Hund falsch konditioniert?

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  • Hallo,

    ich hab folgendes Problem:

    Mein Carlos ist (Leinen-)Aggressiv gegenüber anderen Hunden, was sich so darstellt: Er sieht von weitem einen Hund auf sich zukommen, fängt sofort an zu fixieren, macht sich steif, und wenn der andere Hund dann nah genug ist, knurrt er und hängt sich in die Leine.
    Ich habe mit ihm trainiert, dass er mich ankuckt wenn ich seinen Namen sage. Dafür gibts ein Lecker. Jetzt ist es so: Er sieht den anderen Hund, fixiert kurz, ich lenke ihn ab, er kuckt mich an, Lecker, dann wendet er sich wieder dem anderen Hund zu (und wieder von vorne). Manchmal kuckt er mich auch unaufgefordert an (unterbricht von sich aus den Blickkontakt), wofür ich ihn auch bestätige (alles ist besser als fixieren). So hab ich es in meiner Huschu gelernt und es hat uns schon sehr viel gebracht.
    Jetzt war ich bei einer anderen Trainerin, eher zufällig und sie meint, Carlos sei falsch konditioniert, er hätte verknüpft "Ich muss den Hund fixieren, dann Frauchen ankucken, dann gibts Lecker", also das das Fixieren Teil seiner Aufgabe ist. Könnt ihr dazu was sagen, oder muss mans gesehen haben?

    Danke und LG Katharina

  • Sagen kann man es von hier aus natürlich nicht, dafür hängt das von zu vielen Faktoren ab.
    Aber die Möglichkeit einer Verhaltenskette ist hier schon gegeben. Meiner Meinung nach forderst du (aus deiner Beschreibung) das "schau" auch zu spät ein. Ich würde versuchen das einzusetzen bevor dein Hund fixiert.

  • Zitat

    Meiner Meinung nach forderst du (aus deiner Beschreibung) das "schau" auch zu spät ein. Ich würde versuchen das einzusetzen bevor dein Hund fixiert.

    Seh ich auch so. Setze das schau einfach öfter ein, auch wenn weder hund noch mensch in der nähe ist. ich würde auch tatsächlich nicht jedes fixieren durch "schau" unterbrechen sondern das eine oder andere "schlechte benehmen" ignorieren und den hund kommentarlos weiter"ziehen". außerdem könnest du das anschauen ausbauen, wie wäre es mit vorsitzen, so dass der andre hund hinter dem rücken von deinem vorbeiläuft? während dich deiner anschaut und schön vor dir sitzt, kannst du ihm eine handvoll superleckerlis ins maul stopfen =)

    LG

  • ich würde schlechtes Benehmen nicht nur ignorieren sondern darauf reagieren. Sowas zu ignorieren interessiert die meisten Hunde doch nicht im geringsten, im Gegenteil.

    Fängt der Hund an zu fixieren gäbs von mir in erster Instanz ne scharfe Kertwende und ich würde ihn erstmal ganz direkt ins Blickfeld (je nachdem wie schlimm das ist, auch in den Hund) laufen. Namen rufen und Leckerchen geben halte ich hier für den verkehrten Ansatz, ich habs bei so gut wie keinem hier gesehen, das es irgendwie funktioniert hat.

  • OK, danke für die Tipps! Ich versuch, Hunde vor Carlos zu sehen, aber das ist schwierig, weil bei uns die Wege alle schnurgerade sind und das Land platt, man kann sehr weit kucken (und gesehen werden). Dadurch baut sich auch immer so ne Spannung auf, wenn die Hunde aufeinander zugehen. Ich gehe einen Bogen oder aufs Feld, wenn kein Graben neben der Straße ist. Ich schätze, Carlos duldet ohne sich doll aufzuregen 5 Meter Abstand. Dann kann ich ihm Leckerchen reinschütten und er bleibt sitzen. Aber wenn der Abstand geringer wird oder der andere Hund auch anfängt zu bellen/knurren, dann hängt er mir wieder in der Leine. Er kommt relativ schnell wieder runter, aber entspannte Begegnungen schaffen wir einfach noch nicht.
    Aber wir arbeiten dran und die meiste Zeit ist er sowieso der Beste;-)
    @ TanNoz: also du meinst richtig ne körperliche Barriere bilden zwischen den Hunden? Und wenn er sich wehrt, versucht um mich rumzulaufen, weiter körperlich blocken? Nicht ablenken mit "Schau" und Lecker? Weil ich könnte mir vorstellen, dass er sich dann noch mehr aufregt. Ich bemüh mich immer, möglichst keinen Zug auf die Leine kommen zu lassen, weil mir das immer Gegenzug=Spannung=Zurückfallen in alte Muster einbringt.

