Spanischer Hund mit Problemen?

  • Moin Leute,

    ich hab n paar Fragen, weil ich mir so langsam n bisschen Sorgen mache, ob ich irgendetwas mit meinem neuen Hund falsch mache.
    Wir haben den kleinen Eddy (laut Tierheim und spanischem Impfpass ist er 1,5 Jahre alt) seit ca. 3 Monaten aus einem Tierheim bekommen. Er war zuvor in Spanien und laut den Mitarbeitern des Heimes hat er wohl ne schwere Zeit hinter sich, was auch immer das heißt.

    Aber beim Anblick von dem süßen, kleinen Hund, er ist n Mischling, was genau drin ist, konnte uns bislang noch keiner sagen, aber dem ersten Anschein nach ist wohl n Jack Russell mit drin, konnten wir nicht anders und wollten ihm unbedingt ein schönes Zuhause bieten.

    Nun denn, man hat sich ein wenig angefreundet und uns wurde schnell klar, dass dem Hund Schreckliches widerfahren sein muss, da er sehr sehr scheu ist, beim Streicheln sofort eine unterwürfige Haltung einnimmt(hinlegen, Hinterbein hoch) und absolut nicht weiß, was es heißt, soziale Kontakte zu haben.

    Wir haben 2 sehr verschmuste Katzen, die ihn, wie wir dachten, schon noch aus der Reserve locken werden und ihm zeigen, wie der Hase läuft.
    Am ersten Tag hat er sich im Bad versteckt, nicht gegessen/getrunken, aber das kam zum Glück dann alles am Tag darauf.
    Was uns allerdings mehr Sorgen machte, war, dass er in den ersten 3 Tagen weder pinkelte (wir waren ca. 5 mal für ich schätz mal minimum ne halbe Stunde mit ihm draußen) noch ein großes Geschäft verrichtet hat.
    Aber auch das hat sich dann zum Glück eingespielt und jetzt klappt das schon sehr gut, mal davon abgesehen, dass er sich nicht bemerkbar macht, wenn er muss... Das Einzige, was uns aufgefallen ist, ist, dass wenn es dringend wird, er anfängt zu zittern.
    Nun denn... Kommen wir zur eigentlichen derzeitigen Problematik.
    Ich habe Eddy seit wir ihn haben und auch im Tierheim, er war in einem "Gehege" mit anderen Hunden zusammen, nicht ein einziges Mal bellen hören. Ich weiß, viele werden sagen "Is doch nich schlimm, freu dich" etc. Das seh ich auch gar nicht als schlimm an, aber ich hab ihn auch noch nicht einmal winseln hören, oder überhaupt einen Laut von sich geben. Er macht einfach gar nix.

    Dazu kommt noch. Wir dachten eigentlich, dass er geschlagen worden sein muss, da er ja so scheu ist. Aber er zuckt (zumindest bei uns) nicht zusammen, falls wir mal ungeschickte Bewegungen machen, die man als "Schlagversuch" deuten könnte. Er hört jetzt nach dieser kurzen Zeit schon recht gut auf seinen Namen, aber er traut sich nicht, zu uns her. Er kommt nicht, wenn wir ihn rufen, schaut uns aber aufmerksam an.

    Beim Gassi gehen, lassen wir ihn mittlerweile die letzten paar Meter ohne Leine gehen. Das macht er sehr gut und hält auch an, wenn wir stehen bleiben. Er hält sich immer nen halben Schritt hinter uns und läuft, wie ich finde, sehr gut. Nur, wenn er mal von der Leine weg ist, lässt er sich nicht mehr anleinen, da er wie gesagt, nicht zu uns herkommt (was auch ein Grund ist, warum er nur die letzten Meter "alleine" gehen darf). Er läuft auf uns zu, umkreist uns, aber das wars auch schon. Allerdings geht er zielstrebig zur Haustür.

    Das Paradoxe an dem Hund ist aber:
    Er kommt nicht her und sei es auch nur um ein Leckerlie abzuholen (dazu später noch mehr), sobald wir aber ins Schlafzimmer gehen, ist er der erste, der sich ins Bett legt (in die Mitte), um die ganze Nacht über zwischen uns zu liegen. Und das macht er schon seit seiner zweiten Nacht bei uns :)

    Nun denn. Der arme Hund kann überhaupt gar nicht mit Lob umgehen. Wenn er "Sitz" macht, und sei es nur durch Zufall, wenn wir es ihm grad mal gesagt haben, kapiert er nicht, dass sein Leckerlie eine Belohnung ist. Er nimmt es einfach nicht an. Er lässt sich nicht belohnen, was für uns die Erziehung derzeit etwas schwierig gestaltet.

