Ein letzter Rest Leinenagrression...bleibt!?

  • Liebe Leidensgenossen,

    ich möchte gerne mal eure Meinung zu unserem Rest-Problem hören und natürlich viele Tipps bekommen ;)
    Der Dicke ist 1,5 Jahre bei uns, wird jetzt 6 Jahre alt, dass er leinenaggressiv ist, war schon im TH bekannt. Wir haben also von Anfang an dran gearbeitet, mit Trainern. Erst mit Bögen gehen, Schau, ruhiges Verhalten loben. Seit Anfang des Jahres mit striktem "Nein". Diese Methoden haben eh schon Erfolg gebracht, ich will gar nicht zu viel meckern. Richtig gut gehen Hunde, die er eh schon kennt (aber vielleicht ist das ja gar nix besonderes? Unterscheiden eure Hunde da?). Auch mit kleinen Hunden hat er kaum Probleme, an denen können wir auch schon recht gut vorbeigehen.

    Noch immer problematisch sind große Hunde, v.a. Rüden, teilweise auch Hündinnen. Das merkt man aber auch im Freilauf, bei Großen ist er einfach unsicherer. Beide Trainerinnen waren der Meinung, die Unsicherheit löst die LA aus.

    So, nun ist mir beim Spazierengehen aufgefallen:
    - wenn wir beide mit Belli gehen, ist die Leinenaggression am Besten (fühlt er sich da am Sichersten?)
    - wenn ich alleine mit ihm gehe, ist es schlechter

    Deswegen denke ich, es liegt auch an mir. Ich schätze, mein Mann kann auch sicherer in die Situationen gehen, der kann ihn ja leichter halten.
    Das ist nur eine Theorie, aber ein Versuch wäre: ICH muss sicherer werden. Nur wie?
    Wie kann Belli großen Hunden gegenüber sicherer werden? Oder ich ihm mehr Sicherheit bieten?

    Es wär echt soo schön, auch diesen letzten Rest der Leinenaggression noch wegzubekommen, aber irgendwie weiß ich nicht, wie...

  • Das "Problem" haben wir auch.
    Geht mein Freund (mit) Gassi, ist seine Leinenagression so gut wie weg. Sieht er andere Hund, setzt er sich freiwillig auf den Boden und wartet auf sein Kommando. Aber ging ich alleine .... püh... nö... hinsetzten? Ist doch vieeeeel zu langweilig.

    Es lag zum großen Teil auch an mir, weil ich einfach viel zu unsicher war. Lernen aus Erfahrung sag ich da nur. Ich wusste, wenn Filou anfängt zu ziehen mache ich den Freiflieger. Von daher schon innerlich angespannt wenn ein anderer Hund uns entgegen kam.
    Bis zu einem gewissen Punkt funktionierte das Training auch echt gut und ich war letztes Jahr am gleichen Punkt wie du, wo es einfach nicht weitergehen wollte. Eben wegen meiner Unsicherheit.

    Vielleicht krieg ich gleich einen drauf, aber es war mir auf einmal egal. Ich war an dem Punkt, wo mir egal war, ob er mich über die gesamte Wiese schleift, oder ich von anderen HH blöd angemacht werde, und es war mir auf einmal auch egal, das was ich an training mit Filou geleistet habe am besten bei meinem Freund funktioniert hat. Nicht bei mir.
    Ich hab irgendwann akzeptiert, dass es so nun mal ist.

    Ab diesem Zeitpunkt ging es aber erstaunlich besser. Filou pöbelte nicht mehr, wenn ich mit ihm alleine ging. Er zeigte höchstens Ansetze. Dann kam von mir unser geübtes Abbruchsignal. Ich war aber nicht in der Erwartung, dass es funktioniert, sondern stellte mich gedanklich schon mal darauf ein, vor dem nächsten Baum zu liegen.
    Und siehe da. Er saß! Von mir aus gab es dann erstmal überschwengliches Lob.

    Es ist verdammt schwer, selber sicherer zu werden. Bei mir hat es erst funktioniert, nach dem ich resegniert habe.

  • Es gibt sie tatsächlich, die Leidensgenossen :smile: Immerhin!

    Renchen: Was heisst das konkret? Du gehst direkt und bewusst in die Situationen rein? Auch, wenn der Abstand wirklich gering ist?

    Ich geh schon auch in die Situationen rein, aber nur, wenn genug Platz da ist. Halt so, dass ich einen Bogen gehen kann. Am Bürgersteig direkt vorbei gehen - das würd ich mich nicht trauen.

