• Hallo ihr Lieben!

    Ich habe folgendes Problem und würde gerne ein paar andere Meinungen dazu hören.
    Ich habe mit meinem Karlsson ein Problem im Wald beim zurückrufen, wenn andere Hunde im Spiel sind. "Komm" und "Hier" funktionieren soweit gut, wenn kein Hund in er Nähe ist. Da habe ich also eigentlich keine Probleme (außer der Herr muss noch "schnell" irgendwo zuende schnüffeln und kommt danach erst zu mir). Sobald wir aber andere Menschen im Wald sehen, guckt er sofort zuerst, ob da ein anderer Hund dabei ist. Und wenn dem so ist, dann habe ich entweder Glück und habe das zuerst gesehen und kann noch auf ihn Einfluss nehmen. Wenn er sie aber vor mir sieht, rennt er ohne Halt zum anderen Hund. Ich finde das so furchtbar nervig, alleine die Tatsache, dass er da immer so hinrennt! Er bremst dann zwar vorher immer ab, aber trotzdem kann ich da auf ihn wenig Einfluss nehmen. Zumal man ja nicht weiß, ob der andere Hund friedlich ist bzw. wissen die anderen Hundehalter ja auch nicht, dass da jetzt ein schwarzer liebenswerter Riese auf sie zu kommt..
    Als Karlsson klein war, war er sehr sehr unsicher. Er hatte Angst vor Autos, Fahrrädern, Mülltonnen, Fahnen - you name it.. Dh ich habe am Anfang viel Arbeit in seine Gelassenheit mit Dingen investiert und war nach aufregenden Spaziergängen an den bösen Autos vorbei, danach im Wald als Belohnung und Entspannung. Dadurch habe ich aber das ganze Rückrufthema ernsthaft vernachlässigt..
    Ich habe eine zeitlang auch schon mal mit einer Schleppleine gearbeitet, aber irgendwie bin ich kein Freund von diesen Dingern, weil man ständig gucken muss, dass der Hund nicht irgendwo hängen bleibt. Außerdem hatte der Furz ziemlich schnell raus, dass er an der Schleppleine ist und sich anders benommen als ohne.
    Meine Frage ist jetzt: Macht es Sinn, den Hund vllt. auf ein neues Rückrufwort zu konditionieren und nochmal neu anzufangen? Weil er bei "Komm" und "Hier" ja schon gelernt hat, dass er nicht zu hören braucht, wenn er andere Hunde sieht..
    Oder was kann ich machen, damit er mich interessanter findet, als die Hunde? Weil Stöckchen werfen mag er vllt. 10 Minuten, danach will er lieber schnüffeln und den Wald beschnuppern..
    Ich möchte einfach, dass Karlsson maximale Freiheiten bekommt, weil ich maximale Erfolge beim Rückruf habe und mir keine Gedanken mehr darum machen muss, ob da jetzt ein anderer Hund kommt und er sogar vllt. kurz mit den "Fremden" mitgeht..
    Vllt. habt ihr ein paar Ratschläge? Ideen? Verbesserungen? :-)

  • Wie genau hast Du den Rückruf denn aufgebaut?
    Wie alt ist der Hund?
    Wie fanden die ersten Hundekontakte statt? Durfte er immer hin laufen oder auch an der Leine Kontakt haben? Durfte er frei entscheiden, zu anderen Hunden zu laufen oder musste er erst "fragen" ob er darf und wurde nur nach Erlaubnis hin geschickt und auch mal nicht?
    Hast Du den Rückruf bewusst auch unter langsam steigender Ablenkung weiter geübt?

