Junghund bekommt seine Panik nicht unter Kontrolle

  • Hallo Zusammen,


    Milow hat von Anfang an vor allem Panik. Ich arbeite zu jeder Zeit dran und einiges hat sich schon gelegt. Wir können nun schon an Mülleimern oder einzelnen Männern vorbei gehen ohne das sich klein Milow erwürgt. Allerdings klappt es nicht an fremden Orten sondern nur an Orten wo ich mit ihm täg. Trainiere. Ganz schlimm sind Bushaltestellen, sobald sich dieser mehr als 2 Personen nähern bekommt er die totale Panik.
    Ich nehme ihn überall mit hin und sichere ihn mit Geschirr und Halsband ab, weil er sonst in seiner Panik aus dem Geschirr oder dem Halsband schlüpft.

    Der arme Wurm ist einfach Panisch und dabei ist er so lieb und möchte mir unter allen Umständen gefallen.

    Wie bekomme ich es hin das er z.B Mülltonnen immer als Positiv sieht und nicht nur in bestimmten Str.
    Wie kann ich es hinbekommen das er fremde Menschen nicht als Bedrohung sieht.

  • Ich würde alles was ihm Angst macht ignorieren.
    Mein kleiner ist auch sehr ängstlich aber ich tue so als wäre alles normal (denn das ist es ja auch) und auch wenn er rum zappelt und Angst hat gehe ich meinen Weg und beachte ihn keineswegs. Das hat jetzt in den 5 Wochen schon sehr viel gebracht. Er findet Autos, Fahrräder, Mofas, Mülltonnen und vieles mehr mittlerweile total normal. Wenn ich keinen hehl daraus mache dann merkt er, dass auch er keine Angst zu haben braucht. Würde ich immer seiner Angst Beachtung schenken, würde er denken, dass seine Angst berechtigt ist, da ich mich ja auch plötzlich anders verhalte sobald seine Angstsituation eintritt.

  • Ich denke, das man das pauschal nicht sagen kann, da jeder Hund anders ist.

    Hätte ich die Ängste meines Hunde ignoriert, dann wären wir immer noch kein Stück weiter.

    Wie alt ist denn Dein Welpe und wie lange ist er schon bei Dir? Wurde er bei seinem Züchter gut sozialisiert oder hat er bis zu dem Zeitpunkt, zu dem er bei Dir eingezogen ist, nichts kennen gelernt?

    LG Mary


    Edit: Sehe grad, dass unsere Hunde gleich alt sind. Da sollte es natürlich schon viel besser laufen, aber es kommt eben darauf an wie und was er bisher gelernt hat.

  • Hallo,

    wenn ein Welpe nicht richtig sozialisiert wurde, sprich in der Prägephase wenig Umweltreize bekommen hat, dann kann es so aussehen wie bei Dir.

    Ein Welpe, welcher vieles kennengelernt hat kann viele seiner Erfahrungen übertragen, sprich für ihn sind alle Ampeln in Ordnung, denn sein Gehirn hat in der Prägephase Verknüpfungen (Nervenbahnen) gezogen, die dies zulassen.

    Ein Welpe, welcher kaum Umwelteinflüssen ausgesetzt war, fehlen diese Verknüpfungen im Gehirn.
    Er muss also immer wieder neu lernen und erst mit zunehmenden Erfahrungen legt er seine Angst ab.

    Die Ampel vorm Haus ist also ungefährlich für ihn, aber die Ampel eine Straße weiter nicht. Wenn man jetzt öfter diese Angstampel besucht, dann wird sie vom Hund aufgenommen und als ungefährlich eingestuft.

    Mit der Ampel vor der Schule sieht es dann wieder ganz anders aus. Diese ist erstmal wieder gefährlich.

    Ich will Dir damit sagen, dass Dein Hund sehr, sehr viele Erfahrungen braucht um alles als ungefählich einzustufen. Irgendwann wird er an Ampeln vorbeilaufen ohne mit der Wimper zu zucken.
    Das ist hartes Training und kann mit unter auch mal ein oder zwei Jahre dauern.

    Aber:
    es ist machbar. So ein Hund wird zwar nie so sicher werden wie ein Hund, bei dem alles super toll von Anfang an gelaufen ist, aber man kann ihn soweit bringen, dass er überall mit hinkann und sich sicher fühlt. Das kommt auch noch durch das Vertrauen welches sich zwischen Euch beiden entwickelt.

    Liebe Grüße

    Steffi

  • Ich denke, man muss zwischen Angst/Unsicherheit und Panik unterscheiden.

    Panik = der Hund ist nicht mehr ansprechbar. Er nimmt dann zB auch keine Leckerlie an (guter "Test").
    Ist der Hund panisch, lernt er nichts. Im Gegenteil, es besteht die Gefahr, dass sich die Panik gegenüber dem Objekt/Subjekt etabliert - deshalb rate ich hier auch vom Ignorieren ab!
    Ist der Hund in Panik: Raus aus der Situation und den Hund damit aus seiner Blockade herausholen. (Profis können mit Floating arbeiten, aber davon ist Laien abzuraten.)

    Es ist deshalb wichtig, den Hund möglichst immer unterhalbder Panikschwelle zu halten. Sprich schon frühzeitig auf Unsicherheit/Angst zu reagieren und die Konfrontation mit dem Reiz so dosieren, dass der Hund ansprechbar bleibt. (Wie gesagt, sonst lernt er nicht.)
    Dafür muss man seinen Hund beobachten und gut kennen, um die Angsteskalationsschritte mitzubekommen.

