• Geordy hat schon immer eine Individualdistanz, die einem Elefanten gleich kommt. Das betrifft Hunde, aber vor allem Menschen. Er reagiert nicht aggressiv, sondern flüchtend und das vor allem, wenn er nicht in Bewegung ist. In Bewegung wählt er seinen Abstand allerdings recht groß und verweigert dann auch ein näheres vorbeigehen. Hat er sich zuhause selbst irgendwo hingelegt und man muß zu Nahe an ihm vorbei, hechtet er hoch.

    In den letzten Jahren hatte sich das aber ganz gut eingependelt. Die übliche Hundeplatzgruppenarbeit, Formationen laufen und so Zeug, machte ihm sogar richtig Spaß.

    Seit geraumer Zeit, einen Auslöser weiß ich leider nicht, funktioniert das gar nicht mehr. Hunde sind hier kein Problem. Er kann eng in der Gruppe liegen oder sitzen, Hunde können nah an ihm vorbei abgerufen werden. Aber geht ein Mensch nur an ihm vorbei, steht er sofort auf. Welcher Mensch ist egal, dass kann ich auch selber sein. Er verläßt dann die Stelle nicht, flüchtet also nicht sonstwo hin, kann aber eben nicht sitzen oder liegen. Dieses Verhalten zeigt er auch im Wald, wenn ich ihn da sitzen/liegen lasse und an ihm vorbei gehen will oder wir uns irgendwo hinquetschen müssen, um z.B. einen Trecker vorbei zu lassen.

    Ich hätte das gern wieder abgestellt. Eigentlich kann man Geordy alles Unangenehme schön clickern. Hat er die Kontrolle, kann sein Tempo bestimmen, funktioniert das gut und dauerhaft (Brücken, Wehre, Unterwasserbad... all so böses Kram).

    Aber ich scheitere gerade und es kommt mir vor, als würde er nicht den kleinsten Fortschritt machen.

    Ich weiß jetzt nicht, ob ich einfach noch 100.000 Wiederholungen brauche oder ob ich einen anderen Ansatz probieren sollte. Dumm ist, mir fällt kein anderer Ansatz ein :ops:

    Irgendwelche Ideen?

  • Edit:

    Dieses Verhalten zeigt er auch im Wald, wenn ich ihn da sitzen/liegen lasse und an ihm vorbei gehen will oder wir uns irgendwo hinquetschen müssen, um z.B. einen Trecker vorbei zu lassen.

    Ich finde es nicht ungewöhnlich, dass ein hund in solchen situtionen stehen möchte.

  • Hm warum ist es denn schlimm, wenn der Hund steht statt liegt? Du stehst doch bestimmt sichernd neben ihn, wenn beispielsweise ein Trecker um die Ecke kommt oder? Evtl würde es etwas bringen, wenn Du Dich mit Deinem Körper vor ihm stellst, wenn er liegt und ihm damit signalisierst- ich habe alles im Blick und kümmer mich darum. Wäre jetzt nur eine Idee, das kann die Situation entspannen und evtl würde er dabei liegen bleiben. Ansonsten würde ich hier nicht mit der Brechstange arbeiten (Du meintest ja in Deinem Post, dass Du dieses Verhalten gerne abgestellt hättest, ich kann gerade nicht nachvollziehen, warum ;) ). Ich meine- wenn ihm das Liegen unangenehm ist und er lieber steht- dann würd ich ihm das gewähren. Sehe da jetzt gar kein Problem. ;)

