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Labrador extrem triebig, aber rangniedrig

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      Ich würde auch nicht gleich kastrieren oder eine Hormonspritze geben.

      Für mich klingt er draußen sehr hyper, aufgedreht und gestresst. Das gilt es zu reduzieren.
      Einerseits kannst du das machen in dem du ihm den ganzen Stress weniger aussetzt. Stark frequentierte Gebiete vermeidest und die Gesamtlänge die du draußen bist mindestens um die Hälfte kürzt. Kein Hund muss 3-5h täglich ausgelastet werden. 1 1/2h täglich insgesamt reichen vollkommen aus. Zusätzlich kann man dann noch 2-3x die Woche etwas Dummytraining o.Ä. machen oder wandern gehen.
      Über mehr Auslastung wirst du ihn nicht ruhiger bekommen, eher im Gegenteil. Er ist ständig unter Spannung und Stress und hat nicht wirklich die Gelegenheit davon ausreichend runter zu kommen.
      Also mein konkreter Tipp: viel weniger mit dem Hund machen. Erziehungseinheiten auf vielleicht 3x5Min reduzieren, ansonsten im normalen Alltag integrieren, ein langer Spaziergang und den ruhig gestalten (viel schnüffeln, keine Rennspiele o.Ä., möglichst wenig Hundebegegnungen) und dann vielleicht noch kleine Trainingseinheiten.

      Andererseits würde ich verhindern, dass er sich "einfach so" anderen Hunden annähert. Er muss dich jedes Mal fragen, sprich zu dir schauen, und erst wenn du ihn freigibst, darf er hin. Um das zu üben würde ich ihn an eine Schleppleine machen.
      Ich würde ihn nie freigeben wenn ich den anderen Hund nicht kenne, sondern anleinen und im Bogen vorbei. Kann sein, dass er da zieht, aber wichtig ist, dass er sich das draufspringen nicht noch mehr angewöhnt. Wenn es doch mal passiert, dass er eine Hündin belästigt, sofort mit der Schleppleine runter holen.
      Insgesamt würde ich ihn nicht rüpelig spielen lassen, meist ist das bei Hündinnen eh mehr Vorspiel als echtes Spiel. Wenn du schon frühzeitig verhinderst, dass er die Hündin belästigt oder ihn auch beim Pipi schlecken einschränkst, desto leichter wirst du es haben. Nicht erst warten, bis er schon drauf ist.


      Dann würde ich dir noch empfehlen dich vom Rangordnungsgedanken und dem Dominanz-Konzept zu verabschieden. Wenn andere Hunde deinen Hund maßregeln liegt das nicht am Rang. Welchen Rang sollen die Hunde denn haben wenn sie auf der Wiese zusammen gewürfelt werden. Labradore sind ja besonders artgenossenfreundlich gezüchtet und sollen da keine Aggressionen zeigen. Einerseits ist das super, weil du so selten Prügeleien hast, andererseits ist ein Hund der sich nie wehrt natürlich nicht so toll.
      Viele Hunde sind oft genervt von dem Gehibbel und der gespielten Unterwürfigkeit und maßregeln deswegen. Es ist ja auch kein vernünftiges Verhalten für einen erwachsenen Rüden. Auch das muss man nicht zulassen, wenn man sowas schon kommen sieht, sondern dann eben seinen Hund her rufen und anleinen, oder wieder die Schleppleine benutzen.
      Es kann gut sein, dass er wenn er kastriert wäre interessanter für Rüden riechen würde. Rangeleien wirst du dann aber wahrscheinlich weniger haben, eher das andere Rüden bei ihm aufreiten. Auch nicht toll, aber sollte sich sein Verhalten nicht bessern, trotzdem eine Überlegung wert zu kastrieren. Oder eben zum Testen die Hormonspritze, wobei ich davon auch kein Fan bin.


      Noch eine Frage am Rande: wie sehen deine Apportierspiele aus?
      Viele liebe Grüße von Anja mit
      Janosch *10.2008 Tibet Terrier Mix
      Leo *19.12.2014 Curly Coated Retriever
      Crazy Curly and Furious Flokati

      Nele *21.05.98 - † 17.06.2014 für immer unvergessen
    • ich kann mich meinen letzten Vorschreibern nur anschließen. Für mich liest es sich nach Übersprungsverhalten weil er einfach gestresst ist. Wenn ich mit meinem Jungrüden so ein Pensum hätte würde er auch durchdrehen weniger ist mehr und über erlerntes müssen Hunde auch erstmal nachdenken und schlafen können um es abspeichern zu können. Anfangs wurde es sicherlich schwer das runterzufahren und es dauert ca 4 Wochen bis das ganze Adrenalin wieder abgebaut ist aber so hast du sicher eine Chance wieder zu ihm durch zu dringen.
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    • Thowie schrieb:

      Denn er ist eher rangniedrig, keine Spur von Dominanz

      Thowie schrieb:

      Auch wird er immer wieder gemassregelt, und ergibt sich dann.

