• Ich hatte es dir ja in dem anderen Thread schon geschrieben - es ist seine Erblindung, die ihn so reagieren läßt: Seine Welt hat sich dramatisch verändert, er kann die ganze Situation nicht mehr einschätzen, und die daraus resultierende Verwirrung und Unsicherheit lassen ihn im Zweifelsfall nach vorne gehen.

    Natürlich braucht er klare Regeln, aber er braucht vor allem anderen eines, wenn da wieder Ruhe einkehren soll: Sicherheit! Das ist eine Übergangsphase, die ihr nicht nebenbei und nicht von heute auf morgen meistern könnt - bei meiner Hündin (die nicht mal aggressiv, sondern nur "depressiv" und verwirrt reagierte) hat es mehrere Monate gedauert, bis sie wieder alltagstauglich war. Und sie hatte immer wieder Zeiten, an denen sie viel Hilfe brauchte - da Auf und Ab zwischen guten und schlechten Tagen ist da auch sehr typisch. Ich hab gerade gestern mit den Haltern eines alten, blinden Rüden gesprochen: bei dem wechselt die Tagesform auch nach fünf Jahren noch total.

    Wenn Scottie mein Hund wäre, würde ich nicht gerade jetzt anfangen, ihm auch noch Privilegien zu entziehen ,die er lebenslang kennt - das dürfte seine Verwirrung nur noch steigern. Ich würde ihm in Zukunft immer eine Hausleine tragen lassen, um ihn notfalls undramatisch aus kritischen Situationen entfernen zu können und ansonsten versuchen, den Kontakt zu ihm möglichst eng zu bekommen. Er ist jetzt wirklich SEHR auf deine Hilfe, deine Führung und dein Management angewiesen und wird das wohl für den Rest seines Lebens bleiben. Auch wenn das manchmal nervt - man lernt auch selbst sehr viel dabei.

    Laß ihn, wenn möglich, so viel engen Kontakt zu dir halten ,wie er möchte, bürste ihn, so häufig du kannst (hat meine Blinde immer total entspannt), und mach ihm vor allem dem Alltag wieder "übersichtlich", z.B. indem du ihm verbal ankündigst, wenn ein anderer Hund sich ihm nähert. Das ist schon einiges an Mehrarbeit für dich, aber daß er diese Sicherheit unbedingt braucht, ist dir ja in der Tierklinik auch gesagt worden - und es ist wirklich der einzige Weg!

  • Zitat

    Ich hatte es dir ja in dem anderen Thread schon geschrieben - es ist seine Erblindung, die ihn so reagieren läßt: Seine Welt hat sich dramatisch verändert, er kann die ganze Situation nicht mehr einschätzen, und die daraus resultierende Verwirrung und Unsicherheit lassen ihn im Zweifelsfall nach vorne gehen.

    Natürlich braucht er klare Regeln, aber er braucht vor allem anderen eines, wenn da wieder Ruhe einkehren soll: Sicherheit! Das ist eine Übergangsphase, die ihr nicht nebenbei und nicht von heute auf morgen meistern könnt - bei meiner Hündin (die nicht mal aggressiv, sondern nur "depressiv" und verwirrt reagierte) hat es mehrere Monate gedauert, bis sie wieder alltagstauglich war. Und sie hatte immer wieder Zeiten, an denen sie viel Hilfe brauchte - da Auf und Ab zwischen guten und schlechten Tagen ist da auch sehr typisch. Ich hab gerade gestern mit den Haltern eines alten, blinden Rüden gesprochen: bei dem wechselt die Tagesform auch nach fünf Jahren noch total.

