"Spezielle Hunde"

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    Hallo,


    ich habe eben mal "Autismus beim Hund" gegoogelt, weil mich das Thema in letzter Zeit beschäftigt. Leider gibt es gar nicht so viele Infos dazu. Hat jemand dazu noch mehr Informationen?


    Aus Spaß nennen wir unsere Fred (5 Jahre) immer "den kleinen Autisten", weil er einfach so anders ist als anderen Hunde die ich kenne. Gerade jetzt wo der Zweithund eingezogen ist, merke ich einfach, wie sonderbar Fred ist. Kennt ihr solche Hunde auch oder habt ihr sogar auch einen?


    Fred ist zum Beispiel sehr sehr sensibel. Er zittert sehr viel und zeigt jede kleinste Stimmungsänderung mit den Ohren und seiner ganzen Mimik an. Er spricht wirklich mit dem ganzen Körper. Man kann direkt ablesen wie er sich fühlt und was er vor hat.
    Er ist sehr sozial und ich sage immer "dezent" zu anderen Hunden, lässt anderen immer den Vortritt und mag es nicht, wenn er nicht ausweichen kann.
    In geschlossenen Räumen kann man nicht auf ihn zugehen, er fühlt sich bedrängt. Er braucht sehr viel Platz. Tricktraining z. B. in der Wohnung ist teilweise nicht möglich, weil ihm das alles zu eng ist. Er geht dann weg und weicht aus.
    Er kann nicht in Gebäude gehen. Wir haben das schon mit mehreren Trainern geübt und ich hatte ja nun echt 5 Jahre lang Zeit um das zu trainieren. Es klappt nur an Orten, an denen wir das wirklich regelmäßig machen, wie z.B. zu Hause ins Haus rein, aber auch da nur sehr sehr langsam. Ich habe jetzt aufgegeben und trage ihn immer, wiegt ja nur 3kg. Zu Hause kann er nur von einer Seite zur Haustür rein laufen (von links) und auch nur wenn man ihn mit dem Körper (ohne Kontakt) etwas schiebt. Sonst "erstarrt" er.
    Er kann nicht auf glatten Böden laufen. Wir haben also immer Inseln aus Teppich. Er kann auf seinen Wegen zwischen den Inseln nicht umdrehen. Wenn er also zurück möchte, muss er erst zum Teppich, dreht dort und läuft wie ein Roboter zurück.
    Fred kann es überhaupt nicht leiden wenn wir unbekannte Routen laufen. Auf bekannten Wegen fühlt er sich wohl, aber sobald wir mal woanders abbiegen, bleibt er stehen (ich kann dann auch so 100m weggehen, stört ihn nicht). Gehe ich dann ein paar Schritte in die gewohnte Richtung, ist er sofort wieder dabei.
    Er hat so seine gewohnten Abläufe und wenn da etwas anders ist, reagiert er sehr empfindlich. Manchmal träumt er auch so rum oder setzt sich auf die Wiese und guckt sich minutenlang einfach alles um ihn rum an.
    Er ist aber unheimlich klug und lernt ganz schnell Tricks usw.


    Ich würde mich sehr freuen wenn ihr auch so spezielle Hunde zu Hause habt und ihr davon erzählen wollt. Vielleicht können wir uns über die Eigenarten etwas austauschen.

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  • Hallo,
    Ich kannte so einen speziellen Hund, der wo er gerade war, da nicht weg wollte. Wo er sich befand,wollte er auch bleiben. War er im Zwinger wollte er nicht raus, war er draussen, wollte er nicht mehr rein- Ortswechsel waren jedes mal eine Belastung für ihn. War er jedoch erstmal unterwegs, war es meistens mehr als okay für ihn. Er hatte unterwegs oft diesen Blick, bei dem er plötzlich erstarrte u. nach oben sah. Ich nannte es immer UFO schauen. Nach kurzer Zeit war er wieder bei mir. Auch so war er einfach etwas anders, aber sehr liebenswert, wenn man ihn zu nehmen weißte.
    Finde es toll daß euer Kleiner so verständnisvolle Menschen hat, die ihn so nehmen wie er ist.
    Wünsche weiterhin alles Gute
    LG tiumir

  • klingt spannend, erzähl doch gern mehr. Was ist Fred für ein Hund und wie ist seine Vorgeschichte?

    “Dogs are great. Bad dogs, if you can really call them that, are perhaps the greatest of them all.”