  • Karlsson ist jetzt 3 Jahre. Ich denke eigentlich, dass ich das relativ gut in den Griff noch kriegen kann, mit viel Zeit und Ausdauer eben. Als Welpe habe ich das glaub ich typische Leckerli-Gedöns gemacht: ihn gerufen, wenn er kam, dann belohnt mit Leckerlis. Manchmal kam die Belohnung auch nur mit Worten, weil ich dachte, dass er sonst vllt. nur noch kommt, wenn ich was in der Tasche.
    Ich wohne zwar in der Stadt, aber direkt an einem Park der an die Heide grenzt. Wenn ich also mit ihm aus dem Haus gegangen bin, haben wir immer unterwegs schon viele Hunde an der Leine getroffen. Die durfte er dann je nach dem begrüßen oder eben nur dran vorbei laufen. Im Wald selbst dann hat man eigentlich nie einen Spaziergang gemacht, ohne dass man nicht an mindestens 15 Hunden vorbei gekommen ist. Dh als er klein war, dachte ich, dass es da besonders gut ist um ihn zu Sozialisieren.
    Und deine Frage mit dem "um Erlaubnis fragen" ist glaube ich auch schon unser Knackpunkt. Das habe ich nie gemacht, weil ich es damals natürlich noch schön fand, wenn er zu anderen Hunden gegangen ist. Im Nachhinein sehe ich da auch meine Fehler. Weil es am Anfang einfach war, ihn dazu zu bewegen, wieder mit mir mitzukommen. Mittlerweile ist es eine 60/40 Situation; in 40 % der Fälle entscheidet er einfach selbst, dass er jetzt wie von Tante Ella gestochen auf andere Hunde zurennt und das ist eine Situation in der ich mich hilflos fühle. Glücklicherweise ist er nicht aggressiv oder dominant anderen Hunden gegenüber, dh selbst wenn diese negativ auf ihn reagieren, passiert nichts, weil er ihnen dann aus dem Weg geht. Aber es ist einfach für alle Beteiligten unzumutbar und mitunter hatte ich vllt. auch nur Glück, dass er noch nicht auf einen extrem aggressive Rüden getroffen ist.
    Das mit der langsam ansteigenden Ablenkung habe ich nur bedingt probiert. Wenn ich mit ihm spazieren gehe (mittlerweile gehe ich in andere Waldgebiete), rufe ich ihn zu Beginn des Spaziergangs ab und zu, wenn er noch keine anderen Hunde gesehen hat. Dann kommt er auch immer. Ich kann ihm auch verbieten ins Wasser zu gehen, obwohl er eine totale Wasserratte ist, dh er reagiert auf mich, aber es geht bei ihm eben NICHTS über andere Hunde. Da kann ich noch so tolle Leckerlis in der Tasche haben, das interessiert ihn dann nicht mehr. Ich habe eine zeitlang auch versucht ihn durchgängig zu bespielen, damit ich interessanter für ihn bleibe, aber er will dann irgendwann nicht mehr spielen, sondern schnüffeln..
    Tut mir leid, dass ich immer so viel schreibe, aber ich kann mich da nicht so richtig kurz fassen :-)

  • Vllt. kann mir jmd. wenigstens die eine Frage noch beantworten, ob es Sinn macht, Karlsson auf ein neues Rückrufwort neu zu konditionieren? Oder soll ich das alte Wort "komm" einfach nochmal von vorne üben?

  • Nimm ein Neues. Es ist viel einfacher ein neues sauber aufzubauen, als ein Vermurkstes zu retten ;)

    Ich würde übrigens neben dem Rückruf noch was anderes üben: Gar nicht loslaufen ;) Bei meinen Hunden heißt das "Warte". Es ist bedeutet, dass der Hund sich nicht weiter auf das Objekt der Begierde zubewegt. Ist meist erst Mal einfacher zu trainieren, weil der Hund sich nicht sofort abwenden muss.

  • Ich würde auch ein neues Wort nehmen oder den Hund auf eine Pfeife in kleinen Schritten konditionieren. Und dann die Ablenkung nach und nach einbauen. Wird jetzt wahrscheinlich länger dauern, weil der Hund ja drei Jahre lang anderes gelernt hat und ja auch Erfolge in Form einer Selbstbelohnung bei Hundekontakt hatte. Zusätzlich würde ich die Hundekontakte mehr reglementieren, d.h. Du bestimmst, zu wem er laufen darf und zu wem nicht. Wenn er ein Nein gut kann, kannst Du das ja nehmen und wenn er laufen darf, ein Auflösungswort benutzen ("lauf", "frei", "ok" oder so was).

  • Hallo zusammen,

    unser Trainer meinte auch, wie sollen für "hier" ein anderes bzw 2 andere Kommandos nutzen. Eines mit und eines ohne vorsitzen.
    Welche kann ich noch nehmen? Bin da nicht so kreativ :-D und findet ihr das wirklich eine gute Idee? Lilly hört mittlerweile recht gut auf "hier". Allerdings meinte er, da dieses Kommando ja sehr wichtig sei und wir das Wort an sich viel zu oft im Alltag nutzen.

