Mein Hund nimmt mich auf den Arm

  • Hallo zusammen, ich habe ein Problem mit meinem Welpen und hoffe mir kann hier jemand helfen.

    Ich habe mich mit diverser Fachliteratur darüber informiert, wie ich den Hund stubenrein bekomme. Die Standards sind mir also klar: Nach jeder Aktivität muss der Hund raus, sei es Schlafen, Fressen oder Spielen. So weit, so gut. Daran halte ich mich auch. Dummerweise klappt das nicht immer so wie es soll.

    Teilweise ist meine Kleine dann der Meinung sie müsste, obwohl sie geschlagene zwei Stunden im Garten war und dort auch diverse Geschäfte verrichtet hat, direkt nach Rückkehr in die Wohnung erst mal auf den Teppich machen. Die hierauf zu erfolgende Reaktion laut Fachliteratur: Wenn man den Hund dabei erwischt Schimpfen und wenn man es erst später bemerkt soll man den Hund ignorieren.

    Das Problem bei der Sache ist nur, dass mein Hund mich regelrecht provoziert wenn ich ihn ignoriere. Wenn er also merkt, dass er nicht beachtet wird, wird irgendetwas angestellt worauf man einfach reagieren muss. So meint sie dann zum Beispiel, sie müsste irgendein Kabel anknabbern. Wenn sie das macht, kann ich sie ja schlecht ignorieren sondern muss das unterbinden, schließlich ist das ja für sie auch gefährlich. Oder sie versucht den Teppich zu zerlegen.

    Wenn sie sich einfach vor mir hinsetzt und bellt oder aber permanent hinter mir her läuft ist das mit dem Ignorieren kein Problem, aber wenn sie mich durch solche Sachen provozieren kann, dann nimmt sie das doch nie ernst. Kann mir da jemand behiflich sein? Mir ist klar, dass ich nach so kurzer Zeit noch keine Wunder erwarten darf und das tue ich ja auch nicht, aber irgendwie muss das ja hinzubekommen sein. Es ist mein erster Hund und ich bin natürlich noch ziemlich unerfahren, will aber auch nicht das die ganze Sache einreißt und sie womöglich so nie wirklich Respekt mir gegenüber entwickelt.

    Danke im Voraus!
    Bibs

  • Hm, glaubst du denn, dass dein 12 Wochen altes Hundekind weiß, was ein Kabel ist und dass es nicht gut und nicht erwünscht ist daran zu knabbern?
    Oder dass es schon verstanden hat, dass es einen Unterschied macht ob man sich nun draußen auf der Wiese oder drinnen auf dem Teppich erleichtert?
    So ist das eben mit Welpen, es wäre praktisch wenn es beim Welpenkauf ein Paar extra Ohren, Augen und Hände sowie eine Maxi Packung Nerven dazugäbe. ;)

  • Das ist kein mangelnder "Respekt" sondern schlicht Welpenwahnsinn voller Lebensfreude, Tatendrang und Unerfahrenheit. Woher soll sie denn wissen, dass sie darf und was nicht?

    Wie alt ist die Kleine denn?

    Draußen ist alles neu und aufregend, da wird das Pipi machen glatt vergessen. Also immer raus an die gleiche Stelle zum Lösen und dann wieder rein oder woanders weiterspielen.

    Unterstell Deinem Welpen auf keinen Fall, dass er Dich provozieren oder ärgern will, das kann und will er nicht.

  • Hallo Bibs,

    es ist tatsächlich so: Ein Welpe macht nichts mit Absicht.
    Wie ein Menschenkind probiert er einfach aus, wie schmeckt dies, kann ich das kaputt machen? Er weiß nicht, dass manche Sachen gefährlich sind oder dir am Herzen liegen.

    Wie alt ist dein Hund denn?
    Welpen können erst mit ca. 16 Wochen ihre Blase einigermaßen kontrollieren.
    Und nach zwei Stunden im Garten (kennst du die Regel, dass ein Hund pro Lebensmonat ungefähr 5 Minuten am Stück spazieren gehen sollte?) wird er einfach so überdreht gewesen sein, dass dann eben etwas reingegangen ist. Solche Sachen können noch lange passieren, Stubenreinheit verläuft mit Fort- und Rückschritten.

    Wenn dein Hund Sachen anknabbert, würde ich auch nicht ignorieren, sondern eine Alternativhandlung anbieten. Ein Kauspielzeug oder etwas zum Knabbern, an dem er seine überschüssige Energie herauslassen kann.
    Denn zum Einen lernen Welpen ihre Umwelt zu einem nicht unerheblichen Teil über´s Ankauen kennen und zum Anderen baut dieses Knabbern Anspannung und Stress ab, der durchaus entsteht, wenn sie von dir ignoriert wird.

    Es gibt hier in der Kategorie Knowledge Base einen Artikel darüber, wie du ein Abbruchkommando, also ein "Nein", konditionieren kannst. Das wird einige Zeit dauern, aber damit anfangen kannst du ruhig jetzt schon.

