Ein nicht ausgeführtes Kommando immer durchsetzen? Ich wüsste oft nicht, wie. Weil der Hund ja per definitionem nicht in meinem Einwirkungsbereich ist, wenn er sich erfolgreich dafür entscheiden kann, diesmal vielleicht einfach nicht zu gehorchen. Und in anderen Situationen, wo ich ein nicht ordentlich ausgeführtes Kommando durchaus durchsetzen könnte, ist es mir dann nicht wichtig genug. Zum Beispiel, wenn ich an der Straße „Sitz“ sage und der Hund nur antäuscht und den Hintern sofort wieder hoch nimmt. Ist mir doch egal, wartet sie halt im Stehen, bis die Ampel grün wird.
Das ist bei mir und meinen Hunden eine Grundregel, die ich im ersten Lebensjahr ins Hirn betoniere ...
Ich nutze dazu
- meine Fähigkeit zur Hartnäckigkeit, die immer einen Tacken länger ist als die Hartnäckigkeit des Hundes (und des Pferdes, da habe ich das genauso gemacht)
- die Fähigkeit, bei aller Hartnäckigkeit freundlich zu bleiben
- meinen Verstand zu erkennen, wann ich auf "verlorenem Posten" stehe und mich nicht durchsetzen kann - weshalb ich das Kommando dann lasse ...
Erziehung ist ja ein andauernder Prozess, und gerade beim Junghund schreitet das Lernen rasant voran - aber nichts davon ist erst mal "sicher", also verlässlich.
Ich persönlich sehe eigentlich erst nach der durchstandenen Pubertät eines Hundes, wie gut ich bis zur Pubertät "gearbeitet" und "erzogen" habe, also wie gut ich die Aspekte etabliert habe, die mir für ein umweltkompatibles Verhalten wichtig sind.
Mit einem Jungspund bewege ich mich äußerst umsichtig, suche mir die Bereiche sorgfältig aus, in denen ich mich mit ihm bewege, um bestimmte Fehler zu vermeiden.
Also ja - wenn ich ein Kommando (ich rede eigentlich lieber von Signalworten) gebe, dann will ich auch, dass der Hund das bei seinem Handeln berücksichtigt.
Erst deutlich später, wenn ich mir sicher bin dass der Hund den Sinn verstanden hat, lasse ich dem Hund den Spielraum, ein Kommando aufzulösen und eine passendere Reaktion zu zeigen.
Dazu ein Beispiel:
Mir kommen Menschen mit angeleintem Hund entgegen.
Mein Hund wird langsamer, schaut die Entgegenkommenden an.
Von mir kommt ein: "*Hundename*, machst du bitte Sitz
".
Hund setzt sich.
Die Menschen kommen strammen Schrittes auf uns zu, ihren Hund mit sich ziehend, der sich hinter seinen Menschen einsortiert, und eigentlich gar nicht zu dem sitzenden Hund hinwill, zumindest nicht so direkt und in dem Tempo, wie seine Menschen es ihm aufzwingen.
Mein Hund löst das Sitz selbständig auf, und geht an den Wegrand, um dort einen hochinteressanten Grasbüschel zu inspizieren.
Ein solches Mitdenken meines Hundes ist von mir erwünscht, und auch wenn er damit ja mein "Kommando" auflöst, verhält er sich im Rahmen dessen, was ich mit diesem "Abbruch" eigentlich erreichen will: Sich nicht weiter dem anderen Hund annähern.
Aber bis ein Hund bei mir soweit ist ... dauert es.
Bis dahin muss ich äußerst umsichtig sein, und 100% aufmerksam meinem Hund gegenüber (wobei nicht in jedem Bereich 100% nötig sind).
Aber ja: Meine Hunde lernen von Beginn an bei mir, was sie von mir zu halten haben: "Mist - die Alte ist so dermaßen hartnäckig ... wenn die wat sacht, dann machich dat lieber sofort, weil die nich aufgibt
".