Alpha und Rudelführer in Theorie und Praxis
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Hallo,
angeregt durch einige threads hier und eine Diskussion habe ich in letzter Zeit wieder etwas mehr über Alpha und Rudelführer (oder wie immer man es nennen möchte) nachgedacht. Es wird dabei ja immer gern gesagt, dass das Konzept lange überholt sei und nur noch von Ewiggestrigen propagiert würde.
Ich bin ehrlich gesagt anderer Meinung. Ich denke nämlich, dass die Theorie an sich gut ist, dass aber die praktische Umsetzung wie sie heute propagiert wird katastrophal danebengegangen ist und nicht mehr die Theorie ausdrückt. Irgendwo habe ich mal so sinngemäss gelesen, dass es heute bei 'Alpha' nur noch darum geht, den Hund kleinzumachen, wo es doch eigentlich darum gehen sollte, den Hundeführer souverän zu machen. Das trifft es für mich sehr genau. Sobald man heute über das Thema spricht, denken alle, dass man dem Hund Resourcen und den Zugang dazu verweigert und ihn drangsaliert. Das hat für mich nichts mit Alpha zu tun. Wenn ich sage, dass ich Alpha sein möchte, will ich damit nicht ausdrücken, dass ich mit meinem Hund einen Kleinkrieg um die Sofavorherrschaft führe. Der darf aufs Sofa, aufs Bett und vor mir durch die Tür. Aber: wenn ich entscheide, dass es wichtig ist, dass ich mal zuerst rausgehe (weil ich z.B. den Arm voll Zeug habe und nicht auf den Boden sehen kann und trotzdem nicht über ihn stolpern will), dann muss er das einfach mal so hinnehmen auch wenn er es nicht versteht. Es geht mir also darum, dass ich bei wichtigen Entscheidungen das Sagen habe, auch wenn und gerade weil ich mich aus unwichtigen raushalte. Und das geht meiner Meinung nach nicht, indem ich ihm z.B. dauernd das Futter wegnehme, um für den Ernstfall zu üben. Da ist Tauschen und Belohnen und Leckerli und was weiss ich völlig ok. Ich belohne meinen Hund sehr gern. Und dadurch lernt der Hund auch gleich noch, dass es ok und von Vorteil ist, wenn Frauchen Sachen haben möchte oder Verhalten einfordert.
Zu 'souverän sein' (also 'Alpha' sein) gehört aber meiner Ansicht nach noch mehr. Man muss verlässlich sein, gerecht und in "kritischen Situationen" fähig, die richtigen Entscheidungen zu treffen. Man muss den Hund nach seinen Veranlagungen und Fähigkeiten fordern und fördern, aber auch seine Grenzen kennen. Und noch vieles mehr...
Genauso wird immer gern gesagt, dass der Mensch kein Teil des Rudels sei und damit der Begriff 'Rudelführer' völlig unangemessen. Auch das geht für mich an der Theorie des Begriffs vorbei. Der Mensch soll 'Führer des Rudels' sein und nicht 'Teil des Rudels' ist das, was ich daraus schliesse. Also wie ein guter Chef, der schliesslich auch nicht 'einer von den Jungs' ist. Ein guter Chef sorgt dafür, dass jeder eine Arbeit hat, die ihn weder über- noch unterfordert. Ein guter Chef sorgt aber auch für Pausen- und Ruhezeiten und dafür, dass man nicht unter Dauerstress steht. Ein guter Chef ist gerecht und in gewisser Weise berechenbar - für gutes Verhalten bekommt man Lob und/oder Belohung, für schlechtes Kritik und insgesamt weiss man, wo man damit steht und was erwartet wird von einem. Ein guter Chef lässt einen experimentieren mit neuen Wegen und bestraft nicht für Ideen und Kreativität, weil er sie vielleicht dem "grossen Ganzen" zunutze machen kann. Und wieder so vieles mehr...
Wenn ich von der Theorie des 'Alpha' und des 'Rudelführers' rede, meine ich also nicht, dass ich Angst davor habe, dass Hunde die Weltherrschaft an sich reissen wollen. Aber ich meine, dass Hunde wissen, dass man einen guten Chef braucht, der den Laden am Laufen hält. Ich denke, dass sich die wenigsten Hunde wünschen, dieser Chef selbst sein zu müssen, sondern dass sie hoffen, dass ihr Mensch souverän genug ist, den Job zu erledigen. Und ich hoffe, dass ich selbst irgendwann mal diesen Ansprüchen genügen kann. Denn schliesslich sind auch gute Chefs nicht perfekt...
