Wie "abgestumpften" Hund korrigieren?

  • Viele Antworten...aber wenigstens wird es jetzt mal interessant.

    Nochmal kurz zur Gesamtsituation:
    Ich bin täglich mit 5-8 Hunden pro Spaziergang unterwegs. Ich gehe mit allen Hunden durch den Ort oder bin mitten im tiefsten Wald. Mich kennt hier jeder, jeder Hundeehalter, jeder Jogger, jeder Förster. Alles was ich mache vollzieht sich wie auf einem Präsentierteller, denn ich bewege mich mit den Hunden immer in der Öffentlichkeit. Dinge, die bei einem Einzelhund evtl. nur ärgerlich sind - der Hund rennt doch mal zu nem angeleinten Hund um "Hallo" zu sagen, ein Passant wird angeschnuppert oder Hundi rennt doch mal kurz dem Hasen hinterher - die dürfen mir mit einer ganzen Meute einfach nicht passieren!
    Dafür braucht es nicht viel...die Gassihunde brauchen kein Sitz oder Platz können...es braucht nur zwei Dinge:
    1.) ein zuverlässiger Rückruf
    2.) unangeleint bei mir bleiben wenn uns Jogger, Traktoren, Reiter oder Hundehalter passieren
    Diese zwei Dinge müssen aber 100% funktionieren, sonst könnte ich die Hunde nicht kontrollieren.

    Erschwert wird das ganze durch zwei Dinge:
    1.) Die hier schon angesprochene Gruppendynamik...die Hunde pushen sich gegenseitig und um mehrere Hunde, die gleichzeitig jagen, mobben oder sonstwas wollen zu stoppen bedarf es schon einer gewissen Autorität.
    2.) Es handelt sich nicht um ein zusammenlebendes Rudel, Hunde die man 24 Std. am Tag um sich hat, sondern um täglich wechselnde Zusammensetzungen...die einen Hunde habe ich 5 mal die Woche, andere zweimal, einmal oder nur ganz sporadisch.

    Es gibt 100 verschiedene Möglichkeiten einen Hund zu erziehen...meiner sieht ganz knapp zusammengefasst so aus:
    JEDES Kommando wird erstmal rein positiv in reizarmer Umgebung aufgebaut. Der Hund soll gerne mit mir zusammenarbeiten und es soll sich für den Hund lohnen. Ich steigere dann schrittweise die Ablenkung und irgendwann komm ich an den Punkt an dem der Hund genau weiß was ich von ihm will, aber trotzdem versucht ob er nicht seine eigenen, gegenläufigen Vorstellungen durchsetzen kann. Und genau das ist der Punkt an dem ich mit positiver Strafe arbeite um ein Kommando abzusichern. Das mag man auch anders machen können, aber so habe ich bisher einen Grundgehorsam hinbekommen, der wirklich sicher ist. Nicht zu 100%, denn Hunde sind keine Maschinen, aber eben doch so, dass ich auch mit jagdtriebigen Hunden mitten im Wald spazierengehen kann, dass andere Hunde uns auf 2,3 Meter passieren können usw. usw. eben das was man braucht um Hunde gefahrlos in der Öffentlichkeit ohne Leine laufen zu lassen.

    Wie will ich das rein über positive Verstärkung schaffen...vielleicht fehlt mir hier das Wissen, aber ich weiß es nicht. Ich hab nen Foxhound in der Gruppe, der ist vor zwei Jahren bei Wildfährten an der Leine schreiend durchgedreht...der läuft heute immer und überall OHNE Leine, lässt sich sogar bei flüchtendem Wild zuverlässig stoppen etc. Wie hätte ich das rein über die positive Schiene aufbauen sollen? Wenn es einen Weg gibt, erklärt ihn mir...

    Und ja, die Dobermann-Hündin reagiert gut auf positive Verstärkung, aber mein bescheidenes Wissen sagt mir, dass das nur einen Teil der Erziehung ausmachen kann...denn wo habe ich dann die Möglichkeit dem Hund unmissverständlich klar zu machen wenn er mal richtigen Bockmist baut...

