Plötzliche Verhaltensveränderung

  • Tut mir Leid, aber mir ist kein wirklich passender Threadtitel eingefallen.

    Campino ist jetzt neun Monate alt und ist Männern und erwachsenen Hunden immer eher ängstlich begegnet. Männer hält er sich auch mit Knurren und Vorspringen vom Leib, wenn es schlimm kommt. Wenn er sich nicht so bedroht fühlt, weicht er nur aus. Bei anderen Hunden hatte er früher richtig Angst und ist ausgewichen oder hat sogar unter sich gepinkelt. Das wurde besser und er wirkte auf Entfernung neugierig und zog nur noch den Schwanz ein und ging weg, wenn es zu Kontakt kam. Das Männerproblem bearbeiten wir zur Zeit mit Gegenkonditionierung per Clicker.

    Diese Woche verhält er sich plötzlich vollkommen anders. Am Montag stand ich mit ihm an der Leine draußen auf dem Hof bei der Arbeit. Ein Kollege kam hinaus und Campino hängt sich in die Leine, hopste in Spielhaltung herum und fiepte. So reagiert er eigentlich auf Menschen, die er gut kennt und gerne mag. Der Kollege ignorierte ihn, wie von mir gewünscht, Campino schnüffelte ihn ab und dann war es gut. Als nächstes kam mein Chef auch noch hinzu und Campino zeigte wieder dasselbe Verhalten. Mein Chef hielt sich leider nicht so ganz an meine Anweisung und streckte ihm die Hand hin und ließ ihn schnuppern, dann steichelte er ihn kurz und vorsichtig. Campinos Rute ging hinunter und er kam zu mir, knurrte aber nicht. Heute lief der Nachbar mit seinem Schäferhundrüden vorbei. Campino hatte bisher immer Angst vor diesem (Weggucken, ausweichen, Rute unten) und da der nicht sonderlich verträglich sein soll, kam es auch nie zu einem Kontakt. Der Schäferhund war immer etwas neugierig, sagte aber nie einen Ton. Heute zeigte Campino rumgefiepe, gehüpfe und Spielaufforderungen. Der Schäferhund fing daraufhin mächtig zu pöbeln an und Campino steigerte sein Verhalten noch und berührte mit dem Bauch schon fast den Boden. Er wirkt auf mich jetzt typisch welpenhaft wie er es eigentlich nie war.

    Ich weiß, dass es aktive Beschwichtigung ist, was Campino da macht. Aber warum??? Bisher hat er sich das eben für Menschen und Hunde vorbehalten, die er gerne mag. Jetzt wendet er es einfach pauschal auf jeden an, den er ein bisschen kennt? Momentan werte ich es einfach als Erfolg, bin mir aber auch absolut unsicher ob das so richtig ist. Aus einem angstaggressiven Hund wird plötzlich ein Tut-Nix, oder wie?

    Ich hätte auch noch eine kurze andere Frage. Campino hat eigentlich eine beste Freundin (Bodercolliehündin im gleichen Alter). Die beiden haben immer sehr wild miteinander gespielt. Nun war sie das erste Mal läufig und die beiden haben sich etwa 3 - 4 Wochen nicht gesehen. Jetzt will sie plötzlich nicht mehr mit ihm spielen, während er Raufbrudermäßig wie immer auf sie drauf springt und sie zwickt. Sie flüchtet sich zu Frauchen und wirkt völlig entsetzt. Campino muss Ärger kriegen, damit er sie nicht ständig wieder über den Haufen rennt und niederringt. Es ist genauso wie auch vor der Läufigkeit von seiner Seite, nur sonst hat sie mitgemacht. Irgendwie muss das ja mit der Läufigkeit zusammen hängen. Ist sie nun plötzlich erwachsen und rauft deshalb nicht mehr? Campino tut mir so Leid, weil er überhaupt nicht zu verstehen scheint, warum seine Freundin plötzlich nicht mehr mitmacht. Sie tut mir natürlich genauso Leid, weil sein ruppiges Verhalten sichtlich unangenehm für sie war.

  • Für mich hört es sich so an, als ob du dir viel zu viele Gedanken machst... Dein Hund entwickelt sich...permanent.
    Und ich würd mir eher Gedanken über seine Erziehung machen, wenn ich lese, dass er an der Leine rumhopst und die Hündin nicht in Ruhe lässt...

  • Frage: Was willst du mit der Gegenkonditionierung erreichen?
    Doch eigentlich genau das: Er lernt, dass andere Menschen und Hunde nicht notwendigerweise was Böses von ihm wollen.

    Das heißt nicht, dass du ihn mit dem Schäfi vom Chef zusammenbringen musst/sollst, sondern dass deine Auswahl an passenden Figurantenhunden und Übungsmenschen sorgsam sein muss.

