Eigentlich ist ja schon alles gesagt, trotzdem will ich noch von meinen Erfahrungen berichten als Gedankenanstoß. (Mein erster Gedanke beim Foto war übrigens auch, dass der Hund nach Listenhund aussieht.)
Ich zweifle aber vor allem sehr stark an der Seriösität des Tierschutzvereins. Ich hatte selber einen Hund aus Ungarn als Direktimport, aber nur als Ausnahme, weil es in meiner Nähe keine Pflegestelle gab. Ich war dann selbst die Pflegestelle, weil ich schon Erfahrung mit einem schwierigen Hund hatte und es sich bei dem Importhund um einen kleinen, netten Spitz gehandelt hat. Ich hätte den Hund aber trotzdem jederzeit wieder an den Verein zurückgegeben können, wenn das nicht geklappt hätte, die haben extra eine Notfall-Pflegestelle freigehalten.
Was man mir auch gesagt hat: Die Hunde verhalten sich im neuen Zuhause bzw. auf der Pflegestelle oft ganz anders, als im Shelter, deswegen werden erfahrene Pflegestellen zwischengeschaltet. Man kann keinen Hund über Fotos/Videos und nichtmal über den Kontakt vor Ort seriös einschätzen. Ein anderer Hund, der mit meinem im Transporter saß und ebenfalls wie meiner als lieb und unkompliziert eingeschätzt wurde, zeigte sich auf der Pflegestelle als kleiner (zum Glück!) Wutzwerg, der um sich biss, sich in der hintersten Ecke der Wohnung verkrochen hatte und natürlich auch fleißig seine Geschäfte drinnen verrichtete. Die Pflegestelle konnte aber damit umgehen.
Zum Thema „Herausforderung“: Da hab ich mal genauso gedacht vor meinem ersten Hund. 😅 man hatte mir hier dann aber den Kopf gewaschen und ich habe mich nach einem gut geprägten Welpen einer passenden, kleineren Rasse vom seriösen Züchter umgesehen. Aber es kam dann doch anders und es zog ungeplant die Herausforderung ein. 🙈 Dieser Hund hat mich wirklich fertig gemacht. Ich habe zwar auch wirklich viel mit ihm erreicht (wir sind zum Schluss sogar Rally Obedience Turniere gelaufen) und ich habe ihn sehr ins Herz geschlossen. Aber als er gestorben ist, war ich nicht nur traurig, sondern auch erleichtert. Und da hab ich erst so richtig gemerkt, was für ein täglicher Kampf das alles war, wie unterschwellig belastend, obwohl ich das so gar nicht mehr gemerkt habe, und vor allem, wie viele Wege und Situationen ich vermieden haben, um Stress zu vermeiden. Ich habe jetzt, Monate nach seinem Tod, ein paar wunderschöne Gassigebiete direkt um die Ecke wiederentdeckt, die ich in meinem Hirn bis dahin einfach gestrichen hatte, weil dort zu viele andere Leute mit Hund unterwegs waren oder ich gar durch den Ort hätte laufen müssen. Und auch die ein oder andere blöde Begegnung mit anderen Hundehaltern ist jetzt maximal noch nervig, aber kein riesiges Problem mehr.
Jetzt habe ich zwei wirklich leichtführige Collies und kann das Leben mit Hund wirklich genießen und sogar noch einen Schritt weiter gehen (wir sind in der Rettungshundestaffel). Und ich kann dir sagen: Auch mit Erfahrung und trotz der Leichtführigkeit machen die definitiv nicht einfach alles, was ich von ihnen will. Falls mal jemand so ein Fabelwesen an Hund sehen sollte, möge mir den bitte bringen. 😅