Sinn und Unsinn der Schleppleine (oder Leine allgemein)

  • Ich muss mal ein Lob loswerden: Ich finde, hier wird sehr ausgewogen und differenziert diskutiert! Und jeder HH kann sich das für seine Situation und seinen individuellen Hund passende heraussuchen, ohne dass gleich Zeter und Mordio geschrieen wird.
    Sehr angenehm!
    LG

  • Mit unserer Pflegegalga wären wir ohne 20m-Langleine (mit Handschlaufe, die auch benutzt wurde) ziemlich verloren gewesen. Wenn wir mit ihr und den Chis zu richtigen Ausflügen unterwegs waren, konnte sie so zumindest einen etwas größeren Radius geniessen. Ohne das wir Angst haben mussten, sie würde auf Nimmerwiedersehen verschwinden.

    Freilauf gab es für sie auf einem riesigen,eingezäunten Hundeauslauf, der kam also auch nicht zu kurz.
    LG von Julie

  • So, dieser Thread hat mir einen kleinen Denkanstoß gegeben. Denn auch ich bin, zumindest in Leipzig, wo man alle Nase lang auf andere Hunde trifft, sehr unsicher, wenn Buddy komplett frei läuft. Einfach, weil er, bis vor kurzem, bei jeder Hundesichtung durchgestartet ist. Gerade eben habe ich ihn dann mal frei laufen lassen... Er sprang fröhlich um mich rum und als wir dann einen anderen Hund gesehen hatten, kam er dennoch zu mir. Gut, der andere Hund war auch ein paar Meter entfernt, aber trotzdem! : gut:

    Bei meinen Eltern auf dem Dorf bin ich übrigens entspannter. Jagen geht er nicht und andere Hunde sieht man schon frühzeitig genug. Es sind nur die kurzen Distanzen, die mir Sorgen bereiten... :/

  • Ich würde auch liebend gern auf die Schlepp verzichten.
    Aber ich habe einen Podi-Mix mit massiven Jagdtrieb. Sie ist ein Jahr und leidet sehr oft an "eigensinniger Gehörgangverstopfung". Ich kann ihr einfach mehr Freiraum gönnen.
    Wenn die Schleppleine "schleppt" kann ich sie besser ranrufen.
    Natürlich hoffe ich, dass ich die SL irgendwann in der Ecke liegen lassen kann.

    Bei all meinen anderen Hunden hatte ich mir nicht mal eine zugelegt. Und da war ich auch ein Gegner. Nun bin ich vertraut mit beiden Seiten.

    Lia hat sich auch mit Ihren 16 Kilo in die Schlepp geschmissen. Ich lag, aber egal, denn Lia rannte nicht ins Auto..

  • Ich verstehe ehrlich gesagt das "für und wider" bei diesem Thema nicht wirklich, einfach weil es nunmal keine wirklichen ALternativen gibt.

    Natürlich ist es blöd, wenn ich 50 oder 60kg Hund an der Leine habe und die mir reinpreschen. Natürlich kommt Abrufbarkeit und ein gewisser Radius nicht von allein, nur weil ich den Hund an die 10m Leine binde.

    Allerdings frage ich mich gerade, was man sonst machen will. Nicht jeder hat seinen Hund von klein auf und auchnicht jeder Welpe wartet mit dem erwachen des Jagdtriebes so lange, bis er einen gewissen Grundgehorsam hat.. von anderen "Reizobjekten" des täglichen Lebens mal ganz abgesehen.

    Dann habe ich in den Situationen im groben 3 Möglichkeiten.

    a) ich lasse meinen Hund nur noch an der kurzen Führleine laufen (halt alles was im gemeinen nicht unter Schleppleine fällt... und bei einem jungen Hund der auf vieles reagiert können das dann sehr sehr viele Situationen werden)
    b) ich sichere meinen Hund für die Zeit eben durch eine lange Leine, Flexi, was auch immer. Es gab ja Zeiten da nannte man das noch nicht neumodisch Schleppleine.
    c) ich lass ihn halt rennen, auch wenn ich keinen wirklichen Einfluss auf ihn habe und nehme eben in Kauf, dass er mal eben weg ist.


    Mit jemanden der sich für c entscheidet, weil er "halt keine Schleppleinen mag", brauche ich ansich aber nicht diskutieren, denn da wird man nie auf einen gemeinsamen Nenner kommen - da sind die ANsichten zur Hundehaltung und Gefährdung anderer einfach zu konträr.

  • Zitat

    Ich verstehe ehrlich gesagt das "für und wider" bei diesem Thema nicht wirklich, einfach weil es nunmal keine wirklichen ALternativen gibt.

    Sehe ich nicht so. Es gibt durchaus Alternativen. Klar, kommt es auch dabei wieder auf den Hund an. Ich will also gar nicht pauschal sagen, dass es immer ohne geht. Aber bei uns funktioniert es durchaus.