    Mit einem Angsthund ist ganz viel Alltagstraining zu leisten. Also an angstmachende Sachen "heranpirschen". Immer den Abstand wählen, den der Hund aushält, ohne in Panik zu verfallen.
    Ich bin gut damit gefahren, dem Hund Angstauslöser schön zu füttern. Genauer gesagt: Sein Aushalten der Begegnung mit dem Angstreiz mit Leckerlie zu belohnen.

    Wichtig ist, dass der Hund die Begegnung mit dem Angstauslöser mit einem Erfolgserlebnis beendet. Nur so fährt sich auf Dauer die Angst herunter.
    Heißt: Das Timing ist wichtig! Den Hund aus dem Kontakt mit dem Angstauslöser rausnehmen, während er noch ansprechbar ist.
    Diesen Effekt kann man ggf auch mit Ignorieren erreichen. Dann ist das Erfolgserlebnis, dass der Hund am Angstauslöser vorbeikommt, "ohne gefressen zu werden". Dreht der Hund allerdings weiter in die Angst hoch, versagt das Ignorieren.

    Es gibt Situationen, da geht es nicht anders, als den Hund durch die Paniksituation zu schleifen. ZB beim Einsteigen in den Zug; das kann man kaum dosiert aufbauen. Aber diese Situationen sollten die Ausnahme sein. Wichtig dann: Den Hund sofort verstärken (Lob, Leckerlie), sobald er etwas mehr Entspannung zeigt, nachdem die Situation bewältigt wurde (im Zugbeispiel: Wenn man im Zug ist/sitzt).

    In normalen Alltagssituationen muss man einen Rhythmus finden, sich Zeit für Training nehmen, egal wann und wo ein Angstauslöser auftaucht.
    Mit der Zeit finden sich Hund und Halter in diesen Ablauf herein und man kann es stärker "nebenbei" abhandeln als zu Beginn.
    Ist keine Zeit, bei Angstauslösern ein dosiertes Anti-Angsttraining durchzuführen, bleibt der Hund in meinen Augen besser zu Hause. Denn es wirft dich in deinen Trainingserfolgen zurück, wenn der Hund zu häufig Panik schiebt.

    Ein weiterer wichtiger Aspekt für Angsthunde ist das Thema Bindung. Ein unsicherer Hund kann lernen, seinen Halter als "Hilfs-Ich" zu akzeptieren und zu benutzen. Sprich: Dem Hund macht etwas Angst -> er sucht Sicherheit beim Halter.
    Ist die Bindung nicht da, wird der Hund versuchen, sich "auf eigene Faust" aus der Angstsituation zu retten.
    Aber auch hier gilt: Ist erstmal das Panikstadium erreicht, sind die biologischen Systeme entsprechend hochgefahren, wird keine Bindung mehr vom Hund erlebt. Er ist dann in seinem Tunnelblick ("nix wie weg hier") gefangen.

    Noch eine konkrete Idee: Hast du schon mal Handfütterung ausprobiert? Da dein Hund ja vorwiegend draußen panisch wird, bietet sich die Handfütterung draußen an. Wenn du ihm im Laufe des Spazierganges sein Futter "zusteckst", wird er vermutlich grundsätzlich stärker auf dich gerichtet zu sein. Als Folge kannst du "zum Hilfs-Ich" aufsteigen.
    Auch hierbei würde ich die Ablenkung langsam steigern. Und vor allem mit der Fütterung schon dann anfangen, wenn der Hund noch keine Angst zeigt. Du kannst ihn zB per "Sitz" und "Schau" sein Futter erarbeiten lassen. Damit kannst du ihn später auch durch schwierige Situationen bugsieren, nach dem Motto: "Vergiss die Welt drumrum, hier bin ich mit Futter".
    Mittelfristig kannst du damit die Reizschwelle deines Hundes erhöhen. Dass er lernt: Er kann Angstauslösern auch parieren, indem er sich dir zuwendet und dann passiert ihm nichts.


    Kennst du den Angsthundthread hier? Da kannst du dir Rat für ganz konkrete Situationen holen!

  • Zitat

    Wie trainierst du denn mit ihm? Was machst Du, wenn er Panik zeigt? Darf er vor Dir an der Leine herlaufen oder ist er neben Dir?

    Ja er darf an der Leine herlaufen, obwohl er bei Fuß bleiben würde wenn ich ihn zwingen würde. Ich gehe Die Situationen ab immer und immer wieder oder wir setzten und auf den Boden vor der Bushaltestelle oder wo auch immer *Gefahr* besteht. Ich bleibe dann ruhig neben ihm sitzen und mache gar nichts.

  • Ich hoffe wirklich darauf weil Milow mir in solchen Situationen so leid tut, aber Trainieren müssen wir ja auch wenn es für ihn total furchtbar ist.

  • Milow ist mit 12 Wochen also vor 3 Monaten zu uns gekommen. Er hat in der Prägephase gar nichts kennengelernt. Ausser mit Hunden da ist er super sozialisiert.

  • Milow bekommt sein Futter ganz selten aus dem Napf sondern entweder füttere ich aus der Hand oder wir arbeiten draussen und er verdient sich sein Futter. Das *schau* kennt er super toll aber in angstauslösender Situation ist er dazu noch nicht bereit.

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