Eine Tüte Mitleid bitte

  • Hi ihr Lieben,
    ich brauche mal ein wenig Zuspruch und Mitleid von euch.
    Vor einem ¾ Jahr bekam ich meinen Ben als Welpe. Ein toller Hund. Aber nicht ganz einfach. Schnell machten sich viele kleine und große Baustellen bemerkbar.

    Z.B. fraß er alles was er finden konnte. Auf Spaziergängen war er eine reine Futtersuchmaschine. Und wenn er etwas fand kontrollierte er diese Stelle oft tagelang. Auch bei der normalen Fütterung schlang er, dass einem schlecht wurde.

    Zudem sprang er alles an, was ihm entgegen kam. Nicht böse, aber angenehm ist das trotzdem nicht.
    Wenn uns Hunde entgegen kamen machte er ein Theater an der Leine, dass man am liebsten im Boden versank. Wobei er anderen Hunden gegenüber nicht aggressiv ist. Er spielte mit allen, egal ob Rüde oder Hündin, aber an der Leine, ganz schlimm.
    Man war halt sobald man das Haus verließ ununterbrochen im Achtung.

    Stubenreinheit war lange ein Thema. Erst seit etwa 2 Monaten ist er verlässlich stubenrein. Ich bin das erste Mal morgens um 3:30 Uhr mit ihm raus, dann alle 3 Stunden, das letzte Mal so um 21:30 Uhr. Und trotzdem, manchmal sogar unmittelbar nach dem Spaziergang, löste er sich mitten im Wohnzimmer.

    Das Verhältnis zwischen ihm und meinem „Ersthund“ war eher schwierig, da Ben sehr ausgelassen spielte und Fei damit völlig überfordert war, eher ängstlich reagierte. Wenn ich das Haus verließ musste ich sie trennen.

    Und wenn ich dann das Haus verließ, dann musste ich bei Rückkehr das Wohnzimmer renovieren. Wichtig war, und ist auch heute noch, dass man alles wegräumt was einem wichtig ist.
    Auf sein Konto gehen u.a. runtergerissene Gardinen, angenagte Schränke, 23 Sat-Kabel, diverse Kerzen, Blumentöpfe, Telefone, Fernbedienungen, Getränkeflaschen, Fußleisten, Bettlaken, Kleidungsstücke, Feuerzeuge…….

    Einmal hat er ein Päckchen Vanillepuddingpulver erwischt, welches ich vergessen hatte. Das hat er dann zerrissen, auf dem Teppich verteilt und sich reingelegt. Ben ist normalerweise schwarz, aber als ich nach Hause kam… ich musste so lachen…

    Zwischenzeitlich war ich so überfordert mit der Situation, dass ich ernsthaft darüber nachgedacht habe ihn abzugeben. Aber wer will so einen Hund? Und wenn, dann sollte es ihm da ja besser gehen als bei mir. Nicht vorzustellen, wenn er irgendwann im Tierheim landen würde oder so. Denn, auch wenn er etwas anstrengender ist als manch anderer Hund, er ist ein ganz besonderer mit einem tollen Charakter.

    Ich habe viel mit ihm gearbeitet. Und viele Dinge haben sich sehr gebessert. Er frisst jetzt ganz normal, lässt sogar etwas übrig wenn er satt ist. Ich kann jetzt auch die Küchentür auflassen ohne dass der gelbe Sack dran glauben muss. Und wenn wir unterwegs sind konzentriert er sich jetzt auf andere Dinge als auf die Futtersuche. Selbst wenn er mal etwas aufnimmt spuckt er es auf Kommando wieder aus. Auch springt er nicht mehr jeden an. Man muss zwar noch etwas auf der Hut sein, aber wenn er die Tendenz zeigt kann ich ihn mit Kommando stoppen. Er ist stubenrein!!!! Wir müssen auch nur noch 3-4 Mal am Tag raus, also völlig normal. Das Anbellen anderer Hunde an der Leine haben wir größtenteils auch gut im Griff. Wenn ich das Haus verlasse muss ich zwar noch darauf achten, dass nichts rumliegt und ich trenne die Beiden auch noch, aber meistens sieht das Wohnzimmer danach genauso aus wie ich es verlassen habe.

