• Das mit der Gesundheitsvorsorge durch Kastration ist so 'ne Sache... Es gibt auch beim Menschen zahlreiche Krebsarten, psychische Störungen und weitere Krankheiten, die sich allein auf Grund des Vorhandenseins unserer Sexualorgane bilden können. Aber über eine Entfernung oder medikamentöse Einwirkung denken wir höchstens nach, wenn ernsthafte Gründe dafür vorliegen.

    Ich selbst will mich nicht fortpflanzen, trotzdem würde ich mir AUF KEINEN FALL gesunde Organe entnehmen lassen, nur weil ich sie im eigentlichen Sinne nicht brauche und sie irgendwann zum Gesundheitsrisiko werden können.

    Wenn man bedenkt, dass das Ziel jeder Spezies Erhalt und Weiterentwicklung durch Fortpflanzung ist, liegt der Schluss nahe, dass man einem Tier bei einer Kastration weitaus mehr nimmt, als nur ein paar Gramm organischen Gewebes.

    Nicht falsch verstehen. Ich bin kein absoluter Kastrationsgegner. Meine Hündin habe ich nach zweimaliger Gebärmutterentzündung kastrieren lassen. Bei Strassenhunden halte ich die Kastration für eine gute Lösung. Und wenn es für einen jungen Hengst nur die Optionen Kastration oder Schlachter gibt... ja, dann bitte.

    Wenn - wie in eurem Fall - absolut keine Notwendigkeit vorliegt, würde ich darüber nicht weiter nachdenken. Sollten sich irgendwann dann doch Probleme ergeben, werdet ihr das schon mitbekommen. :smile:

  • Ich musste meinen Hund vor fast 3 Wochen kastrieren lassen (Kryptorchismus).

    Ich würde es bereuen, wenn es nicht hätte sein müssen.
    Okay, bei Jack war es ein "schwerer" Fall, aber dennoch möchte ich gerne kurz berichten.
    Denn es läuft nicht alles so, wie man es sich in den Kopf setzt,
    weil es sich einfach schöner, leichter und besser anhört, als das Negative.

    Jack ging es in den ersten Tagen nicht so gut.
    Ich hatte in den ersten Nächten kein Schlaf (wirklich keine Sekunde) und ich wäre fast geplatzt.
    Meine Nerven waren sehr instabil und auch in den nächsten Tagen war es nicht viel anders.
    Okay, ich hatte wenigstens etwas Schlaf (und Jack dann endlich auch),
    aber er rannte durch die Wohnung und jaulte.
    Dann schien es besser zu werden. Jack schlief auch tagsüber und wurde endlich ruhiger.
    Bis das Wundwasser anfing aus der Wunde zu Tropfen. (Keine Entzündung)
    Zum Tierarzt-alles okay, Wunde immer säubern etc.
    Das Tropfen hörte auf und ich dachte, dass die Wunde jetzt endlich heilen würde.
    Aber schlecht geträumt-das Wundwasser sammelte sich.
    Ich musste alle 3 Tage zum Tierarzt, damit er sein Wundwasser raus"zieht".
    Bis es schließlich nach 2 Wochen nicht besser wurde.
    Also musste Jack nochmal operiert werden :(
    Er spülte die Wunde aus und nähte den "Sack weg" etc.
    Das war vor 4 Tagen.

    Jack geht es soweit gut.
    Wir hoffen das alles gut läuft und nächsten Freitag die Fäden gezogen werden können.
    Ausgelastet ist Jack nicht.
    ich muss ihn ruhig halten, damit die Naht nicht platzt/reist.
    und das Gassi wurde auf das nötigste reduziert.

    Ich habe jetzt diese Erfahrung gemacht, bzw. mache sie jetzt immer noch
    und ich bin auch froh, dass ich sowas erlebt habe.
    Ich hatte gedacht "Ach, Kastration-selbst wenn der Hoden im Bauchraum ist, es wird schon alles so laufen wie es sollte". Jetzt weiß ich es besser. Und eine Kastration würde für mich nicht mehr in Frage kommen,
    abgesehen wenn es sein muss.