  • meine frage ist noch nicht beantwortet worden, oder ich habs überlesen, gehst du immer nur in der gruppe oder mit einem neuen hund erstmal allein spazieren?
    sprich ist immer mal ein oder mehrer hunde dabei, oder hast du einen hund auch mal nur für dich?

    ich stelle bei meiner hündin immer fest, wenn wir mehrer hunde sind (oder wenn z.b grad ein pflegi da war) sie sachen verlernt hat, die vorher nicht immer 100% funktionierten (wie z.b der rückruf), sobald aber mehrer hunde da sind hört sie noch schlechter. sind wir wieder allein unterwegs (kann sogar aufm selben spaziergang sein), hört sie wie eine eins (soweit man das bei einem bully sagen kann).


    nur mit positiver verstärkung arbeiten, puh hab ich auch mal früher gedacht, hat aber zumindestens bei meinem sturen hund nicht geklappt. sie braucht ab und an auch mal was schärferes.
    und nein ich rede nicht von schlagen, alpha-wurf oder schnauzengriff. es reicht schon wenn ich zu ihr hin geh, stimme lauter wird und ggf. sie mir am halsband schnapp wenn sie meint wieder abhauen zu dürfen.
    dieser einlauf bewirkt bei ihr meist das sie zumindestens an diesem tag folgt.

  • Zitat

    Und ja, die Dobermann-Hündin reagiert gut auf positive Verstärkung, aber mein bescheidenes Wissen sagt mir, dass das nur einen Teil der Erziehung ausmachen kann...denn wo habe ich dann die Möglichkeit dem Hund unmissverständlich klar zu machen wenn er mal richtigen Bockmist baut...

    Ehrlich gesagt verstehe ich dein Problem nicht wirklich. Du willst jetzt quasi schon vorbereiten, dass du den Hund evtl ...mal...

    Gib ihr einfach die Zeit zu lernen, Vertrauen zu dir zu fassen und zu begreifen was du von ihr willst. Das ist der ganze Knackpunkt an der Geschichte. Und so lange sie die Zeit eben braucht gibts keinen neuen (problematischen) Gassihund dazu. Ich seh da nicht viel Schwieriges dran. :ka:

  • Zitat

    Ich will da nichts vorbereiten...die macht jeden Tag Blödsinn...will Krähen jagen, Passanten anschnüffeln, fremde Hunde begrüssen usw. usw.

    das klingt für mich nach einem hund der in der gruppe sich besträkt fühlt und dir quasi die mittelkralle zeigt.
    da muss meiner meinung nach mit dem hund einzeln geübt werden, bevor man in der grp mit ihr gehen kann.
    wenn man als gassi-geher-anbieter da keine zeit für hat (das ist jetzt nicht böse gemeint) dann muss man den hund als klienten ablehen.

    schade für den hund aber du bist nicht für seine erziehung zuständig sondern die besitzer, denen es egal zu sein scheint.

  • Ich find den Ansatz von Sinaline interessant.

    Zitat

    Auf die Gefahr hin, das ich mich wiederhole...dem Hund könnte auch zu Hause eine Grenze gesetzt worden sein(vielleicht etwas zu rigeros), die danach positiv mit Leckerchen belegt wurde...der Hund ist eventuell(zu Hause) sattgefressen, hat keinen Bock auf weitere "Grenzen mit Leckerchen" und geht seinen Weg bzw läßt sich dadurch nicht korregieren

    Eigentlich müßte das auch mit den Strafen ähnlich funktionieren. Mal angenommen dieser Hund, von dem Du schreibst "Zuhause wird mit ihm ruppig umgegangen". Angenommen, ein Hund wird im normalen Leben willkürlich getreten, angeschrien oder es wird an der Leine rumgerissen.

    Dann hättest Du im Endeffekt einen Hund, dem ein Vorstellen des Beines, ein lauterer Tonfall oder ein sanfter Ruck schlichtweg egal wäre. Ist er ja gewohnt, hat aber eigentlich keine wirkliche Bedeutung.

