Qualzuchten

  • Momentan sind es gerade oft junge Leute, die sich einen Mops oder Bully holen, oft so ein bisschen als Kindersatz oder Objekt zum Üben fürs Kind. Oder der Hund ist zum Großteil Modeaccessoir, er muss in die kleine Stadtwohnung passen und überall mithin genommen werden können.
    Der Gedanke mit dem Hund täglich längere Zeit in Wald und Feld unterwegs zu sein, liegt den meisten dieser Halter eher ferne.
    In gewissem Rahmen möchte man einen Hund der "betüdelt" werden muss.

    So jemanden - in Bezug auf Kinderersatz und Naturferne - kenne ich nicht.
    Den Wunsch, dass einem der eigene Hund optisch auch gefällt, sich in der eigenen Lebenssituation wohl fühlt und ggf. immer dabeisein kann, finde ich jetzt auch nicht verweflich.


    Aber ein ganz gutes Beispiel sind ehemalige Kollegen von mir, arbeitend in gehobenen Positionen in kleinen, hippen Werbeagenturen. Einer hat sich einen Mops zugelegt (ich würde denken wegen der "gediegenen" Ästhetik des Hundes und seines interessanten Charakters), der andere eine Frz. Bulldogge. Letzterer hat mir damals erzählt, dass die Bulldoggen vom Auslauf her sehr genügsam seien, eine halbe Stunde am Tag reiche denen. Das wird er sich nicht ausgedacht haben, sondern das wird ihn so erklärt worden sein.
    Beide Kollegen sind gebildete Menschen, die gut verdienen. Ich habe keine Ahnung, wo die Hunde herkamen, ob VDH-Züchter, anderer Züchter oder Vermehrer. Beide Kollegen werden sicherlich nicht nach günstigem Preis ausgesucht haben, es sind beides Menschen, die viel Wert auf Qualität legen.
    Den Mops kannte ich nicht als Welpen, ich kenne das Tier nur erwachsen und immer röchelnd. Bellen konnte er nicht, nur so eine Art "Uff-ufff!" und hatte inzwischen die zweite Nasen-Op hinter sich (soweit ich das richtig erinnere).
    Den Frenchie habe ich nur als Welpen und Junghund kennengelernt, zu dem kann ich weiter nichts sagen.
    Warum ich das alles aber schreibe: das waren qualitätsorientierte Menschen, die es gewohnt sind, sich schlauzumachen und das vor der Anschaffung der Hunde sicherlich auch getan haben. Mir scheint, dass viele wichtige Informationen über die brachecy-dingsda Rassen nicht dort ankommen, wo sie wichtig wären. Der Mopshalter war erschüttert und traurig wegen der Nasen-OPs dun des Röchelns. Ihm ging es nicht gut damit und er hat das anscheinend nicht kommen sehen.

    Darum denke ich, dass Öffentlichkeitsarbeit das Wichtigste wäre. Wenn sich von Züchterseite nichts bewegt, dann ja, dann muss es die schwindende Nachfrage regeln, so blöde das ist. Und wenn man die Menschen schon aufklärt, dann kann man auch gleich miterwähnen, dass ein "Sport- oder Retromops" nicht unbedingt besser dran ist.

    Keine Ahnung, vielleicht könnte ein Tierschutzverein das anstoßen. Eine Kampagnenidee hätte ich, aber die müsste man umsetzen und in die Welt hinaustragen. Kein Hexenwerk, aber nicht alleine machbar.

  • Menschen, die Tierleid nicht sehen wollen, werden es nicht sehen.

    Guckt doch nur mal, wie viel mehr Pelz inzwischen wieder getragen wird.
    Wie Billigfleisch gehortet wird- u.a. von vielen Barfern.
    Erinnert euch an Legebatterien/ Massentötung von Hähnen/ Massentierhaltung.
    Stopfleber, Daunenjacken/Daunenbetten. Uswusf.