Zusammengefasst: es geht für mich bei diesen Begriffen nicht darum, den Hund kleinzumachen wie es heute leider so oft verstanden wird. Hundehaltung soll keine Diktatur sein - aber sie ist meiner Meinung nach halt auch keine Demokratie, sondern einfach ein Laden, der durch einen guten Chef und motivierte Mitarbeiter am Laufen gehalten wird.
Gruss, jente - Vor einem Moment
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Hallo,
"Alpha" und "Rudelführer" sind ja nur Begriffe - habe gelesen, dass wir mit unseren Hunden kein Rudel sind, da es in unserm Zusammenleben nicht um Fortpflanzung geht, so definiert macht der Begriff "Rudelführer" keinen Sinn, der Begriff "Alpha" in diesem Zusammenhang wohl nicht.
Aber es kommt darauf an, wie du die Begriffe definierst - stimme deiner Theorie zum "guten Chef" auf jeden Fall zu!
Ich begreife mich - mit Günther Bloch - als eine Art "Leittier" oder gar als "Papa" für meinen Hund (zusammen bilden wir einen Familienverband) - ich bestimme seinen Tagesablauf und vor allem bin dafür verantwortlich, dass wir zu einem gut kooperierenden Team zusammenwachsen und dass er sich auf mich verlassen, mir vertrauen kann.
Demokratie gibt es nicht, sondern eine vertrauensvolle Hierarchie, die der Hund ja braucht, um glücklich zu sein (keine Diktatur, die würde willkürliche Unterdrückung einschließen).
Alles halb so wild, würde ich sagen, als Leitfigur für meinen Hund gebe ich einfach ALLE Regeln vor, ich hüte die Ressourcen (Futter, Spielzeug), ich erlaube Spiel mit anderen Hunden, ich bestimme die Ruhephasen. So ist unser Zusammenleben schön harmonisch. Ich gehe auch immer zuerst durch die Tür und wir essen vor Joschi, was aber eher ein Ritual ist als eine Dominanzanzeige.
Liebe Grüße,
Ingo
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Zitat
Demokratie gibt es nicht, sondern eine vertrauensvolle Hierarchie, die der Hund ja braucht, um glücklich zu sein (keine Diktatur, die würde willkürliche Unterdrückung einschließen).
find ich einen passenden Satz
dabei ist mir egal ob ich als Mutti, Leittier, Rudelführer oder sonst was betitelt werde -
Zitat
Hallo,
"Alpha" und "Rudelführer" sind ja nur Begriffe - habe gelesen, dass wir mit unseren Hunden kein Rudel sind, da es in unserm Zusammenleben nicht um Fortpflanzung geht, so definiert macht der Begriff "Rudelführer" keinen Sinn, der Begriff "Alpha" in diesem Zusammenhang wohl nicht.
Aber nur in Hundeforen wird um diese Begriffe viel heisse Luft und unnuetzes Geschiss gemacht,.....das dient mehr zur Profilierung als zum alltaeglichen Gebrauch.
Meinen Hunden isses wurscht ob ich mich als Alpha, Rudelfuehrer, Rosine oder Diener betitele....was zaehlt sind meine Aktionen und mein Haendling.......wer sich in einem Hundeforum ueber diese Begriffe auslaesst und fachsimpelt zaehlt doch in der reelen Welt gar nicht

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Zitat
Zu 'souverän sein' (also 'Alpha' sein) gehört aber meiner Ansicht nach noch mehr. Man muss verlässlich sein, gerecht und in "kritischen Situationen" fähig, die richtigen Entscheidungen zu treffen. Man muss den Hund nach seinen Veranlagungen und Fähigkeiten fordern und fördern, aber auch seine Grenzen kennen. Und noch vieles mehr..
dann bist du eigentlich ein wattebäuschenwerfer und kein alpha...
