schlechtes Gewissen - oder weniger ist manchmal mehr?!
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Hallo Ihr Lieben,
ich hatte heute einen Termin bei einer neuen Hundetrainerin - und sie hat gesagt, ich soll mein Programm runterfahren, mein Kleiner soll mitlaufen und sich nicht als Nabel der Welt fühlen... oha... da hat sie den Nagel auf den Kopf getroffen - beim ersten Treffen...
Ich gehe schon seit ich ihn habe zur HuSchu, arbeite an mir und ihm, aber das war neu... die Hundetrainer bislang kennen ihn auch lang, sehen wie schnell und begeistert er lernt und so haben wir immer mehr gemacht, Suchen, Spielzeug unterscheiden und auf Kommando bringen, Kunststückchen und so weiter und sofort... das ist alles prima, er hat Spaß daran, super Bindung - alles soweit toll, ABER er macht es, weil er es entscheidet... das habe ich gemerkt, er kommt nicht zu mir, weil ich es sage, sondern weil er das entscheidet.... klingt erstmal nicht schlimm, aber es birgt die Gefahr, dass er mal anders entscheidet, außerdem entwickelt es sich... er entscheidet auch, welcher Hund mir näher kommen darf (keiner), und meckert, wenn ich aus seinem Kontrollbereich gehe..... alles noch nicht schlimm, aber er ist 18 Monate alt... und was kommt noch?
Wie ist es mir aufgefallen, dass was nicht ganz so toll ist... 1. seine Entscheidungsfreiheit, 2. Bellproblem, 3. Kontrollfunktion. Soweit sogut.
Nun durch die neue Trainerin die Erkenntnis: ich habe schlechtes Gewissen (warum? er ist rundum versorgt, hat Beschäftigung, bestes Futter, ist immer bei mir oder im Rudel unterwegs) und will ihm das beste geben. Dadurch achte ich ungewollt ständig auf ihn und er fühlt sich als der Nabel der Welt, jetzt soll ich ihn nicht mehr beachten und zunächst einmal seine Freiheiten einschränken. Es klang alles sehr schlüssig und er hat auch das sehr schnell begriffen... aber es tut mir weh...
Das war zunächst der Anfang unserer Geschichte, nächste Woche der nächste Termin und bis dahin soll ich ihn wenig beachten, Schleppleine, wenig reden (fällt auffällig schwer ;-) ) und im Freilauf keine Freizeit bieten, ihn erst auf Höhe des anderen Hundes freigeben - außer Labbies u.ä. weil sie die Distanz unterschreiten... - oha.... ob ich mir alles merken kann?
Liebe Grüße
- Vor einem Moment
- Neu
Hi,
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Ja, das klingt hart und aus Sicht des Menschen ist man sooo gemein. Aber ...
Aus Sicht des Hundes entwickelst du dich gerade zu einer Führungspersönlichkeit. Du machst was DU willst, entscheidest selber, ziehst dein Ding durch und Hundi "darf" an deinem Leben teilhaben.Endziel ist doch ein Hund, der gerne bei dir ist, deine Entscheidungen respektiert und akzeptiert, der sich bei dir anlehnen kann, der weiß, daß du hinter dem stehst was du sagst und der kein Problem mehr mit fremden Hunden oder wenn du ihn verläßt, hat, weil er weiß, daß es nicht sein Job ist aufzupassen.
Also ein entspannteres Leben für den Hund, für dich und die Basis für ein langes Hundeleben mit vielen Freiheiten !;-)
Zieh es durch, es lohnt sich. Du wirst nach wenigen Tagen merken, daß der Hund im positiven Sinne aufmerksamer wird. Kann natürlich auch sein, daß er erstmal rebelliert, weil er ja nicht mehr der Nabel ist ...
Gruß, staffy
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Hallo Staffy,
ich danke Dir, Du nimmst mir meine Befürchtungen und gibst mir Hoffnung, ja, ich hatte ja schon das Gefühl, dass das stimmig ist, was ich da höre und dass es für ihn viel entspannter und beruhigter ist, aber mein menschengefühl tat da irgendwie weh...
