber dass ein Hund zum andern geht und Sachen aus dem Maul nimmt gibt es nicht.
    Dewegen kann das nur ein Notfallmanagement sein.
    Junge Hunde müssen lernen uns Menschen ihre Beute zu bringen. Das ist letztlich nichts anderes als Apportieren. Und ich bau das auch so auf.

  • Sorry, ich habe länger nicht reingeschaut, da meine Große operiert wurde.

    Schön, dass hier so fleißig geschrieben und diskutiert wurde. Ich glaube, ich habe mich missverständlich ausgedrückt. Es ist nicht so, dass mein Hund ununterbrochen die Nase am Boden hat. Trotzdem, wenn etwas lecker riecht, bemerkt er es natürlich.

    Es ist in gewissem Maß natürlich, dass Hunde schlingen, aber er übertreibt es. Ich kann z.B. überhaupt keine Knochen mehr füttern. Denn die schlingt er ebenfalls und schluckt sie sobald es geht. Immer wieder Magenprobleme deshalb und vor drei Monaten brach er sich sogar einen Zahn ab und der Zahn musste in Narkose gezogen werden... Deshalb lassen wir das jetzt.

    Wir haben die letzten Tage weiter fleißig trainiert und ich merke, dass es im Einzeltraining besser funktioniert als mit beiden Hunden zusammen. Ich glaube zusammen kommt der Faktor "wenn ich es nicht nehme, nimmt es vielleicht der andere" hinzu. Beide nehmen herumliegendes Trainings-Futter dann zwar nicht auf, aber sie sind viel angespannter und fixieren den anderen. Im Training klappt es zu 100 %, aber sonst leider nicht...

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