Jeder rät was anderes :-(

  • Hallo,

    ich hab ein kleines Problemchen mit meinem zweijährigen Rüden.
    Er hat sich in letzter Zeit ein paar "Rüdenmanieren" angeeignet, die mir gar nicht gefallen ;)

    Er pöbelt nicht gezielt gegen andere Rüden (die meisten toleriert er ohne Weiteres), lässt sich aber nicht "die Butter vom Brot nehmen" wenn ihm einer "ungebührend" gegenüber tritt.

    Sprich, wenn sich einer vor ihn stellt und markiert, scharrt oder mit erhobener Rute im Imponiertrab vor ihm auf und ab geht kann er das schon mal nicht wirklich ignorieren. Er schaut / fixiert dann schon.
    Wenn ihm einer knurrend oder sonstwie aggressiv begegnet und ich sprech ihn rechtzeitig an und lenk ihn auf mich, ists kein Problem.
    Hat er aber mal mit einem ne "Meinungsverschiedenheit" gehabt, ist der irgendwie zum Feindbild schlechthin erklärt und er geht schon in "Bereitschaft" wenn er den Hund nur von der Ferne sieht.

    Das ist z.B. in unserer BH Gruppe der Fall. Da ist ein kleiner Westie, 1-jährig, voll mit Hormonen, versucht Hündinnen zu besteigen, pöbelt gegen alle anderen Rüden, hat sogar neulich an einem das Bein gehoben und ihn angepinkelt. Läuft rotzfrech imposant mit erhobener Rute über den Platz, scharrt, markiert... . Alles was meiner nicht leiden kann.

    An der Leine an diesem Westie vorbeigehen ist schier unmöglich, da der Westie von seiner Halterin auch nicht zurückgehalten wird (werden kann) und uns dann schon entsprechend entgegensieht. Meiner ist dann sofort provoziert und legt los.

    Nun sagt mir jeder was andres wie ich mit diesem "Problemchen" umgehen soll.
    In meinem Hundeverein rät man mir, den Hund dann in dem Moment übermäßig freudig anzusprechen, wenn man dann seine Aufmerksamkeit hat mit Leckerchen werfen, tolle Spiele und Action machen.
    Ihm so quasi zeigen, dass es doch bei mir viel viel toller ist, als den andern da anzustänkern.
    Wenn ein "Feind" in der Nähe ist und wir stehen irgendwo soll ich mein Bein vor den sitzenden Hund stellen um ihm so zu zeigen, dass ich alles im Griff hab und er sich um nix kümmern soll.

    In der BH Gruppe sagt man mir, dass das ein nicht tolerables Verhalten sei. Ich solle das konsequent unterbinden und zwar nicht mit Leckerchen und "Wattebausch werfen" sondern ihm ne deutliche Ansage verpassen, wenn er meint Theater machen zu müssen.
    Ihn also richtig zur Ordnung rufen und nicht zimperlich sein dabei.

    Ich hab nun beides ausprobiert.
    Die Leckerchenvariante half nur bedingt, denn irgendwann waren ihm die Leckerchen dann auch egal. Das artete dann irgendwie darin aus, dass ich wie ein Hampelmann am anderen Ende der Leine hing und dafür schön von meinem Hund ignoriert wurde.

    Die "harte" Variante, hab ich probiert und ich muss sagen, er zeigte sich beeindruckt. Allerdings sitz ich nun hier und hab ein wahnsinnig schlechtes Gewissen, weil ich ihn dermaßen runtergemacht hab. :/ So wollte ich eigentlich nie mit meinem Hund arbeiten.
    Er war dabei anfangs gestresst und gegen Ende dann aber zusehends entspannter.


    Was meint ihr? Seh ich das vielleicht zu menschlich? Kann ein Hund nen härteren Umgangston durchaus mal ab, wenn er Mist macht?
    Findet ihr die Leckerchen Variante besser?
    Oder soll ich doch mal ne Einzelstunde nehmen, aber dann bekomm ich vielleicht noch ne dritte Meinung und weiß erst Recht nicht mehr was ich tun soll :sad2:

    Vielen Dank fürs Lesen.

  • du brauchst meiner Meinung nach kein schlechtes Gewissen zu haben. Du hast ihm deutlich zu verstehen gegeben was du von seinem verhalten hälst und dass du dich nicht wünschst. Jetzt musst du dranbleiben. ich hatte mit meinem so ähnliche Probleme habs aber schon im keim erstickt aber zimerplich war ich da auch nicht. ich dulde viel aber wenn sich einer prügelt bin noch immer ich das. Inzwischen guckt er mich fragend an wennn er seine "Feinde" trifft. Wenn Platz genug ist läuft er einen Bogen um diesen Hund. Ist es eng rufe ich ihn zu mir und bringe mich zwischen ihn und den Rivalen. Ich habe das Gefühl er findet es gut dass ich das für ihn regel und er sich sozusagen um nichts kümmern muss.