  • jein.
    Ich bin sehr oft im Wald unterwegs. Straße laufen ist bei uns nur selten.
    Damals bin ich bewusst mit meiner "mir-ist-grad-eh-alles-egal" in die Situation reingelaufen. Wir waren damals wieder im Wald unterwegs und ich konnte keinen Bogen laufen. Höchstens wieder den Weg zurück. Aber den "potenziellen Feind" wollte ich nicht hinter mir her laufen haben, da ich dachte es wäre für mich und meinen Hund mehr Stress.
    Also war es bei mir Augen zu und durch.
    Aber wohl gemerkt, ich war in diesem Moment wirklich in einer "mir-ist-grad-alles-egal" Stimmung. Das war nicht gespielt. Ich war innerlich wirklich total ruhig. Und ich denke das hat Filou auch gemerkt. Nach dem er sich gesetzt hat, gab es bei mir innerlich ein kleines Freudenfeuerwerk, da ich überhaupt nicht mit gerechnet habe. Und das wird er auch gemerkt haben.
    Ich habe den anderen HH zugerufen, dass wir uns gerade im Training befinden, und ob es ok wäre, wenn meiner mal rüber kommt.
    Und Filou hat kein gezedere veranstaltet.
    Ich denke es war einfach Zufall gepaart mit perfektem Timing.
    Auch heute funktioniert es nicht immer. Aber es ist deutlich entspannter.
    Und auch ich habe daraus eine Menge gelernt.

    Auch heute gehe ich bewusst in eine solche Situation rein, aber ich achte dabei ganz stark auf die Signale von Filou. Wenn ich merke, neeee heute nicht...., dann lauf ich einen Bogen (dh. in meinem Fall ich gehe vom Weg runter mitten in den Wald rein). Und wenn ich merke, ok, Filou ist aufmerksam aber ruhig, frage ich den HH ob es ok wäre, wenn ich wieder runter komme.
    Ich weiß, es sieht mitunter zum schießen aus, wenn ich und Filou hinter einem Baum hervor luken und fragen. Ich komm mir dann immer vor wie Hänsel und Gretel :lachtot:

    Wenn ich mit ihm Straße gehe, dann wechsel ich oder der andere HH lieber die Seiten. Denn das ist mir momentan auch noch zu nah.

    Ich weiß nicht, aber vielleicht liegt es auch am Alter. Filou wird 6 und man merkt, dass er ruhiger wird :ka:

    Aber ein Patentrezept habe ich nicht. Wie gesagt, bei mir war der ausschlaggebene Punkt, dass ich akzeptiert habe, dass es nun mal so ist, und ich es auch nicht merh ändern kann. Ich war der absoluten Überzeugung und mit mir einig.

  • Zitat


    Auch heute gehe ich bewusst in eine solche Situation rein, aber ich achte dabei ganz stark auf die Signale von Filou. Wenn ich merke, neeee heute nicht...., dann lauf ich einen Bogen (dh. in meinem Fall ich gehe vom Weg runter mitten in den Wald rein).

    Ja da hast du recht, es ist wirklich sehr tagesformabhängig...von uns beiden ;) Letztens bin ich mit Belli rausgegangen, war selber stinksauer, konnt mich überhaupt net beruhigen...so wirds nix, kann ich dir sagen :lol:
    Und genauso ists beim Hund auch, mal besser, mal schlechter.

    Was bei Belli, denke ich, noch dazukommt, ist die generelle Unsicherheit großen Hunden/Rüden gegenüber. Die macht sich auch im Freilauf bemerkbar. Am Anfang war das recht extrem, da hätt er gern jeden großen Rüden verprügelt, mittlerweile kann er vorbeigehen, ohne dass was wär.
    Ich denke, wenn diese Unsicherheit noch besser werden würde, würds an der Leine auch besser werden...ist aber auch nur ne zusätzliche Theorie ;)

  • aber freu dich und sei Stolz darauf, dass du es soweit geschafft hast :gut:

    Auch bei uns funktioniert es nicht immer. Aber es wird immer besser.
    Auf Freilaufplätze habe ich mich ehrlich gesagt, auch noch nicht getraut. Da hätte ich wohl doch zu viel Angst, weil ich weiß das mein Hund recht unsicher ist.
    Ich bleib da lieber bei den bekannten und akzeptierten Hunden ;)

  • Ich sag eh, ich will ja gar nicht meckern. Sicher, Belli hat mittlerweile wirklich viel geschafft. Die Trainerinnen, die Einzel- und auch die Gruppenstunden haben uns wirklich sehr geholfen.
    Es wär halt schön, auch den Rest noch wegzukriegen...für uns alle! Wäre ja nicht nur für mich, sondern auch für Belli entspannter.
    Dazu denk ich mir: Jetzt arbeiten wir seit 1,5 Jahren an dem Problem, das muss doch mal weggehen! Andere schreiben von 3 Monaten Arbeit, dann war die LA erledigt...das gibts doch net!?

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