    Danach tun sich doch zwei Wege auf:
    - entweder Du setzt noch eins oben drauf als Signal "Du hast Bockmist gebaut"
    - oder Du findest einen anderen Weg der Grenze, den es Zuhause nicht gibt.

    Was ich damit sagen möchte: ich glaube, wenn Du den Zeitfaktor über Bord wirfst dann wird das auch mit der Dobidame funktionieren.

    Irgendwann wird sie es zu schätzen lernen, die Klarheit und die Konsequenz, den Aufenthalt bei Dir als Entspannung zum sonstigen Willkür-Chaos wahrnehmen. Dann hast Du auch gewonnen. Solange muss sie eben an der Schlepp bleiben und das Normalo-HH-Schleppleinentraining mitmachen.

    Ich weiß einfach nicht, ob es sinnvoll ist, seine kreative Energie in das Maßregeln eines orientierungslosen Hundes zu stecken oder ob es mehr Sinn macht, erstmal eine Bindung der "klaren Bedingungen des zeitweisen Zusammenlebens" zu erarbeiten....

  • Zitat

    Und ja, die Dobermann-Hündin reagiert gut auf positive Verstärkung, aber mein bescheidenes Wissen sagt mir, dass das nur einen Teil der Erziehung ausmachen kann...denn wo habe ich dann die Möglichkeit dem Hund unmissverständlich klar zu machen wenn er mal richtigen Bockmist baut...

    Der Punkt der mir aber zumindest in deiner Beschreibung fehlt, ist der gründliche Aufbau.

    Du schreibst ja selbst, du hast die Hunde auch nicht regelmäßig, sondern mal so mal so. Von daher gehe ich nun mal davon aus, dass das bei der betreffenden Hündin genauso ist.

    Mir fehlt hier das Training in niedrigerer Reizlage und eben auch die Vermeidung von Fehlern im Aufbau. Möchte ich heute einen Rückruf möglichst sinnvoll aufbauen, muss ich im Aufbau auch Fehler vermeiden (im Klartext, im Vorfeld verhindern das der Hund überhaupt weg möchte).
    Also dann vielleicht keine 2 Stunden laufen mit diesem Hund, sondern eine halbe Stunde intensiver Spaziergang. Dafür kann man dann im Prinzip auch mehr verlangen, wenn du sagst das ist dir ein einzelner Hund nicht wert, der nur hin und wieder erscheint.

    Wenn ich diese Basics habe (und je nach Hundetyp geht das auch recht schnelll - wobei ich mit schnell nicht 2 Tage meine), dann kann ich die Ablenkung auch steigern und wenn ich dann eine dem Hund und seinem Naturell angepasste Einwirkung setze, wird er diese auch (wenn sie den richtig sitzt,..) in das Verhalten das ich möchte umsetzen.
    Das kostet aber alles Zeit und nachdem das ja wohl alles auch wirtschaftliche Überlegungen sind, w+rde ich mir doch stark überlegen ob ich das leisten will und dafür eben eher andere Hunde annehmen.
    Denn sein wir mal ehrlich - ich gehe stark davon aus das auch bei dem Jagdhund den du hier mehrfach zitierst, der Gehorsam nicht nur auf deinen Mist gewachsen ist. Der Hund wird ja auchnoch Halter haben (ich gehe davon aus, dass es nicht dein eigener ist). Ich habe ja nun auch schon f+r andere Leute Hunde teils auf Prüfungen vorgeführt,die ich nicht permanent sondern nur einige Male die Woche vorgeführt habe. Relativ schnell und effektiv klappt das nur,wenn die Hauptbezugsperson mitspielt.


    Die andere Version, dass wohl deutlich schneller zu lösen, ist eben stärkere Zwänge zu setzen - und das eben durchzuziehen bis der Hund darauf anspricht.
    Allerdings sollte dir klar sein, dass bei solchen Zwängen dann immer auch die Gefahr besteht das man bei auch nur minimal falschem timing ziemlich viel kaputt macht und sich ausserdem nicht jeder Hund das von einem quasi Fremden bieten lässt.
    Nicht jeder Hund lässt sich auch nur einen "leichten Ruck" von einer Person, die nicht die Bezugsperson ist gefallen - könntest du damit umgehen, wenn die Hündin vielleicht nicht auf den "leichten Ruck" reagiert, du stärker einwirkst und sie dann mal "zurückruckt"?

