Ab wann wird aus Spieltrieb Jagdtrieb?

  • Ich denke ja eher das sich die Antworten auf meine Frage nicht darauf beziehen dem Hund den Spass an allem zu nehmen, sondern vielmehr einem vielleicht auftretenden, unerwünschtem Verhalten, entgegen zu wirken in dem man es möglichst verhindert um nicht zuletzt auch die Symbiose Hund/Mensch und die damit verbunde Bindung nicht zu stören, bzw. weiter aufzubauen mit dem Ziel einen wirklich abrufbaren Hund zu halten.

  • Zitat

    Jeder halbwegs aufgeweckte Hund entdeckt früher oder später, dass manche Dinge auch ohne Frauchens Zutun Spass machen. Wo ist das Problem, solange der Solospass nicht zum einzigen Lebensinhalt wird? Darf Hund an keinem Grashalm mehr riechen, ohne dass ich das auch tue und Spass dabei heuchle? Soll der Hund zum hörigen Sklaven werden, der keinen selbständigen Schritt mehr tun darf, weil es ihm ja Spass machen könnte?

    Hast Du das auf meine Beiträge bezogen? :???:

    Meine Hunde finden es übrigens durchaus motivierend, wenn ich mal ein Mausloch inspizieren komme und ihre Arbeit würdige. Da buddeln sie gleich mit doppeltem Elan weiter. :D


    Ja, kommt mir bekannt vor :lol:

  • Nö, auf sueasy. Aber auch ganz allgemein. Jeder Hund, der keinen ständigen Dauerunterhalter am Strick hat, bespasst sich oft selber - beim rumschnüffeln, wittern, sich wohlig wälzen, mal rennen..... Ich sehe darin kein Problem, solange gemeinsame Aktivitäten wichtiger bleiben. Im Gegenteil, ich sehe im krampfhaften Unterbinden jeglicher eigenständigen lustvollen Betätigung ein Rezept für einen unsicheren Hund. Ich bin sehr dafür, harmlose Selbstbespassung in gewissem Rahmen zu erlauben.

  • hej,

    eigentlich ist die Frage eine einzige Begriffsverwirrung.
    Das liegt an einem grossen Teil an der Sprache selbst.
    Wenn man es genauer auseinander nimmt, dann gibt es keinen Jagdtrieb, weil jagen in unserer Sprache zwei Sachen bedeutet.

    Zuerst haben wir da einmal den Hetztrieb, der ist ungeheuer stark.
    Diesen Trieb haben eigentlich alle Hunde und er wird leicht ausgelöst durch etwas, dass sich vom Hund schnell fortbewegt.
    Wenn jemand sagt, dass sein Hund jagt, meint er meist damit, dass er Hetzt.

    Diese Unterscheidung ist mir wichtig, weil Jagen auch einen ganzen Ablauf bedeutet, an dem am Schluss das Fressen steht.
    So gesehen sind, im Gegensatz zu den Wölfen, die meisten unserer Hunde keine Jäger.
    Einen eigentlichen Jagdtrieb gibt es dann nicht, sondern das sind mehrere Triebe, die durch die Jagderfolge zu einer Kette verknüpf werden.
    Zum Beispiel Fährten, um die Beute aufzuspüren, dann die Beute hetzen, die Beute niederlegen und töten und als letzte Sequenz das Schlachten.
    Bei vielen Hunden wurden einzelne Triebe verstärkt und andere geschwächt, deshalb haben sie keine oder nur wenige Jagderfolge.
    Bei Treibhunden (Kühe, Ziegen, Schweine etc.) wurde der Trieb niederzulegen und zu töten sehr geschwächt und dafür die Beisshemmung verstärkt.
    Kein Bauer findet es besonders gut, wenn sein Treibhund die Nutztiere verletzt, deshalb wurde durch Selektion die Triebe so beeinflusst.

    Weil man die meisten Hunde nicht wirklich als Jäger bezeichnen kann, ist es eigentlich auch sehr schwer, eine klare Grenze zwischen Spiel- und Hetztrieb zu ziehen.

