Heilen-Beruf oder Berufung?

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  • Zitat

    Hallo,

    ganz oft lese ich hier, dass ein TA seinen Beruf verfehlt hat, wenn er Wildtiere nicht kostenlos behandelt, keine Ratenzahlung akzeptiert, bei Op´s evtl. Vorkasse wünscht, etc.
    Müssen Tierärzte grenzenlose Tierliebe zeigen, ununterbrochen im Einsatz sein, kostenfrei behandeln....?
    Oder anders:
    Woher kommt der Anspruch der bedingungslosen Bereitschaft, der ausschließlichen Leidenschaft für seinen Beruf seitens der Kunden?
    Bin ganz gespannt.

    LG, Friederike

    Ich denke das ist sehr überspitzt ausgedrückt, denn kein TA muß ununterbrochen im Einsatz sein, dafür gibt es ja Sprechzeiten und Notdienste.
    Auch können sie nicht kostenfrei behandeln, denn eine Praxis kostet viel Geld.

    Dann kann ich durchaus verstehen, wenn sich der TA bei einer größeren Behandlung absichert, daß er zu seinem Geld kommt, denn Nachgiebigkeiten in dieser Hinsicht, würden mit Sicherheit auch ausgenutzt.
    Aber wenn ich mit einem verletzten Wildtier zu einem TA komme, würde ich erwarten, daß nicht so abrechnet als wenn es mein Hund wäre.

  • Hallo,

    als uns ein Malheur passierte und unsere Hündin aus Versehen gedeckt wurde, stand ich am nächsten Tag in einer großen TA-Praxis auf der Matte.
    Wir wollten keine Unfallwelpen und Fena war auch viel zu jung für Welpen.

    Der Kommentar der TÄ: Sie sind aber früh da. Da warten wir erst mal bis zum 26. Tag, dann kann man die Welpen schon auf Ultraschall sehen. Dann kann man sie wegmachen bzw. gleich die ganze Gebärmutter entfernen.
    Ich war so geschockt, daß es mir die Sprache verschlagen hat. Als sie dann noch zu meiner Hündin, na du kleine Schickse, gesagt hat bin ich wieder aufgewacht, habe meinen Hund genommen und fluchtartig die Praxis verlassen. :zensur:
    Das hat bei mir nichts mehr mit Heilen und Berufung zu tun, nur noch mit Geldmacherei.
    Bei einer anderen TÄ hat Fena an 3 Tagen Spritzen bekommen und dann war die Sache für unter 100 Euro erledigt.

    Es geht nicht nur um`s Geld sondern auch darum, daß es für das Tier so schonend wie möglich ist, und das war wohl in der ersten Praxis nicht der Fall.

    LG
    Andrea

  • So wie tagakm schreibt:

    "Bewrufsethos! Ein Arzt (ob nun Humanmedizin oder Veterinaermedizin) sollte sich in erster Linie moralisch verpflichtet fuehlen zu helfen wenn er ein Lebewesen in Not sieht und die Kompetenz & Moeglichkeit hat dieser Not Abhilfe zu schaffen."

    - habe ich es bei Mensch und Tier bisher in wirklichen Notfällen auch erlebt und will es auch nie anders erleben müssen!!!

    Ich arbeite seit 17 Jahren im Krankenhaus und ich denke dort ist es nicht anderst als bei Tierärzten, egal ob niedergelassen oder in einer Klinik. Als erstes kommt der Wirtschaftsbetrieb, der sich finanziell tragen muß und Profit abwerfen soll, wer macht für umsonst schon jahrelang mehrmals im Monat Nachtdienste...? Ich glaube da würde sich auch unter uns Hundeliebenden niemand dauerhaft finden. Also wird sich bei Routineeingriffen - und Behandlungen natürlich finanziell abgesichert, das würde ich ganz genauso machen, wenn es mein Betrieb wäre. Wenn dies stabil läuft sind Notfälle, auch ohne anschließende Kostendeckung, absolut tragbar. Auf keinen Fall würde ich mich als Klinikverantwortlicher auf wackelweiche Ratenzahlungen einlassen, wenn ich die Kostendeckung dabei gefährdet sehe. Wohl gemerkt: bei Notfällen muß erst gehandelt werden!!!

    Denn - was nutzen uns die besten Tierkliniken wenn sie unrentabel arbeiten und dann dicht machen müssen?