    Ansonsten lass den Welpen einfach Welpe sein, er will weder die Weltherrschaft, noch möchte er dich ärgern - er tut, was kleine Hundekindern eben so tun ;)
    Und keine Sorge, du züchtest dir keine Probleme heran, wenn du noch einiges durchgehen lässt. Klar sollte es auch jetzt schon Hausregeln geben, die es zu beachten gibt, aber wie diese durchgesetzt werden, muss nun ein Mal auch daran angepasst werden, in welchem Entwicklungsstadium dein Hund ist und was er überhaupt schon kann.

    Liebe Grüße

  • Hallo erst einmal.

    Zitat

    Ich habe mich mit diverser Fachliteratur darüber informiert, wie ich den Hund stubenrein bekomme. Die Standards sind mir also klar: Nach jeder Aktivität muss der Hund raus, sei es Schlafen, Fressen oder Spielen. So weit, so gut. Daran halte ich mich auch. Dummerweise klappt das nicht immer so wie es soll.

    Das ist schon mal richtig!
    Sicherheitshalber würde ich in ihrer Wachphase noch alle zwei Stunden kurz zum Lösen raus.
    Nicht zum Gassi gehen, sondern wirklich nur, damit sie sich lösen kann.

    Zitat

    Teilweise ist meine Kleine dann der Meinung sie müsste, obwohl sie geschlagene zwei Stunden im Garten war und dort auch diverse Geschäfte verrichtet hat, direkt nach Rückkehr in die Wohnung erst mal auf den Teppich machen. Die hierauf zu erfolgende Reaktion laut Fachliteratur: Wenn man den Hund dabei erwischt Schimpfen und wenn man es erst später bemerkt soll man den Hund ignorieren.

    Da wirst Du etwas umdenken müssen.
    Wenn Deine Kleine zwei Stunden im Garten war, dann ist sie aufgepuscht.
    Aufregung regt den Darm an.
    Und dann ist es schon logisch, daß sie wieder "muß".
    Die erstbeste Gelgenheit wäre dann wieder in der Wohnung.

    Ich würde die Kleine sowieso nicht so lange im Garten toben lassen.
    Ein junger Hund braucht sehr viele Ruhepausen, wo geschlafen wird.
    Je mehr Action der Hund hat, desto mehr ist sie aufgepuscht. Der kleine Körper steht dann so unter Streß, daß es eine Weile dauert, wieder von da runter zu kommen!

    Und wenn Du sie erwischt, mußt Du nicht schimpfen.
    Ein klares Nein sollte reichen, vorausgesetzt, der Hund versteht schon ein Nein.
    Das muß man dem Hund aber erst einmal beibringen, was NEIN für das zukünftige Hundeleben bedeuten soll.
    Oft reicht es auch, wenn man den Welpen sofort hochnimmt. Die meisten hören mit dem Pinkeln auf. Dann sofort raus in die Löseecke und den Hund dort absetzen. Wenn sie dort zu Ende pinkelt, sie loben, loben, loben!

    Den Hund sollst Du nicht ignorieren, wenn Du irgendwann später mal den "Unfall" entdeckst.
    Das ist die größte Strafe, die Du einem Hund geben kannst.
    Und das wird kein Hund verstehen, weil es so lange zurückliegt!
    Der Hund kann ja nicht wissen, daß Du die Pipipfütze meinst.

    Du sollst dann einfach die Pfütze kommentarlos entfernen.
    Hast Du Wut im Bauch, was ja irgendwo verständlich ist, dann sorge dafür, daß Dein Welpe das nicht mitbekommt, wenn Du die Pfütze entfernst.

    Denn, wenn Du Pech hast, erreichst Du mit Deiner Schimpferei und dem Ignorieren genau das Gegenteil!
    Der Hund wird pinkeln, weil er Dich beschwichtigen will.
    Dann hast Du erst Recht Pfützen in der Wohnung.

    Zitat


    Das Problem bei der Sache ist nur, dass mein Hund mich regelrecht provoziert wenn ich ihn ignoriere.

    Auch da ist wieder ein Denkfehler von Dir.
    Der Hund provoziert Dich nicht.
    Der Hund ist gerade überfordert.
    Sie weiß ja nicht, warum Du das machst.
    Warum bist Du sauer?
    Warum ignorierst Du sie?
    Sie weiß es wirklich nicht!

    Durch die Überforderung entsteht Streß beim Hund, welches sich dann in Übersprungshandlungen ausartet.
    Um die innere Spannung wieder lösen zu können, haben Hunde praktisch gesehen, drei Möglichkeiten:
    - sie bellen, oder jaulen
    - sie pinkeln, teilweise sogar koten
    - oder sie müssen kauen

    Sorge lieber dafür, daß Dein Hund erst nicht in so einem Streß geraten muß.
    Dann kommen auch die folgenden Symptome nicht zum Vorschein.
    Sonst biete dem Hund andere Alternativen an, die ungefährlich für den Hund sind.

    Zitat

    Wenn er also merkt, dass er nicht beachtet wird, wird irgendetwas angestellt worauf man einfach reagieren muss. So meint sie dann zum Beispiel, sie müsste irgendein Kabel anknabbern. Wenn sie das macht, kann ich sie ja schlecht ignorieren sondern muss das unterbinden, schließlich ist das ja für sie auch gefährlich. Oder sie versucht den Teppich zu zerlegen.