    Mein letztes Problem:
    Eddy hat keine Ahnung, was spielen ist. Wir haben ihm Spielzeug gekauft, nen Ball, ein Quietschding etc. Er schnuppert es an, nimmts aber nicht in Mund, geschweigedenn macht irgendwas damit. Das einzige was mir letzte Woche auffiel. Unsre Katzen haben ne leere Batterie gefunden und auf den Boden geworfen. Ich saß vor dem Fernseher und plötzlich stand er neben mir, Batterie im Maul und hat sie fallen lassen. Ich dachte noch, war das etwa n Versuch zu spielen? Und hab ihn gelobt... Naja, so gut das eben ging.


    So, viel Text auf einmal, aber ich hoffe, dass alles gelesen wird und ich zu den beschriebenen "Problemen" ein paar Tipps oder Anregungen bekomme, was ich noch so versuchen kann.

    Ich fasse nochmal kurz alles zusammen:

    Eddy, ca. 1,5 Jahre alter Mischling (vermutlich mit Jack Russell), aus dem Tierheim, zuvor in Spanien, geimpft, gechipt und kastriert. Er gibt keine Laute von sich, spielt nicht und kann nicht mit Lob umgehen. Er ist nun seit 3 Monaten bei uns, schläft jede Nacht mit uns im Bett und ist sonst aber sehr scheu, auch was uns betrifft.
    Eddy hört auf seinen Namen, "traut" sich aber nicht zu uns zu kommen, sonder spaziert dann immer im Kreis um uns rum.


    Nun denn, ich mach mal Schluss und freu mich jetzt schon auf viele Antworten.

    Liebe Grüße

    Heiko

  • ich denke mal das wird sich schon noch einpendeln... die einen brauchen mehr die anderen weniger zeit.
    spielt er denn mit anderen hunden/ bzw. interessiert er sich denn dafuer, oder gibt es irgendwas das ihm ein "Leuchten in die Augen" zaubert bzw. ein Wedeln in den Schwanz?


    die Scheuheit in Verbindung mit im Bett schlafen klingt ja auch... ungewoehnlich,.. wie lange war er denn schon in deutschland bevor ihr ihn zu euch genommen habt?
    lg jessy, kessy und kissenkillerin leelou

  • Also im Tierheim, von dem wir ihn geholt haben, war er ca. ein halbes Jahr.

    Ein Leuchten in den Augen, das man als Freude erkennen könnte, hab ich so direkt auch noch nicht gesehen. Guter Einwand mit dem Schwanzwedeln. Das macht er auch nicht. Man sieht den Schwanz sich einmal hin und herbewegen, kurz bevor er sich schüttelt, so ne Art "Initialzündung". Ansonsten hat er immer seinen "treudoofen" und wie ich deute, traurigen Blick.
    Ich werd die Tage mal Fotos machen, bzw. die Fotos, die ich habe, versuchen irgendwie hochzuladen.

    Grüße Heiko

  • Ist er gesundheitlich denn in Ordnung? Habt ihr ihn mal durchchecken lassen? Wie sieht es aus in Bezug auf die Mittelmeerkrankheiten? Ist er da getestet?

    Ansonsten denke ich auch, dass sich bei euch alles erstmal ein wenig einpendeln muss...bei meinen Auslandshunden hat es meist ca. 1/2 Jahr gebraucht, bis sie wirklich richtig "angekommen" waren. "Spielen" kannten alle drei erstmal nicht - Amigo nimmt bis heute noch kein Spielzeug in die Schnute, einzige Ausnahmen sind ein Kauseil und sein geliebter Kong Wubba. Alles andere wird links liegen gelassen. Bei Kira ist´s ähnlich - sie macht sogar erst jetzt, nach knapp 3 Jahren bei uns, Anstalten, aktiv mit uns spielen zu wollen.

    Ich würde den Kleinen allerdings ehrlich gesagt (noch) nicht ohne Leine laufen lassen, so lange er noch keine richtige Bindung zu euch aufgebaut hat (danach liest es sich für mich)...evtl. mit Schleppleine dran, aber nicht komplett ohne.


