Wie weit "oben" in der Genetik ist Aggressivität gegen Menschen bei einem Hütehund, der ursprünglich ja sogar mit verschiedenen farmhands arbeiten sollte? Hat dieses Tier also eine rasseuntypische Macke, oder passiert sowas bei BC generell öfter?
ACHTUNG SPEKULATION: ich könnte mir vorstellen, dass da eventuell auch der grundsätzliche Charakter des Border Collies eine Rolle spielt.
Mal weiter ausgeholt: Border Collies sind schon oft sehr sensible empfindsame Hunde. Daraus resultierend auch oft eine gewisse Unsicherheit ungewohnten Unweltsituationen gegenüber oder Situationen gegenüber, in denen sie sich schon mal nicht gut gefühlt haben.
Es sind Hunde, die den Umgang mit sich schnell als übergriffig und zu viel empfinden. Andererseits merkt man das ihnen im Trieb oft nicht so an, da muss man schon ein gutes Auge haben.
Mein eigener Border möchte bei der Arbeit zb nicht berührt werden. Streicheln, was er sonst liebt, ist da ne positive Strafe (Hinzfügen von etwas unangenehmen) für ihn. Er lässt sich aber trotzdem anfassen, man muss da schon genau hinschauen, um zu sehen, wie blöd er das gerade findet.
Ich könnte mir vorstellen, dass es bei den so heftig nach vorne gehenden Border Collies eine Mischung aus der Erfahrung ist, dass sie oft in ihren Augen übergriffig behandelt wurden und werden, dass sie sich auch deswegen nicht wirklich wohl fühlen im Umgang mit (fremden) Menschen, verbunden damit, dass sie oft so feine Signale senden, dass viele Menschen das schlicht übersehen.
Hund wird also zb angefasst, findet das blöd und zeigt das auch, Mensch bemerkt das nicht und übergeht das einfach = blöde Situation für den Hund, der er sich nicht entziehen kann.
Und da Mensch es nicht merkt, „zwingt“ man den Hund immer wieder in solche Situationen. Der macht immer wieder die Erfahrung, dass er nicht ernst genommen wird und reagiert immer unsicherer, weil sein „nein“ ja einfach nicht angenommen wird..
bis es halt irgendwann zu viel wird und der Hund zum ersten Mal abschnappt - und die Erfahrung macht, dass er auf einmal „verstanden“ wird vom Menschen.
Das macht die grundsätzliche Situation aber nicht besser: Hund hat viel zu oft die Erfahrung gemacht, dass Menschen einfach blöd sind. Und so kommt es eben immer wieder zu solchen Situationen, in denen Hund nach vorne geht, weil er gelernt hat, dass es die einzige Möglichkeit ist, wie er sich den Menschen gegenüber verständlich machen kann.
Ich habe auch das Gefühl, dass es vor allem bei Border Collies passiert, die im Welpen- und Junghundealter oft über ihre Grenzen „gezwungen“ wurden, weil Mensch es einfach nicht gemerkt hat, wie blöd das für den Border gerade ist..