  • Hallo,

    mein Podi-Rüde hatte auch das Problem bei Menschen entspannt zu bleiben. Warum habe ich nie heraus bekommen. Ich habe es die erste Zeit toleriert, aber irgendwann sind mir seine spontanen "Fluchtvversuche" einfach auf den Keks gegangen.
    Er musste dann im Verein mit auf die Terrasse und zeitweise eben die Menschen die herumliefen ertragen. Das hat dann auch ganz gut geklappt. Alle wußten um unser Problem und haben in einfach ignoriert.
    Im Frühjahr, schönes Wetter, habe ich mich dann in einer Fußgängerzone auf eine Bank gesetzt. Für ihn hatte ich eine Decke dabei, denn auf hartem Boden mochte er nicht liegen. Mit einem Buch bewaffnet haben wir dort einen ganzen Vormittag verbracht. Nach etwa einer Stunde setzte er sich das erste Mal hin. Nach weitern, mindestens, 2 Stunden lag er direkt neben mir. Nach einer weiteren Stunde war er völlig weg gepennt. Da haben ihn nicht mal mehr rennende Kinder gestört.
    Beachtet habe ich ihn kaum. Zwischendurch ging es mal kurz zum Grünstreifen und es gab etwas zu trinken. Sonst passierte nichts.
    Wir haben es ausgesessen. In den darauf folgenden Wochen nahm ich ihn immer kurz mit und es dauerte nicht lange da kam er sogar gerne mit und nahm sogar Leckerchen.
    Mit Menschen hatte er dann keine Probleme mehr und marschierte sogar mit mir durch den Hauptbahnhof im Feierabendtreiben.

    LG Terrortöle


  • Eine Frage dazu: er nimmt die Position auch gar nicht erst ein, wenn du neben ihm stehst (also z.B. Grundstellung im Fuß)?


    Doch, er nimmt die Position ein. Wobei Geordy niemals so eng sitzt oder im Fuß läuft, wie ein Richter das gern sehen möchte. Er hält Abstand.

    Und dabei fällt mir auf: er hat ja nicht selbst die Kontrolle, wenn er z.B. abgelegt ist und ich ihm ein Passieren von Menschen schön clickern will. Das ist ja nicht seine Entscheidung, wie weit die ran kommen.
    Aber da hab ich jetzt erst recht nen Knoten im Kopf, wie ich das aufbauen könnte, dass er die Kontrolle hat.

    @boomeran und Wolfsspuren:

    Der Trecker z.B. ist Geordy nicht wichtig. Um den macht er sich keinen Kopf. Ich finde es aber für den Treckerfahrer angenehmer, wenn der deutlich sehen kann, alle sitzen/liegen und er kann unbesorgt vorbei fahren. Es ist außerdem gelegentlich ein Platzproblem, wenn drei Hunde und ich in eine Lücke passen müssen und Herr Geordy rumhempelt. Er setzt sich ja erst und hempelt dann wieder hoch. Nun, das würde ich vielleicht noch anders managen können. Aber es hängt ja mit dem "sportlichen Problem" zusammen. Und wenn er das da nicht wieder hinbekommt, nimmt er sich selbst Aktivitäten, die er eigentlich gut findet.


  • Er musste dann im Verein mit auf die Terrasse und zeitweise eben die Menschen die herumliefen ertragen. Das hat dann auch ganz gut geklappt. Alle wußten um unser Problem und haben in einfach ignoriert.


    Wie hat Dein Podi sich da benommen? Bzw. ich stell mir die Situation gerade so vor, dass Podi da frei auf der Terrasse war und eigentlich nix von den Menschen wissen wollte, einfach ertragen mußte, dass die da alle rumwuseln... ja?
    So ist Geordy nämlich nicht. Geordy mag Menschen anundfürsich sehr gern und würde sich einmal durchschmusen, so lange er da eben selbst hingehen kann und sich frei bewegen.

    Zitat


    Im Frühjahr, schönes Wetter, habe ich mich dann in einer Fußgängerzone auf eine Bank gesetzt. Für ihn hatte ich eine Decke dabei, denn auf hartem Boden mochte er nicht liegen. Mit einem Buch bewaffnet haben wir dort einen ganzen Vormittag verbracht. Nach etwa einer Stunde setzte er sich das erste Mal hin. Nach weitern, mindestens, 2 Stunden lag er direkt neben mir. Nach einer weiteren Stunde war er völlig weg gepennt. Da haben ihn nicht mal mehr rennende Kinder gestört.


