Mein Name ist Terrier, von Beruf Terrorist!
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Asle_LM -
4. September 2012 um 18:25
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Der Taliban von dem hier die Rede sein wird steckt im Pelz einer ca. 3 jährigen Jack-Russel-Mischlingshündin mit Decknamen Karla. Karla schlich sich mit ca. 12 Wochen in die Wohnung meiner Nachbarn ein, die im Internet auf sie stießen (digitale Medien sind böse!) und sie aus der Wohnung eines Pärchens holten, die Karla bis dato nie verlassen hatte – ein Katzenklo tuts auch (für große Hunde braucht man eben nur ein großes Katzenklo ist ja wohl klar!). Karlas zukünftiges Rudel hatte sich gefühlte 2 Stunden mit dem Thema Hund beschäftigt, dann einen 50€ Schein am Automaten gezogen und das Tierchen zu sich nach Haus geholt.

Die Schläferzelle war eingerichtet: es regnete Spielzeuge und lustig aussehende Leckerlies, vom Tisch fiel die ein oder andere Scheibe Wurst und natürlich(!) waren Sofa und Bett ab sofort Terrorrevier. Die erste Schwierigkeit stellte die Vereinbarkeit zwischen Job und Hund dar: Wie bringt man Karla innerhalb von 24 Std. bei 6 Std. täglich allein zu bleiben und die Blase zu halten? Es ist ganz leicht und nun aufgepasst für alle die Probleme mit dem Alleinbleiben bei ihrem Hund haben: einfach machen und Pipipfützen und Bellattacken mit einem Lächeln ignorieren

Schwierigkeit Nr. 2: Spazieren gehen! Von Anfang an war Karla eher ängstlich auf der Straße (warum nur, wo sie doch soviele Reize in ihrer Wohnungshaltung mit Katzenklo kennen gelernt hatte
). Das Gehen wurde also ein Ziehen und Bitten, dass sich nur langsam besserte. Schnell konnt Karla ihrem neuen Rudel klar machen, dass sie auf Bälle steht und gefälligst immer einer zu fliegen hat wenn sie es möchte! Und zwar pronto! Sonst Taliban.....Also nahmen Frauchen und Herrchen von nun an immer brav ein Flugobjekt mit auf den Spaziergang, so dass Spaziergang gleichzusetzen war mit dem täglich Schuß an Adrenalin und Trance den ein Balljunkie braucht. Und nun kommen wir zu Problem Nr.3, welches in der Interpretation von Frauchen und Herrchen "Intelligenz" des Hundes genannt wrd, wio sie gar nicht mal so falsch liegen. Der Begriff "Aus" hat für Karla keinerlei Bedeutung, denn es gibt ihn einfach nicht. Der schlaue Terrier hat seine Menschen anders erzogen: wenn Hund es für richtig hält legt er das Flugobjekt zu Füßen der Menschen nieder und meistens schnappt sie nicht zu wenn sie es ergreifen wollen, aber jedes 3. Mal doch. Weil man niemals genug klar machen kann, wem die Beute eigentlich gehört!

