Scheu? Verwildert? Sozialisierbar?
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Hallo zusammen!
Vor 5 Tagen haben wir eine 4-jährige Hündin auseinem spanischen Tierheim adoptiert, die seit dem Alter von 6 Wochen dort lebt und so langsam haben wir die Vermutung, dass es mit ihr ein ganzes Stück Arbeit wird. Ich brauchemal ein paar Ratschläge von erfahrenen Hundehaltern, was scheue bzw.etwas verwilderte Hunde angeht. Oder falls Ihr gute Literatur dazuoder einen Hundetrainer im Raum Bonn empfehlen könnt, immer herdamit.
Vom Tierheim wurde Tapa als schüchternaber lieb beschrieben. Bei unseren 2 Vorbesuchen war sie anfangs kurzpanisch, ging dann aber ganz passabel mit uns an der Leine spazieren.Da unsere im April verstorbene Hündin auch anfangs Angst vor fastallen Menschen und vielen Geräuschen hatte und am Ende jeden Fremdenfreudig begrüßt hat, haben wir gedacht, dass die Erfahrungen mitunserer verstorbenen Hündin uns helfen werden.
Nachdem der Tapa sich nun ein wenigakklimatisiert hat, stellt sich ihr Verhalten als zunehmend schwierigheraus. Ich vermute, dass sie im Tierheim wenig Kontakt zu Menschenhatte (sie hat sich im Gehege auch immer nach hinten verzogen, wennMenschen kamen, während andere Hunde freudig winselnd undschwanzwedelnd um Aufmerksamkeit baten). Sie verhält sich fast wieein wildes Tier.
Aktuell wohnen wir noch bei meinenEltern (Urlaub), die auch einen Hund haben (liebenswürdigerEinzelgänger). Tapa ist tagsüber (Terassentüren sind auf) miteiner 7m-Leine so befestigt dass sie einen gewissen Bewegungsradiushat. Wir gehen jeden Morgen gemeinsam spazieren, sowie nachmittagsfast alle zum Gemüsebeet und abends alle zusammen auf die Terrasse.Diese Rudelveranstaltungen sind für Tapa Pflicht, d.h. sie wird mitder Leine mitgenommen, ob sie will oder nicht. Den Rest der Zeit kannsie (innerhalb des Leinenradius) entscheiden, ob sie sich jemandemanschließt oder sich alleine irgendwo ablegt. Spätabends, wenn dieTerrassentüren zu sind, kann sie sich ohne Leine in der Wohnung freibewegen.
Hier ein paar Erfahrungen der letztenTage:
Spaziergänge außerhalb desGrundstücks:
... funktionieren prima, wenn wir erstmal losgegangen sind. Sie wird entspannt, schnüffelt und hatoffensichtlich Freude daran. Mein Freund wird allerdings immer vonihr skeptisch beäugt und sie weicht ihm aus bzw. dreht sich öftermal nach ihm um.Verfolgungsspielchen:
Ist sie ohne Leine in der Wohnung läuftsie mir ab und zu hinterher (manchmal sogar aufs Klo), wenn ichallerdings in ihre Richtung gehe, läuft sie wieder weg.
Heute morgen bin ich mit ihr mit Leineraus auf das umzäunte Grundstück gegeangen, damit sie Pipi machenkann. Leider hat mich unterwegs ein bescheuertes Rieseninsektangeflogen, so dass ich mich total erschreckt und die Leinelosgelassen habe. Der Hund hat sich dann auch erschreckt und ist erstmal stiften gegangen. Es war mir leider unmöglich, sie wieder"einzufangen". Ich habe verschiedenes versucht (weggehen umzu gucken, ob sie hinterherkommt, so tun als ob man sich für was inihrer Nähe interessiert, angeguckt habe ich sie dabei schon gar nicht), aber bin nie näher als 5-6m an sieherangekommen. Mein Freund ist dann auch scheinheilig durch denGarten geschlendert, in der Hoffnung dass sie dann wieder ins Hausläuft, weil sie offensichtlich große Angst vor ihm hat. Das hatdann auch funktioniert. Sie ist an mir vorbei ins Haus gerannt.Verstecken:
In ihrer "Freizeit" liegtTapa unter einem Tisch oder einem Stuhl und beobachtet uns. 3Personen können sich ihr nähern und z.B. die Kühlschranktürhinter ihrem Rücken öffnen, ohne dass es ein Problem für sie ist.Wenn mein Freund in der Nähe ist, ist sie deutlich angespannter undgeht auch mal weg, um seine Nähe zu vermeiden.
