Junger Labrador tickt bei Besuch total aus

  • Hi zusammen,

    Wir haben jetzt seit knapp 4 Monaten einen Labrador, der jetzt 6 Monate alt ist. Er ist wirklich herzensgut und hört zuhause auch ganz gut. Bei Ablenkung unterwegs wird es schon schwieriger. An der Leine gehen wird auch immer besser.
    Unser größtes Problem ist eigentlich, dass er bei fremden Menschen total austickt, nicht bösartig oder so, sondern einfach vor lauter Freude. Wenn Besuch kommt, kommt er absolut nicht runter. Wenn man ihn in seinen Korb schickt, geht das zwar, man muss aber davor stehen bleiben, weil er immer wieder hoch will und dann auch bellt aus lauter Frust, dass er da jetzt nicht hin kann. Er springt hoch, schnappt wie wild (er hat schon Beißhemmung, d. h. er ist schon vorsichtig, so vorsichtig eben wie es seine Erregung zulässt) und hechelt. Hat also Stress.

    Unterwegs ist es ähnlich. Am liebsten würde er jeden begrüßen. Gehen wir vorbei, geht das einigermaßen. Spricht derjenige uns aber an (wir wohnen in einem kleinen Dorf, also kommt das schon öfter vor), ist er kaum zu bremsen. Er steht dann, wenn man ihn lässt auf den Hinterbeinen und springt in die Leine. Dort dann auch das Frustbellen, wenn man ihn unten hält oder versucht zu ignorieren.

    Wie übe ich das ganze am besten mit ihm? Vielleicht auch so, dass es halbwegs praktikabel ist. Heute hatten wir z. B. Besuch. Sein Verhalten war wie oben beschrieben. Da man sich natürlich irgendwann auch mal seinem Besuch widmen möchte, ist er irgendwann mal eine Weile aus dem Wohnzimmer geflogen. Da wurde dann noch 5 mal gebellt und dann war irgendwann Ruhe und er hat sich vor die Tür gelegt. Ist das eine Möglichkeit? Mir wäre es ja lieber, ich könnte ihn mit 5-10 mal auf den Platz schicken beruhigen und dort liegen lassen, aber das kann er ewig. Wenn er in einem Raum mit seinem Objekt der Begierde ist, dann kommt er nicht runter.

    Als ich ihn dann irgendwann wieder reingelassen habe, war es etwas besser, aber gut wurde es erst als er etwas zum Kauen bekommen hat. Das war auch ziemlich groß und hart und er war lange beschäftigt.

    Ich kann ihm aber nicht für die gesamte Länge des Besuchs was in die Schnauze geben :roll:

    Dass er nicht hyperventiliert ist auch alles...

    Habt Ihr Tipps für mich? Klar, ich muss das üben, aber ich kann auch nicht Wache vor seinem Korb halten, so lang wie der Besuch da ist. Wie übt man so etwas mit einem solchen Energiebündel?

    LG

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  • Vermutlich ist seine extreme "Freude" massives Stressverhalten, weil er nicht weiß wie er sich mit den Fremden auseinandersetzen könnte. Da Labbis oft nicht ins aggressive Verhalten fallen (aufgrund ihrer Rasseeigenschaften) gehen sie mit Stress auf Labbi-Art um: Sie hüpfen, wedeln, nieten dabei alles über den Haufen... Und das eigentlich nur, weil sie Schiss haben in der Situation oder nie gelernt haben, dass es eine Bremse gibt und man auch aus Situationen weggehen könnte, die man nicht kann ;)

    Es gibt von Ariane Ullrich ein gutes Buch mit Trainingsratschlägen zu dem Thema. Es heißt Impulskontrolle und ist mit Sicherheit eine gute Investition für einen Labbi-Halter ;)

  • In Richtung Impulskontrolle versuche ich schon zu arbeiten (zumindest laienhaft), d. h. er wartet auf sein Fressen und schaut mich dabei an bis ich es freigebe. Oder ich lasse ihn apportieren, aber er muss sitzenbleiben bis ich sage, er soll es mir bringen. Man merkt dass es ihm teilweise schwer fällt.

