Beiträge von Billi

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    Im Schlafzimmer würde ich das eher mit nem Abbruch und nicht mit Leberwurst lösen, sonst kommt ihr nicht zum Schlafen. 😅

    Beim Gang ins Schlafzimmer darf der Hund die Katzen natürlich sehen, das ist ja wie gesagt auch ein guter Trainingsmoment, weil er eben nicht künstlich hergestellt ist, sondern ganz normaler Alltag ist. Auch sonst würde ich versuchen, das Training mit den Katzen in den Alltag einzubetten und das nicht aktiv als Trainingseinheit gestalten, wenn du verstehst, was ich meine? Weil du sonst das Problem haben könntest, die Aufregung noch zu verstärken. Das sollte sich ganz ruhig und normal in den Alltag einfügen. Die Katzentür würde ich beim Durchgehen nur schließen, wenn Gefahr besteht, dass die Tiere sich zu nahe kommen und dann was passiert. Sehen darf und soll er sie ja, sie wohnen ja jetzt schließlich da und daran muss er sich gewöhnen.

    Und ansonsten die Umorientierung etc. vorher erstmal ohne Katzen trainieren, wenn er das noch nicht kennt, sonst wird das nix.

    Kenne ich leider nicht, aber ich kann dir trotzdem sehr die Zucht Herbys Dream empfehlen (haben demnächst auch nen Wurf). Das sind Briten, wobei meine beiden Mädels moderates Fell bzw. die kleine sogar eher wenig Fell hat. Ansonsten sind die Hunde bei guter Pflege keine krassen Plüschbomben (außer nach ner Kastra eventuell 😬), aber definitiv auch nicht „nackig“. Die beiden Rüden von Fuchshexchen sind auch von dort, wenn du mal einen Vergleich haben willst. Für meinen Geschmack ist das schon etwas zu plüschig, aber meine Mädels sind da wie gesagt ganz moderat. Auf Gesundheit wird dort definitiv geachtet und vom Wesen her sind die auch klasse. Ich führe meine beiden in ner Rettungshundestaffel, aber die meisten sind nur ganz normale Begleithunde und da auch recht gechillt. Wobei die Umstellung von Spitz auf Collie schon heftig war, gegen so nen stoischen Spitz wirkt ein vor allem junger Collie doch etwas hypersensibel. Aber wir haben bei der Staffel ja auch nen Eignungstest gehabt mit Schüssen, Nebelmaschine, sich plötzlich aufspannenden Regenschirmen etc., das war alles problemlos möglich. Und kurzes Erschrecken ist ja auch kein Problem.

    Also ignorieren würde ich das Verhalten jetzt nicht, das ist leider selbstbelohnend. Aber ich würde wie schon beschrieben mit Umorientierung arbeiten. Je nachdem, ob er das schon kennt, müsstet ihr das aber erstmal außerhalb des Katzenkontext mit ihm üben. Also Hund ansprechen (du musst dir in dem Moment sicher sein, dass er guckt) und wenn er reagiert fliegt sichtbar ein Keks hinter dich, sodass er anschließend mit dem Hintern zu dir steht. Noch bevor er sich automatisch zu dir umdreht, wieder den Namen nennen (oder falls der schon abgenutzt ist, irgendein anderes Wort als Aufmerksamkeitssignal) und wenn er reagiert, wieder nen Keks hinter dich werfen. Und das dann mit steigender Ablenkung üben. Wenn ihr mal (zufällig, nicht als Training) an den Katzen vorbei lauft, bei ruhigem Hinwenden oder ignorieren belohnen, wenn er aufgeregt ist, Umorientierungssignal und dann entweder Keks oder es war noch zu früh und ihr müsst weiter üben.

    Ich würde ihn nicht aus dem Schlafzimmer ausschließen, wenn er das nicht gewöhnt ist. Aber das ist ja auch eine super Möglichkeit für Training nebenbei. Einfach ins Schlafzimmer gehen, als wäre es das normalste von der Welt. Je nachdem, wie nah sich Katzen und Hund im Worst Case dabei kommen, würde ich die Tür anfangs sicherheitshalber lieber schließen. Wenn er hinter der Tür bellt, weil er die Katzen hört, abbrechen wie gewohnt. Falls er einen Abbruch kennt. 😬 Ansonsten den auch erstmal separat trainieren. Oder ihn ins Körbchen schicken oder was immer er eben kann.

    Ebenso die Situation „Hund allein im Zimmer lassen, aber in Hörweite bleiben“: da ist Nachholbedarf beim Üben, das hätte er idealerweise vorher schon gekonnt. Das ist jetzt erstmal ne Menge Input, aber es wird sich lohnen, nicht nur, was die Katzen betrifft.