Gestern Abend war ich mit mir abendsnoch mal an der Leine im Garten spazieren und hab sie mal aussuchenlassen, wo wir hingehen. Sie hat sich ein Gebüsch an einem Felsgesucht, ist dahinter gegangen und fing an sich eine Mulde zu graben.Ich vermute, sie fand diesen Ort sehr sicher und weit weg genug vonuns und wollte dort ihren neuen Wohnsitz einrichten.Ihr Vertrauen ist sehr wechselhaft. Manchmal ist es ok, wenn man direkt neben ihr langgeht, manchmal läuft sie direkt panisch weg, wenn jemand Neues den Raum betritt.
Leckerchen und Futter sind somittelmäßig interessant. Als Lockmittel dienen Leckerchen leiderkaum.
Ansonsten ist sie eine gaaanz liebeMaus, knurrt nicht, bellt nicht, beißt nicht. :x
Wir sind nun gerade ziemlich ratlos,haben auch ein wenig Angst, dass der Hund so verwildert ist, dass ergar keine Beziehung zu Menschen aufbauen kann. Mein Freund istnatürlich besonders traurig, weil sie ihn so offensichtlich meidet.Dabei hat er sie sogar ausgesucht. :((
So, und jetzt :help: :help: :help:
Ratschläge?
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Hm, eigentlich wollte ih noch fehlende Leerzeichen einfügen, aber das Forum erlaubt mir nicht, meinen Beitrag noch mal zu bearbeiten. Ich hoffe, es ist trotzdem einigermaßen lesbar. :)
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Was habt ihr denn erwartet, wenn ihr einen Hund, der bis dato Menschen nicht als Sozialpartner kennen gelernt hat und sich darüber hinaus bei euren Besuchen direkt mal als der scheuste gezeigt hat kauft?
Ja, es kann durchaus sein das der Hund sich für den Rest seines Lebens Menschen nicht wirklich anschließt. Im dümmsten Fall ist der Hund "durch und durch" Straßenhund, der bereits Vorfahren hatte, die tendentiell eher überlebt haben wenn sie scheu und vorsichtig waren.
Aber : 5 Tage sind auch noch keine Zeit. An eurer Stelle würde ich den Hund erstmal in Ruhe lassen und dann jegliches an euch orientieren belohnen, in dem ihr zum Beispiel die Tagesration für erwünschtes Verhalten verfüttert.
Und... um Gottes Willen, sichert den Hund anständig! Das heißt mindestens ein gut sitzendes Geschirr und sicheres (Zug) Halsband mit 2 Leinen und wenn du die Leine nicht sicher festhalten kannst, dann bind sie dir um.
Tagtäglich gehen Hunde mit genau einer solchen Vorgeschichte verloren, weil die Menschen naiv ran gehen. In vielen Fällen laufen sie vor Autos, strangulieren sich selbst wenn sie irgendwo hängen bleiben oder verhungern gleich längerfristig. Wie ihr ja schon festgestellt habt, habt ihr keine Chance sie wieder einzufangen, wenn sie mal weg ist. -
Lässt sie sich denn anfassen, zumindest von euch? Ging das von Anfang an?
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Mir fällt da nur Geduld hoch zehn ein.
Da sie ja offensichtlich grosses Interesse an dir zeigt, daurch dass sie dir hinterherläuft, kommt das sicherlich mit der Zeit.