Der 4ten Schwierigkeit kann man beikommen, indem man eine Alternative findet. Abrufen funktioniert entweder wenn der Hund angleint ist und man ihn zu sich ziehen kann oder wenn man den Ball in Händen hält. Aber oft stellt sich diese Frage gar nicht, da Karla schließlich 48 Std. im Einsatz ist und auf ihre Menschen aufpasst. Das fängt in der Wohnung an und hört draussen nicht auf. Zeit zum Spielen mit Artgenossen hat Karla nicht, denn sie muss aufpassen dass sie die Kontrolle über Frauchen nicht verliert. Also werden die meisten Menschen verbellt und da Frauchen klug ist, hatte sie Karla schnell verstanden und Karla auf ihrem Arm einen besseren Überblick über die Gesamtsituation verschafft. Nichts geht über optimale Arbeitsbedingungen!
Allen Widersprüchen zum Trotz hat Karla eine Blase wie ein Kamel und alleine bleiben funktioniert prima, wenn ihre Beutekiste mit scheinbar unerschöpflichem Inhalt an Spielzeug zur Verfügung steht. Und auch raus gehen findet Karla gar nicht so sehr wichtig, sie bleibt scheinbar lieber in der Wohnung, wo sie alle Ecken kennt und ihr Revier gut im Überblick hat. Ich wage mich nicht die Überlegung anzustellen, dass Draussen sein mit soviel Stress für den Hund verbunden ist, weil alles kontrolliert und geregelt werden muss, dass sie mit überschaubaren 80 Quadratmetern einfach entspannter arbeiten kann.
Es ist ja auch viel einfacher wie sich beim Thema Besucher zeigt. Wenn es klingelt hört man schon in der Ferne und einige Stockwerke darüber und darunter Karlas lautstarke Vorfreude gegenüber dem Eindringling. Das Herrchen und Frauchen noch immer nicht gerafft haben, dass niemand weder Besucher noch Post oder Pizza brauchen ist Karla ein Rätsel. Also bleibt ihr nichts anderes übrig als ihren Taliban nach Aussen zu kehren und die Wohnung zum Minenfeld zu machen. Die Mine selbst heißt Karla. Bellen ist das Eine. Wenn es tatsächlich Jemand wagen sollte seine Füße über die Türschwelle zu setzen dann Gnade ihm Gott! Nun hat Karla alle Pfoten voll zu tun, also besser immer nur ein Besucher auf einmal, sonst kann man schon mal durcheinander kommen.
Der Weg von der Wohnungstür zum Sofa gleicht einem Spießrutenlauf: bei jedem zweiten Schritt hängt Karla den Besuchern an den Hosenbeinen und wenn das nicht reicht ist auch mal ein Stück Ferse mit dabei. Frauchen klärt auf: "Karla ist so ängstlich!" Achso, dann sind die Schmerzen zu verkraften.
Karlas Schlaf- und Liegeplätze sind stets taktisch klug gewählt. Immer auf den Füßen von Frauchen ist klar, weil da merkt man sofort wenn sie sich erlaubt loszulaufen oder sich überhaupt zu bewegen. Auch wenn ihr die Augen im Sitzen zufallen, Karla ist im Dauerdienst und bleibt eisern sitzen.Abends schläft Karla mit Frauchen unter der Decke und tagsüber liegt sie neben ihr auf dem Sofa. Das ist ja auch vollkommen o.k. wenn Frau Terrorist nicht vollkommen überschnappen würde vor lauter Oberwasser. Wen es interessiert wie es um Grundkommandos wie Sitz und Platz bestellt ist, der sei hier ein für alle mal belehrt: ein kleiner Hund muss nicht sitzen und platzen! Es ist gerade zu unter seiner Würde. Und ein Terrier muss erst recht nichts – basta!
Nun haben sich Frauchen und Herrchen von Karla doch tatsächlich erdreistet und einen dritten Menschling in den Haushalt "gebracht". So lange das Ding bewegungslos in seiner Schaukel lag, o.k.! Aber nun läuft Es und grabscht Karlas Beute an. Als ob es nicht schon genug Arbeit gewesen wäre mit den zwei großen Menschen – gäbe es doch eine Hundegewerkschaft!!! Also muss nun auch das kleine Menschlein kontrolliert werden. Beute abnehmen und checken wo es hinläuft. Neulich hat Frauchen mir erzählt wie schön Karla und Menschling zusammen spielen: der Menschling steckt seine Füßchen in Karlas Maul und sie knabbert daran. Dann lacht der Menschling und Karla freut sich auch. Wie schön wenn man seinen Hund versteht.
::::::::::::Achtung:::::::Achtung:::::::Ironie::::::::

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Versteh ich das richtig, du schreibst über den Nachbarshund? *verwirrt ist*

