Wie können eure jagenden Hunde ohne Leine spielen?

  • Hanne, ich wiederhole mich gerne! Komm zu uns und sieh es dir an =)

    Ich sage beim besten Willen nicht, dass podis nicht erziehbar oder schwieriger als andere Hunde sind. Unsere 3 (Galgo, Podenca, Lastrami) sind alle erzogen und wenn du die Podenca in der UO siehst, mit welcher Schnelligkeit die sich hinsetzt... Da fällt dir alles ausm Gesicht *lach*
    Meine Mix Dame wäre auch in vielen Gebieten ableinbar, wenn ich ne Scheißegal Haltung entwickeln würde.

    Ich habe sie sogar schon aus der Rehhatz raus gerufen und auch vom Hasen lies sie sich abrufen. Nur solange sie dieses nicht IMMER tut, solange bleibt sie an der Schlepp.
    Ich will mir und ihr diesen geistigen Stress einfach nicht antun. Bei jedem Gassi hinter jeden Ecke etwas erwarten... Wir wohnen nun mal so das wir fast immer Rehe, Hasen oder anderes Getier sehen.
    Mit schleppender Schlepp hören beide Mädels ohne Probleme, also WARUM?
    Zum spielen können sie auf die Freilaufwiese oder wir fahren zu gebieten wo sie offline toben kann (so wie Lisas Maus auch!)
    Ich sehe einfach keinen Sinn darin mir ein Funktionierendes Leben unnötig stressig zu machen.
    Wir müssen niemanden etwas beweisen. Und nur weil ich sage das es bei Podis und Windis aus 2ter Hand schwieriger ist heißt es nicht das es unmöglich ist. Hab ich auch nie behauptet wenn man meine Beiträge aufmerksam liest.

    So und nun genug OT. Rest gerne in einem anderen Thread oder per PN.

  • nakima + nala: :gut: :gut: :gut:

    vorab: ich finde es auch sinnvoll, die schleppleine so lange am hund zu lassen, solange der hund nicht abrufbar ist. alles andere wäre fahrlässig.

    reizangel und co kann man bei vielen podis vergessen. sie sind, im gegensatz zum terrier, oft nicht für ersatzbeute zu begeistern. ich kenne einen einzigen podi, der ein balljunkie ist. der ist allerdings besonders schlimm und frauchen sieht es nicht :/ aber die meisten interessieren künstliche jagdobjekte nicht die bohne. das anti-jagd-training gestaltet sich demnach als schwierig.

    um einen podenco am wild kontrollieren zu können, muss man die art und weise seiner jagd verstehen.

    im gegensatz zu vielen deutschen jagdhunden muss der podenco fast alle jagdlichen sequenzen selber ausführen - allerdings ist er nicht raubwildscharf und darf auch nicht töten, im gegensatz zum deutschen vorstehhund, der ja durchaus auch mal auf nachsuchen alles tun muss.

    podencos sind auf die jagd kleiner, flinker tiere, wie z.b. kaninchen spezialisiert und sie jagen in der meute.
    zusätzlich dazu arbeiten sie sehr wohl mit dem menschen zusammen, schließlich bringen sie ihm die beute - und das lebend und unversehrt.
    die meisten podencorassen bleiben vor natürlichen hindernissen, wie z.b. gebüschen stehen und stellen und verbellen das wild, bis es aus dem gebüsch flüchtet, was ein großes plus in der arbeit darstellt, denn ein terrier würde da einfach reinbrechen. also steht hier quasi schon eine gewisse natürlich imppulskontrolle um raum, die es zu nutzen gilt.
    dabei zeigen sie durchaus vorstehanlagen, die es möglich machen, sie am wild gehorsam zu machen.

    die jagd besteht quasi aus suchverhalten - anschleichen - vorstehen/stellen - hetzen - packen - bringen.

    um mit dem podenco gut zusammenarbeiten zu wollen, muss man das vorstehen verlängern, impulskontrolle hineinbringen, absoluten gehorsam verlangen und ein down einarbeiten, sowie kanalisierende auslastung bringen, was in diesem fall die wildanzeige, mäusesuchen mit stop-signal und das kontrollierte anschleichen darstellen können.

    gerade bei einem hund mit vorgeschichte ist das nicht einfach, es dauert und kostet zeit und einen wirklich guten plan, aber es geht.

    zur praxis: ich hab in meiner arbeit bisher festgestellt, dass podencobesitzer häufig den ganz normalen grundgehorsam nicht genügend ernst nehmen und auch beim abruf und co gerne etwas lockerer und rein mit positiver verstärkung arbeiten wollen. das soll jetzt kein agriff gegen die podibesitzer hier im thread sein, denn ich weiß natürlich nicht, wie ihr arbeitet.
    aber: das kann man mit keinem jagdhund machen, denn wie sollen diese dinge am wild funktionieren, wenn man sie nicht einmal in normalen alltagssituationen deutlich abverlangen kann?