    Vielleicht könnte es andere auch interessieren.
    Das Geld was eine Kastration kosten würde wäre bestimmt mehr,
    als eine Hundeschule/Hundetrainerin selbst mit Einzelstunden.
    Bei mir wären es ca. 400€ insgesamt (hat die gleichen preise gemacht wie das im GOT steht).

  • Wir haben am Mittwoch einen Termin zur Kastration unserer Hündin, aber ich bin mir einfach schrecklich unsicher, ob wir das machen sollen. Ich hab mich viel mit dem Thema beschäftigt, auch hier viel gelesen, das hat mir aber ganz und gar nicht geholfen, eine Entscheidung zu treffen, eher im Gegenteil.

    Die OP würde endoskopisch durchgeführt werden mit einer Narkose, die über die Beatmung funktioniert, meines Wissens nach die schonendste Art, die es momentan gibt. Die Gebärmutter würde verbleiben. Auch hier bin ich verunsichert. Der eine Tierarzt sagt, das Risiko, dass sich eine Gebärmutter entzündet, wenn die Hündin kastriert ist und man es früh genug macht, geht gegen Null. Andere haben uns erzählt, dass sie sich trotzdem entzünden kann...

    Lola ist jetzt 11 Monate alt und war einmal läufig, sie ist ein Dackel-Jack Russell-Mix.

    Unsicher, ob wir kastrieren sollen oder nicht, macht mich vor allem ihre derzeitige Entwicklung. Sie ist sehr unsicher seit der Läufigkeit. Vor zwei Monaten sind wir umgezogen und das hat das Ganze noch verstärkt. Sie hat viel Angst, heult, wenn wir sie allein lassen, versteckt sich vor fremden Hunden. Insgesamt habe ich das Gefühl, sie macht eine pubertäre Phase durch und muss diese durchleben um dann wieder sicherer werden zu können. Vielleicht passiert das aber auch nicht und sie ist einfach ein ängstliches Wesen?
    Jedenfalls habe ich Angst, dass ich ihr durch die Kastration die Chance nehme, das zu überwinden und richtig erwachsen zu werden.
    (Der Tierarzt meinte natürlich, dass das Gegenteil der Fall sein könnte, sie könne nach der Kastration deutlich sicherer und weniger ängstlich werden.)

    Zum Anderen hat sie rassespezifisch eine Chance sehr alt zu werden, wodurch die Gefahr einmal Gebärmutterentzündungen oder hormonabhängigen Krebs zu bekommen schon gesteigert ist. Oft hab ich gelesen, dass eine alte Hündin dann notoperiert werden musste, was nicht selten schlecht ausgeht, weil der Hund die OP nicht mehr gut verkraftet bzw. bereits krank ist. Auch die Hündin meiner Eltern wäre fast gestorben an einer Entzündung der Gebärmutter.
    Da nach einer späteren Kastration das Krebsrisiko nicht mehr wirklich gesenkt wird, heißt das für mich, jetzt kastrieren oder gar nicht (es sei denn natürlich, sie wird krank).

    :hilfe:

  • Willst Du Deine Hündin nur deshalb kastrieren lassen, um das Krebsrisiko (in diesem Fall Gebärmutterkrebs) zu senken?


    Ich will Dich jetzt nicht stark verunsichern,
    aber eine Kastration kann auch das Krebsrisiko erhöhen (muß aber nicht).
    Zum Beispiel scheint die "Gefahr", Knochenkrebs zu bekommen, wohl deutlich höher bei kastrierten Hunden, als bei intakten Hunden.


    In Deinem Fall hilft wirklich nur nachlesen und sich zu informieren.
    Und dann muß halt entschieden werden, mit welchem "Risiko" (mir fällt da nichts anderes ein) man besser leben kann und was zum eigenen Hund besser "paßt".


    Hier mal etwas zum Lesen: http://www.homoeotherapie.de/tiergesundheit…kastration.html

    Schöne Grüße noch
    SheltiePower

  • Danke, diesen Text hatte ich schon gelesen. Da wurde mir eben auch klar, dass die geistige Entwicklung definitiv nicht mit der ersten Läufigkeit abgeschlossen ist.

