Hundeschule Nummer Vier...

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    flying-paws, ich seh es ein, das war einfach nicht so harmlos, wie ich dachte. Irgendwie habe ich manchmal das Gefühl, es gibt immer zwei Arten die Hundewelt zu erklären. Die einen sagen, das ist Aufmüpfigkeit/Ungehorsam/ Manipulation des Menschen, die anderen sagen, es ist Stress/Überfordeurng und deshalb kann der Hund etwas nicht umsetzen.
    Irgendwie denke ich, dass es etwas in der Mitte sein muss – oft ist mein Hund vielleicht wirklich überfordert. Aber oft versucht er auch einfach auf seine Art und Weise noch dahin zu kommen wo er hin möchte – und dann finde ich schon, dass man sich auch mal durchsetzen muss – natürlich nicht mit Gewalt. Aber bei meinem ist das ein schmaler Grad – was ist noch ok und was ist zu viel Druck? *Seufz*
    Ich glaube auch dass ich von ihm noch viel lernen kann - und vielleicht, dass es nur ganz ohne Druck und wirklich nur mit positiver Verstärkung geht. :rollsmile:

    Oh, falls Du denkst, dass ich mich in einem "Hunderziehungsextrem" bewege, liegst Du falsch. Ich befinde mich in der Mitte, mit Tendenz zum Positiven, würde ich sagen. Ich belohne und ich strafe. Aber in vielen Fällen erlebe ich, dass Dinge vom Hund verlangt werden, die ihm noch gar nicht (ausreichend) beigebracht worden. Das funktioniert dann nicht, und dann bewegt man sich ziemlich schnell im Bereich der Überforderung. Vielleicht unterscheide ich mich ein wenig von anderen dahingehend, dass die Trainingsschritte oft sehr klein unterteile und die einzeln etwas sorgfältiger trainiere.

    Außerdem sind die Ansprüche an unsere heutige Hundehaltung ganz schön hoch. Das mussten Hunde früher nicht leisten und darauf sind auch die wenigsten selektiert, geschweige denn seit ihrer Welpenzeit vorbereitet! Dieser Faktor ist nicht zu unterschätzen!

    Viele Grüße
    Corinna

  • ABSOLUT!

    Was Hunde heute oft leisten sollen, das liest man auch hier im Forum....Was ein Welpe allese können sollen muss....unfassbar teilweise. Und wie er gefördert werden muss, damit auch ja jeder Hund "der Überhund" wird...

    Ich nehme mich da nicht aus. Ich habe auch meine Hunde überfordert und auch mal unterfordert. Aber wenn man es einmal reflektiert und begreift, dann ist man ein Stück weiter.

    Mein 1. "Problemhund" den wollte ich zu einem "mit allem und jedem kompatibel Hund" umerziehen....ganz zum Schluss habe ich gemerk wie bescheuert das ist. Auch WENN der hudn eben mal nicht mehr mitkam, weil er eben nicht mit allen Situationen der Zivilisation kompatibel war, wurde dann das Verhältnis grandios, als ich den Hund (nach guter Erziehung natürlich-ich konnte ihn lenken...das ist wichtig) einfach so sah und annahm, wie er war....

    Mein 2. Problemhund musste auch nochmal meine "UM-Erziehungsversuche" ertragen. Vieles war auch richtig, aber für manches schäme ich mich. heute gucke ich nur auf seine Qualitäten und bin mega stolz ihn zu haben.....

    Bei meinen Welpen war alles viel einfacher. Aber auch da gabs noch "Hänger" meinerseits.... :D

    Ich bin nochmal richtig weiter gekommen mit Z und B..

  • Zitat

    Oh, falls Du denkst, dass ich mich in einem "Hunderziehungsextrem" bewege, liegst Du falsch. Ich befinde mich in der Mitte, mit Tendenz zum Positiven, würde ich sagen. Ich belohne und ich strafe. Aber in vielen Fällen erlebe ich, dass Dinge vom Hund verlangt werden, die ihm noch gar nicht (ausreichend) beigebracht worden. Das funktioniert dann nicht, und dann bewegt man sich ziemlich schnell im Bereich der Überforderung. Vielleicht unterscheide ich mich ein wenig von anderen dahingehend, dass die Trainingsschritte oft sehr klein unterteile und die einzeln etwas sorgfältiger trainiere.

    Außerdem sind die Ansprüche an unsere heutige Hundehaltung ganz schön hoch. Das mussten Hunde früher nicht leisten und darauf sind auch die wenigsten selektiert, geschweige denn seit ihrer Welpenzeit vorbereitet! Dieser Faktor ist nicht zu unterschätzen!

    Viele Grüße
    Corinna

    Ich dachte, weil du vorher etwas von den Trainern geschrieben hast, die meist über Strafe arbeiten, wenn sie nicht über Belohnung arbeiten :smile: Aber hab gesehen, dass war auf die Leinenführigkeit bezogen, dass du das nicht über Strafe machen würdest.
    So wie du es schreibst, würde ich mich grundsätzlich auch einordnen und im Schnitt bin ich damit auch sehr gut gefahren. Aber konkret auf das Training andere Hunde betreffend hab ich irgendwie mein Gefühl für die Dinge verloren. Ganz am Anfang hatte Ben die Leinenaggro ja noch gar nicht, er hat sich im Freilauf halt schon immer „daneben benommen“ (also fixieren, steif machen, dann plötzlich hinrennen etc.). An der Leine habe ich dann versucht, ihn relativ streng zu kontrollieren und habe eben auch geschimpft, wenn er mich ignoriert habe. Dann hatte ich nach sehr kurzer Zeit die Leinenaggression in der Tasche.