    THX Katharina

  • Ich halt gar nicht viel von Ferndiagnosen.
    Biste aber, denke ich, auf einem guten Weg.

    ABER: wenn sie Leckerlie bekommen hat und dann wieder wegschaut (= Fehlverhalten) muss Du dieses wegschauen stören, unangenehm! für sie. Wenn Du sie in dieser Aktion stört wird sie Dich wieder anschauen und in dem Moment lädst Du sie wieder ein bei Dir angenehmes zu erfahren.
    Dann wird das!!!

    Viel Erfolg!!

  • wie wärs denn mit einer kombi?
    absitzen lassen und schau einfordern. so lange er das macht, gibt lecker. wenn er sich dann an dir vorbei drängeln will, mit dem körper zurückdrängen. dann guckt meiner mich von allein an, nach dem motto, ey was solln das? dann wieder schau und lecker. meine theorie wäre jetzt, dass er lernt, sitzen und gucken toll, drängeln blöd.
    kann sein, dass ich auf dem holzweg bin, aber so gehts bei uns ganz. leider gibts zu wenig hundebegegnungen zu üben...

  • Hallo Blauwolf,

    das was du da beschreibst bzw. was die Trainerin da sagt ist ein klassischer Fall von Fehlverknüpfung.

    Natürlich sind Ferndiagnosen im Grunde unmöglich und ich denke mal, die Trainerin hat sich das mal "live" angeschaut oder? Wenn ja, dann sollte ihr Urteilsvermögen eigentlich nicht in Frage gestellt werden finde ich.

    Es kommt immer wieder vor, dass Hunde ein Verhalten anders interpretieren als der Mensch es eigentlich bezwecken wollte.

    Dieses "bist du brav gibts ein Lecker" kann durch einen Übersetzungsfehler beim Hund tatsächlich so ankommen, dass er versteht: " okay....da ist wieder so einer....jetzt ordentlich anmotzen und dann bei Mutti das Lecker abholen - HAB ICH DAS NICHT GUT GEMACHT?"

    Der Hund hat die Kette an Befehlen komplett anders miteinander verknüpft, wie du es eigentlich gewollt hast. Jetzt gilt es, das ganze wieder rückgängig zu machen. "Einprogrammiertes Fehlverhalten" bedarf i.d.R. eines wesentlich höheren Einsatzes seitens des HH um es wieder zu korrigieren.

    Generell ist deine Vorgehensweise gar nicht verkehrt, wenn du Blickkontakt von deinem Hund einforderst. Ich an deiner Stelle würde ihm aber das Lecker nicht fürs Gucken geben, sondern erst dann, wenn er ruhig bleibt.

    Er hat gelernt: immer wenn ich Frauchen angucke, gibts Lecker! Also moppert er andere Hund erstmal kräftig an, damit du ihm den Schau-Befehl geben kannst - er schaut und bekommt ein Lecker. Er hat dich erfolgreich manipuliert ;-)

    Gehe jetzt hin und baue den Schau-Befehl einfach aus. Gib ihm nicht sofort das Lecker wenn er schaut, warte 1-2 Sekunden und gib es ihm (aber nur wenn er den Blickkontakt hält). Diese Zeitspanne verlängerst du nun Schritt für Schritt somit erreichst du, dass dein Hund aufmerksam bei dir bleibt, denn er erwartet ja noch das Lecker!