    Weihnachtsschaf, bei dir finde ich das aufbauen des Rückrufs mit Pfeife sehr ratsam. Gleicher Ton, deine stimme ist ja bestimmt schon genervt wenn er mal wieder zu anderen Hunden hin rennt...?
    Ich hatte damals konsequent zuerst im Haus 1 Woche ca 10 mal am Tag getrillert. Als Belohnung gabs Hähnchenherzen. Irgendwann im Garten 1 Woche und dann immer mehr ausgebaut. Leider musste ich feststellen, nachdem ich die Pfeife nen Monat nicht mehr genutzt hatte, Lilly auch nicht direkt verknüpft hat, was ich von ihr will.

    Viel Glück

    Marie und Lilly

  • Zitat

    Nimm ein Neues. Es ist viel einfacher ein neues sauber aufzubauen, als ein Vermurkstes zu retten ;)

    Ich würde übrigens neben dem Rückruf noch was anderes üben: Gar nicht loslaufen ;) Bei meinen Hunden heißt das "Warte". Es ist bedeutet, dass der Hund sich nicht weiter auf das Objekt der Begierde zubewegt. Ist meist erst Mal einfacher zu trainieren, weil der Hund sich nicht sofort abwenden muss.

    Würde ich dir auch raten! Vielleicht ein Pfiff? Wir haben mit der Pfeife sehr gute Erfahrungen gemacht. Da wir das selbe Problem hatten wie ihr. Sobald ein Hund kam und gesehen wurde rannte er los.
    Wir haben zu Anfang an der Schleppleine ein Stopp Kommando, d.h. ich rufe Stopp und er bleibt stehen, sitzen oder legt sich hin. Genau dort wo er eben in diesem Moment ist. Ich hole ihn dann ab und belohne ihn dafür. Meist bekomme ich durch dieses Stopp Kommando auch seine Aufmerksamkeit besser auf mich gelenkt als mit einem "Hier".
    Den Pfiff als Rückrufkommando haben wir auch an der Schleppleine aufgebaut. Neu aufzubauen ist viel einfacher als ein Kommando noch zu retten.

    Dran bleiben und starke Nerven! Das ist das Geheimnis ;) Aber es funktioniert und mittlerweile nach ca. 1 1/2 Jahren hab ich einen Hund der super hört und auf den ich mich auch verlassen kann, in den verschiedensten Situationen.

  • Ich würd´s von einer anderen Seite her aufziehen, zumindest hat mir das bei Bossi sehr geholfen.

    Führ ein Freigabe-Kommando ein. OK, oder LAUF, was auch immer - irgendwas, was man im Alltag net dauernd verwendet (bei uns ist es ok - aber das war dumm gewählt. Stell Dir vor, ein Auto kommt, der Hund geht auf die Seite und setzt sich brav hin, und Du sagst ganz erleichtert "OK" - doof, gell.....).

    Dann nimm ihn in nächster Zeit nur noch an der Leine mit raus. Kommt ein anderer Hund, wird er hinziehen. In dem Moment bleibst Du stehen. Bis er auf Dich aufmerksam wird und Dich anguckt. Den Moment des Anguckens bestätigen (oder clickern, wenn Du das machst). So lernt er, daß er, wenn er wo hin möchte, Dich erstmal angucken soll. Oder: stehenbleiben, bis der Hund sich von alleine setzt (die ersten 2-3 Male aevtl. auf Kommando). Er muß Dich angucken, und in dem Moment, wo er Dich anguckt, gibst Du ihm dann das Freigabe-Kommando. So erfährt er, daß er, wenn er etwas haben möchte von Dir, Dich angucken muß. Nur und ausschließlich über Dich kommt er zum gewünschten Erfolg (Hund begrüßen), der dann auch die beste Bestätigung dafür ist, daß er "nachgefragt" (also Dich angeguckt und auf Freigabe gewartet) hat.

    Solche Spielchen kannst auch tagsüber in tausend Situationen üben. Absitzen vorm Füttern, bis Du Freigabe gibst. Ins Körbchen schicken, bis Du Freigabe gibst. Solange Du keine Freigabe gibst, wird er, wenn er sich dort wegbewegt, wieder zurückgebracht mit "Nein-Körbchen", bzw. (besser) am Aufstehen gehindert. Man kann das ja sehen, wenn er Anstalten macht, aufzustehen. Besuch darf erst begrüßt werden, wenn Du die Freigabe gibst - bevor der Hnd net anständig absitzt (oder ins KÖrbchen geht o.ä. nach dem klingeln), wird die Haustüre nciht geöffnet, und er darf niemanden begrüßen. Sitzt er im Körbchen, kommt der Besuch schneller rein, als wenn er zur Türe rennt, und dann darf er wieder aufstehen und begrüßen (so ist das Begrüßen-Dürfen die Bestätigung). Lauter so Sachen halt.