    Wie bereits weiter oben geschrieben.
    Das sind Übersprungshandlungen, um den Streß abbauen zu können.
    Dein Hund ist aufgeregt, und puscht sich noch mehr hoch.
    Um wieder runter kommen zu können, muß sie etwas "tun".

    Zitat

    Kann mir da jemand behiflich sein? Mir ist klar, dass ich nach so kurzer Zeit noch keine Wunder erwarten darf und das tue ich ja auch nicht, aber irgendwie muss das ja hinzubekommen sein. Es ist mein erster Hund und ich bin natürlich noch ziemlich unerfahren, will aber auch nicht das die ganze Sache einreißt und sie womöglich so nie wirklich Respekt mir gegenüber entwickelt.

    Du hast einen Welpen.
    Ein Baby, sozusagen.
    Werde erst einmal etwas lockerer, schraube Deine Anforderungen etwas zurück und bau nicht gleich so einen großen Druck auf.
    Hilf Deinem Welpen lieber, damit sie erst gar keine "Fehler" machen kann.

    Grenzen und Konsequenz sind natürlich wichtig, gar keine Frage, aber man kann das alles auch auf eine "liebevolle" Art und Weise und vor allem altersgerecht machen, ohne daß der Hund gleich "den Respekt" vor Dir verliert.


    Schöne Grüße noch
    SheltiePower

  • Hallo,

    warum willst du denn den Hund ignorieren, wenn er gepieselt hat?

    Das hast du, glaube ich, falsch verstanden.
    Dadurch lernt ein Hund nichts, denn den Sinn und den Zusammenhang versteht er nicht.

    Du sollst die Tat, nämlich das Urinieren im Haus, ignorieren und nicht "bestrafen", auch nicht schimpfen.

    Lobe das, was sie gut und richtig macht.
    Was falsch ist, brichst du ab und zeigst ihr, was sie darf und das wieder loben.

    Und manchmal reichen alle zwei Stunden Gassi gehen nicht und Welpen lösen sich ungerne in der großen, weiten Welt.
    Mit ihren Hinterlassenschaften würden sie in der freien Natur potenzielle Feinde auf sich aufmerksam machen.
    Eine kleine Portion Selbstsicherheit muss so ein junger Hund erst entwickeln.
    Das passiert im Laufe der Zeit.

    Geduld, Geduld, Geduld.

    Gruß
    Leo

  • Danke für die Tipps an alle. Die Regel mit den 5 Minuten Gassigehen pro Lebensmonat war mir tatsächlich neu.

    Ich habe allerdings den Eindruck, als sei etwas von dem was ich gesagt habe teilweise falsch rüber gekommen.

    Es ist nicht so, dass sie zwei Stunden im Garten tobt ohne Ende. Sie ist von Anfang an an den Garten gewöhnt worden und weiß inzwischen auch, wozu sie in den Garten kommt. Wenn man sie auf die Wiese setzt, dann geht sie meist sofort los und macht etwas. Dafür wird sie natürlich auch sofort gelobt, schließlich soll sie ja lernen, dass das so genau richtig ist. Dann tobt sie etwas und wenn sie keine Lust mehr hat, dann legt sie sich auf die Wiese in den Schatten und schläft oder kommt von alleine wieder in die Wohnung, weil die Tür zum Garten immer offen ist, so lange sie draußen ist. Sie ist also nicht permanent in Action, sozusagen. Aber ich habe schon verstanden, worauf ihr hinauswollt. Und bei dem Teppich ist es wirklich teilweise so gewesen, dass sie draußen kurz vorher was gemacht hat und auf dem Teppich dann nur ein oder zwei Tröpfchen verloren hat. Ist schon klar, dass das kein Weltuntergang ist, aber nötig ist es ja nun auch nicht. So dringend kann es dann wohl nicht gewesen sein. Aber gut, ich habe verstanden, dass sie das nicht macht um mich zu provozieren.

    Knabberspielzeuge hat sie auch genug, aber es macht ja eigentlich auch immer am meisten Spaß was verboten ist, ist bei Kindern so, warum sollte das nicht auch bei Welpen so sein?

    Ich bin ja jetzt auch nicht total entnervt und kurz davor sie wieder abzugeben, versteht das bitte nicht falsch. Ich habe meine Kleine wirklich unendlich lieb und würde sie nie wieder hergeben, auch wenn ich sie erst so kurz habe, egal was sie noch alles anstellt.

    Ich werde mir also Eure Ratschläge zu Herzen nehmen, versuchen noch mehr Geduld aufzubringen oder aber ein paar Extranerven zu bekommen :D und weiter mit ihr üben. Immerhin hat sie ja auch schon begriffen was ein Nein bedeutet. Das klappt zwar auch noch nicht immer, aber meistens schon. Das hat sie irgendwie sehr schnell begriffen.

    Ach, und Leo: Danke, das hatte ich wohl wirklich falsch verstanden :headbash:

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