    Bei Menschenkontakt sehe ich aber trotzdem keinerlei Vorankommen. Stattdessen hat er begonnen zu bellen, wenn er nicht hin darf.

    Das Buch wird bestellt, danke für den Tipp!

    Solang ich auf dem richtigen Weg bin, ist alles ok, Geduld habe ich. Ich sehe halt nur kein Vorankommen bei dem Thema, daher bin ich nicht sicher, ob ich es richtig mache.

    LG

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  • Mein Hund ist genau gleich. Nur ist er ein Aussie. Komisch? Find ich auch :D

    Also meiner ist jetzt ein Jahr und es ist begrenzt besser geworden. Was ich seeehr oft merke, ist dass ich zu viel zu ihm sage. Dieses ständige auf den Platz schicken oder sagen er soll Ruhe geben oder oder oder, ist oft kontraproduktiv. Mein Rüde kommt viel besser zur Ruhe wenn ich zulasse dass er es selber schafft. Dauert halt oft und ich to mich wahnsinnig schwer das mit an zu sehen wenn er hechelnd durch die Gegend rennt und sich kratzt und Schwanz jagt und zwinkert und sich andauernd übers Mauk schleckt. Bellen tut er gsd nicht, aber sonst die ganze Palette.
    Ich weiß nicht wie es bei euch ist, aber ich kann euch sagen, dass ich immer wieder merke, dass es schon auch von mir kommt. Versucht mal einfach wenn Besuch kommt (für den Anfang vl nur einer und macht was ruhiges, also zb nur sitzen und reden) ganz ruhig zu bleiben. Kurz begrüßen, aber nur ganz ruhig, nicht aufputsche und dann ignorieren. Das hat uns weiter geholfen. Ich verfalle leider immer wieder in einen Teufelskreis wo ich ihn dann doch korrigieren will was aber meistens kontraproduktiv ist. Wenn korrigieren dann unbedingt ruhig. Du musst die RUHE selbst sein. Nicht energisch werden. konsequent aber so ruhig dass es dir selbst unheimlich ist :D

    Das wär mein Tipp, bei dem ich in unserer Situation Besserung merke, aber überwunden haben wir das Problem leider auch noch nicht :(

  • Meiner Erfahrung nach belohnen viele Hundehalter viel zu wenig bei solchen Übungen und machen die Schritte viel zu groß. Bellen ist Frust. Der entsteht, wenn der Hund nicht weiß was von ihm erwartet wird ;)

  • Das heißt, du lässt ihn dann machen? Bestätige ich ihn dann nicht?
    Wenn wir uns z. B. auf die Couch setzen, wuselt er um die Beine und würde dem Besuch sogar auf den Schoß springen, wenn man ihn ließe. Und wir reden hier von einem 21 kg Labi und nicht von einem kleinen Schoßhund.

    Man kann ihn also quasi gar nicht ignorieren :roll:

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  • Zitat

    Meiner Erfahrung nach belohnen viele Hundehalter viel zu wenig bei solchen Übungen und machen die Schritte viel zu groß. Bellen ist Frust. Der entsteht, wenn der Hund nicht weiß was von ihm erwartet wird ;)

    Da hast du wirklich recht. Ich versuche natürlich die ganze Situation so zu handeln, dass er am besten in seinem Korb liegen bleibt und Ruhe gibt. Da gibt es also nur einen Schritt. Eigentlich könnte ich aber beim Hochspringen beginnen. Kein Springen belohnen. Wenn das irgendwann klappt, das schnappen wegbekommen usw.. Meinst du es so?

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  • Zitat


    Wie übe ich das ganze am besten mit ihm?