    Daher denke ich dass ich durch meine Strenge / Überforderung des Hundes die Leinenaggression (mit) verursacht habe, durch danach Kekse füttern bin ich aber auch nicht weiter gekommen. Seither hangel ich mich von Methode zu Methode, Bauchgefühl für „Strafe“ oder „Belohnung“, Timing etc. habe ich darüber komplett verloren. So würde ich das mal einordnen. Daher auch meine „Offenheit“ für die verschiedenen Trainingsmethoden. Wenn das eigene Bauchgefühl versagt, dann will man sich Hilfe suchen. Und im Moment hat das den Effekt dass ich einfach nur Orientierungslos bin.

    Daher denke ich auch, dass es am Besten ist wenn ich mich mal wieder auf Dinge konzentriere die gut laufen und dann – und da habt ihr recht – kleinschrittig (!) verschiedene Dinge trainiere. Wie Leinenführigkeit generell. Blickkontakt suchen und halten vielleicht. Impulskontrolle allgemein. Grundgehorsamsübungen auf Strecken, wo Ben sehr aufgeregt ist (bei uns im Wohngebiet z.B.). Solche Sachen hatte ich mir überlegt. Und einfach im Moment mal akzeptieren, dass er andere Hunde anbellt – so what.

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    Mein 1. "Problemhund" den wollte ich zu einem "mit allem und jedem kompatibel Hund" umerziehen....ganz zum Schluss habe ich gemerk wie bescheuert das ist.


    Genau so ist es bei mir auch – sorry an meinen armen Hund, das wird mir grade auch bewusst… Seit ich die Kinder habe, sind meine Ansprüche wohl auch nochmal gestiegen, der Hund muss nebenbei laufen und sich benehmen. Das er das nicht leisten kann und ich es schließlich bin, die sich für einen Tierschutzhund mit einigen Baustellen entschieden habe, das vergesse ich regelmäßig *schäm*.
    Ich bin auch sehr verwöhnt vom Anfang, da waren die Fortschritte, die er gemacht hat einfach unglaublich. Nach einem Jahr war der Hund wie verwandelt, keine Aggression gegen Menschen mehr, grundsätzlich sehr guter Grundgehorsam, Jagdtrieb im Griff – das war schon alles Wahnsinn. Daher dachte ich, das bißchen andere Hunde muss doch auch noch in den Griff zu kriegen sein…

  • Zitat


    Lange Rede, kurzer Sinn: Gib nicht auf - lass dir evtl. nochmal helfen (CC kann ich da auch empfehlen, grad, wenn man Z&B nochmal "richtig" lernen will) - und versuche, auf die positiven Dinge in eurer Beziehung zu fokussieren. Evtl. schreibst du dir mal auf, was der Ben bei euch schon alles gelernt hat - das tut an "miesen" Tagen wirklich gut, sich das alles nochmal bewusst zu machen!
    Viele liebe Grüße,
    Anni

    Danke dir für deine aufbauenden Worte und da hast du auf jeden Fall recht, ich muss mir das vielleicht wirklich nochmal aufschreiben, was schon alles gut läuft!

    Mit Z&B habe ich ja auch gute Erfahrungen gemacht und Hundetrainerin Nr. 3 hat ja auch nach CC gearbeitet. Nachdem ich mit dem zweiten Kind schwanger war, hab ich das Training dann abgebrochen, ich wollte einfach pausieren und mir war es irgendwie alles zu komplex für meine Lebenssituation. Zu dem Zeitpunkt hat Ben ja auch nicht mehr oft an der Leine gepöbelt, also dachte ich es geht auch so. Ohne clickern und mit dem Blick auf „das muss jetzt auch mal so gehen“, haben wir uns dann allerdings recht schnell zurück auf Null gesetzt – Leinenpöbeln wieder vom Feinsten. Ich habe auch überlegt, ob ich einfach wieder anfange bei der CC Hundetrainerin und mit Z&B. Aber ich wusste halt auch, dass ich das im Alltag einfach schwer umsetzen kann.

    Daher hatte ich eigentlich nach einer Methode gesucht, wo ich irgendwann nicht mehr die volle Aufmerksamkeit beim Hund haben muss. Wenn uns ein anderer Hund entgegen kommt, dann habe ich einen KiWa vor mir und eine knapp 3-jährige am Laufrad vor mir, die ich auch noch einsammeln muss. Ich schaffe es da einfach nicht, permanent die Aufmerksamkeit beim Hund zu halten.
    Der letzte Trainer meinte eben, dass Ziel ist, dass sich der Hund an mir orientiert, keine Kekse, keine Ansprache etc. Ich gebe Sicherheit vor, der Hund läuft mit. Das war einfach sehr verlockend! 

    Und im Nachhinein vielleicht etwas naiv von mir - wenns so einfach wäre, hätten das wohl alle schon so gelöst, die mit der Leinenaggression bei ihrem Hund Probleme haben :D
    Insgesamt sind wir mit CC schon am Weitesten gekommen, auch wenn wir mit anderen Hunden im Freilauf unterwegs waren, dann hat Ben sich gut an mir orientiert - was vorher (und leider jetzt nachher) auch nicht der Fall war/ist. :pfeif:

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