    Also das Verhalten klingt für mich sehr stark nach Jagdverhalten. Das Wedeln bedeutet ja erstmal nur Aufregung und das kann auch Aufregung deswegen sein, weil da Beute vor der Nase des Hundes sitzt. Ich würde die auf gar keinen Fall in naher Zukunft ohne sichere Trennung zusammenlassen und vermutlich vorsichtshalber jetzt schon einen gut sitzenden Maulkorb auftrainieren, damit er den entspannt trägt und nicht mit den Katzen in Verbindung bringt. Und auch dann nicht „Gitter weg und schauen, was passiert“, sondern erstmal mit Leine dran, damit ihr den Hund unter Kontrolle habt. Also, das kann durchaus klappen, das habe ich hier mit meinem ersten Hund auch schon durch, aber es braucht Zeit und macht lieber dreimal zu langsam, als einmal zu schnell.
    Zuerst müssen die Katzen am Gitter normal werden und die Aufregung muss sich legen, damit man den nächsten Schritt machen kann. Dazu würde ich die Katzen auch nicht zum Thema machen, sondern die auch ganz normal behandeln, die sind halt jetzt da, kein Grund zur Aufregung. Und ich würde die Aufmerksamkeit eher von den Katzen weg lenken. Also mal die Ansprechbarkeit des Hundes am Gitter üben, von den Katzen weg belohnen und so, ihm die Katzen nicht extra zeigen. Wenn er ruhig (!) Kontakt aufnehmen kann (mal ohne Aufregung durchs Gitter schnüffeln) oder er einfach die Katzen akzeptiert hat und nicht weiter beachtet, dann habt ihr das Schwierigste geschafft.
    Wie reagiert er denn sonst auf Katzen/andere Tiere und auch das Alleinelassen? Konnte er das vorher und ist jetzt nur wegen den Katzen so hibbelig oder war das immer schon ein Problem?

    Und wie groß ist der Hund eigentlich? Könnte er die Katzen wegsnacken oder sind die ähnlich groß?

    Mir geht es auch mehr darum, Ärger in der Familie zu verhindern. Daher mein Hinweis auf ganz klare Abmachungen.

    Das will ich auch nochmal fett unterstreichen. Im Worst Case erholt sich der Hund bei dir soweit und du hast dementsprechend einen Plan für ihn (zum Beispiel behalten oder an jemand Passenden vermitteln), deine Schwester will ihn aber dann doch zurück, weil er ja jetzt scheinbar funktioniert. Und schon habt ihr nen Konflikt, der sich ganz leicht vermeiden ließe.
    Und auch wenn deine Schwester den Hund nicht mit Absicht so behandelt hat, für den Hund ist der Haushalt verbrannte Erde, dorthin sollte er nicht wieder zurück müssen.

    Was da vorgefallen ist, ist ziemlich heftig und hat tiefe Spuren hinterlassen. Vollkommen egal, aus welcher Intention heraus deine Schwester so gehandelt hat, das Zuhause dort ist für den Hund verbrannte Erde. Er hat die Umgebung und die Person durch die unzähligen Wiederholungen fest mit den Geschehnissen verknüpft und wird dort immer wieder in das alte Verhalten zurückfallen. Ich kann dir aus Erfahrung mit einem ähnlich geschädigten Hund sagen, dass es erstens grundsätzlich sehr knifflig werden wird, Leine, Box und Co. für den Hund wieder positiv zu besetzen - oder zumindest so, dass es wieder genutzt werden kann, ohne massiven Stress auszulösen. Und das sind halt dummerweise auch Dinge, die unverzichtbar im Alltag eines Hundes sind, wenn man mit dem auch mal Spazierengehen oder ihn transportieren will. Und zweitens wird das Verhalten wahrscheinlich mit jedem Mal, das er zu deiner Schwester zurückkommt, wieder schlimmer und festigt sich weiter. Wenn man noch irgendwas für den Hund retten will, braucht der so schnell wie möglich ein stabiles, sicheres Zuhause (vielleicht bei dir?), aber keinesfalls sollte er dahin zurück, wo er so traumatische Dinge erlebt hat, egal welcher gute Gedanke hinter dem Training stand. Für den Hund war es eine Katastrophe.