  • Mal aus Sicht des Tierarztes ... ich studiere gerade Tiermedizin und was man da so durch die Blume von den Dozenten mitkriegt, ist ja schon fast "normal", dass Tierärzte auf ihr Geld warten müssen oder es manchmal gar nicht sehen.

    Das Studium dauert lange und erfordert viel Disziplin. Wenn man fertig ist, hat man zwar ein fertiges Studium, aber wenig Erfahrung. Das heißt erstmal in der Klinik arbeiten (für einen absoluten HUNGERLOHN!!!!) auf einer Vollzeitstelle.

    Entweder immer angestellt bleiben oder sich selbständig machen, was wieder mit enormen Kosten verbunden ist. Keine Praxis lässt sich einfach so finanzieren! Die Geräte - um eben eine korrekte Diagnose zu stellen - kosten teilweise soviel wie mehrere Kleinwagen und mehr.

    Welcher Tierarzt kann es sich da bitte leisten Tiere nur um des guten Willen zu behandeln? Sorry, Tierliebe ja, aber nicht, wenn dabei langfristig die eigene Existenzgrundlage den Bach runter geht.
    Da sollte man wirklich nicht erwarten, dass ein Tierarzt einfach "umsonst" behandelt und das auch noch bitte völlig selbstverständlich, weil er ist ja nur aus "Tierliebe" Tierarzt geworden ... :???:

  • Vielen Dank für eure Meinungen.

    Ich denke mir oft, wir täten uns leichter von den Ausübenden der heilenden und helfenden Berufe nicht so viel Selbstaufgabe und Altruismus zu verlangen.
    Irgendwie passt das zwar in diese Zeit, in der viele Menschen den Preis der meisten Waren und Dienstleistungen kennen, aber nicht deren tatsächlichen Wert.

    Niedergelassene Tierärzte behandeln Wildtiere meistens kostenlos, nach meiner Erfahrung.
    Tierkliniken tun das nicht. Auch meine persönliche Erfahrung.

    LG, Friederike

  • Zitat

    Ich denke mir oft, wir täten uns leichter von den Ausübenden der heilenden und helfenden Berufe nicht so viel Selbstaufgabe und Altruismus zu verlangen.

    Das sehe ich ganz genauso.

    Ich freu mich darüber, wenn ein TA/TK solche Patienten mit einem zugedrückten Auge behandelt, aber ich erwarte es nicht. Und suche den Weg über z. B. Jagd- und Naturschutzbehörden, um die Behandlungskosten ab einem bestimmten Ausmaß teilersetzt zu bekommen.

    Ich habe schon öfters "Glück" gehabt - als mein "alter" TA, der nur 2 Höfe weiter wohnte in einem schneereichen Winter zu meinem Kolik-Pferd kam, obwohl er gar keinen Not-Dienst hatte, er aber wußte, dass der Not-TA grad woanders länger zu tun und dann noch die lange, fiese Anfahrt durch den Schnee hatte. Der hätte auch seinen Schlaf gebraucht, hat aber an das schmerzgeplagte Kolik-Pferd gedacht.
    Das hab ich ihm nie vergessen.
    Aber ich hätte es nie erwartet.

    Oder auch mit Fund- und Wildtieren. wo ich in beiden Fällen bei hohen Kosten mit TA/TK zusammen den Weg über die verschiedenen Behörden gehen würde, um hohe Behandlungskosten übernehmen zu lassen.

    'Aber letzten Endes sind TA-Praxen und TK AUCH betriebswirtschaftlich zu betrachten - der TA/TK muss auch noch davon leben können und wenn man überlegt, was es heutzutage alles für soziale Notfälle gibt, dann muss man sich schon fragen, wo man noch die Grenze der ethischen Verpflichtung zur Hilfe setzen soll.

    Was ist mit der Rentnerin, die die MD-OP für ihren alten Hund nicht zahlen kann.
    Was ist mit all den TS-Hunden, für die nach einer bestimmten Frist auch keine Gemeinde mehr zuständig ist.

    Ich persönlich habe mir einen Riegel vorgeschoben, was den "Hilfs-Fonds" für in Not geratene Tiere angeht. Ist dieser Hilfs-Fonds, der einen bestimmten Prozentual-Betrag meines reinen Gewinnes pro Monat ausmacht, überschritten, herrscht für mich "Notfall-Stop".

    Denn - ich muss ja auch von irgendetwas leben und ehrlich gesagt, manchmal fühlt man sich ausgebrannt und ausgenutzt von all denen, die auf die Mitleidsdrüse drücken und eben die hohe Erwartung an "Heilberufe" haben, dass deren Angehörige für ein hingehauchtes Danke unendlich viel leisten.