    ― John Grogan, Marley and Me: Life and Love With the World's Worst Dog

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  • Hallo tiumir,


    hast du am Anfang lange gebraucht um zu realisieren, dass er irgendwie anders ist und hast du versucht Dinge an ihm zu ändern?


    zauberpony
    Fred ist ein Chihuahua (Langhaar). Mit 6 Monaten zog er bei mir ein, da war ich gerade mit dem Abi fertig. Ich habe ihn im Internet entdeckt, die Dame sagte, dass er und sein Bruder sich nicht mehr mit den älteren Rüden im Hause verstehen würde. Heute weiß ich, dass sie eine Vermehrerin war, weil sie auch später immer wieder Hunde inserierte unterschiedlichster Rassen, die sie gar nicht zu Hause hatte. Ich habe sie aufgrund der Nähe zu Polen auch schon bei den "Vier Pfoten" gemeldet, leider hat sich nach einer Zusage zum Videodreh! nie wieder jemand gemeldet :( auch auf Mails und Anrufe nicht.
    Zu Hause angekommen stellte sich dann ganz schnell heraus, dass Fred irgendein Problem hat. Es hat zum Beispiel 3 Monate gedauert bis wir normal Gassi gehen konnten. Am Anfang mussten wir immer zu zweit gehen, einer links, einer rechts. Er ist sonst gar nicht gelaufen. Wenn jemand hinter ihm lief, ist er zur Seite und hat den vorbei gelassen, auch wenn das 50m waren. Da hat er heute übrigens auch noch ein Problem mit, er fühlt sich total schnell verfolgt. Die ersten Monate hat er auch nur im Garten seine Geschäfte gemacht und direkt am Zaun vor der Haustür. Ich musste immer von meinem Freund mit Fred eine Stunde nach Hause fahren, damit der arme Hund sich mal lösen konnte. Zusätzlich konnte er in unserer Kleinstadt auch nicht auf dem Gehweg laufen, weil da die Geschäfte zu nah waren. Er hat sich dann von Baumscheibe zu Baumscheibe gehangelt.
    Er ging von Anfang an nicht in Gebäude rein. Bei meinen Eltern hat er es recht schnell gelernt, weil die auch einen Garten haben. Aber wenn wir irgendwo unterwegs waren (Café etc.) oder zu Freunden sind, es war jedes Mal das totale Drama. Auch Tunnel, Unterführungen, Brücken (ganz schlimm wenn die klein sind), Gartentor. Als ich umgezogen bin, habe ich das wochenlang mit Trainerin geübt. Selbst wenn ich dann rein gehe, er bleibt wie blockiert draußen. Es hat Ewigkeiten gedauert.
    In meiner eigenen Wohnung dann lebte er fast nur in meinem Zimmer auf meinem Teppich, weil er sich gar nicht in den engen Flur und die anderen Räume getraut hat. Ich habe dann auch mit einer Trainerin geübt, dass er es durch den Flur bis zur Wohnungstür schafft (mit Clicker). Weil unser Alltag vorher so aussah: Hund im Zimmer anziehen, zur Tür tragen. Dort selber anziehen, Hund die Treppen runter und raus tragen. Das Training hat echt Wochen gedauert und ich konnte ihn am Ende an der Tür nicht rufen. Sondern ich musste in mein Zimmer und hinter ihn stellen, weil es im Flur zu eng war um auf mich zuzulaufen.
    Wenn ich bei Freunden war hab ich ihm immer ein Handtuch oder eine Decke mitgebracht. Wenn die keinen Teppich hatten, hat er da echt mehrere Stunden auf seinem selbst auferlegten Platz verbracht.
    Jetzt haben wir einen quadratischen Flur, das kann er viel besser ab. Wir haben in jedem Raum Teppiche und zwischendrin Verbindungsläufer. Hier bewegt er sich total frei, wobei es auch Ecken gibt wo er noch nie war (z. B. Küche oder Teile in meinem Zimmer), weil er die ohne Teppich gar nicht "ansteuern" kann. Aber insgesamt hat er viel mehr Lebensqualität. Er ist auch ein wirklich fröhlicher kleiner Knirps.
    Und ich schwöre auch wenn es mein erster Hund war, ich habe ihm das nicht anerzogen. Ich dachte von Anfang an, das ist ein richtiger Hund, obwohl er so klein ist und ich nehme ihn nicht ständig auf den Arm. Aber wenn man jedes mal ein Handtuch in der Türschwelle ausbreiten muss, um dann das Reingehen stundenlang zu clickern, überlegt man sich schon, ob man den Hund nicht kurz ins Café trägt. Zumal ich dann für solche Zwecke auch immer die Tasche dabei hatte, weil er im Café ja auch gar nicht auf dem Boden stehen, sitzen, liegen konnte. Er ist komplett erstarrt, steif, Krallen ausgestreckt und dann rutscht er natürlich weg und alles wird nur schlimmer. Irgendwie arrangiert man sich dann mit solchen Macken. Wenn Fred jetzt eine Dogge wäre, dann hätte ich ihn wahrscheinlich einfach nirgendwo mit hin nehmen können. Oder vielleicht wäre das dann gar nicht so, weil er einfach ein Problem mit seiner Winzigkeit hat und denkt, dass alle auf ihn drauf treten.
    Auf jeden Fall akzeptiere ich ihn mittlerweile so wie er ist und versuche nichts mehr zu ändern. Wenn wir umziehen wird die Haustür trainiert, aber sonst kann er machen was er will.