    Wenn Scottie mein Hund wäre, würde ich nicht gerade jetzt anfangen, ihm auch noch Privilegien zu entziehen ,die er lebenslang kennt - das dürfte seine Verwirrung nur noch steigern. Ich würde ihm in Zukunft immer eine Hausleine tragen lassen, um ihn notfalls undramatisch aus kritischen Situationen entfernen zu können und ansonsten versuchen, den Kontakt zu ihm möglichst eng zu bekommen. Er ist jetzt wirklich SEHR auf deine Hilfe, deine Führung und dein Management angewiesen und wird das wohl für den Rest seines Lebens bleiben. Auch wenn das manchmal nervt - man lernt auch selbst sehr viel dabei.

    Laß ihn, wenn möglich, so viel engen Kontakt zu dir halten ,wie er möchte, bürste ihn, so häufig du kannst (hat meine Blinde immer total entspannt), und mach ihm vor allem dem Alltag wieder "übersichtlich", z.B. indem du ihm verbal ankündigst, wenn ein anderer Hund sich ihm nähert. Das ist schon einiges an Mehrarbeit für dich, aber daß er diese Sicherheit unbedingt braucht, ist dir ja in der Tierklinik auch gesagt worden - und es ist wirklich der einzige Weg!

    ooh, welch lieber beitrag - kann mir gut vorstellen, dass dies tatsächlich so zutrifft :smile:

  • Zitat

    Hallo,

    kann es sein, dass Scottie durch die Anwesenheit deiner Sitterhunde permanent unter Strom steht?
    Ich habe andere Threads von dir überflogen.
    Er ist nicht mehr der Jüngste, das Seh - und Hörvermögen lässt nach, die Futtergier wird im Alter oft größer.
    Auch wenn du ihn überwiegend räumlich von den Anderen trennst, bleibt jedoch ggf. ein gewisser Stresslevel vorhanden, der schnell zu Übersprungshandlungen führt.
    Dass noch andere Hunde anwesend sind, entgeht ihm auch bei räuml. Trennung nicht.
    ...

    Das war auch mein Gedanke. Wir haben zwar keine Sitterhunde, aber Pflegehunde, die für ein paar Wochen bleiben, bis der nächste Pflegehund einzieht. Als wir bei der Anwesenheit von Marisa und Lia merkten, dass das für unseren Hundeopa zuviel wird, haben wir die Reißleine gezogen und beschlossen, dass er seinen Lebensabend ohne weitere Wechsel bei den Pflegehunden verbringen darf. Daher zog Kira bei uns ein, die aufgrund des Alters gut zu Baffo passt und wegen der vielen Krankheiten so gut wie unvermitteltbar ist.

    Es ist aber trotzdem so, dass Baffo manchmal unter dem Couchtisch liegt und knurrt, wenn einer der anderen Hunde am Tisch vorbeigeht. Das liegt einfach - es wurde hier bereits mehrfach erwähnt - an den nachlassenden Sinnesleistungen.

    Baffo ist auch ein Hund, der sich nicht von der Couch schubsen lässt (seine Reaktion darauf war der Abgabegrund bei der letzten Familie, in der er lebte). Ja und? Wir haben ihm gelernt, dass es sich für ihn lohnt, wenn wir ihn mit "runter" rufen und so verlässt er die Couch auf unser "runter" hin gerne :-)

    Beim Füttern bist schlicht DU gefragt. Du musst einfach darauf achten, dass die Hunde getrennt fressen. Wir handhaben es so, dass unsere vier Hunde in drei verschiedenen Räumen fressen. Müsste vermutlich nicht mal sein, aber warum sollte ich da ein Risko eingehen, wenn es sich leicht vermeiden lässt. Egal, ob mein Mann füttert oder ich: Hund 1 kriegt Futter, Tür zu. Hund 2 und 3 kriegen Futter, Tür zu. Hund 4 (Chef der Meute) kriegt Futter. Diese Abläufe sind in den letzten Monaten in Fleisch und Blut übergegangen und wenn das so ist, schließt man auch automatisch die Tür und vergisst das nicht =)

    Du hast übrigens nicht nur in diesem Thread davon geschrieben, dass Du an Abgabe denkst. Und das ist etwas, was ich so überhaupt nicht nachvollziehen kann :-/

    Viele Grüße

    Doris

  • Ich stelle mir es schon als Mensch furchtbar vor, wenn ich nahezu nichts sehen könnte, aber ständig mir unbekannte Menschen ins Haus geschleppt würden, die sich einfach an meinem Kühlschrank bedienen oder sich in die Nähe meines Bettes legen könnten.
    Ich weißt nicht, ob jemand neben oder hinter mir steht, ggf. an meinen Teller möchte.