    Ja, es geht mir in erster Linie um den gesundheitlichen Aspekt wie oben beschrieben.
    Die Läufigkeit war besonders für mich eine Nervenprobe. Ich war total angespannt bei jedem Spazierengehen... wenn uns ein Hund entgegenkam, hab ich gleich die Richtung gewechselt und hab mich praktisch permanent nach anderen Hunden umgesehen. Wenn uns dann doch ein Rüde erreicht hat, hab ich ihn schnüffeln lassen, wenn das Herrchen oder Frauchen dabei war, oder aber sie gleich hochgenommen, wenn der Hund alleine kam. Ich denke, die Kleine hat meine Nervosität auch mitbekommen und ist ein Stück weit auch deswegen unsicherer geworden. Aber ich denke, beim zweiten Mal könnte ich hoffentlich schon etwas entspannter damit umgehen.

  • Ich habe den Termin jetzt erst mal abgesagt, bin aber nach wie vor völlig unsicher... Stimmt diese Statistik, dass 25 Prozent aller nicht(jung)kastrierten Hündinnen Krebs and der Brust bekommen? Das ist schon eine enorme Menge... Ist es also so abwegig, die Hündin aus Vorsorge kastrieren zu lassen?

    Hier wird immer argumentiert, dass man sich als Mensch ja auch nicht wegmachen lassen würde, nur weil die Gefahr besteht, dass man dort mal Krebs bekommen könnte. Dazu fällt mir Angelina Jolie ein...

    Kann mir hier jemand sagen, wie groß die Chancen sind, einen Krebs an der Brust der Hündin rechtzeitig zu erkennen? Hat hier jemand Erfahrungen gemacht?

  • Eine befreundete Tierärztin hat mir geraten, die Gesäugeleiste meiner Hündin immer mal abzutasten (kann man beim Steicheln und Bauchkraulen machen) und wenn ich auch nur einen winzigen Hubbel da spüre, wo er nicht hingehört, dann gleich zum Tierarzt und überprüfen lassen. Sie meinte, viele HH gehen erst dann zum Tierarzt, wenn Tumore schon so groß wie Murmeln sind. Und dann ist das Risiko des Streuens natürlich ungleich höher, als wenn man schon früh eingreift.

    Dagmar & Cara

  • Bei einer sehr unsicheren Hündin würde ich die zweite Läufigkeit abwarten. Der eine echte Vorteil - hoher Schutz vor Mammatumoren - ist dann immer noch in sehr hohem Maße gegeben und Du hattest eine Chance zu sehen, wie sich Deine Maus entwickelt.

    Ich habe meine Kröte nach der ersten Läufigkeit kastrieren lassen (nicht endoskopisch, aber mit Beatmungsnarkose, das ist schonender und sicherer für den Hund) und, ja, es kam eine Unsicherheitsphase wenige Monate nach der Kastra aber, nein, meine Maus ist definitiv NICHT auf dem mentalen Stand stehen geblieben, den sie zum Zeitpunkt der Kastra hatte. Meine Prinzessin ist sehr wohl erwachsen geworden und auch die Unsicherheitsphase ging wieder vorbei (dafür hab ich jetzt ne Pubertäts-pöbel-phase, Hurra)

    Für mich war nach der ersten Läufigkeit klar, dass ich auf keinen Fall in dieser Stadt mit einer intakten Hündin leben kann und will. Es war eine egoistische Entscheidung und der Aspekt der Krebsvorsorge hat sie mir nur etwas leichter gemacht. Hätte ich allerdings eine Hpndin mit Knochenproblemen oder eine Boxerin oder eine Goldie Hündin an meiner Seite und damit eine Inkontinenzchance von fast 25% hätte ich es wahrscheinlich nicht machen lassen.