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Ja den Nachbarshund. Aber vorbildlich wie ich bin habe ich ein gutes Verhältnis zu meinen Nachbarn und zu ihrem Talibanhund :) Daher erlebe ich die Tücken des Alltags hautnah mit.
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Ich bin begeistert, wie toll Du das geschrieben hast

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Zitat
Ich bin begeistert, wie toll Du das geschrieben hast


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Sehr schön geschrieben.... und so wahr

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karla sollte man sein

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Super geschrieben
Obwohl ich selber keinen Ter...roristen habe, aber mein Kumpel
kommen mir doch viele Eigenschaften sehr bekannt vor. -
Wer will Nachschlag?
Heute war ein rabenschwarzer Tag in Karlas Leben (oder brach eher der Himmel auf und sie sah einen Hoffnungsschimmer vorbei ziehen?). Oder ein rabenschwarzer Tag für Karlas Frauchen. Heute kam die Trainerin!
Um die Geschichte zu vervollständigen muss ich noch erzählen, dass Karlas Frauchen mich bereits um Trainingshilfe gebeten hatte. Warum z.B. war Karla in meiner Wohnung verhältnismäßig ruhig, umkurvte alle Sitzmöbel und legte sich entspannt auf den Teppich zum schlafen? Karla schläft nie auf dem Boden

In Karlas Sinne empfahl ich ihr als erstes einen festen Hundeplatz, in diesem Fall eine Box die man auch mal zumachen kann. Es folgte der übliche Teil der Eingewöhnung. Nach kurzer Zeit entschloß Karla von sich aus, das die Box eine gute Alternative zum Sofa ist, gerade wenn zu viele Menschen herumwuseln. Außerdem wurde der Rückzugsort zur Menschenzwergtabuzone. Jetzt muss das in die Box schicken aus der Entfernung aufgebaut werden. Ach hätte man doch die Rechnung mit Kostverächter Karla gemacht. Leckerlies? Bäh! Neue Leckerlies? Ich probier eins.....moment....neee lohnt sich nicht... Hallooooo? Wer Frikadellen und Hähnchenbrustfilet gewohnt ist der geht nicht für tierische Nebenerzeugnisse in eine Box. Der geht nirgendwohin! – O.k. für Gouda und Leberwurst mach ich mit....
Aber da wäre ja noch Frauchen. Die muss ja auch mitmachen wollen. Disziplin und so... Geduld... Na gut dann geht Karla eben nur manchmal in die Box und nur wenn man direkt davor steht und sie hineindroht. Für das Kläffen an der Tür habe ich Frauchen empfohlen Karla nicht hochzuheben, sondern sie in ihre Box zu schicken (...schieben o.ä.......dank mangelnder Mitarbeit von Frauchen). Und wenn der Besuch reinkommt die Box natürlich vorher zumachen, so dass Taliban-Karla keine Chance hat sich an dessen Fersen zu heften. Hmmm, naja sie kläfft noch immer und irgendwie habe ich ein Déjà-vu Erlebnis wenn ich oben klopfe und Karla mir auf Augenhöhe begegnet. Achso: mich beißt sie nicht in die Beine. Sie kläfft mich auch nur 1x an und oft bringe ich Pfotenbesuch mit, der sich über Karlas Panikanfälle Jeden und Alles herumzudirigieren, aufzuhalten, abzuhalten, in Schach zu halten, ignorant hinweg setzt und Karla, man mag es kaum glauben, lieber zu einer Runde Toben auffordert und auch bewegen kann. Zumindest solange Alle still sitzen