      AnjaNeleTeam schrieb:

      Dann würde ich dir noch empfehlen dich vom Rangordnungsgedanken und dem Dominanz-Konzept zu verabschieden.
      Richtig, verabschiede dich bitte vom "Rangordnungs-Gedöns", Hunde haben da nichts zu klären.
      Dein Hund unterwirft sich nicht - er beschwichtigt.
      Bitte setze ihn nicht weiterhin solchen Situationen aus, sein noch "gutes Gemüt" könnte bald kippen.
      Wer immer die Wahrheit sagt, kann sich ein schlechtes Gedächtnis leisten.
      (Theodor Heuss)
    • Wenn der Hund ansonsten entspannt ist finde ich es auf keinen Fall zuviel.
      Die Spielzeug-Sessions würde ich runterfahren, nicht das Laufen/Schnüffeln.
      Hundewiesengetobe ist nicht das Richtige für ihn, schon gar nicht als Ersatz für Spaziergänge, das ist es für keinen Hund, wird aber oft genug so gehandhabt.
      Auch Show-Labis waren irgendwann mal Arbeitshunde. 1-2h finde ich für einen solchen Hund zuwenig.
      Andere, weniger frequentierte Strecken dürften ihm mehr liegen.
    • @wow... ich habe hier einen Mischling aus Kleiner Münsterländer und Appenzeller Sennenhund. Beides Rassen, die auch heutzutage immer noch für ihre ursprünglichen Verwendungszwecke eingesetzt werden. Viele kleine Münsterländer werden sogar nur an Jäger abgegeben. Beides sind Arbeitsrassen.

      Whiskey würde mit drei bis fünf Stunden Auslastung am Tag durchdrehen. Was Auslastung angeht ist er ein extremes Sensibelchen. Und das sind viele dieser Rassen. Sie können unglaublich viel Leistung bringen, wenn es darauf ankommt. Aber sie brauchen sehr konsequente und lange Ruhephasen. Bei solchen Hunden kommt es nicht auf die Quantität, sondern auf die Qualität der Auslastung an. Anderthalb bis zwei Stunden rassegerechte und an den Hund angepasste Auslastung sollte mehr als genug sein.
      Man muss sich ja nur mal Jagdhunde in Jägerhand und Hütehunde in Schäferhand angucken... Vor allem die Jagdhunde gehen ja nicht jeden Tag drei bis fünf Stunden auf die Jagd. Absolut im Gegenteil... Das sind in der Regel ganz normale Familienhunde mit entsprechender Auslastung, die halt ein paar Mal in der Woche ihren Anlagen entsprechend trainiert werden und dann alle paar Wochen auf die Jagd gehen. Auch der Schäfer arbeitet nicht jeden Tag 6 Stunden mit dem Hund an den Schafen. Zumindest im Regelfall nicht. Davon abgesehen haben Schäfer in der Regel mehr als einen Hund, so dass diese sich abwechseln bzw Arbeitsteilung betreiben können.
      Lieben Gruß von Mila mit Whiskey (*30.09.13, Kleiner Münsterländer-Mix)
      Whiskey - Not in the Jar!
    • Das kommt auf die Rasse, den einzelnen Hund und die Reizsituation in der Umgebung an, das kann man nicht pauschalisieren.
      (Den Appenzeller Sennenhund sehe ich übrigens eher als Hofhund, Arbeitsprüfung gab's bei denen nie)

      Ein typischer Jäger, der auf Sicht und Spur geht, wird kaum im wildreichen Wald entspannen können, der wird in den Arbeitsmodus gehen. Ein Hund, der in erster Linie auf Hündinnen abfährt, wird kaum auf einer Hundewiese Entspannung finden.
      Übrigens auch nicht, wenn mit dem Hund ständig trainiert wird- das würde ich wohl kürzen- ein Hund sollte draußen und drinnen chillen dürfen. Viele Hunde , besonders die, die zuhause ihrem Wächterjob nachgehen, können das besser draußen.

      Deswegen würde ich andere ruhige Strecken empfehlen. Was mich etwas wundert ist, daß er noch nie eine Hündin getroffen zu haben scheint, die ihn mal wirklich deutlich zurechtweist.