    Das kann man nicht in einem Forum erklären.
    Das musst du dir vor Ort von einem fachkundigen Hundetrainer zeigen lassen.
    Mit einem Hund muss man körpersprachlich interagieren. Und zwar nicht nur in schwierigen Situationen, sondern immer, permanent.
    Wenn der Hund nicht rumhampeln soll, musst du ihn körpersprachlich begrenzen, und ihm zeigen, was er stattdessen machen soll.
    Laste ihn körperlich gut aus, und mach mit ihm zusammen sinnvolle Hunde-Spiele.
    Führe Situationen herbei, in denen er auf Kommando etwas darf.
    Grundsätzlich gilt im Umgang mit dem Hund: agieren statt reagieren. ;)

    Korb oder nicht Korb spielt keine Rolle. Nur weil Hund im Korb liegt oder sitzt, ist er noch lange nicht entspannt.
    Bring ihm bei, an allen Orten zu entspannen.

    Den Buchtipp finde ich Klasse! :2thumbs:

  • Ok, Buch ist bestellt :grin:

    Kannst du mal ein Beispiel geben, was es heißt ihn körperlich zu begrenzen und ihm Alternativen zu zeigen? Also Besuch kommt und er würde ihm am liebsten auf den Arm springen. Ich halte ihn unten und dann? Wenn ich ihn loslasse rennt er wieder hin und versucht hoch zu springen.

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  • Zitat

    Das heißt, du lässt ihn dann machen? Bestätige ich ihn dann nicht?
    Wenn wir uns z. B. auf die Couch setzen, wuselt er um die Beine und würde dem Besuch sogar auf den Schoß springen, wenn man ihn ließe. Und wir reden hier von einem 21 kg Labi und nicht von einem kleinen Schoßhund.

    Man kann ihn also quasi gar nicht ignorieren :roll:

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    Ja das ist mit einem Labbi sicher schwieriger als mit meinem 7kg Hund ;)
    Aber ich meine auch nicht völlig ignorieren, natürlich muss er die üblichen Regeln einhalten. Wenn er auf den Schoß will wird er wortlos runtergeschoben oder weggeschickt. Allerdings zb um die Beine wuseln ist bei meinem Hund wirklich besser wenn man ihn sich einfach ausspinnen lässte. Er macht da ja jetzt nicht Blödsinn um dich zu ärgern sondern er kommt einfach mit der Situation nicht zurecht. Ich kann dir nur von meinem Hund sagen, dass es besser geht wenn er selbst drauf kommt. Er WILL ja nicht gestresst sein. Das ist kein Selbstbelohnendes Verhalten. Solange er dafür keine Aufmerksamkeit bekommt wird er nicht bestätigt.

    Also ich würde dir empfehlen es einfach mal zu probieren. Ich denk mir selber jedes Mal "ich muss ihm doch jetzt sagen wies geht bzw was nicht geht" allerdings ist es wirklich immer so dass er wenn ich nichts sage sich nach einer Zeit hinlegt (und ich hab die Hoffnung dass er sich mit der Zeit gleich hinlegt und die Nervosität ablegt) und wenn ich ihm sage er soll sich hinlegen, dann tut er das, steht aber nach 30sec wieder auf und wenn ichs ihm 50x sage bleibt er irgendwann liegen und hechelt im liegen weiter. Will heißen ich hab ihn körperlich beschränkt aber das Problem das ER hat nicht gelöst.
    Es ist nur eine individuelle Erfahrung, ich weiß nicht ob euer Hund gleich reagiert, aber ich würde es einfach mal probieren. Ihr seht ja bei 2-3 Versuchen sicher gleich wie er darauf reagiert. (damit ist das Problem natürlich noch nicht gelöst, aber man sieht sicher gleich am Anfang ob der Hund prinzipiell darauf anspricht)

    Ich denke es wäre einen Versuch wert, aber da braucht man einen geduldigen Besuch und innere Ruhe wie ein Mönch :hust:

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