Das es gegebenenfalls einen Zusammenhang zwischen Sofa, Bett und Karlas Größenwahn gibt habe ich zwischendurch auch mal angemerkt, aber es ist mit uns Menschen wie mit den Hunden, man hört nur was man hören will. Und trotzdem hat Karlas Frauchen nach geraumer Zeit des Nicht-Trainings darum gebeten ihr die Nummer meiner Hundetrainerin zu geben und heute war sie da.
Wo ein Wille ist ist auch ein Weg. Wo kein Wille ist ist auch kein Weg. Ich durfte dabei sein und Mäuschen spielen, schließlich war ich auch gespannt was die Trainerin zum Terrorkrümel Karla, mit den kastanienbraunen Augen dem rechten Ohr schlapp dem linken aufgestellt, zu sagen hat.
Als erstes wurde sie standesgemäß begrüßt, also laut und mit Karlas Gebiß in den schönen Lederstiefeln. Um die Atmosphäre zu beschreiben: nebenbei lief eine in meinen Ohren zu laute CD: "Die schönsten Kinderlieder". Also natürlich für den Menschling, der umherwuselte und die Tasche der Trainerin untersuchte. Erstmal die harten Fakten, die ich ja eingangs schon beschrieben habe. Dann Beobachten des Hundes, herumlaufen, aua!, fremdklingeln lassen, aha!, und dann ganz weit ausholen und Frauchen auf den Kopf hauen. Also verbal versteht sich."Karla ist kackendreist." Wo Frauchen dementiert sie sei ängstlich wird sie eiskalt desillusioniert, "Das ist keine Angst das ist Verarsche. Die sucht keinen Schutz, die will dich kontrollieren (Pole-Position auf Frauchens Füßen). Die will nicht spielen, die will zeigen wem hier die Ressourcen gehören." (ach ich vergaß, klaro hat Karla immer einen vollen Napf da stehen). Und gleich rieselt es die ersten Verhaltenstipps. "Schieb sie wie zufällig weg, schaffe mehr Distanz zwischen euch, geh weg wenn sie kommt, schieb sie vom Sofa runter das ist mal für 2 Wochen Tabu. Nehm Dir 1 Stunde am Tag "Quality Time" mit Karla in der sie Zwangskuscheln muss und sonst soll sie dir nicht auf die Pelle rücken. Bring ihr ein Nein bei (was?). Achso und Bett selbstverständlich auch 2 Wochen konsequent streichen. Box trainieren! Wenn es klingelt und sie nicht in ihrer Box sitzt und sie fängt an zu kläffen kannst Du sie maßregeln. Sie maßregelt alles und jeden der sich hier bewegt, das kannst Du auch mit ihr machen. Wenn Du das alles konsequent machst werden sich die meisten Probleme von selbst lösen. Sie wird Dich einfach ernster nehmen." Amen!
Die Trainerin zeigte Karla und Karlas Frauchen wie sie sich verhalten sollten und Karlas Welt steht Kopf! Wer zur Hölle hat diesen Teufel in mein Revier gelassen? Wer hat der erlaubt sich an meiner Beute zu vergreifen? Warum schubst die mich weg? Ich darf ihre Tasche nicht kontrollieren, häh? Ich darf nicht auf ihren Schoß, waaas? Ich soll weggehen – sind die irre? Oh mein Gott, es wird Zeit dass ich Frauchen wie immer um den Finger wickel und ihr klar mache, dass wir so nicht ins Geschäft kommen. So läuft das nicht! Hier wird nach meinen Regeln gespielt und nicht anders! Man, was denkt die Frau? Frauchen und Herrchen sind nicht lebensfähig wenn ich sie nicht ständig im Auge behalte!
Gesagt getan! Die Trainerin geht und Frauchen muss schlucken. So hat sie sich das auch nicht vorgestellt. Sie wusste ja das sie was falsch macht, aber gleich alles engegengesetzt? Alles auf den Kopf? Und Karla legt die Öhrchen an, läuft geduckt wie ein geprügelter Hund, schmiegt sich an Frauchen und..... schmiedet schon ihren eigenen Plan um die Ordnung wieder herzustellen....
Mein Name ist Terrier, von Beruf Terrorist!
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Herrlich geschrieben.
Da sieht man, die Weltherrschaft gehört den Hunden.....

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