Bei meinem Tierschutz-Opa hat es auch - ich würde sagen - über ein Jahr gebraucht, bis er so richtig angekommen ist.
Vielleicht könnt ihr mal schauen, an welchen Stellen ihr noch mehr Druck/Stress für sie rausnehmen könnt. zB.
- noch mehr sie auf euch zukommen lassen anstatt auf sie zugehen.
- einen etwas grösseren Bogen um sie rum laufen, wenn du an ihr vorbei musst
- einen sicheren Rückzugsort zu Verfügung stellen (mein zB. Hund liebt seine Box)usw.
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sie ist ja erst seit 5 Tagen bei euch. Gebt ihr Zeit und in einem halben Jahr hat sich vieles bestimmt schon etwas gebessert.
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Da kann man schon einiges machen, allerdings ist da Geduld gefragt, auch von deinem Freund. Was du so beschreibst hört sich schon mal gut an.
Folgende Tipps hätte ich für euch:- ich würde dem Hund einen relativ engen Rahmen stecken und wenig Entscheidungsfreiheiten lassen. Das wird sie zurzeit noch überfordern und ihr Angst machen. Z.B. kein allzu freies bewegen im Haus. Dich kontrollieren/verfolgen und dann vor Angst weglaufen bringt nix. Bring sie besser auf ihren Platz (bau ihr eine schöne Höhle mit Decken und einer Box), auf dem sie dann auch in Ruhe gelassen wird. Kein anschauen oder ansprechen, möglichst geschützt nicht mitten im Raum.
7m im Garten finde ich nicht schlecht. Hat sie da auch einen Rückzugsort oder eine geschützte Ecke?
- Klare und regelmäßige Abläufe und Regeln sind wichtig, also immer um die gleich Uhrzeit Fressen, Gassi, Garten usw. auch die gleichen Strecken gehen. Zeigt sie sich sicher, kann man etwas verändern, aber nur schritt für schritt
- aktives Training mit deinem Freund würde ich noch nicht machen. Allerdings würde ich ihn immer als Begleiter bei den schönen Dingen mitnehmen. So dass sie merkt, der will nix von ihr, gehört aber dazu und wenn der da ist passiert was tolles.
Wenn sie sich interessiert zeigt, dann nicht anschaun, nicht auf sie zu gehen, höchstens die Hand zu ihr strecken.
Später würde ich ihn dann mit einbinden. Z.B. mal die Leine halten lassen, ein besonders leckeres Stück Fleisch geben lassen, Leckerlies verstecken lassen und sie dann zum Suchen schicken usw.
- die Spaziergänge nicht zu lange machen! Mehr als 20min würde ich nicht gehen und eher 2 als 3 Mal am Tag. Auch wenn sie brav läuft draußen, können sie die Eindrücke überfordern und bei euch zuhause kommt sie dann nicht zur Ruhe.Empfehlen kann ich dir sehr diese Hundeschule: http://www.k9unit.de/ von @Buddy-Joy. Wenn das zu weit ist, kennt sie vielleicht auch wen gutes in Bonn.
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Grundsätzlich wird der Hund ja Erfahrungen mit Menschen gemacht haben (und das ja schon im Welpenalter), nur sehr wenig scheinbar und vor allem hat er nicht das Zusammenleben mit dem Menschen gelernt.
Dazu kommt der Umzug in eine neue Kultur, neue Gerüche, neue Geräusche, ganz anderes Leben.
Dafür, finde ich, hört sich das sogar noch echt gut an und ich würde sagen, es braucht einfach Zeit.
Wichtig wäre, sie einfach nicht zu bedrängen, ihren Alltag zu strukturieren und ihr Regeln zu geben.
Ebenso einen sicheren Rückzugsort, wo sie definitiv in Ruhe gelassen wird.Spaziergänge würde ich zunächst aufs Minimum (nur zum Lösen) beschränken und immer den gleichen Weg, möglichst direkt von zuhause aus, gehen und den Hund sicherheitshalber doppelt und dreifach sichern (also mindestens Panikgeschirr und Zugstophalsband und an jedem eine Leine).