  • Klingt in der Tat nach einer Entwicklungsstörung im Gehirn. Dürfte aber eher ein Deprivationsschaden sein. Du beschreibst einige Dinge, die dafür sehr typisch sind.


    Solche Hunde bleiben leider oft für den Rest ihres Lebens sehr eingeschränkt in vielen Dingen.

    • Neu

    Manchmal hilft einfach das richtige Futter - aber wie findet Ihr es?

    Ich hatte schon viele Hunde und die Erfahrungen haben mich gelehrt, dass jeder andere Ansprüche an die Ernährung hat. Mal legen sich Verdauungsstörungen durch eine Futterumstellung, ebenso können Fellprobleme abklingen. Schlanke Windhunde leiden nicht selten unter nervösen Störungen, wenn der Proteingehalt zu hoch ist; sie benötigen eher Kohlehydrate zur sofortigen Energiefreisetzung. Andere Rassen wie sportliche Huskys brauchen stattdessen hochwertige Proteine, während Kohlehydrate nur ansetzen würden.


    Das Alter spielt ebenso wie die Konstitution eine Rolle für den individuellen Bedarf und einige Krankheiten erfordern eine spezielle Nährstoffzusammensetzung.


    Aber ehrlich, welcher Hunde- oder Katzenhalter blickt bei den vielen Herstellern, Marken und Inhalten wirklich durch? Ich nicht - zum Leidwesen meiner Hunde. Daher habe ich es mit einem unverbindlichen Futtercheck versucht der übrigens nicht nur für Hunde ist, sein Katzenfutter kann man dort auch finden.


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    Einfach den Futtercheck ausprobieren - ich bin sehr glücklich, auf diesem Weg nun das richtige Futter gefunden zu haben.


    Liebe Grüße Tobi hugging-dog-face



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  • Ja wir versuchen das beste draus zu machen. Draußen und mit anderen Hunden ist er fast ganz normal, da fällt das gar nicht auf. :)

  • Das ist schön. Es ist bei solchen Hunden immer wichtig Bereiche im Leben zu finden, in denen sie "normal" sein können :smile:

  • Schon mal die Schilddrüse testen lassen?
    Meinem Hollandse Herder habe ich auch Autismus unterstellt, heraus kam eine massive SDU.
    Er ist unsicher, nicht konzentrationsfähig und sehr unruhig/nervös.

    Gruß
    Hanne


    Erfolg ist die Fähigkeit,von einem Misserfolg zum anderen zu gehen, ohne seine Begeisterung zu verlieren. Winston Churchill

  • Ich finde es toll, dass du soviel Geduld mit Fred hast. Er kann froh sein, dass er dich gefunden hat und dass er ein kleiner Hund ist den man zur Not auch tragen kann.


    Ich habe gesehen, dass es hier im Forum über Deprivationsschäden auch einen extra Thread gibt.

    Liebe Grüße von meiner "Männer-WG"
    - Balou (Dackel-Mix) * 08.03.2011
    - Mogli (JRT), * 21.10.2012
    - Hermann (Podengo-Mix) * 16.06.2014
    und von Selina


    Wenn wir behaupten, der beste Freund unseres Hundes zu sein,müssen wir die Art von Freund sein, den wir selbst gerne hätten.(SuzanneClothier)

  • Ja den anderen Thread habe ich jetzt auch gefunden. Ich wusste ja gar nicht, dass das so heißt.


    An der Schilddrüse hat er nichts, das haben wir vor dem Training mit der Trainerin checken lassen. Er ist auch so vom großen Blutbild, Augen und Herz her kerngesund.

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