    Was die BC-Hündin betrifft. Schade. Leider hat die hormonelle Umstellung bei dieser Hündin offensichtlich eine Verhaltensänderung hervorgerufen. Dann schütze sie vor deinem Hund. Und umgekehrt, sonst muss sie ihn irgendwann notgedrungen löchern, wenn er keine Ruhe gibt.

    cazcarra

  • Ich finde, dass man sich nicht zu viele Gedanken machen kann. Ich habe einen schwierigen Hund, was den Umgang mit fremden Menschen angeht und arbeite schon sehr lange an dem Problem. Wenn er da so plötzlich ganz anders ist, verwundert mich das eben. Darf man hier nur die Standartfragen stellen, wie "mein Hund zieht an der Leine" etc.?
    Was die Erziehung angeht. Er ist schon ziemlich gut erzogen, aber er ist auch erst 9 Monate alt. Er lässt sich aus der Jagd abrufen und führt alle Standartkommandos perfekt aus. Er lässt andere Hunde fast immer in Ruhe, aber hier reden wir von seiner besten Freundin mit der er zusammen aufgewachsen ist und immer gespielt hat. Dass er es da nicht so schnell schnallt, finde ich verständlich. Selbstverständlich haben wir die Hündin dann auch geschützt und ich habe Campino immer wieder abgerufen und eben zur Not auch angeleint, wenn er es nicht lassen wollte. An der Leine freudig rumhopsen macht dieser Hund auch totselten, er hat in der Regel Angst oder zumindest Respekt vor anderen Menschen und Hunden. Wenn er sich dann mal so freut, tut mir Leid, dann freue ich mich darüber - weil es schön ist, wenn er mal zur Abwechslung keine Angst haben muss. Wenn ich einen "normalen" Hund hätte, der sich als Welpe über alles und jeden so gefreut hätte, dann hätte ich ihn in der Beziehung sicher erzogen.
    Ich weiß nicht genau warum, aber dein flapsiger Beitrag trifft mich zutiefst. Kaum jemand gibt sich so viel Mühe alles richtig zu machen und seinen ängstlichen Hund an diese Welt zu gewöhnen. Ein normaler Hundehalter kann sich, glaub ich, überhaupt nicht vorstellen wie belastend das ist. Wie fertig man ist, wenn der Hund wieder Rückschritte gemacht hat, wie glücklich wiederrum, wenn es voran geht. Fast das ganze normale Umfeld grenzt dich wegen deinem angstaggressiven Hund aus, keiner kommt dich mehr besuchen, wenn du von dem Hund erzählst, wird nur mit dem Kopf geschüttelt "der wird es nie lernen und eines Tages ein Beisser werden, gib den bloß weg".

    cazcarra: Danke für deine Antwort. Die Frage zur Gegenkonditionierung hast du ja schon selbst beantwortet. Ich lasse Campino nur mit sehr wenigen Hunden und Menschen zusammen. Dem Schäferhund sind wir nur zufällig vor dem Haus begegnet und beide waren an der Leine in etwa 3 Meter Abstand. Die Kollegen bei der Arbeit sind im Grunde die ausgewählten Menschen mit denen ich trainiere, da sie mit die einzigen sind, die dazu noch bereit sind. Die Situation auf dem Parkplatz war also eine Trainingssituation. Wir sind nur ein kleines Team von etwa 6 Personen, davon drei Männer, die eben bereit sind sich auch mal von Campino anknurren zu lassen, wenn es blöd läuft. Dafür bin ich sehr dankbar. Ebenso bin ich meinen Chef dankbar, dass er es erlaubt. Deshalb kann ich nicht blöd zu ihm werden und in den letzten Monaten hat er Campino auch ignoriert, sprich meine Anweisung befolgt. Er hatte sich nur so gefreut als der Hund ihm plötzlich so anders gegenüber trat.
    Glaubst du auch, dass diese Verhaltensveränderung ein erster Erfolg des Trainings ist und er angstauslösende Lebewesen jetzt einfach schon positiver sieht?
    Also meinst du, dass die BC-Hündin diese Haltung gegenüber Campino jetzt beibehalten wird? Das ist wirklich Schade :sad2:

  • Ich sehe dich nicht beim Training, aber es ist - wenn du das richtige Timing hast - eine mögliche Variante für deinen Hund zu zeigen, dass das Training anschlägt. Allerdings nur bei DIESEN Personen und DIESEN Hunden, die du bisher dafür ausgesucht hast.
    Es hilft nix - du wirst das ganze generalisieren müssen - und da bleibt dir nur der Weg raus aus diesem Umfeld. Hier würde ich allerdings unter allen Umständen bei deutlich größerer Distanz beginnen, als er es jetzt mit den ihm bereits bekannten Personen kann!! Es hilft dir nix, wenn du zu wenig Distanz hast und er so stark unter Druck kommt, dass er ausrasten MUSS. Dabei lernt er nix.

