Ich verstehe die Unterscheidung nicht so richtig. Meinen nicht eigentlich alle das gleiche?
Nein, einige sehen diese 100% im Rahmen der Verlässlichkeit (sicher einige auch, ohne sich dessen bewusst zu sein), einige meinen damit aber tatsächlich Gehorsam.
Gehorsam: Sich dem Willen eines anderen unterwerfen. Die Forderung nach jedwedem Gehorsam in jeglicher Situation ist dann blinder Gehorsam - also ein Hund der in jeder Situation den eigenen Willen verwirft, und sich dem Willen seines Menschen fügt.
Kooperation heißt, ein gemeinsames Ziel haben und dieses verfolgen; Hier liegt ein übereinstimmender Wille zugrunde, der kooperative Hund arbeitet also mit seinem Menschen zusammen an einem gemeinsamen Ziel.
Gehst du wirklich davon aus, dass es bei Hunden eine verlässliche Reiz-Reaktions-Verknüpfung auf der komplexen Verhaltensebene gibt?
Für mich gibt es diese nur -übrigens sehen das Behavioristen meines Wissens auch nicht anders - bei Reflexen: auf einen Reiz erfolgt immer automatisch die gleiche Reaktion.
Ja, das funktioniert tatsächlich. Macht man sich in der menschlichen Verhaltenstherapie, aber auch in der Werbepsychologie zunutze.
Tatsächlich kann etwas so trainiert werden, dass die Ausführung zum Reflex wird. Hier die Rahmenbedingungen, Tücken, Vorgehensweisen, Grenzen zu diskutieren, sprengt den Rahmen.
Aber ja, grundsätzlich ist das möglich.
Ich hab den Thread auch gestartet, weil es mich ehrlich gesagt nervt, dass hier mache die virtuellen 100% so feiern. Dass man sich dann gar nicht mehr sagen traut, wenn etwas mal voll daneben gegangen ist, obwohl das in meinen Augen normal ist, wenn man dem Hund auch einiges an Selbstständigkeit und Freiheit zugestehen will.
Ja, an manchen Stellen nervt das - aber das ist eben auf virtuellen Plattformen, wo so viele unterschiedliche Meinungen/Erfahrungen aufeinandertreffen, immer der Fall.
Oft passiert das allerdings dann, wenn für die Beteiligten klar scheint, dass einem Hundeführer der gleiche Fehler immer und immer wieder passiert, und eine Uneinsichtigkeit hinsichtlich Änderungen der Umfeldbedingungen vorzuliegen scheint.
Mal als ganz plattes Beispiel folgende Aussage: "Joah - mein Hund hört grundsätzlich gut, ab und zu, so zwei bis dreimal die Woche haut er aber ab ins Unterholz und geht einer Spur nach/hetzt ein Tier - aber er kommt ja immer nach 2-3 Minuten zurück, und er fängt ja auch nix."
Wenn daraufhin die Antwort kommt: "An der Leine lassen und (hier wahlweise Tipps einsetzen)" kommt dann als Abwort:
"Dann kann ich ihn ja nie mehr von der Leine lassen - und (auch hier wahlweise ein 'Gegenargument' einsetzen), und sind eure Hunde denn alle perfekt?"
Ja, und irgendwann im weiteren Verlauf kommt dann die Aussage: "Ein Hund gehört so lange an die Leine, bis er 100% (auf den Rückruf) hört!"...
... und schon vergleicht jeder seine eigenen Erfolge mit dieser 100%-Anforderung, mit unterschiedlichem Ergebnis.
..................
Meine Hunde und ich sind nicht perfekt. In einigen Bereichen sind wir nah dran, in anderen weiter entfernt von den 100%.
Ich weiß das, und bewege mich mit meinen Hunden so, dass ich mich im 99,9%igem Verlassbereich bewege.