Meine Meinung/Erfahrung, natürlich ohne Allgemeingültigkeit. Ein Hund weiß genau ob eine Leine dran ist oder nicht. Ich bin immer pro sichern, aber es ist nunmal so das ein Hund Freilauf im Freilauf lernt. Der kann an der langen Leine noch so zuverlässig sein, erst wenn sie ab ist, zeigt sich wie weit der Hund ist.
Gustaf kann an der langen Leine (10-15m) fahrig und unaufmerksam wirken, auch öfter mal drinhängen (je nach Film im Kopf) aber ist die Leine ab, ist er idR viel mehr bei mir vom Kopf. Es ist so als ob die lange Leine ihm auch das Vertrauen gibt sein Ding zu machen, weil ich bin ja mit 100% Sicherheit am anderen Ende. Ist sie ab, rückt er lieber näher an mich ran.
Natürlich leine ich nur in einem Umfeld ab das geeignet ist, und wieder an (lieber früh als spät) sobald mir seine Zugewandheit/Umorientierung zu stark nachlässt bzw. Aussenfokus zu groß wird.
Ich für meinen Teil kenne keinen Hundehalter, egal wie erfahren, dessen Junghund auf dem Weg der Erziehung/Ausbildung nicht mal kurzweilig stiften geht, weil doch irgendwas zu interessant. Da freut sich keiner drüber, aber wie soll ein Hund ausschließlich an der Leine Freilauf üben?
Diesem Beitrag stimme ich voll zu, und hebe mal die von mir fett markierte Aussage besonders hervor.
Diese "Wahl des Umfeldes" ist für mich genau die Kunst, die zu einer hohen Sicherheit schon beim Welpen, aber auch beim noch unfertigen Jungspund oder auch beim Pubertierling führt.
Es ist ein sehr großer Unterschied, ob ich ständig immer wieder in das gleiche Gebiet gehe, obwohl ich weiß, der Hund hört dort noch nicht absolut zuverlässig, und deshalb wird dort mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Fehler gemacht, den ich nicht verhindern kann, oder ob ich mit ihm in ein Gebiet gehe, wo er diesen Fehler gar nicht machen kann, wo dieser Fehler durch die Umfeldbedingungen mit verhindert wird, wo ich mehr an der Sicherheit des erforderlichen Verhaltens trainieren kann.
Am Beispiel: Meine Hunde sind Jagdhunde, und ich trainiere mit ihnen schon sehr früh an Wild- und Geflügelgehegen.
Zu Beginn sieht das Training für die Umwelt noch gar nicht nach Training aus - ich gehe da einfach völlig unspektakulär mit dem angeleinten Hund daran vorbei, lass den Hund die Tiere zwar sehen - aber nicht fixieren, und auch nicht länger beobachten, sondern hole mir durch freundliche Ansprache seine Aufmerksamkeit, und setze auch eine "Ersatzbeute" dabei ein.
Ziel dabei ist, dem Hund zu vermitteln: Die sind da - aber für uns uninteressant.
Im weiteren Verlauf, wenn ich schon die erforderlichen Basics habe, geht es da im Freilauf vorbei - und sobald ich merke, die Aufmerksamkeit diesen Tieren gegenüber wird höher als ich für gut halte, hole ich mir die Aufmerksamkeit des Hundes zurück, sichere entsprechend, beschäftige ihn (z. B. mit einem Spielzeug, oder ich trainiere "Unterordnung"), mache also alles was ich kann, um ihn von diesen Reizen umzuorientieren und für mich lenkbar zu machen.
Sollte der Hund in dieser Situation tatsächlich mal lospreschen - prescht er in den Zaun ... und ich kann ihn dann gegebenenfalls direkt korrigieren, ohne das Schaden angestellt wurde.
Wenn schon Einiges "sitzt", mache ich in genau diesen Bereichen dann Jagdtraining, also Apportiertraining: Du darfst MEINE Beute jagen - und alles Andere ist uninteressant.
Meine Sicherheit ist der Zaun - und ja, Hunde sind nicht blöd, die sehen auch den Zaun; Aber darum geht es nicht, sondern darum, zu trainieren dass diese Reize kein Jagdinteresse mehr hervorrufen, und ihr Jagdinteresse sich auf die von mir bestimmte Beute fokussiert.