    Das ist doch sicherlich Stress pur.
    Ich sehe es an meinem 10jährigen Rüden, der in der Dämmerung, auch abends bei Licht, kaum noch etwas sieht.
    Der ist so unsicher, er kann nicht immer einordnen, wo gerade sein cholerischer Kumpel liegt, der die Sehschwäche mit nichts entschuldigen kann, wenn der Sehschwache ihn irrtümlich im Schlaf auf den Kopf tritt.

    Da ist ganz feines Management zu betreiben.
    Man muss ihn quasi führen, die Türen beim Fressen schließen, zum sicheren Schlafplatz bringen, damit er sich bei diesen Abläufen entspannen kann.

    Ständig neue, zu viele Hunde, in unregelmäßigen Abständen, könnten bei Scottie zu Dauerstress führen.

    Ein neuer Sitterhund kommt nicht zu Scottie und stellt sich nett vor:
    "Hallo, ich bin Daisy, ich komme nur hin und wieder, nehme dir kein Futter oder Schlafplatz weg. Ich weiß, dass du nicht mehr viel sehen kannst, aber keine Sorge, ich passe auf, dass du mich nicht umläufst, falls es doch passiert, beiße ich nicht zu."

    Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass Scottie sich zu Hause nicht sicher fühlt.
    Das führt zwangsläufig zu Aggressionen, wie bei einem unglücklichen, hilflosen, unzufriedenen Menschen, der nicht mehr kann, wie er will.

    Und den Gedanken, einen so hilflosen - und orientierungseingeschränkten Hund abzugeben, der sich woanders nur schwer zurecht finden wird, bzw. alles neu "ertasten" muss, finde ich sehr befremdlich.
    Da solltest du eher andere Veränderungen in Erwägung ziehen.

  • Hallo Ihr Lieben und vielen Dank für die klaren Worte. Ich habe gestern ein langes Gespräch mit einem Tierheilpraktiker gehabt. Der hat mir Scotties Situation genauso erklärt wie ihr, allerdings sieht er das verhalten nicht nur in seiner fast Blindheit sondern auch im Charakter und in seiner jahrelangen Haltung in Österreich. Dort hat er ja nicht viel gelernt was Spielregeln im Haus angehen.

    Er wird nächste Woche zu uns kommen und sich Scottie genauer ansehen bis dahin soll ich jede brenzlige Situation meiden.

    Scottie ist im übrigen nicht ganz blind und er ist im Haus keineswegs unsicher. Aber der THP wird mir hoffentlich genaueres sagen können. Ich hatte noch nie einen Hund wie Scottie und muss mich auch erst rein lesen und mich damit vertraut machen. Ich hatte teilweise wirklich angst vor ihm.

    Ich werde Scottie nicht abgeben, das war eine Überlegung um die Sitterhunde zu schützen, Scottie kam erst als die HuTa schon bestand und ursprünglich sollte er weitervermittelt werden. Das stellte sich aber als unmöglich raus . Aber unser Haus ist so groß das Scottie die 2. und 3. Etage für sich nutzen kann und einen eigenen Platz hat er dort jetzt auch.

    Also nochmal Scottie bleibt und ich werde alles tun um es ihm so leicht wie möglich zu machen.