    Mal nebenher möchte ich aber nochmals betonen, dass wenn ich jemanden meine Hunde mitgeben würde (was ich in dieserKonstellation eh nicht machen würde, aber das ist ja etwas anderes) um sie einfach zu bewegen, dann würde ich es mir verbitten das hier irgendwelche erzieherischen Maßnahmen stattfinden würden, ohne das ich das weiß. Gerade wenn es um Zwänge geht, bei denen man wie erwähnt auch viel kaputt machen kann. Wenn hier irgendwie an meinem Hund rumgedoktort werden würde, dann würde ich genau wissen wollen was gemacht wird und auch wie - und ich würde mich darauf verlassen wollen können, dass wenn ich sage ich möchte nicht das irgendein Gassigänger auf meinen Hund aversiv einwirkt, dies dann auch respektiert wird.
    Im Endeffekt habe ich nämlich als Halter die Arschkarte wenns schief geht - sowohl wenn der Hund etwas falsch verknüpft, als auch wenn mein ebenfalls 12 Monate alter Junghund dem ambitionierten Gassigänger mehr als deutlich sagen würde was er von "Bodyblocks" und anderen Einwirkungen hält und dieser aufgrund dessen einen Arzt benötigt.

    Wirklicher Gehorsam ist etwas, was bei den meisten Hunden nunmal etwas Zeit braucht und auch nicht beliebig beim wöchentlichen Gassigang übertragbar ist .. und bei manchen existiert dieser eben auch nur bei ihrer einen Bezugsperson, egal wie toll und nett man trainiert.

  • Spannende Geschichte.

    Für mich ist Strafe negativ belegt ich bevorzuge den Begriff Korrektur, da nicht jede Korrektur eine negative Einwirkung sein muss und vorallem für mich bei jeglicher Form von Korrektur ohne jegliche Emotion durchgeführt werden sollte.

    Für mich ist Hundeausbildung min. 95% Motivation und der Rest ist Korrektur.
    Wieviel Zwang man braucht hängt von der Motivationsfähigkeit des Hundes und der Kompetenz des Ausbilders ab.
    Ich persönlich glaube nicht dass eine annähernd 100% sichere Alltagstauglichkeit, rein positiv möglich ist, sofern man sich selbst nicht in die Tasche lügt, denn Schleppleine bedeutet Freiheitsentzug, Ignorieren ist Entzug von Sozialkontakt,etc.

    Wer Zwang macht insbesondere im Sinne von körperlicher/ verbaler Einwirkung sollte
    1. wissen was er tut und dem Echo gewachsen sein
    2. über das nötige timing besitzen
    3. die nötigen Techniken beherrschen
    4. dahinterstehen
    5. auch selbstbeherrscht genug sein um sofort wieder auf heile Welt umstellen zu können.
    6. sich die Frage gefallen lassen, ob man einfach nur bequem ist und den Hund in die erlernte Hilflosigkeit treibt, als sich den Probleme zu stellen.

    Wenn ein Hund wirklich so einfach zu motivieren ist, frag ich mich warum man den Hund nicht schlicht soweit aktiv bekommt, dass man nicht mehr in die Verlegenheit kommt, ihn großartig korregieren zu müssen.

  • Danke, bordy.

    Nochmal zu dieser Haltergeschichte:
    Ich erzähle allen Hundehaltern schon auf dem Probespaziergang was der Hund können sollte, und wenn er es nicht kann, dass ich es dann trainieren muss. Ich erwähne auch jedesmal das ich NICHT zur "Wattebäuschchenfraktion" gehöre und klare Grenzen setze.
    Bisher hat mir noch jeder HH sein 100% Vertrauen geschenkt, was ich auch definitiv nicht ausnutzen will!

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