    Eine Freigabe kann auch im Alltag sehr nützlich sein (z.B. gucken lassen, bevor der Hund über die Straße rennt), und Du brauchst keinen neuen Rückruf, weil der Hund nämlich ohne Deine Freigabe nicht mehr hingeht. Mußt natürlich lange genug üben. Und wenn er frei laufen soll, dann geh wo hin, wo Du sicher bist, daß keine anderen Hundehalter kommen, bzw. Du diese VOR Deinem Hund siehst, und ihn kurzfristig anleinen kannst. Jedenfalls darf der Hund keinen Erfolg mehr damit haben, ohne Deine Freigabe einfach loszustürmen, sonst wird er das Verhalten nie ablegen.

    Den Rückruf würde ich separat üben, wenn´s da noch hapert, und zwar mit dem bestehenden Kommando - nur halt ein bißchen konsequenter als bisher. Sprich, wie beim Welpen erstmal nur rufen, wenn der Hund eh zu Dir unterwegs ist und gar nicht abgelenkt werden kann. Als nächstes mehr Ablenkung, dafür aus geringerer Entfernung herrufen. Sollt er mal nicht gleich herkommen, umgehend hingehen, am Halsband dort hin mitnehmen, von wo aus Du gerufen hattest. Sodaß er lernt, wenn er nicht selbst kommt, holst Du ihn halt (ist ja doof - dann kann er auch gleich selbst kommen beim ersten Rufen). Das Problem ist ja nicht, daß er das Kommando nicht verstanden hätte, er kommt halt nur nicht immer gleich, weil er gelernt hat, daß Du nicht sonderlich konsequent warst, bzw. er immer die Chance hatte, ungestraft das Kommando zu ignorieren. Und daran wird ein neues Kommando nichts ändern. Nur, wenn Du ab jetzt eben konsequent bist, wird er sich das merken - egal, ob mit dem alten Kommando oder einem neuen! und dafür muß man nicht mit Straße arbeiten, wenn er hinrennt, sondern damit, das Hinrennen zu unterbinden ;-) Also eingreifen, BEVOR der hund den Ffehler macht, ihm die Chance auf den Fehler gar nicht geben, stattdessen zeigen, was als Alternativverhalten von Dir gewünscht wird.

    Wenn er bislang nicht kommt, dann hast Du ihn beim Aufbau des Rückrufes damals bestimmt öfter mal in Situationen gerufen, wo er zu abgelenkt war oder zu weit weg war, um Dich wahrzunehmen, also sprich in Situationen, die für den damaligen Lern-Stand einfach noch zu schwierig waren. Wenn sowas passiert, weißt Du: die Anforderung war erstmal zu hoch, geh nochmal ein paar Schritte zurück und rufe nur aus geringerem Abstand/mit weniger Ablenkung etc., festige das, und geh erst dann wieder ein Stückchen weiter vorwärts im Training, und steigere die Anforderungen dabei echt nur in kleinen Schritten. Also nicht: Abruf in Wohnung ohne Ablenkung klappt heute, also versuch ich es morgen beim Spielen auf der Hundewiese, wo sich 20 andere Hunde tummeln und am Rand 7 Rehe stehen, und daneben das Kirchweihzelt steht mit Musik und Action *gg

  • Super, vielen Dank für die ganzen Antworten. Ich habe mir auch schon überlegt, dass er zwei neue Kommandos bekommt, das mit dem warten bzw. um Erlaubnis fragen möchte ich nämlich unbedingt einführen! :-)
    Ich hab die letzten Tage sogar schon ein paar Erfolge gemacht, bin mit ihm erstmal nur in Ecken unterwegs, wo man eigentlich fast nie einen Hund trifft, damit ich erstmal wieder normal üben kann. Da hat das auch ganz gut funktioniert muss ich sagen - war ja noch kein Hund in Sicht ;-)
    Ich versuche auch gerade ihn nachdem er gekommen ist, erst wieder zu erlösen, wenn er mich anguckt und nicht einfach wieder "lauf" sage.
    Ich hab jetzt zwar erstmal wieder mit "komm" gearbeitet, weil ich eure Antworten nicht gesehen habe, werde mir aber jetzt eure Vorschläge zu Herzen nehmen und mit ihm ein neues Wort einüben.
    Ich bin gespannt wie ein Honigkuchenpferd, ob das alles klappt, wie ich es mir vorstelle. Aber am Anfang ist man ja über jeden sichtbaren Erfolg glücklich :-)

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