    und genau wird immer wieder gesagt "das ist ein podenco, der kann das nicht."

    und genau das ist pauschal einfach nicht richtig. ja, podencos reagieren schnell auf bewegungsreize, ja, sie haben einen heftigen jagdinstinkt mit fantastischen sinnen, aber nein, auch sie können lernen, dass das kommando "sitz" immer "sitz" heißt und die reizlage stück für stück gesteigert wird.
    dafür muss man allerdings auch klar durchsetzen, dass man das signal immer so meint. und dazu gehört eben auch eine gewisse spur zwang.

    ich weiß übrigens, wovon ich rede, weil meine hündin eine absolut begnadete jägerin ist, die niemals vor einem gebüsch und sonstigem halt machen würde und sowohl raubwildscharf, als auch eine wahnsinnige gute fährtenleserin und hetzelse ist. ich habe einen hund, der draußen nix anderes macht, als im appetenzverhalten herumzugurken. sie spielt nicht, sie möchte keinen hundekontakt, sie will nur jagen. und sie läuft mittlerweile frei :)

    es ist vollkommen klar, dass kein anti-jagd-training bei einem wirklich triebigen hund ohne zwang erfolgreich ist. wer mal einen deutsch-kurzhaar geführt hat, weiß, dass diese hunde dem pondenco in sachen härte und durchsetzungsvermögen und eine großen portion sturheit um einiges voraus sind. und trotzdem können diese hunde vorstehen.

    und deshalb muss auch ein podenco lernen, dass ein stop immer ein stop ist und das ein nicht-befolgen klare konsequenzen hat, die nicht unbedingt angenehm sind.

    für mich steht und fällt der erfolg mit dem aufbau von wildgehorsam. hierbei muss der grundgehorsam top sein, ein klares alternativverhalten aufgebaut werden und eben auch entsprechend abgesichert werden.

    sleipnir führt nen podi, mehrere hounds und nen drahti in seiner gassigruppe. denen wurde ganz klar erklärt, dass gewisse kommandos nicht hinterfragt werden.

    ich führe viele jagende hunde in meiner gruppe. und sie haben gelernt, dass das signal "stop" immer gilt.

    aber es ist absolut nicht einfach, sondern harte arbeit.

    wie das im einzelnen aussieht, hängt natürlich vom individuum ab.

  • Zitat

    ich weiß übrigens, wovon ich rede, weil meine hündin eine absolut begnadete jägerin ist, die niemals vor einem gebüsch und sonstigem halt machen würde und sowohl raubwildscharf, als auch eine wahnsinnige gute fährtenleserin und hetzelse ist. ich habe einen hund, der draußen nix anderes macht, als im appetenzverhalten herumzugurken. sie spielt nicht, sie möchte keinen hundekontakt, sie will nur jagen. und sie läuft mittlerweile frei :)

    DAS hat mich jetzt echt beeindruckt. Du beschreibst hier gerade meine Hündin (bis auf die Raubwildschärfe, genau weiß ich das aber gottseidank nicht!).

    WIE hast du das geschafft? Ich weiß, du hast gerade beschrieben, was wichtig ist und ich denke, der Grundgehorsam ist bei uns schon gut (geht natürlich immer noch besser :roll: ).
    Vorhin beim Spaziergang z.B. war ich echt stolz. SL war auf dem Boden und mein Hund ca. 15m von mir entfernt, anderer Hund in Sicht, der schon zu uns unterwegs war. Stoppsignal hat super funktioniert und auf mein Auflösungskommando durfte sie hin.
    Als sie für meine Begriffe zu weit auf´s Feld rannte, ließ sie sich sofort abrufen und ging dann mit mir weiter.
    Ich dachte mir wieder: Toll, der andere Hund hat null gehört, ist uns dann sogar noch nachgelaufen, hat aber viiieeel mehr Freiheiten, weil´s eben kein Jäger ist. :/ (Das nur nebenbei.)

    Aber zum Problem:
    Es geht um dieses extreme Appetenzverhalten. Wie hältst du sie da im Freilauf in Schach?
    An Paula muss/müsste ich pausenlos einreden, weil sie bestimmte Dinge einfach nicht unterlässt. Sie wird immer schneller und hält den Radius nicht ein, rennt auf´s Feld ("langsam", "raus", "nein") etc.
    Das hört bei ihr einfach nicht auf und da komm ich nicht weiter.