Liebe Grüße :-)
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Siehst du, das ist auch eines der faszinierenden Dinge, die du im Umgang mit einem Hund lernst: Unser Menschengefühl ist eben NICHT für jedes Lebewesen das beste - das zu verstehen, ist dann der erste Schritt dazu, auch deinen Hund als das kennenzulernen, was er wirklich ist: eben gerade kein Mensch im Zottelfell.
Und letztlich machst du es ihm jetzt sehr viel einfacher, auch wenn das für dich "gemein" aussieht: du agierst auf eine Weise, die er klar einordnen kann (das kann er z.B. bei dauerndem liebevollen Zutexten in der "Fremdsprache Mensch" eben nicht) und machst ihm so das Leben wesentlich leichter.
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Mit Joschi mache ich gerade etwas Ähnliches durch wie du! Eine ziemliche Umstellung in unserem Hund-Mensch-Alltag ...
Haben gerade die Hundeschule gewechselt, wollen Hundesport machen, haben aber gemerkt, dass Joschi sich überhaupt nicht auf mich konzentriert, wenn andere Hunde in der Nähe sind, weil er bisher immer mit allen anderen Hunden spielen und sie begrüßen durfte, auch in der alten Hundeschule wurde immer zuerst gespielt und dann gearbeitet, auch habe ich ihn sonst zu viel spielen lassen.
Die Trainierin hat Joschi erstmal absolutes Hundekontaktverbot erteilt, gespielt wird nur mit mir, wir trainieren an der Schleppleine Rückruf und Folgen, machen viel Bindungsarbeit.
Erstmal kein Hundekontakt und -spiel - nur kontrolliert in der Hundeschule - das erschien mir erstmal echt hart, aber wir halten es durch.
Es geht ja um Joschi, der jedes Mal furchtbar Stress hat, wenn er nicht zu einem anderen Hund darf - aber es wird immer besser und unsere Bindung von Tag zu Tag inniger.
Du schafft es!

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Hallo,
etwas her, aber ich wollte mal weiter berichten - vielleicht interessiert es ja jemanden ;-)vielleicht sollte ich vorher sagen, welches Problem - sichtbares Problem - ich ändern will: er bellt, wenn es klingelt, freut sich ´nen Keks und will den Besuch (leider auch im Büro) begrüßen. Er meint jeder müsste ihn toll finden und mit den unterschiedlichsten Methoden bekommt er, was er will.... soweit nicht schlimm, aber nicht jeder mag Hunde und im Büro geht das schonmal garnicht.... außerdem fing er an, zu entscheiden, wer (welcher Hund) näher kommen darf... also Handlungsbedarf...
also: schon die Einschnitte im Freilauf waren für mich schlimm... ich musste so viel bedenken - hatte zuvor immer gedacht, der Kleene darf Freizeit genießen und selbst entscheiden - nee.... geht nicht mehr, jetzt hat er neben mir zu sein, bis der andere Hund auf meiner Höhe ist und erst dann spielen, außer wenn ich sage "weiter" oder "nein"... ging komischer weise recht schnell und zeitgleich läuft er plötzlich super an der Leine - das war ein Nebeneffekt, den ich überrascht wahrgenommen habe... stressig war er nie, aber jetzt läuft er an der Leine super, ein innerliches Kopfschütteln und leises "husthust" reicht und er ist neben mir...wunder!!!!!
Das Bellen: jetzt war der Termin im Büro. Erst Analyse, wo war der Platz, was darf er bislang usw (alles... außer Bellen). Dann: sein Platz wurde umgesetzt (wo er nicht mehr die Tür sieht und mich auch nicht mehr) und - ganz schlimm!!!! - er darf im Büro nur noch atmen.... zumindest erstmal zwei bis drei wochen... keinen begrüßen, alle müssen ihn ignorieren, nur noch atmen... und das auch noch auf seinem Platz. Bleibt er nicht da, drei Ermahnungen und dann anbinden... Heftig... ich leide... er auch... er riecht plötzlich - Stressanzeichen - jetzt kommt gerade die stressige Phase: er versucht jedes Mittel (erstmal versuchen, ob´s ernst gemeint ist, wenn dann angebunden, jämmerlich piepsen, kläffen usw.) aber ich halte jetzt durch... auch wenn ich mich fühle wie ein Tierquäler...
hoffe, das ist richtig...ich hatte befürchtet, dass die sonst so gute Bindung leidet, aber das ist nicht so. Sobald Beschäftigung ist, ist er sofort bei der Sache, im Freilauf perfekt... hmmm.