Auch wenn in der wichtigen Phase einiges verpasst wurde, ist es sicher möglich, dass der Hund sich an euer Leben gewöhnt und offener wird. Sie hat ja mit anderen Hunden gelebt und es heißt, wenn ein Tier mit anderen Tieren Sozialverhalten gelernt hat, ist dies auch übertragbar auf andere Tiere (oder halt Menschen). Das dauert halt einfach, weil man Sozialsierung und entsprechende Gehirnverknüpfungen nicht mehr nachholen, den Hund aber zumindest noch gewöhnen kann.
Momentan hilft der zweite Hund scheinbar auch. Wenn der weg fällt, kann unter Umständen alles zusammenbrechen.
Ich selbst habe auch einen Hund, der recht jung von der Straße gefangen wurde, von da aus in die Tötung und von da aus in eine Auffangstation gekommen ist, wo sie dann zwei Jahre in dem gleichen Gehege mit anderen Hunden saß.
Dieser Hund hat also maximal 2 bis 3 Erfahrungen mit Menschen gemacht und die waren noch nicht mal gut (Einfangen, Handling in der Tötung, Tierarztbesuche), ansonsten hat sie Menschen nur kennen gelernt, wenn sie Futter gebracht oder Kacke raus gemacht haben. Zu den wenigen (eher schlechten) Erfahrungen mit Menschen stehen auf der andere Seite nicht genug bzw. gar keine guten Erfahrungen.
In der Auffangstation zeigte sie starktes Flucht- und Meideverhalten, an der Leine Panik und im Zweifel "freeze" und wenn die Bedrängung zu stark war auch "fight" (also auch Beißen.Mir war bewusst, wie dieser Hund ist, als ich sie als Pflegehund aufgenommen haben. Allerdings sind meine Rahmenbedingungen auch sehr günstig und ich bin nicht drauf angewiesen, mit dem Hund draußen spazieren zu gehen, was ich bis heute niemals machen würde.
Nach jetzt zwei 2 Jahren hat sie sich stark zum Positiven verändert und hat sehr viel Neues gelernt, der Weg allerdings war hart.
Anfassen kann aber selbst ich sie bis heute nicht, obwohl sie sonst sehr offen auch mit fremden Menschen ist, von jedem Futter aus der Hand nimmt und man es ihr nicht ansieht, dass der Anblick von Menschen sie früher in Panik versetzt hat.
Deswegen denke ich, wenn ihr wenigstens die Chance habt, sie anzufassen, habt ihr da schon einen großen Vorteil.
Den Rest bringt die Zeit und die 4 Jahre Auffangstation wollen ja auch erst mal wieder wett gemacht werden.
Überfordert sie nicht, lasst sie einfach sein, wie sie ist, integriert sie in euren Alltag durch Strukturen und Dinge, auf die sich sie verlassen kann. Der Rest kommt dann von selbst, denn erzwingen kann man eh nichts.
Setzt einfach auf Gewöhnung und nehmt auch in Kauf, wenn etwas nicht so geht, wie ihr es gewohnt seid oder erwartet.
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Ihr habt sie erst 5 Tage
Lasst sie erstmal ankommen und sich eingewöhnen. Zur Ruhe kommen und den Alltag kennen lernen. Das Wichtigste ist erstmal vertrauen fassen und Bindung zu euch aufbauen. Gebt ihr Schutz, Liebe, Vertrauen und Sicherheit. Der Rest kommt nach und nach in kleinen Schritten. Für sie ist alles neu und muss erst erlernt werden. Sie weiß nicht was ihr von ihr erwartet und das zeigt ihr dem Hund langsam nach und nach. Nicht zu viel auf einmal, das könnte sie überfordern. -
Regeln und klare Struktur wurde ja schon genannt. Was auch hilfreich ist...
Rituale schaffen (zB. nach der kleinen Nachmittagsrunde gibt es immer was besonders Leckeres) - Vor einem Moment
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