  • @Lukanouk
    Ein wirklich interessanter Beitrag :gut:
    Was mich allerdings interessieren würde: wie baut man einen Rückruf mit (ich nehme an maßvollem) Zwang auf? Dass man Kommandos wie "sitz" konsequent durchsetzen kann, wenn der Hund bei einem ist (und davon ausgehend dann auf Entfernung aufbauen), leuchtet mir ein, beim Rückruf fällt mir allerdings außer dem Heranhangeln an der Schleppleine keine wirklich brauchbare Methode ein.
    Mich interessiert's deswegen, weil meine Hündin (Pointer/Münsterländer) nach viel Arbeit zwar grundsätzlich freilaufen kann, aber unser rein positiv aufgebauter Rückruf dennoch nicht immer 100%ig funktioniert. Das bezieht sich jetzt auch gar nicht speziell auf Jagdsituationen; manchmal hat sie einfach keinen Bock auf den Rückruf und neigt zum Ignorieren. Ich krieg sie dann trotzdem über alternative Kommandos (Kehrtsignal funktioniert sehr zuverlässig, oder Abruf über Spielaufforderungen bei mir, etc., also sie ist nicht unkontrollierbar unterwegs), aber nichtsdestotrotz wäre es trotzdem schön, wenn ich sie auch mit dem stinknormalen Abruf zuverlässig zu mir rufen könnte :roll: Sehe mich da rein positiv aber auch an meiner Grenze.

  • frieda: wie ich das geschafft habe, kann ich dir in einzelheiten schwer beschreiben und es ist ja nichts vergleichbar, weil dein hund natürlich auf andere dinge anspricht, als mein hund. sie sind halt individuen - was belohnung und bestrafung für den einzelnen hund bedeutet, ist ja komplett unterschiedlich. im grunde genommen habe ich ein kleinschrittiges training aufgebaut, in dem sie lernen musste, dass das stopsignal über allem steht und hoch belohnt wird, aber ein überschreiten hart sanktioniert wird. aufbau und absicherung erfolgten in einer eher niedrigen reizlage, die dann gesteigert wurde. die anzeige von wild wird immer bestätigt, das losrennen wurde mittels abgesichertem stopsignal aversiv gehemmt. hinzu kam ein orientierungstraining. ich kann sie mittlerweile auch in kleinen schritten hinterherschicken, stoppen, hinterherschicken und stoppen. was übrigens nicht geht, ist der abruf vor dem wild. sie wird gestopt und ins platz geschickt.

    zwang im rückruf kann sehr unterschiedlich aussehen: im prinzip geht es darum, den hund zu stören, wenn er nicht reagiert und zwar so empfindlich, dass er eben kommt ;)

    hier muss man erst einmal mit einem kleinen radius arbeiten, um diesen dann stück für stück zu erweitern.

    ich nehm jetzt mal ein fräulein aus meinem gassi-service. die dame hat gelernt, dass eigentlich kein kommando wichtig ist. ich rufe einmal nett und süß und wenn sie dann nicht kommt, fliegt ihr was direkt und auch recht heftig vor die füße. dreht sie sich dann, bin ich wieder nett und süß und belohne sie hochgradig. mittlerweile schießt sie zu mir.
    dabei bleibt sie natürlich erst einmal an der sl.

    man muss dazu sagen, dass diese madame sehr hart im nehmen ist und ihre leute gerne mal austestet.

    bei nem anderen hund würde ein schritt auf ihn reichen und der nächste bekommt nen kleinen leinenimpuls usw. usf.

    man kann hier niemals allgemeingültige möglichkeiten aufzeigen, denn jeder hund ist anders.

  • Ah okay, danke für die Antwort :gut:
    Das habe ich mal mit Trainingsdiscs probiert - Hund gerufen, nix passiert, die Dinger vor die Füße gepfeffert - Hund macht einen erschrockenen Satz zurück, dann heftiges nervöses Schwanzwedeln, kurzes Schnuppern an den Discs mit langgestrecktem Hals, und dann schnappte sie sich die allen Ernstes und galloppiert damit in weiten Kreisen um mich herum :headbash: Das Problem war, sie hat mir in der ganzen Zeit nicht einen einzigen Blick zugeworfen, so dass ich keinen Aufhänger hatte irgendwas zu belohnen.. naja, vielleicht hab ichs auch einfach falsch gemacht..

    Aber den Ansatz finde ich gut, das klingt auf jeden Fall logisch und macht dem Hund unmissverständlich klar, dass Ignorieren nicht toleriert wird. Ich werde mal drüber nachdenken, was die Madame wirklich stören könnte :smile:

  • Danke, na ja, sie sind klar alle verschieden, ich dachte halt, du hättest noch den ultimative Tipp für mich ... ich weiß, den gibt´s nicht! (Das Verhalten deiner Hündin hörte sich halt wirklich ähnlich an.)

    Sanktionierst du ein nicht ausgeführtes Stoppsignal genauso?
    Und zum Rückruf:Wenn Paula noch im SL-Radius ist, dann hört sie IMMER. Wie kann ich dann sanktionieren, wenn sie für mich (bzw. für ´ne Plastikflasche o.ä.) nicht mehr erreichbar ist? Wie soll man das dann üben?

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