    Ich muss die Stellen, an denen ich Freilauf gewähre zum einen mit Bedacht wählen und es sollte klar sein, dass ich mit einem Hund, der nicht mal im Wohnzimmer ein "Hier" befolgt, nicht im wildreichen Wald offline spazieren gehen brauche. Zum anderen halte ich auch ohne Leine den Radius anfangs sehr klein und weite ihn mit wachsendem Gehorsam aus. Denn auch hier gilt für mich: ich brauche nicht darauf zu hoffen, dass mein Hund in reizvollen Situationen auf eine Distanz von 20 Metern hört, wenn er es nicht mal ohne Ablenkung auf 3 m schafft. Zusätzlich habe ich auch überhaupt kein Problem damit, meinem Hund ein aversiv aufgebautes Abbruchsignal zu geben. Und das nicht erst, wenn der Hase auf der Bildfläche erscheint, sondern auch bei kleineren "Vergehen". Weiterhin muss ich dafür sorgen, dass alles ruhig bleibt. Einen Hund, der wie irre durch die Botanik schießt, werde ich immer schlechter kontrollieren, als einen Hund, der entspannt neben mir her trabt und ein bisschen rumschnüffelt.

    Und zu guter letzt, gehe ich mit der Gewissheit spazieren, dass immer etwas schief gehen kann und sicherlich früher oder später auch schief gehen wird. Ich kann nunmal nicht die ganze Welt kontrollieren (was aber definitiv nicht heißt, dass ich mich zu deiner c-Kategorie zähle ;) ).

    Viele Grüße
    Frank

  • Zitat

    Sehe ich nicht so. Es gibt durchaus Alternativen. Klar, kommt es auch dabei wieder auf den Hund an. Ich will also gar nicht pauschal sagen, dass es immer ohne geht. Aber bei uns funktioniert es durchaus.


    du hast Luna in Lemgo erlebt, gelle? ;)

    Alternative: kurze Leine oder Jagen lassen

  • Zitat

    Sehe ich nicht so. Es gibt durchaus Alternativen. Klar, kommt es auch dabei wieder auf den Hund an. Ich will also gar nicht pauschal sagen, dass es immer ohne geht. Aber bei uns funktioniert es durchaus.

    Ich sehe ehrlich gesagt, gerade bei einem Hund ohne gewissen Grundgehorsam keine.

    Was du weiterhin beschreibst, setzt voraus, das der Hund schon gewisse Signale kennt und auf diese auch sicher reagiert. Die muss ich allerdings auch wieder so aufbauen, dass der Hund keine Chance hat sich selbst zu belohnen. Das fällt ja auch nicht alles vom Himmel.
    Ausserdem verstehe ich dich durchaus so, dass auch du nicht komplett ohne "lange Leine" oder "Leine allgemein" vorgehst.
    Arbeiten mit (Schlepp)leine heißt für mich nicht, Hund an die Leine hängen und irgendwann 1 Jahr später kommt er wieder ab.

    Situation vor gut 1,5 Jahren hier:

    2jährige Hündin, aus Umgebung mit Null Reizen übernommen.
    Sehr hoher Beutetrieb, damit auch absolute Jagdleidenschaft, kein besonderer Freund von anderen Hunden, aber eben auch Null wirkliche Erziehung - Abrufkommando zwar "bekannt", aber auch bekannt, dass man das nicht befolgen muss.
    Abbruchsignal, egal wie aufgebaut, fällt weg um den Radius zu halten, weil einfach nicht bekannt. Interessanter machen ist auch schwierig, wenn der absolute Kick flüchtendes Wild ist. 5000m² eigenes Grundstück, auf dem man sich das erste halbe Jahr aufhalten kann und trainieren kann, bis Kommandos sitzen, ist leider auch nicht vorhanden.
    Wenn ich verhindern will, dass, ob ich mit oder ohne Hund heimkomme, bzw ob die Anzahl an anderen Hunden gleich bleibt oder schrumpft, zum Glücksspiel wird, werde ich sichern müssen.

    Das ein Hund keine Maschine ist, ist das eine - aber z.B. bewusst einen Hund frei laufen zu lassen, von dem ich weiß, dass wenn jetzt ein Kaninchen irgendwo hoch geht, habe ich keine Chance mehr und einfach drauf zu hoffen, dass ich den Spaziergang ohne andere Tiere überstehe, fällt für mich unter c) und da brauche ich dann auch nicht mehr über für und wider einer Schleppe diskutieren... denn wenn ich so ran gehe, dann brauche ich natürlich keine.

  • Zitat


    Was du weiterhin beschreibst, setzt voraus, das der Hund schon gewisse Signale kennt und auf diese auch sicher reagiert. Die muss ich allerdings auch wieder so aufbauen, dass der Hund keine Chance hat sich selbst zu belohnen. Das fällt ja auch nicht alles vom Himmel.


    Für den Signalaufbau braucht man aber keine Schleppleine. Man gestaltet die Übungen so, dass der Hund eine hohe Erfolgsquote hat, und arbeitet sich langsam an grössere Ablenkungen heran. Man fängt ja nicht auf einer Wiese voller Karnikel an.

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