    Was die BC-Hündin angeht: Keine Ahnung. Manche Mädels fangen sich im Lauf der Zeit, wenn sie sich in ihrem Erwachsein und mit den Hormonen eingerichtet haben, manche nicht. Hängt auch ein wenig davon ab, wie die HH damit umgehen...

    cazcarra

  • Das wäre ja schön, wenn wir endlich mal richtige Trainingserfolge hätten! Wir haben schon viele Methoden probiert und sind jetzt eben letztlich beim Clickern gelandet. Ich habe eine Trainerin, die das richtige Timing mit dem Clicker mit mir geübt hat und auch nochmal kommen wird.
    Ich weiß, dass Campino es erstmal nur für diese Personen lernen wird, damit ist mir aber schon enorm geholfen! Wenn er es dort gelernt hat, werden wir langsam anfangen andere Personen dazu zu nehmen. Wenn er irgendwann meine Freunde, Familie und Bekannte akzeptieren kann, wäre mein Ziel erreicht. Fremde muss er nicht gut finden, das wäre höchstens noch das Sahnehäubchen, wenn es perfekt läuft.
    Ach Mensch, dann hoffe ich einfach für Campino, dass die BC-Hündin sich wieder fängt und sonst muss er eben einen anderen Umgang mit ihr lernen, die beiden sehen sich nämlich regelmäßig bei der Arbeit. Es wäre wirklich Schade drum, die beiden waren ein Herz und eine Seele. Damals in der Welpenstunde haben sie nur zu zweit gespielt und die anderen Hunde waren egal. Außer ihr gibt es nur einen weiteren Hund mit dem er auch richtig ausgelassen spielt.

  • Bist du dir sicher, dass es eine Spielaufforderung ist? Oder ist es eher ein 'Herumkaspern, Herumalbern'? Also 'fiddle about' und damit ein Konfliktzeichen. Ich würde bei Begegnungen, wo er ängstlich/aggressiv reagiert, eher davon ausgehen, dass er im Konflikt zwischen Annäherung/Meiden ist und deshalb Übersprungshandlungen zeigt.

    Wenn er in den Situationen im Konflikt ist, weiß nicht mal der Hund, was er als nächstes tun wird, also wie er auf eine Annäherung reagiert.

    Wie wurde denn geclickert? Also 'nur' das Anzeigen von Menschen etc. oder auch mit Alternativverhalten? Durch die Gegenkonditionierung können ja die Menschen näher rankommen, weil sie positiv verknüpft ist, dadurch kann es sein, dass sie zu nah ran kommen und es ihm dann unheimlich wird. Deshalb ist es auch ganz wichtig Alternativverhalten, wie z.B. Weggehen, Handtouch, also Sachen, die Abstand rein bringen, zu trainieren. Ansonsten kann es dir passieren, dass er auf einmal heftiger als gewohnt reagiert, weil der Reiz näher rankommt als früher.

  • Zitat

    Ich weiß nicht genau warum, aber dein flapsiger Beitrag trifft mich zutiefst.

    Das tut mir leid, das war nicht meine Absicht. Ich lese heraus, dass du sehr unter Druck stehst ...nichts desto trotz bin ich immer noch der Meinung dass man sich zuviele Gedanken machen kann...
    Ich hab möglicherweise die Fragestellung deines Eingangsbeitrags nicht verstanden... :ops: nix für ungut.