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von wow... ()

    • Ich habe dir was Abschnitt 2 und 3 deines Posts angeht ja auch überhaupt nicht widersprochen ;) Dazu habe ich sogar überhaupt gar nichts Konkretes geschrieben. Ich habe nur gesagt, dass für die meisten Hunde dieses Pensum von 3-5 Stunden absolut zu viel ist. Und auch für die meisten Arbeitsrassen ist es zu viel.
      Durch meinen eigenen Hund, der definitiv hyperaktive Tendenzen zeigt, habe ich mich sehr viel mit dem Thema und allem was dazugehört beschäftigt. Bei dem Großteil der Hunde, die das hier beschriebene Verhalten zeigen, geht es halt nicht um Hypersexualität, sondern um eine Übersprungshandlung. Und diese Übersprungshandlung ist meistens (!) entweder in Über- oder Unterforderung begründet. Ich glaube, wir sind uns einig, dass man bei einem Hund, der drei bis fünf Stunden am Tag beschäftigt wird, nicht von Unterforderung sprechen kann...?

      Außerdem, was ist dabei, es mal auszuprobieren? Im Worst-Case wird es für ein bis zwei Monate schlimmer, mehr kann nicht passieren, wenn man das Pensum runterschraubt. Und hier kann man ja auch sehr leicht die Veränderung wieder rückgängig machen. Was man z.b. bei einer Kastration oder auch einem Kastrationschip nicht könnte.

      Spoiler anzeigen
      Ja, der Appenzeller wird auch als Hofhund genutzt. Allerdings, wurde und wird er auch zum Treiben von Kühen benutzt. Seit jeher wurde diese Rasse vor allem auf ihre Gebrauchsfähigkeit und auf Härte hin gezüchtet. Nicht auf ihr Äußeres. Auch hier gibt es wie beim Münsterländer keine Show- und Arbeitslinie, es wird nicht unterschieden.
      Lieben Gruß von Mila mit Whiskey (*30.09.13, Kleiner Münsterländer-Mix)
      Whiskey - Not in the Jar!
    • wow... schrieb:

      Auch Show-Labis waren irgendwann mal Arbeitshunde. 1-2h finde ich für einen solchen Hund zuwenig.
      Gut - darüber kann man geteilter Meinung sein...
      Qualität - nicht Quantität ist entscheidend.
      Unabhängig davon gehe ich davon aus, dass der Hund bereits, wie mittlerweile sehr häufig, im Welpenalter sehr überfordert wurde, daher wohl die Bezeichnung "ADHS-Welpe".
      Wahrscheinlich begann damals schon "die Wurzel des Übels" und es setze sich 24 Monate fort - das Ergebnis ist im Eingangspost zu lesen.

      LG Themis
      Wer immer die Wahrheit sagt, kann sich ein schlechtes Gedächtnis leisten.
      (Theodor Heuss)
    • Wenn es darum geht, ich würde auch nicht gleich chippen lassen :smile:
      Ich würde wie gesagt die Umgebung und den Beschäftigungsanteil ändern. Übersprungshandlungen treffen meist nicht nur Hündinnen. Auf Hundewiesen trifft man die Hündinnen, die sich das so überhaupt nicht gefallen lassen eher weniger, dabei kann das auch sehr heilsam sein und der Rüde achtet mehr auf seine Umgangsformen.
      Ansonsten scheint er ja draußen gechillt laufen zu können und zuhause auch nicht besonders aufzudrehen. Nicht zuletzt ist es gesünder für einen Showlabi, wenn er Bewegung und einen trainierten Muskelapparat hat.

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von wow... ()

    • Ich würde den Hund erst Mal aus der totalen Überlastung herausholen. Erst dann kann man überhaupt sehen mit was man es zu tun hat. Ein Hund, der unter diesem Dauerstress lebt, der kann nicht anders als irgendwann irgendwo das Ventil aufzumachen.

      Bei einem Jäger hätte Dein Hund übrigens erheblich mehr Ruhe und Erholung. Oft denke, ich wenn ich das so lese, dass Arbeitshunde tatsächlich und wirklich in die Hände von diesen Fachleuten gehören, weil sie dort ein ruhigeres, ihnen angepassteres Leben hätten.

      Der Irrglaube, dass ein Hund den ganzen Tag durcharbeiten würde, wäre er tatsächlich in seinem Job tätig - wo kommt der her? Das Revier wäre nach wenigen Tagen leergejagt. Und dann?

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