Weiß nicht recht, im Büro tut er mir gerade mehr leid, als würde ich ihn zuhaus lassen.... aber mal sehen...
Vielleicht interessiert jemanden, was so die Tipps sind, die ich bekomme - aber jeder Hund, jedes Team ist anders ;-) eben sehr individuell :-)
viele Grüße
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Ich kann dich sooooo gut verstehen ... ich musste es auch mit der Holzhammer-Methode lernen ... und kann heut noch lang nicht alles!
Aber eines hab ich gelernt: umso sicherer und konsequenter ich bin, desto sicherer und gelassener ist mein Hund!
Und dennoch plagt mich regelmäßig das schlechte Gewissen, obwohl es meinem Hund MEGA gut geht!
Fühl dich umarmt ... ich wünsch dir starke Nerven und viel Erfolg (den du haben wirst, denn es ist wirklich der richtige Weg!)
VG, aussiemausi!
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Hey,
schön von euch zu hören!
Habe schon von den ersten Post gelesen - und knapp eine Woche später, sagte unsere Hundetrainerin in etwa das gleiche zu mir :/ Ich soll meinen Hund ignorieren und nicht auf seine Forderungen eingehen.. d.h. nicht streicheln wenn ER es will, sondern nur wenn ICH es will.. und das war ganz schön schwer. Aber auch ich merke, das es sich schon gebessert hat!
Und ja, das im Büro glaube ich dir sofort, das das hart wirkt und man sich schlecht fühlt. Aber wenn es draußen so gut klappt, dann gib euch noch ein wenig Zeit und dann wird er es auch im Büro begriffen haben! Er scheint ja ein ganz fixer zu sein :)
Ich drücke euch die Daumen! -
danke Euch Beiden :-)))) schön zu hören, dass es Euch auch so geht und dass es ok ist, das beruhigt mein schlechtes Gewissen :-) Der arme Wurm, vorher war´alles sein Revier, nun nurnoch sein Platz, dann ignorieren ihn jetzt alle, begrüßen ihn nicht, nix... nur noch atmen... oha... er ist ein fixer... aber ich leide, denke permanent, der Wurm wird schlecht behandelt... er gähnt irgendwann und pennt dann, sobald dann Aktion ist, ist er 100% da und hört auf alles, was er schon sicher kennt. Wenn wir was neues lernen wollen, braucht er aber eine Weile "austoben", bevor er sich konzentrieren kann... aber das finde ich jetzt nicht so schlimm. Er will ja mitmachen und ist dann bei der Sache.
Es ist schön, aber auch sehr schwer.... :-)
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Zitat
- alles soweit toll, ABER er macht es, weil er es entscheidet... das habe ich gemerkt, er kommt nicht zu mir, weil ich es sage, sondern weil er das entscheidet....
was ist das Problem dabei - ist nicht alle Erziehung, alles Training darauf ausgerichtet, die Entscheidungen des Hundes zu beeinflussen, natürlich im Sinne des HH? Oder was ist dein Ziel? Ein willenloser Sklave, der ohne seinen Herrn gar nicht weiss, was er mit sich anfangen soll.Zitatklingt erstmal nicht schlimm, aber es birgt die Gefahr, dass er mal anders entscheidet,
Ist auch nicht schlimm, denn wenn der Hund nicht physisch/gewaltsam daran gehindert wird, wird er immer entscheiden, ob er jetzt kommt, oder nicht. So what - ist das Ziel nicht ein Hund, der auf Signal freudig angewetzt kommt, weil er sich eben dafür entschieden hat? Auch ein Hund, der nur aus Angst vor Strafe kommt, trift Entscheidungen, allerdings fehlt ihm die Übung darin, dies locker zu tun. Er wird also eher rein instinktiv handeln.Eine gute, nachhaltige Erziehung sollte nicht auf auf durch Zwang erreichte Resignation zielen, sondern darauf, dass sich der Hund wie gewünscht entscheidet!
- Vor einem Moment
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