- nein scherz beiseite..alpha und rudelführer und dominazdingsbums sind die am meisten missverständlich verwendeten begriffe in der hundeszene.
sie werden leider nicht nur völlig falsch verwendet und falsch verstanden - sie werden auch noch zu allem überfluss als "anleitung" und begründung für allerlei uralte erziehungsmethoden genommen, die überhaupt nix mit souverän zu tun haben.
aus diesem grund verwende ich diese begriffe nie.
ein souveräner mensch, der mit ruhe und vielleicht ein bissi humor seinen hund erzieht, anleitet und mit ihm arbeitet wird ihm auch grenzen setzen und regeln beibringen.
ob ich so einen menschen nun "rudelführer" nennen will oder "wattebällchenwerfer" ist eigentlich egal - aber eines steht für mich fest:
nicht jeder hat es, das "souveränitätsgen". die, die es haben, denken wenig drüber nach - die machen einfach ausm bauch raus - und fast immer klappt es. diese menschen müssen so gut wie nie in irgendeiner form grob handgreiflich werden - oder alphawerfen oder ausflippen - sie haben einfach natürlichweise schon eine gewisse autorität und sind eben einfach das, was man souverän nennt.
die anderen, die das nicht haben, die brauchen irgendeine anleitung. irgendeinen rahmen, in dem sie sich bewegen können, wo sie sich sicher fühlen.
erzählt man nun so einem eher unsouveränen menschen in seiner unsicherheit was von "alpha" "dominanz" "rudelfüherer" - dann wird das ganz gern zum unliebsamen selbstläufer:
da kann aus dem einfachen tipp "körperblock" schnell ein richtiges grobes schubsen werden, aus einem bestimmten tonfall ein brüllen, aus einem leinenzupf ein leinenreissen aus einem "lern deinem hund impulskontrolle und lass ihn mal abwarten" ein "ich gehe immer vor dir aus der tür" oder "ich geb dir kein futter bevor du nicht aufm bauch kriechst" - und genau aus dem grund mag ich diese ausdrücke nicht sonderlich.
die letztgenannten menschen wären im übrigen im richtigen leben auch keine guten chefs, keine guten teamleader keine guten "anführer" - da sie meistens zu unbeherrscht, gleichzeitig zu unsicher und zu unberechenbar sind.
ein wirklicher "alpha" oder "anführer" ist weder unbeherrscht, unsicher noch unberechenbar - sondern eben souverän. nur - das verstehen viele eben nicht wirklich.
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Zitat
ein wirklicher "alpha" oder "anführer" ist weder unbeherrscht, unsicher noch unberechenbar - sondern eben souverän. nur - das verstehen viele eben nicht wirklich.
Eigentlich traurig.......jeder Hund, ob Strassenkoeter, verwoehnter Fiffi, unsozialisierter Vermehrerhund, erkennt einen wahren Alpha in der groessten Hundemenge innerhalb von Sekunden.....nur Idiot Mensch kann noch nicht mal den Begriff richtig einordnen....die Perle der Schoepfung

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Wir bilden mit unseren Hunden in jedenm Fall jeweils eine Sozialgemeinschaft und da gibt es immer unterschiedliche Rollenzuweisungen. Die sind halt nicht omnipräsent in jeder Situation, bzw in manchen Situationen auch umgekehrt wie in anderen, aber ich bemühe mich bei allen meinen sozial veranlagten Haustieren einen hohen Sozialstatus zu erlangen.
Dahzu gehört, dass man mir gefälligst gehorcht, wenn ich was anweise, aber auch, dass man sich auf mich verlassen kann und das ich eher großzügig als kleinlich bin....um das ganze mal anthropomorph zu formulieren.
Meinen Status zu halten ist bei meinen Papageien übrigens viel fordernder aber auch wichtiger als bei meinem Hund.Viele Grüße
Ingo.
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Zitat
Aber nur in Hundeforen wird um diese Begriffe viel heisse Luft und unnuetzes Geschiss gemacht,.....das dient mehr zur Profilierung als zum alltaeglichen Gebrauch.
Meinen Hunden isses wurscht ob ich mich als Alpha, Rudelfuehrer, Rosine oder Diener betitele....was zaehlt sind meine Aktionen und mein Haendling.......wer sich in einem Hundeforum ueber diese Begriffe auslaesst und fachsimpelt zaehlt doch in der reelen Welt gar nicht


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:2thumbs: Super! Bin komplett einverstanden.
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