    Belohne ihn auch nicht stets und ständig mit Leckerchen. Knuddel ihn mal ordentlich wenn er sich brav verhält. Hunde benötigen nicht nur Leckerchen als Belohnung sondern auch Körperkontakt !!

    Der Unterschied zu deinem bisherigen Vorgehen ist schnell erklärt.

    In deiner Variante schaut dein Hund dich nach Aufforderung an, bekommt sein Lecker = Aufgabe erfüllt. Er kann sich jetzt wieder dem widmen, was da 100 Meter weiter vorne angelatscht kommt.

    In meiner Variante halte ich die Konzentration meines Hundes aufrecht, weil er das Leckerchen nicht sofort bekommt. Solange er sich also auf mich konzentriert, kann er sich nicht mit einem anderen Hund anlegen.

    Damit mein Hund mich nicht austricksen kann, wandle ich die Form der Belohnung immer wieder mal ab, mal gibts ein Lecker, mal eine Streicheleinheit und dann auch wieder mal einen Ball. Ball oder Spielzeug im Allgemeinen geht aber nur dann, wenn der Hund keine Ressourcenverteidigung zeigt, sonst kann es Ärger geben!!

    Ich hoffe, meine Tipps konnten dir ein wenig behilflich sein.

    Ach....zum Schluß noch eine Sache. Solange dein Hund dieses Verhalten zeigt, solltest du so viel Abstand zwischen deinem und den fremden Hunden aufbauen, wie es nötig ist, damit dein Hund ruhig bleibt. Nähe erzeugt Stress und die kannst du z.Zt. dabei nicht gebrauchen.

    Lg
    Volker

  • Hai Volker,

    cool, das hab ich verstanden! Gut erklärt. Ich war nur so verdattert, weil ichs in meiner "eigentlichen" Hundeschule halt so gelernt hab, und das sollte auf einmal falsch sein. Sie hat Carlos live beobachtet, alleine und mit fremdem Hund. Will nicht die die Meinung der neuen Trainerin in Frage stellen, nur "hinterfragen". Ich hoffe, du siehst den Unterschied;-)
    Ok, also statt Leckerchen Ball könnte funktionieren, allerdings hoffe ich das er damit nicht zu so nem Junkie wird. Ball als Belohnung fürs Ruhigbleiben und mich ansehen, danach kommt er wieder in die Tasche? Belohnung durch Streicheln ist schwieriger, das mag er nicht so gerne (beschwichtigt mich dann ganz stark, auch wenn ich nur seitlich, ohne mich über ihn zu beugen, oder am Hintern kraule, ingesamt lässt er sich, wenn er Stress hat nicht gerne anfassen). Das mit dem Blickkontakt aufrecht erhalten ist aber schon ein schwereres Level für den Hund als nur kurz mich anschauen und wieder wegkucken, oder? Also, der Befehl muss ja so sitzen, dass der "Drang" mich anzukucken stärker ist als der Drang, den anderen Hund anzukucken. Da kommt noch was an Arbeit auf uns zu... Abstand halten, klar, so wies eben geht.

    Danke an alle für alle Hinweise bis jetzt, das öffnet mir echt die Augen!!!

    Katharina

  • Ohne das live zu sehen wuerde ich mal sagen das Du durch lauter Leckerchengabe und "schau" Kommando dem fremden Hund zuviel Bedeutung beimisst...bzw. deinem Hund das Gefuehl gibts das dem fremden zuviel Aufmerksamkeit gegeben werden muss.

    Versuch's doch mal nach dem 3 Affen Prinzip.....Du hoerst nix - siehst nix - sagst nix......fremder Hund kommt und Du fuehrst Hund an der lockeren Leine mit lockerem Schritt und festem Gang dran vorbei ohne viel Gedoehns und vielleicht orientiert sich dein Hund an dieser lockeren souveraenen Energie weil er bemerkt "fremder Hund - na und!"

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