  • Zitat

    Ich finde, dass man sich nicht zu viele Gedanken machen kann. Ich habe einen schwierigen Hund, was den Umgang mit fremden Menschen angeht und arbeite schon sehr lange an dem Problem. Wenn er da so plötzlich ganz anders ist, verwundert mich das eben. Darf man hier nur die Standartfragen stellen, wie "mein Hund zieht an der Leine" etc.?
    Was die Erziehung angeht. Er ist schon ziemlich gut erzogen, aber er ist auch erst 9 Monate alt. Er lässt sich aus der Jagd abrufen und führt alle Standartkommandos perfekt aus. Er lässt andere Hunde fast immer in Ruhe, aber hier reden wir von seiner besten Freundin mit der er zusammen aufgewachsen ist und immer gespielt hat. Dass er es da nicht so schnell schnallt, finde ich verständlich. Selbstverständlich haben wir die Hündin dann auch geschützt und ich habe Campino immer wieder abgerufen und eben zur Not auch angeleint, wenn er es nicht lassen wollte. An der Leine freudig rumhopsen macht dieser Hund auch totselten, er hat in der Regel Angst oder zumindest Respekt vor anderen Menschen und Hunden. Wenn er sich dann mal so freut, tut mir Leid, dann freue ich mich darüber - weil es schön ist, wenn er mal zur Abwechslung keine Angst haben muss. Wenn ich einen "normalen" Hund hätte, der sich als Welpe über alles und jeden so gefreut hätte, dann hätte ich ihn in der Beziehung sicher erzogen.
    Ich weiß nicht genau warum, aber dein flapsiger Beitrag trifft mich zutiefst. Kaum jemand gibt sich so viel Mühe alles richtig zu machen und seinen ängstlichen Hund an diese Welt zu gewöhnen. Ein normaler Hundehalter kann sich, glaub ich, überhaupt nicht vorstellen wie belastend das ist. Wie fertig man ist, wenn der Hund wieder Rückschritte gemacht hat, wie glücklich wiederrum, wenn es voran geht. Fast das ganze normale Umfeld grenzt dich wegen deinem angstaggressiven Hund aus, keiner kommt dich mehr besuchen, wenn du von dem Hund erzählst, wird nur mit dem Kopf geschüttelt "der wird es nie lernen und eines Tages ein Beisser werden, gib den bloß weg".

    cazcarra: Danke für deine Antwort. Die Frage zur Gegenkonditionierung hast du ja schon selbst beantwortet. Ich lasse Campino nur mit sehr wenigen Hunden und Menschen zusammen. Dem Schäferhund sind wir nur zufällig vor dem Haus begegnet und beide waren an der Leine in etwa 3 Meter Abstand. Die Kollegen bei der Arbeit sind im Grunde die ausgewählten Menschen mit denen ich trainiere, da sie mit die einzigen sind, die dazu noch bereit sind. Die Situation auf dem Parkplatz war also eine Trainingssituation. Wir sind nur ein kleines Team von etwa 6 Personen, davon drei Männer, die eben bereit sind sich auch mal von Campino anknurren zu lassen, wenn es blöd läuft. Dafür bin ich sehr dankbar. Ebenso bin ich meinen Chef dankbar, dass er es erlaubt. Deshalb kann ich nicht blöd zu ihm werden und in den letzten Monaten hat er Campino auch ignoriert, sprich meine Anweisung befolgt. Er hatte sich nur so gefreut als der Hund ihm plötzlich so anders gegenüber trat.
    Glaubst du auch, dass diese Verhaltensveränderung ein erster Erfolg des Trainings ist und er angstauslösende Lebewesen jetzt einfach schon positiver sieht?
    Also meinst du, dass die BC-Hündin diese Haltung gegenüber Campino jetzt beibehalten wird? Das ist wirklich Schade :sad2:


    Hallo,

    ich habe auch so einen Angsthund wie deinen gehabt, habe mir auch viel zu viele Gedanken gemacht.
    Ich kann dir nur einen Rat geben, mach nicht zu viel. Geh vorausschauend und sicher an die Sache ran und mach einfach mal nichts.

    Ich korrigiere Milow wenn er zu unrecht Männer anbellt und nehme ihn nur zu mir und weiter gehts.
    Bitte nicht in Watte packen dies verunsichert deinen Hund zu sehr. Nimm ihn mit wo es möglich ist. Und gib ihm viele Pausen. Bitte mache alles als wäre es normal, lege dir keinen Plan zurecht.
    Dein Hund ließt sich als würde die Situation bald kippen und dann wirst du deinen Hund nicht wieder erkennen. Er ist jetzt erst 9 Monate und er wird langsam aber sicher erwachsen.

  • Hallo Marike,

    warum reagierst du so? Ich konnte da jetzt keine Böswilligkeit aus Melanies Beitrag rauslesen. Dass du so getroffen bist, könnte bedeuten, dass du unsicher im Umgang mit dem Hund bist und das meine ich jetzt überhaupt nicht böse oder abwertend. Ich kann es ehrlich gesagt gut verstehen, weil mein Hund auch ähnliche Verhaltensweisen zeigt, wie deiner, ich weiß, wie unangenehm und belastend das ist.
    Das Verhalten dass du von deinem Hund beschreibst, würde ich auch als große Unsicherheit deuten. Ich hätte keinesfalls den Chef ihn streicheln lassen. Aber gut ist doch, dass er in der Situation nicht mehr nach vorne geht, sondern zu dir kommt.
    Die Sache mit der Freundin ist eine ganz normale Sache unter Hunden, damit muss er klarkommen.
    Ich finde auch, dass man sich zu viele Gedanken machen kann. Dies überträgt sich leider auf den Hund.

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