    Deswegen finde ich auch, dass dieser, eigentlich gut klingende Lösungsansatz, bei Geordy irgendwie das Ziel verfehlt. Ich würde ihn zumindest mit einer Leine sicher müssen, weil ein ihn anlächelnder Mensch durchaus reichen würde, damit er sich an den ranschmeißt. Die Leine schränkt ihn aber schon wieder ein.

    Hm, ich weiß grad nicht, ob ich Geordys Verhalten richtig klar machen kann. Der hat nicht wirklich ein Problem mit Menschen.

  • Warum steht er denn auf? Also nicht, um zur Not "flüchten" zu können?! Oder doch: die Nähe ist ihm nur unangenehm, wenn er das Gefühl hat, er kann sie nicht sofort selbst wieder auflösen? Und deshalb meinst du, er muss das Gefühl haben, die Kontrolle haben? Er könnte ja auch es dir überlassen, zu entscheiden in dem Moment. Fehlt ihm so allgemein das Grundvertrauen in die Welt, oder woran liegt das?

  • Warum steht er denn auf? Also nicht, um zur Not "flüchten" zu können?!


    Der ganz junge Geordy ist ja durchaus zur Seite, weg von der vermeintlichen Gefahrenquelle, gehechtet. Ich glaube schon, dass Flucht es am ehesten trifft, auch wenn er das heute nicht so umsetzt. Eigentlich weiß er ja auch, dass er da gerade ein Sitz/Platz-Signal hat.

    Zitat


    Oder doch: die Nähe ist ihm nur unangenehm, wenn er das Gefühl hat, er kann sie nicht sofort selbst wieder auflösen?


    Das ist mein Eindruck, ja. Wenn man jetzt mal die Leute aus der Hundegruppe nimmt. Der würde sich bei jedem halb auf den Schoß legen und sich knuddeln lassen, gehen die an ihm vorbei, während er in Grundstellung neben mir sitzt, hüpft er hoch.

    Zitat


    Und deshalb meinst du, er muss das Gefühl haben, die Kontrolle haben? Er könnte ja auch es dir überlassen, zu entscheiden in dem Moment.


    Ja, er könnte es mir überlassen. Leider hat Geordy das noch nie gemacht. Er hat ja so diverse Geschichten, die er doof findet. Brücken, wo man runter gucken kann. Enge Brücken. Brücken, wo man durchgucken kann und das Wasser rauscht. Aufzüge, weil eng. Unterwasserbad, weil eng und nass. So Kram halt.
    Und ich habe es immer nur geschafft, ihn selbst Schritte gehen zu lassen und das schön zu clickern. Wenn er das dann schafft, freut er sich auch wie Bolle und dann klappt das irgendwie auf ewig.
    Aber man kann Geordy nicht sagen: jetzt geh einfach mit und man läuft los, so als wär das nix. Das funktioniert ja bei vielen Hunden. Geordy sperrt sich dann wie Esel und ist mit nichts vorwärtszubewegen. Viele helfen ja auch z.B. für eine korrekte Grundstellung nach, in dem sie eng am Zaun üben oder mit einer Hand begrenzen. Das geht bei Geordy nicht. Verweigert er einfach mit stehenbleiben oder er windet sich raus.

    Deshalb suche ich den Lösungsansatz, wo er die Kontrolle hat. Mir fällt nichts besseres ein.

    Zitat

    Fehlt ihm so allgemein das Grundvertrauen in die Welt, oder woran liegt das?


    Gute Frage. Ganz platt: er war schon immer so. Er hat sicher einige Unsicherheiten, teils ja auch Ängste, ist aber auch kein komplett unsicherer Hund. Der hat eigentlich sogar Selbstbewußtsein und kann auch vehement etwas verweigern und sich da sehr gut behaupten.

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