    @Zucchini ich fürchte du hast recht. Dennoch sehe ich einen Unterschied darin, etwas über Tierleid zu wissen und dieses Wissen zu verdrängen (um den Hund zu barfen, die Daunenjacke zu tragen, etc.) oder nichts zu wissen und darum Tierleid unwissend zu fördern.

    Wären Mops und Frenchie nicht allgemein mit "komische, süße Hunde (Loriot!)" konnotiert, sondern mit "arme, kranke Röchelhunde", dann würden sie - behaupte ich - bei weitem nicht mehr so viel in Werbespots zu sehen sein.

    War das nicht mit dem Shar Pei ähnlich? Eine Zeitlang waren die doch total hip und niedlich und dann hörte man immer mehr Kritisches (ich war damals noch keine Hundehalterin, darum habe ich das nur am Rande mitbekommen) und heute sehe ich kaum noch welche.

  • Qualzucht - Prof. Dr. Irene Sommerfeld-Stur im Exklusivinterview - Hundebloghaus


    explizit zum Mops:

    "In Dissidenzvereinen ist Kreuzungszucht möglich, die eine Bereicherung für die genetische Vielfalt darstellt. Bei Möpsen z. B. konnte mit der Einkreuzung von Parson Russell Terriern eine Verlängerung des Gesichtschädels erzielt werden und so eine Verbesserung des Atemnotproblems erreicht werden. Dies ist unter dem VDH nicht möglich.
    Doch auch in Rassehundezuchtvereinen die unter dem VDH züchten ist es jedem Züchter möglich in eine weniger extreme Richtung einer Rasse zu züchten, selbst wenn er die klassische
    Linienzucht praktiziert."

  • Bei Möpsen z. B. konnte mit der Einkreuzung von Parson Russell Terriern eine Verlängerung des Gesichtschädels erzielt werden und so eine Verbesserung des Atemnotproblems erreicht werden.

    Wo das Problem ja anfängt. Wieviel Parson muss in den Mops um die Problematik zu beheben? Ich kenne einen solchen Mix und der hat nicht weniger Atemluftprobleme als ein gewöhnlicher Mops.

    Wenn das mal so einfach wäre.

    Wobei meine Beagle/franz. Bulli Dame keine Probleme in der Hinsicht hatte. Sie hat allgemein auch weniger gehechelt als alle anderen Hunde die ich je kannte. :ka:

  • Na ja, aus so einer Verpaarung werden 50:50 fallen und da muss für eine Weiterzucht die Hunde ausgewählt werden, die eben in der Veranlagung zur freien Atmung in Ordnung sind.

    Und dennoch ist das keine Garantie. Den ein freiatmender Hund mit gut angelegten Atemwegen muss sie zwangsläufig ja nicht vererben.

  • Und nehmen wir an, die Hunde die freiatmend fallen, sind nicht nur in der Hinsicht anders, sondern zeigen auch keinerlei Mopstypisches Verhalten? Wenn man dann nicht genug Hunde hat, die ebenfalls freiatmend sind und vom Wesen her und Aussehen typisch Mops sind...

    Ich bin niemand der sich mit Vererbung unter Hunden auskennt und habe daher nicht viel Ahnung. Aber ich habe meine Bedenken, dass es nicht so einfach ist mal 2 Rassen (die vom Verhalten her auch sehr unterschiedlich sind) zu kreuzen und damit eine der beiden Rassen zu verbessern. :ka:

  • Ich bin niemand der sich mit Vererbung unter Hunden auskennt und habe daher nicht viel Ahnung. Aber ich habe meine Bedenken, dass es nicht so einfach ist mal 2 Rassen (die vom Verhalten her auch sehr unterschiedlich sind) zu kreuzen und damit eine der beiden Rassen zu verbessern. :ka:

    Du gehst davon aus das ein verändertes Wesen einer Rasse gegenüber dem freien Atmen eine Verschlechterung bleibt?
    Ich denke halt das man ja wieder nach Wesen selektieren kann wenn die Tiere körperlich wieder gesund wären.

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