    Nicht zimperlich sein hieß bei mir körperlich begrängen und einmal hab ich ihn mir zur Brust genommen (hochgenommen an Hals und Rutenansatz aus der Situation raus, ihn weggepöbelt und das erste und einzige Mal in seinem Leben hab ich ihn angebrüllt) als er einen Terrier angehen wollte und nicht auf meinen Rückruf reagierte. Seitdem ist er geheilt.

  • Huhu,

    niemand hier kann dir sagen, was für dich und deinen Hund das Beste ist.
    Welche Traingsmethode wirklich gut ist, hängt ja davon ab, wie gut sie zu dir und deinem Hund passt.

    Manch einer kann mit der "Wattebausch-Methode" nicht viel anfangen. Für mich und meinen Hund ist sie das Beste, was uns passiert ist und wir machen damit durchaus große Fortschritte. Ich würde meinen Hund niemals so anfahren, dass er Stresssymptome zeigt, weil ich persönlich nicht finde, dass es notwendig ist, so mit einem Hund zu arbeiten, wenn es doch auch andere Methoden gibt, die in meinen Augen sehr viel besser geeignet sind.
    Ich habe meinen Hund auch ganz zu Anfang angeschrien und wollte ihn packen, weil er pöbelte. Es führte dazu, dass er sich noch mehr aufregte und nun auch noch in meine Richtung schnappte, was er sonst eben nicht tat. Für uns ist das keine geeignete Methode gewesen, was nicht heißt, dass sie bei anderen nicht funktioniert.

    Ich habe für mich die geeignete Methode gefunden und ich werde wohl dieser Methode auch treu bleiben, einfach, weil es klappt und weil ich sehe, dass es meinem Hund damit gut geht.

    Bei dir kann das ganz anders aussehen. Wenn dein Hund damit klar kommt, dass er auch mal eine "Ansage" kassiert und wenn das eben klappt, dann ist es auch ok.
    Wenn du aber von Stresssymptomen sprichst und ein schlechtes Gewissen deinem Hund gegenüber hast, ist es vielleicht doch nicht die geeignete Wahl. Vielleicht ist es auch einfach ein Zwischending. Das musst du, wohl oder übel, ganz alleine herausfinden.

    Ich würde dir aber raten, deinen Hund genau zu beobachten und auf dein Bauchgefühl zu vertrauen, das hat mir sehr gut geholfen, die für uns geeignete Methode zu finden :)

    Abgesehen davon ist es dann sinnvoll, eine Methode auch über einen gewissen Zeitraum auszuprobieren und nicht zu verzagen, wenn es nach einer Woche noch nicht klappt, sofern das Bauchgefühl denn passt und es dem Hund damit auch gut geht. Und wenn man dann "seine" Methode gefunden hat, sollte man auch dabei bleiben und nicht auf dem Hundeplatz so und in der einen gruppe dann wieder anders.

    Ich denke, wenn du ein bisschen in dich und deinen Hund gehst, wirst du bestimmt eine Lösung finden, mit der ihr beide gut leben könnt, ganz unabhängig davon, was Andere dazu sagen :)

    LG,
    Patricia

  • Hi, ich kann nur für "mich" und "meinem" Bauchgefühl sprechen.

    Buffy und Rowdy haben kein Problem mit prollenden Hunden und gehen im Bogen vorbei.
    Fussel ist neutral bei verträglichen Hunden, aber wenn ein Hund pöpelnd auf ihn zukommt, läßt er sich nicht zweimal bitten und wenn der Hund anfängt zu knurren oder bellen, hällt Fussel dagegen.

    Anfänglich habe "ich" die Straßenseite gewechselt, um ihm die Gegenüberstellung dieser bekannten Hunde zu ersparen. Doch dann wollte ich nicht ständig ausweichen und habe dann streng eingegriffen.

    Ich will es nicht und Fussel muss lernen auch an Feindbildern vorbei zu maschieren. Kam einer dieser Knurrhähne auf uns zu, nahm ich Fussel auf die Außenseiten, sagte ein strenges Nein mit einem kurzen Leinenruck und siehe da, er war beeindruckt und schenkte mir seine Aufmerksamkeit.