    2 Monate hatten wir jetzt echt eine schöne Zeit. Kleinere Übel passierten zwar noch, (die letzte Fernbedienung habe ich leider vergessen wegzuräumen und das hat sie nicht überlebt) aber alles im Rahmen, ist ja immer noch ein junger Hund (10 Monate).

    Vor 3 Tagen kam ich nach Hause und bemerkte ein Loch in der Tapete. Da hat Ben so lange gekratzt und gebissen, dass nun der Putz zu sehen ist. Mittlerweile habe ich 4 solcher Löcher. Und gestern hat er dann mal wieder das Sat-Kabel aus der Wand gerissen. Geht das ganze jetzt von vorne los?? (Um etwaigen Fragen vorzubeugen, die Hunde sind maximal 3 Stunden am Stück alleine, eigentlich kann ich sie auch mit zur Arbeit nehmen, ich traue mich aber nicht, da ich Sorge habe, dass Ben Unsinn macht)

    So, baut mich auf, bitte!!

  • Nun ich denke es liegt am Alter und einer neuen Entwicklungsphase...wenn er so 1 oder 2 Jahre alt ist wird er wahrscheinlich aufhören solch einen Blödsinn zu fabrizieren.

    meine Hündin hat in diesem Alter auch nochmal hier und da etwas angekaut...

    Wird er denn körperlich genug ausgelastet bevor er alleine gelassen wird?

  • Das klingt für mich nach ziemlichem Stress beim alleine sein.... Könnte es sein, dass ihr das alleine bleiben zu schnell gefordert habt - nicht in winzigen Schrittchen?

    Wie verhält er sich, wenn er nur kurz alleine ist - wenige Minuten? Beginnt das Theater schon dann? Oder nur, wenn die "Alleinephase" länger ist?

    Nicht ausgelastet sein - ok, könnte es auch sein.... aber auch wenn der Hund müde ist, kann er Stress haben, wenn er merkt, dass niemand mehr da ist. Und dann kommt zum Stress noch dazu, dass er übermüdet ist, was oft ins Gegenteil, nämlich Überdrehtheit, umschlägt.

    Gruss
    Gudrun

  • hm, Mitleid für den Hund kannst du haben ;)

    für mich klingt es auch so, als wäre der arme Kerl ziemlich gestress
    gerade bei einem Welpen ist es doch so, dass ihr sehr vieles in der Hand habt und in richtige Bahnen lenken könnet

    was habt ihr denn das letzte dreiviertel Jahr gemacht im Bezug auf alleine lassen und Sachen schreddern?

  • Zitat

    Nun ich denke es liegt am Alter und einer neuen Entwicklungsphase...wenn er so 1 oder 2 Jahre alt ist wird er wahrscheinlich aufhören solch einen Blödsinn zu fabrizieren.

    meine Hündin hat in diesem Alter auch nochmal hier und da etwas angekaut...

    Wird er denn körperlich genug ausgelastet bevor er alleine gelassen wird?

    Hi Sinaline, genau darüber habe ich auch nachgedacht. Ursprünglich bin ich halt morgens gegen 3:30 Uhr das erste Mal mit ihm raus. Super schön, da noch kein Mensch unterwegs ist. Hab dann mit ihm Frisbee oder Ball gespielt. Und, da ich ja schon mind. 7x mit ihm raus ging, war er natürlich auch ausgelasteter. Z.Zt. gehe ich halt 3-4 mal raus, auch mit Beschäftigung zwar, aber halt nicht so häufig wie früher. Da ich super gerne wandern gehe kommen natürlich alle 2-3 Tage noch ausgiebige Spaziergänge (3-4 Stunden) dazu. Aber ob er damit ausgelastet ist ist halt die Frage. Deshalb bin ich auch auf der Suche nach einem Hobby für uns.
    Ich muss aber auch sagen, dass bis jetzt keine weiteren Löcher dazugekommen sind. Vielleicht war es ja auch nur ein kleiner Rückfall. :gott:

    Tanzbaerin: Er war nicht alleine als er das erste Loch "bohrte". Mein Sohn war im Nachbarzimmer und die Türe war auf. Nur ich war nicht da. (Um jetzt weiteren Angriffen zu entgehen, mein Sohn ist 17) Er hat auch schon seinen Unsinn veranstaltet als ich schlief.
    Man kann leider nicht sagen, dass es an der Zeit liegt/lag. Mal benahm er sich super wenn er kurz aber auch lang alleine war und mal eben nicht, es konnte eben auch sein, dass ich nur kurz zu meiner Nachbarin ging und 5 Minuten später kam mir Ben mit dem gelben Sack entgegen. Natürlich habe ich langsam angefangen und dann gesteigert. Wobei es ihn anfangs bei seinen Einfällen auch nicht gestört hat, wenn ich da war. Auch der Gang aufs Klo konnte ausreichen für eine Runde Blödsinn. Es ist auch nicht mein erster Hund, aber so geballt habe ich das halt noch nicht erlebt. Fakt ist jedenfalls, dass er ja die letzten 2 Monate nichts außergewöhnliches mehr gemacht hat, dass ein Hund in dem Alter hier und da etwas annagt, oder runterreißt ist für mich echt kein Problem. Und nun kam halt wieder so ein Rückfall.

    staffy: ich weiß ja, dass mein Beitrag ein wenig länger war. Wenn die Situation unverändert anhalten würde, wäre ich er Letzte der nicht professionelle Hilfe suchen würde. Aber es war ja eine kontinuierliche Besserung zu sehen. Der Punkt war ja nun der Rückfall in alte Verhaltensweisen nach 2 Monaten "abstinenz". Das da schon lange eine Menge schief läuft, das sehe ich so nicht.

    Maanu: Tja, was habe ich gemacht im letzten dreiviertel Jahr. Mit viel Geduld, Konsequenz und Abwechslung habe ich mit Ben daran gearbeitet, dass er eben nicht mehr alle Leute anspringt, keinen Müll mehr von der Straße frisst, dass er nicht mehr in die Leine springt sobald ein anderer Hund kommt, als ob er ihn töten wolle. Das er abrufbar ist, in jeder Situation, gerne kommt und sich auf mich konzentriert. Das er Fuß geht an langer Leine, auch wenn wir durch die Stadt gehen und Trubel herrscht (wobei das noch ausbaufähig ist!!) Dass, wenn wir Besuch bekommen, er auf seiner Decke bleibt statt bis auf die Schulter zu springen, dass er die Grundkommandos auch auf Fingerzeig beherrscht. Alles noch nicht perfekt, aber doch schon richtig gut. :rollsmile:

  • Was ist das für ein Hund? Im Profil steht Mops-Mischling? Stimmt das?

    Hast du den Hund mal beim TA durchchecken lassen? Ist er gesund? Hab mir ein Buch über Verhalten bei Schilddrüsenerkrankungen gekauft und muss spontan an sowas denken. Ist der Hund beim Tierarzt so richtig durchgecheckt worden?
    Kommt er mit allen Futtermitteln klar?

    Ansonsten würde ich mir einen guten Verhaltentherapeuten suchen, der alles mal mit euch analysiert, übers Internet ist es schwierig hier Tipps abzugeben, was falsch laufen könnte. Denke aber daran, dass der Hund nun mitten in der Pupertät ist.

  • Zitat

    Tja, was habe ich gemacht im letzten dreiviertel Jahr. Mit viel Geduld, Konsequenz und Abwechslung habe ich mit Ben daran gearbeitet, dass er eben nicht mehr alle Leute anspringt, keinen Müll mehr von der Straße frisst, dass er nicht mehr in die Leine springt sobald ein anderer Hund kommt, als ob er ihn töten wolle. Das er abrufbar ist, in jeder Situation, gerne kommt und sich auf mich konzentriert. Das er Fuß geht an langer Leine, auch wenn wir durch die Stadt gehen und Trubel herrscht (wobei das noch ausbaufähig ist!!) Dass, wenn wir Besuch bekommen, er auf seiner Decke bleibt statt bis auf die Schulter zu springen, dass er die Grundkommandos auch auf Fingerzeig beherrscht. Alles noch nicht perfekt, aber doch schon richtig gut. :rollsmile:

    Das hört sich doch gut an und von mir bekommst du eine Tüte Mitleid :D für die anstrengenden Zeiten im Welpen, Junghund und Pupertätsalter.