    Da er ja wirklich viel pinkelt spricht das meiner Meinung nach sehr für ein gesundheitliches Problem. Hatten meine Spitze auch im Alter. Die kleine Hündin hatte Nierenprobleme und da muss man echt aufpassen. Die Tierärztin, die ihr Blut abgenommen hatte, fand die Werte für nen älteren Hund nämlich ganz normal. Wir waren dann bei einem anderen Tierarzt und dann gab es entsprechende Nierendiät und Futterzusätze.
    Der Rüde hatte grundsätzlich ein Problem mit dem Reinpinkeln. Zum Schluss konnte er es zusätzlich wegen neurologischen Problemen nicht mehr halten (hab ich aber wegen der Vorgeschichte erst nicht mitbekommen).
    Ich würde den Hund deswegen beim Tierarzt auf links drehen lassen, weiß aber auch nicht, welche Untersuchungen da genau sinnvoll wären. Die Nieren machen im fortgeschrittenen Alter häufig Probleme, das also auf jeden Fall. Die weiteren Probleme würde ich auch bei der Anamnese mit aufführen. Es klingt, als würde das alles zusammen hören, aber die können natürlich zufällig zeitgleich aufgetreten sein und ne andere Ursache haben. Da brauchst du einen guten Tierarzt, der auch Detektivarbeit nicht scheut und bei Bedarf auch einen Spezialisten, wenn du weißt, in welche Richtung das geht.

    Eigentlich ist ja schon alles gesagt, trotzdem will ich noch von meinen Erfahrungen berichten als Gedankenanstoß. (Mein erster Gedanke beim Foto war übrigens auch, dass der Hund nach Listenhund aussieht.)

    Ich zweifle aber vor allem sehr stark an der Seriösität des Tierschutzvereins. Ich hatte selber einen Hund aus Ungarn als Direktimport, aber nur als Ausnahme, weil es in meiner Nähe keine Pflegestelle gab. Ich war dann selbst die Pflegestelle, weil ich schon Erfahrung mit einem schwierigen Hund hatte und es sich bei dem Importhund um einen kleinen, netten Spitz gehandelt hat. Ich hätte den Hund aber trotzdem jederzeit wieder an den Verein zurückgegeben können, wenn das nicht geklappt hätte, die haben extra eine Notfall-Pflegestelle freigehalten.
    Was man mir auch gesagt hat: Die Hunde verhalten sich im neuen Zuhause bzw. auf der Pflegestelle oft ganz anders, als im Shelter, deswegen werden erfahrene Pflegestellen zwischengeschaltet. Man kann keinen Hund über Fotos/Videos und nichtmal über den Kontakt vor Ort seriös einschätzen. Ein anderer Hund, der mit meinem im Transporter saß und ebenfalls wie meiner als lieb und unkompliziert eingeschätzt wurde, zeigte sich auf der Pflegestelle als kleiner (zum Glück!) Wutzwerg, der um sich biss, sich in der hintersten Ecke der Wohnung verkrochen hatte und natürlich auch fleißig seine Geschäfte drinnen verrichtete. Die Pflegestelle konnte aber damit umgehen.

    Zum Thema „Herausforderung“: Da hab ich mal genauso gedacht vor meinem ersten Hund. 😅 man hatte mir hier dann aber den Kopf gewaschen und ich habe mich nach einem gut geprägten Welpen einer passenden, kleineren Rasse vom seriösen Züchter umgesehen. Aber es kam dann doch anders und es zog ungeplant die Herausforderung ein. 🙈 Dieser Hund hat mich wirklich fertig gemacht. Ich habe zwar auch wirklich viel mit ihm erreicht (wir sind zum Schluss sogar Rally Obedience Turniere gelaufen) und ich habe ihn sehr ins Herz geschlossen. Aber als er gestorben ist, war ich nicht nur traurig, sondern auch erleichtert. Und da hab ich erst so richtig gemerkt, was für ein täglicher Kampf das alles war, wie unterschwellig belastend, obwohl ich das so gar nicht mehr gemerkt habe, und vor allem, wie viele Wege und Situationen ich vermieden haben, um Stress zu vermeiden. Ich habe jetzt, Monate nach seinem Tod, ein paar wunderschöne Gassigebiete direkt um die Ecke wiederentdeckt, die ich in meinem Hirn bis dahin einfach gestrichen hatte, weil dort zu viele andere Leute mit Hund unterwegs waren oder ich gar durch den Ort hätte laufen müssen. Und auch die ein oder andere blöde Begegnung mit anderen Hundehaltern ist jetzt maximal noch nervig, aber kein riesiges Problem mehr.

    Jetzt habe ich zwei wirklich leichtführige Collies und kann das Leben mit Hund wirklich genießen und sogar noch einen Schritt weiter gehen (wir sind in der Rettungshundestaffel). Und ich kann dir sagen: Auch mit Erfahrung und trotz der Leichtführigkeit machen die definitiv nicht einfach alles, was ich von ihnen will. Falls mal jemand so ein Fabelwesen an Hund sehen sollte, möge mir den bitte bringen. 😅