    Ich habe 1000 Tode ausgestanden während meine Maus in der OP war, denn es ist keine medizinisch notwendige OP und ich kannte mindestens einen HH, deren Maus nach der Kastra-OP nicht mehr aufwachte.
    Aber ich kenne auch mehrere Hundehalter, deren Hündin an Krebs gestorben ist und zur Zeit stirbt gerade die Hündin meines Nachabarn an einem zweiten Ausbruch.
    Insgesamt bin ich heute seeeehr erleichtert, dass ich diesen ganzen Läufigkeitsmist nicht mehr an der Back habe. Meine Maus riecht trotzdem noch vorzüglich und ich habe dauernd nervige, unerzogene Rüden von desinteressierten Haltern an ihrem Pops kleben, was sie ziemlcih nervt und stresst. Während und nach der Läufigkeit war das noch zig Mal schlimmer und ich bin mir sicher, dass meine Maus dieses Theater nicht vermisst.

    Es ist eine schwierige Entscheidung und die meiste deutsche Literatur (und dieses Forum) ist komplett Anti-kastra wahrend die meisten Tierärzte total dafür sind. Das macht es einem auch nicht leichter.
    Alles Gute, Euch beiden!

  • Gesäugetumore sind zu ungefähr 85 % gutartig. Von den restlichen 15 %, welche bösartig sind, ist auch nur ein kleiner Prozentsatz hormonabhängig entstanden.
    Auch bei kastrierten Hündinnen gibt es Mammatumore!!!

    Der Unterschied von einer früh kastrierten Hündin zu einer nach der 1. Läufigkeit kastrierten Hündin bewegt sich in einem Bereich unter 1 %.

    Aus der Bielefelder Kastrationsstudie:

    Zitat

    Frühkastrierte Hündinnen haben demgegenüber ein Risiko von 0,0093% nach der ersten Läufigkeit kastrierte Hündinnen tragen ein Risiko von 0,1488%.

    Zitat


    Angesichts dieser Wahrscheinlichkeit der Erkrankung muss die Frage erlaubt sein, ob der medizinische Prophylaxegedanke gerechtfertigt ist. Diese Frage drängt sich umso mehr auf, wenn man sich die Wahrscheinlichkeiten der unerwünschten - auch gesundheitlichen - Folgen der Kastration anschaut.

    http://www.kromfohrlaender-bremen.de/kastration/

    In dieser Aufzählung fehlt noch das erhöhte Risiko für orthopädische Erkrankungen.

    Die weiblichen Hormone sind für eine Vielzahl von Funktionen zuständig.
    Sie dienen nicht alleine der Fortpflanzung.

  • Zitat

    Ich habe den Termin jetzt erst mal abgesagt, bin aber nach wie vor völlig unsicher... Stimmt diese Statistik, dass 25 Prozent aller nicht(jung)kastrierten Hündinnen Krebs and der Brust bekommen? Das ist schon eine enorme Menge... Ist es also so abwegig, die Hündin aus Vorsorge kastrieren zu lassen?

    Hier wird immer argumentiert, dass man sich als Mensch ja auch nicht wegmachen lassen würde, nur weil die Gefahr besteht, dass man dort mal Krebs bekommen könnte. Dazu fällt mir Angelina Jolie ein...

    Kann mir hier jemand sagen, wie groß die Chancen sind, einen Krebs an der Brust der Hündin rechtzeitig zu erkennen? Hat hier jemand Erfahrungen gemacht?

    Was gerne außer Acht gelassen wird, ein wesentlich höherer Risikofaktor als die Frage ob und wann die Hündin kastriert wurde, ist erwiesenermaßen das Gewicht des Hundes im Wachstum.
    Ist eine Hündin im ersten Lebensjahr übergewichtig ist, hat sie nach Forschungsergebnissen von 2003 und 2005 ein deutlich erhöhtes Mammaturmorrisiko.
    Eine wirklich merkliche Absenkung des Risikos ist nur bei einer Frühkastration vor der ersten Läufigkeit festzustellen, ist aus entwicklungstechnischen Gründen aber auf keinen Fall empfehlenswert.

    Und nebenbei bemerkt, die Studien von Wehrend e.a. haben gezeigt, dass selbst die Frühkastration nicht hilft, das Risiko zu senken, wenn die Hunde im Wachstum übergewichtig sind.

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