    Danke nochmal für die klaren Worte :gut: :gut:

  • Das klingt doch schon viel besser - und daß du erstmal auch einen dicken Schock wegstecken mußt, ist völlig normal, wenn man seinen eigenen Hund plötzlich nicht mehr erkennt. Ging mir genauso, als der lebhafte Terrier von heute auf morgen nur noch im Korb lag, die Wand anstarrte und sich nicht mehr rühren wollte. Seitdem kann ich nur noch böse darüber lachen, wenn mir jemand erzählt, Sehbehinderungen wären für Hunde ja überhaupt nicht weiter schlimm....

    Die schlechte Nachricht ist also: Ihr seid im Moment gerade beide gleichermaßen durch den Wind.
    Dabei ist es übrigens leider egal, ob Scottie noch ein bißchen sieht oder nicht - es ist diese ganze Veränderung, das Verschwinden seiner gewohnten Welt, die ihm so Angst macht, daß er aggressiv wird. Würde uns ja genauso gehen!

    Die gute Nachricht: Es kann tatsächlich alles wieder werden, auch wenn's jetzt so erschreckend aussieht.
    Wenn du es schaffst, Scottie durch den schlimmen Übergang zu begleiten und ihm das Leben wieder sicher zu machen, kann er sich auf andere Weise auch wieder zurechtfinden. Ich habe es nicht geglaubt, als mir in der Klinik gesagt wurde, ein erblindender Hund brauche etwa ein halbes Jahr intensiver Unterstützung und Umstellung, dann käme er wieder klar - aber es stimmte.

    Danach hatte die Blinde sich sozusagen neu sortiert, mich als Servicepersonal fest eingeplant und die Umwelt per Gehör und Tastsinn wieder voll "im Griff". Von da an lief es gut, der Hund war wieder weitgehend selbständig und hatte wieder Spaß am Leben. Daß es bei euch genauso läuft, wünschen wir dir und Scottie sehr.

    Die Aussichten sind jedenfalls nicht schlecht, es braucht nur Zeit, Umdenken und Üben- wir sind ja auch nicht als "Blindenmensch" geboren!

  • Guten Morgen,

    erfreulich, dass du alles überdenkst.

    Ich glaube, Scottie hat tatsächlich zwei kombinierte Probleme, die sehr eingeschränkte Sehkraft und die Sitterhunde stressen ihn.
    Für ihn wäre es sicher besser, wenn er vermehrt mit dir alleine spazieren geht und im Haus seine Ruhe findet, was aber nicht Isolation von dir bedeuten darf, wenn andere Hunde im Haus sind.
    Leider habe ich keine Idee, wie du das bewerkstelligen kannst.

    Ich wünsche euch alles Gute!

  • Hallo,

    ich bin gerade sooooo glücklich. Scottie zeigte bisher eine recht heftige Leinenaggression, dies trainieren wir schon seid Monaten und nun endlich heute hat es Wirkung gezeigt, ein großer Schritt für uns alle.

    Wir haben den Futterbeutel mitgenommen und schon in einer kleinen Nebenstraße 2x geworfen, so das er in stimmung kommt bevor wir andere Hunde im Park treffen.

    Als wir im Park angekommen sind waren auf einer Wiese 3 Hunde am spielen, dies ist für Scottie das Zeichen um Stimmung zu machen und sich in die Schleppleine zu hängen. Ich habe ihn beim kleinsten Anzeichen gerufen und sofort den Beutel geworfen, hab mich dann sofort umgedreht und bin weggelaufen und Scottie mit dem Beutel hinter mir her.
    Das habe ich 3-4 mal gemacht und dann angefangen die Distanz zu verkürzen und siehe da er nimmt die Hunde zur Kenntnis und kommt zu mir. Ich hab ihn mit dem Futterbeutel belohnt.

    Zum ende hin musste die Frau mit den Hunden an mir vorbei und Scottie hat nicht gebellt, das erste mal in den 15 Monaten die wir ihn jetzt haben.

    Ich glaube ich war noch nie sooooo glücklich wie heute. :rollsmilie2: :rollsmilie2: :rollsmilie2:


    p.s im Haus fühlt Scottie sich auch immer sicherer ich glaube das überträgt sich auch für draußen.

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