    So, um auf die eigentliche Frage mehr einzugehen.
    Hunde machen eine Entwicklung durch, vom Welpen zum Junghund in die Pubertät bis hin zum mental erwachsenen Hund.
    Der Hetztrieb ist schon ganz von Anfang an in unseren Hunden und sobald sie etwas nachlaufen können, tun sie das auch.
    Mit den Wölfen haben die Hunde auch eine ungeheure Anpassungsfähigkeit gemeinsam.
    Deshalb kommen unsere Hund nicht mit fertigen Programmen zur Welt, sondern lernen durch Erfolg sich in ihrer Umwelt zu behaupten.
    Deshalb sind Hunde lange in ihrer Entwicklung vorsichtig, sie müssen erst noch lernen, was Erfolg, in ihren Augen, gibt und was gefährlich sein könnte.

    Die Natur hat uns da einen Streich gespielt, weil die Hunde beim Hetzen einen für uns unsichtbaren Erfolg erleben.
    Durch das Hetzen werden Endorphine ausgelöst, das sind Belohnungshormone, die teilweise ähnlich sind in der Wirkung wie Morphine (übrigens, auch unser Körper hat Endorphine).
    Unter der Wirkung von Endorphinen werden Schmerzen unterdrückt und man verspürt Glücksgefühle.
    Dies wirkt auf unsere Hunde unglaublich motivierend und so kann ihr Hetztrieb ein Problem werden.

    Damit der Hetztrieb kein Erfolg wird, muss man, so gut es halt geht, verhindern, dass der Hund etwas hetzt, was wir nicht wollen.
    Weil aber der Hetztrieb wirklich stark ist bei den Hunden, genügt das nicht, wir müssen den Hunden Erfolgserlebnisse geben, indem wir sie Sachen hetzen lassen, die für uns akzeptabel sind oder auch die Art in der sie Hetzen beeinflussen, mit Erfolgserlebnissen.

    Auch damit können wir übrigens Fehler machen, der Bekannteste macht aus Hunden Balljunkies.
    Dies passiert, wenn man Hunde nur das gleiche hetzen lässt, dadurch entsteht eine Fixation, die einen Hund alleine schon zu einen Junkie werden lassen kann.
    Meistens aber, machen wir dann auch gleich einen anderen Fehler, der die Hunde dann sicher abhängig werden lässt.
    Wir übertreiben mit dem Gegenstand vollständig, so dass spätestens dann eine psychische Abhängigkeit entsteht.

    Deshalb lautet meine Tipps an Euch so, lasst sie nichts hetzen, was sie nicht hetzen soll.
    Gebt ihr aber alternativen mit denen ihr leben könnt.
    Lasst nicht zu, dass Euer Hund sich auf einen Gegenstand fixiert und übertreibt nicht, damit sie nicht zu Junkies werden.

    Liebe Grüsse aus dem Norden

  • Zitat


    Deshalb lautet meine Tipps an Euch so, lasst sie nichts hetzen, was sie nicht hetzen soll.
    Gebt ihr aber alternativen mit denen ihr leben könnt.
    Lasst nicht zu, dass Euer Hund sich auf einen Gegenstand fixiert und übertreibt nicht, damit sie nicht zu Junkies werden.

    :gut:

    Genau so hat es mir die Trainerin erklärt!

    Bruno hat seit zwei Wochen das Hetzen entdeckt. Zuerst waren es Gänse und Enten, am Freitag ein Vogel am Strand. Damm- und Rotwild findet er noch völlig uninteressant, zeigt es aber an. Ich belohne ihn fürs Anzeigen und beim Abruf vom Hetzen darf er Spielis oder mit jagen. :D

  • Zitat

    Deshalb lautet meine Tipps an Euch so, lasst sie nichts hetzen, was sie nicht hetzen soll.
    Gebt ihr aber alternativen mit denen ihr leben könnt.
    Lasst nicht zu, dass Euer Hund sich auf einen Gegenstand fixiert und übertreibt nicht, damit sie nicht zu Junkies werden.


    Laursen, mit deinen Schlussfolgerungen bin ich sehr einverstanden! :gut:

    Nicht einverstanden bin ich damit:

    Zitat

    Wenn jemand sagt, dass sein Hund jagt, meint er meist damit, dass er Hetzt.