    Klar hätte ich ihn auch mit Leckerchen und Co ablenken / beschmeißen können, um dann wieder nachzulegen. Doch er soll lernen, das es mir nicht passt und wir einfach weitergehen, auch wenn der andere Hund Gift und Galle spukt.

    Da brauche ich auch keine Meinungen, sondern mein gesundes Bauchgefühl. ;)

    Welches Bauchgefühl hast du, bei den ganzen Meinungen?

    LG Sabine

  • Huhu Ralf,

    gib mal in die Suche Zeigen und Benennen ein, das ist eine Clicker-Methode und es haben dort auch viele ihre Erfahrungen nieder geschrieben :)

    LG,
    Patricia

  • Zitat

    Welches Bauchgefühl hast du, bei den ganzen Meinungen?

    LG Sabine


    Naja, besser fühle ich mich, wenn ich mein Hund nicht permanent zusammensch****en muss.

    Andererseits will ich auch nicht wie irgendein Depp dastehn und quietschen, hüpfen, mich total verstellen und Leckerchen schmeissen, die mein Hund dann neben sich niederregnen lässt und trotzdem weiter den andern ankläfft.

    :sad2:

    Er verhielt sich vorhin dann so:
    Also er hat sich seinen Fight mit dem Westie an der Leine geliefert. Dann hats mir irgendwann gereicht und ich hab ihn mal richtig richtig zusammengefaltet.
    Beim nächsten Zusammentreffen mit dem Westie hat dieser uns wieder angeknurrt und meiner hat dann nicht zurückgenknurrt, aber die Ohren angelegt und irgendwie unsicher/ängstlich um sich geschaut. Als wüsste er nicht, wie er nun damit umgehen soll. Ich hab ihn direkt angesprochen, er hat gleich zu mir gesehen und dafür gabs Leckerlie.

    Die Reaktion gefiel mir aber irgendwie nicht. Also das Unsichere, leicht ängstliche.
    Hmm :/

    Irgendwie muss ich wohl ne Mischung finden, ohne dabei inkonsequent zu werden.

  • Zitat

    Beim nächsten Zusammentreffen mit dem Westie hat dieser uns wieder angeknurrt und meiner hat dann nicht zurückgenknurrt, aber die Ohren angelegt und irgendwie unsicher/ängstlich um sich geschaut. Als wüsste er nicht, wie er nun damit umgehen soll. Ich hab ihn direkt angesprochen, er hat gleich zu mir gesehen und dafür gabs Leckerlie.

    Die Reaktion gefiel mir aber irgendwie nicht. Also das Unsichere, leicht ängstliche.
    Hmm :/

    Irgendwie muss ich wohl ne Mischung finden, ohne dabei inkonsequent zu werden.

    Was ist dir denn lieber: Ein Hund, der aggressiv in der Leine hängt, sich hineinsteigert und dir vielleicht mal ins Bein tackert - der hat nämlich ziemlich viel Stress und ist fernab von entspannt sein.

    Oder, eine deutliche Ansage, daß sein Verhalten indiskutabel ist, ein konsequentes Frauchen, daß seine Meinung durchsetzt, ein Hund, der anfangs - schließlich wird er ja gemaßregelt - völlig korrekt verunsichert und erstmal eher submissiv ist, der aber relativ schnell lernen wird, sich gleich richtig zu benehmen - streßfreier Umgang für Frauchen und Hund.

    Ist manchmal komisch: Da hat man einen Hund an der Leine, der sich völlig daneben benimmt, der einen kpl. ignoriert, an der Leine zerrt und ausrastet ... hat aber ein schlechtes Gewissen, wenn man mit der Faust auf den Tisch haut und "Laß den Scheiß sein !" sagt :D
    Da bist du nicht die einzigste ...

    Gruß, staffy

  • ich finde es aus Hundesicht ganz verständlich dass er Stresssymptome gezeigt hat. Bisher durfte er ja entscheiden was er tut in diesen situationen. Nun hast du ihm gezeigt was du willst. er scheint das verstanden zu haben und nun weiß er nicht ob das eben nur einmalig war oder ob du das ernst meinst und immer so handelst. Ich denke lange musst du ihn gar nicht zusammenscheissen. Er wird schnell merken dass es dein ernst ist. Versuche aber gleichzeitig ihn vor solchen Situationen zu schützen. Wenn dir verdächtige Kandidaten entgegen kommen sei immer zwischen dem Hund und deinem. Lass Begegnungen aller Art nur nach deiner Zustimmung zu und sei einfach konsequent dabei.

    Bei manchen helfen Leckerlie und Futterwerfen aber ich find es persönlich besser wenn der Hund mich versteht und ich kein Ersatzverhalten etablieren muss.

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