    Trotz gutem Alleinseintraining haben unsere Fellnasen auch ihre Decken zerlegt und es fehlte eine Ecke aus der Wand. Mit ca. 1 Jahr war der Spuk vorbei.

    Du suchst eine Auslastung für den Hund?
    Bei zuviel an Fangspielen ( Ball, Frisbee etc.) drehen Hunde oft auf, kommen dann schlecht herunter und somit lange nicht zur Ruhe.

    Schau mal was dein Hund für Talente hat, sucht er gern oder ist er der Bewegungshund. Da gibt es viele Sportarten die du hier auch nachschauen kannst.

    Habe Geduld und ja, jeder Hund ist anders - kann ich ein Lied von unseren Dreien singen. Er wird älter, vernünftiger und ruhiger und wenn du den Sport für euch gefunden habt wird er ausgeglichen sein. ;)

    LG Sabine

  • @Schopenhauer: Ja, das stimmt. Es ist ein Mops-Mischling. Ich habe vor etwa 4 Jahren meinen Fei, einen Mops aus dem Wurf einer Freundin geschenkt bekommen. (Eigentlich wollte ich nach meiner Socke keinen Hund mehr, der Abschied ist immer so schlimm) Und als Fei´s Schwester, eben auch eine reinrassige Mopsdame, dann Mischlingswelpen erwartete dachte ich, es sei schön einen zweite Wurm dabei zu haben. Der Vater der Welpen sollte auch nicht wesentlich größer sein als ein Mops, so bin ich (und übrigens auch mein TA) davon ausgegangen, dass Ben in etwa gleichgroß wird. Mittlerweile hat er eine Rückenhöhe von 46 cm erreicht.
    Beim TA habe ich ihn anfangs schon gründlich checken lassen da er eben alles fraß, leider auch seine eigene Hinterlassenschaft. Aber körperlich/organisch war alles in Ordnung. Nun habe ich beim TA aber nicht über sein Verhalten gesprochen und eine Untersuchung der Schilddrüse ist meines Wissens nicht gemacht worden. Mit Futtermitteln kommt er generell klar. Aber das mit der Schilddrüse lasse ich auf alle Fälle zeitnah kontrollieren. Wäre ja wohl der Hammer, wenn er da ein Problem hätte, bin ich noch überhaupt nicht drauf gekommen.

    Terrorfussel: Ja, ich muss auch sagen, als die Frage kam, was ich denn das letzte 3/4 Jahr gemacht habe und so darüber nachdachte, wir haben schon echte Fortschritte gemacht. Das hat richtig gut getan. Vielleicht hat man ja manchmal einfach zu sehr seine Ziele im Auge und sieht bei Rückschritten zu schnell seine Felle schwimmen statt einfach den Schritt mit zurückzugehen und von dort weiter zu machen.
    Deine Anmerkung, dass Hunde bei zuviel Fangspiel zu sehr aufdrehen und schlecht runterkommen werde ich mir zu Herzen nehmen. Ben spielt gerne mit Ball und Frisbee, aber teilweise verstecke ich den Ball auch irgendwo im Laub oder Unterholz und er muss ihn dann suchen. Das macht er auch gerne. Vielleicht sollte ich den Fokus mal mehr auf "Konzentrationsspiele" legen und weniger auf "auspowern".

    Ich freu mich ja, dass hier auch ein konstruktiver Austausch stattfinden kann. Furchtbar, wenn man jedes Wort drei Mal überdenken muss aus Sorge es könne in den falschen Hals geraten.

  • Zitat

    Ich freu mich ja, dass hier auch ein konstruktiver Austausch stattfinden kann. Furchtbar, wenn man jedes Wort drei Mal überdenken muss aus Sorge es könne in den falschen Hals geraten.

    Keine Sorge, dass kommt, erfahrungsgemäß, mit Sicherheit noch... Meist ab Seite 6-7 eines Threads....
    ;)
    Zur professionellen Hilfe: Wie schaut's denn mit Hundeschule usw. aus? Ich hab schon mehrere Hunde gehabt, aber unseren ungarischen "Hörtned" aus dem Tierheim hätten wir ohne professionelle Hilfe wahrscheinlich nicht so gut auf die Spur gebracht... Und nach einem Jahr haben wir immer noch kleine Baustellen...

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