    "Jack-Russell-Mix" in Verbindung mit "Spanien" klingt übrigens ´n bisschen nach Ratero (Bodeguero?) - ich bin mal auf Fotos gespannt :D

  • jap!

    wenn gesundheitlich alles in ordnung ist mit ihm - dann braucht er einfach noch ein bisschen zeit.

    überleg mal, der kleine ist aus einer ganz anderen welt zu euch gekommen - ALLES ist anders als vorher. und dieses "vorher" war auch nicht grade das wahre....er hat einen "kulturschock".

    dass er sich zu euch ins bett kuschelt - das ist schonmal eine gute sache. :smile: bringt mich auf eine frage: was macht er denn, wenn ihr euch einfach mal so auf den boden legt - kommt er dann auch nicht - oder traut er sich dann?

    dass hunde aus spanien anfangs eher zurückhaltend sind, ist nix ungewöhnliches. er wird "auftauen" mit der zeit - in seinem tempo.

    und eine bitte hab ich noch: lasst ihn erstmal nicht von der leine. eine schleppleine wäre auch mein rat an euch - aber nicht ohne leine drausen lassen - und seis noch so kurz vor zuhaus. lass irgendwas sein, was ihn erschreckt - wie fangt ihr den kleinen kerl dann wieder ein? ich musste schon so oft bei der suche nach entlaufenen südis helfen und weiss aus erfahrung, wie schwer das werden kann.

    das mit dem belohnen - auch das wird sich finden mit der zeit. ebenso das mit dem spielen - wie lang das allerdings dauern wird, weiss niemand. anderthalb jahre lang hat ihn wohl nie jemand gelobt oder mit ihm gespielt - wie soll er dann innerhalb von 3 monaten das gegenteil glauben?

    das wird schon.

  • Hallo,

    das erinnert mich sehr an unsere Anfangszeit.

    Zu dem Leckerlie-Problem: Versucht es doch mal mit Handfütterung für ein paar Tage. Das heisst das Hauptfutter (Trockenfutter) zu festen Zeiten nur aus der Hand füttern. Keine Leckerlies nebenbei. Irgendwann wird der Kleine schon Hunger haben und es nehmen. Dabei gaanz ruhig bleiben, keinen Augenkontakt, in die Hocke gehen, Kopf am besten etwas zur Seite drehen. Ist dieser Schritt getan klappt es bestimmt auch mit Leckerlies.

    - Habt ihr es mal mit Käse oder Fleischwurst probiert? Ist viel reizvoller als normale Hundeleckerlies.

    - erstmal zu Hause in Ruhe Sitz, Hier, Komm üben

    - Schleppleinentraining um das "Hier" und "Komm" auszubauen. (siehe hier Ratgeber Schleppleinentraining)

    - den Hund nicht mit Situationen überfordern ( noch nicht in die Stadt mit vielen Menschen), also eher reizarme Gegenden aufsuchen

    - mit Spieli selber spielen und viel ohh, aahhhs in höherer Stimmlage nicht allzu laut verlauten lassen, Hundi dabei nicht anschauen (-Interesse wecken), und das immer mal wieder zwischendurch, viel besser als Spielzeug ist ein Dummy natürlich lecker gefüllt


    Was auch gut ist für Bindungsaufbau: Agility (findet in umzäunten Gelände in kleinen Gruppen statt, hilft Spass mit seinem Hund gemeinsam zu erleben -> wir werden ein Team !, der Hund hat nebenbei soziale Kontakte zu seines gleichen und zu fremden Menschen die freundlich sind, ) und unbedingt Hundeschule..

    Und noch ein kleiner Tipp am Rande: Erstmal Bindunsgaufbau, Erziehung läuft nebenbei

  • Wir haben seit 3 Wochen auch eine spanische Hündin zu Hause. In unser Rudel hat sie sich sehr gut eingelebt. Es war am Anfang genau wie bei dir. Bei den Leckerlies haben wir sie mit Käse und Wienerle bekommen. Mit spielen fängt sie jetzt langsam an. Freilaufen darf sie noch nicht. Langsam baut sie die Bindung zu uns auf. Wenn wir spazieren gehen dann mit Schleppleine. Wir sind im Hundeverein und arbeiten dort mit ihr.
    Die Idee mit Agility finde ich sehr gut, es stärkt die Bindung zum Hund. Hat der Hund Kontakt zu anderen Hunden?
    Ich schließe mich meinen Vorschreibern an. Draußen nur mit Schleppleine, Kontakte für den Hund, Arbeiten mit dem Hund dem Hundeplatz, Füttern aus der Hand und einfach Geduld haben.

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