    Es ist mir allerdings in Hundesportlerkreisen auch schon begegnet, dass jemand jagen auf hetzen reduziert hat, und dafür von einem ganzen Strauss anderer Triebe sprach. Ich orientiere mich da eher an der Verhaltensforschung, die vollkommen auf den sehr diffusen und auch mit heute überholten Modellen belasteten Begriff "Trieb" verzichtet. Aber egal wie mann es nennt, vom aktiven Suchen (da muss noch keine Fährte sein) bis zum Beute heimtragen und fressen gehört alles in die Kategorie Jagdverhalten. Jagen fängt lange vor dem Hetzen an.

    Richtig ist, dass kaum ein Haushund noch das vollständige Spektrum des Jagdverhaltens zeigt, das Hetzen hingegen bei fast allen Hunden ausgelöst werden kann und daher für die meisten Hundehalter das grösste Problem darstellt. Und da finde ich wie du, dass der Hund ab und an erlaubten Hetzobjekten nachrennen darf - sparsam eingesetzt, eignet sich das wunderbar als Belohnung.

    Um auf das weiter oben erwähnte Buddeln zurückzukommen: das gehört natürlich auch zum Jagdverhalten. Aber es hat mit hetzen so wenig zu tun, dass es sich schlecht als erlaubter Ersatz dafür eignet. Man kann nicht einen Sichtjäger "seinen Jagdtrieb beim Mäuebuddeln ausleben lassen", wie man ab und an hört. Spass machen kann es ihm natürlich trotzdem. ;)

  • moin,

    anfangs habe ich meiner "hetz"-hündin immer verboten, hinterher zu jagen, ich habe mich dann alternativ intensivst mit ihr beschäftigt................., suchspiele eingebaut, zerr-spiele, unterordnung gemacht etc.......

    jetzt nach 3 jahren arbeit darf sie -ab und an- wenn ich's ihr erlaube, krähen auf dem feld "jagen"; sie ist dann total begeistert bei der "arbeit", lässt sich aber sofort u. gut zurückrufen! ich übe damit den rückruf in extrem-situation (könnte ja mal ein hund sein, dem sie hinterherhetzt u. ich möchte das beenden) und sie kommt nach rückruf BEGEISTERT UND STOLZ zu mir zurück, so nach dem motto: danke frauchen, dass ich mal wieder jagen durfte........., hast du geseh'n, wie toll ich das kann?

    geht aber ERST, wenn die bindung zwischen euch supi funktioniert, ist ne frage der zeit family-penny!

    und buddeln lass ich meine hündin auch ab und an; ich setz mich bei schönem wetter dann dazu u. buddel auch mit....... hihihihhi. die buddelei muss ich aber nach ca. 1 minute abbrechen, sonst würde sie sich da reinsteigern!

    du wirst, wenn du mia besser und supergut einschätzen kannst selbst irgendwann mal wissen, was du mit ihr machen kannst und was nicht.

    schönes wochenende! :D :D :D

  • Bei mir darf absolut nichts gehetzt werden. Wenn ich mir die gehetzten Tiere vorstelle die fast en Herztod serben, nein danke.

    Ich konnte beobachten das gerade bei Mischlingen der Jagttrieb mit 8-9 Monaten losgeht. Und dann heißt es aufpassen.

    Ich habe hier einen Sitterhund der seinen größten Spass darin sieht andere Hunde bis zum umfallen zu hetzten. Der Herr ist jetzt ständig an der Schlepp, weil es auch für den Jäger absoluter Stress ist.

  • Nein ich finde es nicht vertretbar. Ich möchte das meine Hunde lernen das Hetzen grundsätzlich verboten ist. Jagen/Hetzen versetzt den Hund in einen euphorischen Rauschzustand. Jagen ist selbstbelohnend. Um Erfolg zu haben, braucht der Hund das Wild gar nicht zu erbeuten: er ist nicht auf der Jagd nach Nahrung sondern auf der Jagd nach diesem Glücksgefühl. Und der Wunsch, dieses tolle Gefühl immer wieder erleben zu können wird bleiben.

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