    Wenn ich aus TS-Gründen auf Einnahmen verzichte, kriege ich beim Einkaufen trotzdem keinen Gutschein. Der Frisör und die Autowerkstatt arbeiten auch nicht umsonst. Hersteller für Verbrauchsmaterial lassen sich auch nicht auf einen TS-Groschen ein - aber HEILBERUFE sollen immer die sein, bei denen auf eine ethische Verantwortung gepocht wird.

    Dazu kommt tatsächlich noch der ganz entscheidende Faktor - dass nämlich die Zahlungsmoral unter den Tierbesitzern eklatant besch....en ist.
    Erfahrungsgemäß klappt etwa die Hälfte der ausgemachten Ratenzahlungen nicht oder nur sehr holperig - grad von denen, die vorher so sehr auf die Tränendrüsen gedrückt haben. Auch schon deshalb ist die sofortige Barzahlung einfach nur noch gängig - zum Nachteil für die ehrlichen, so wie immer im Leben.

    Hier noch ein - älterer - Link zum Thema Kostenübernahme bei Wild- oder Fundtieren:
    http://www.vetmed.de/vet/download/r…n_fundtiere.htm

    LG, Chris

  • Zitat


    Da sollte man wirklich nicht erwarten, dass ein Tierarzt einfach "umsonst" behandelt und das auch noch bitte völlig selbstverständlich, weil er ist ja nur aus "Tierliebe" Tierarzt geworden ... :???:

    Das ein TA umsonst behandelt aus reiner Liebe zum Tier erwartet doch auch niemand.
    Was ich persoenlich von einem TA erwarte ist das er ein Tier das Notfallbehandlung dringend benoetigt nicht abweist weil der Halter kein Bares in der Hand haelt.

    Und unter Notfallbehandlung verstehe ich eine Situation wo es um Leben oder Tod geht.

    Ich persoenlich habe auch kein Problem damit eine Notfallbehandlung an einem meiner Tiere sofort zu begleichen......saesse ich aber z.B. im Wartezimmer meines TA's und wuerde mitbekommen das ein tierischer Patient der offentsichtlich auf der Kippe steht abgewiesen wird dann waere dies die laengste Zeit mein TA gewesen.

  • hallo :)

    ich denke, es kommt ganz auf den TA drauf an... für die einen ist es "nur" ein Beruf, für andere ist es DIE Berufung! Beides ist total okay!!!

    Ich persönlich gehe mit meinen Tieren lieber zu denen, die sich berufen fühlen und eben nicht nur einen Job ausüben!
    Fühle mich da einfach viel sicherer und zusätzlich auch kompetenter beraten.
    Wenn ich das Gefühl habe es geht NUR um die Kohle, gehe ich kein 2. mal da hin!

    liebe Grüße :)

  • Ich kenne einen TA, der ist immer da, wohnt sozusagen in seiner Praxis, ist günstiger als die Tierärzte der Umgebung und hat viel Zulauf.
    Im Laufe der Jahre hat ihn das aber aufgezehrt.
    Er ist ausgebrannt und kann einen Hund vom anderen kaum noch unterscheiden, weiß nicht weshalb das kranke Tier das letztemal da war, weil die Aufzeichnungen unvollständig sind, welche Medikamente gegeben wurden und wie die vertragen werden...
    Er hat sich nicht weiter gebildet.
    Da ist mir einer mit festen Zeiten, einem Ausgleich zum Beruf und weiter entwickelten Kompetenzen allemal lieber, gut strukturiert und wirtschaftlich orientiert.
    Da fühle ich mich dann besser aufgehoben.

    Was ich sagen will, einer der aus Berufung tätig ist muss seinen Beruf nicht besser machen als einer der seinen Beruf mit weniger Leidenschaft/ohne Berufung ausübt.

    LG, Friederike

  • hm, okay... es soll natürlich nicht zum Burn- Out kommen und dann zu Behandlungsfehlern durch Überarbeitung usw.
    Auch ist es natürlich nicht sinnvoll, wenn TÄ sich nicht fortbilden.

    Man muß Glück haben und einen TA finden, der beides ausgewogen hinbekommt, Engagement für die Patienten, aber auch der Wille zur Abgrenzung davon...

    Das gleiche denke ich übrigens auch von Humanmedizinern!


    liebe Grüße

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