Zitat
Echte Dominanz , bei Mensch wie bei Tier , hat viel mit Souveränität , selbstbewußte Ausstrahlung , in sich ruhen und Gelassenheit zu tun.
Damit würde man aber Dominanz wieder eine Wertung geben und zwar das sie nur Positiv ist. Ich glaube sie kann beides sein. Oder wie würde dann der folgende Hund gewertet?
Pascha, ein Rotti (in einer Raufergruppe).
Einerseits fand ich den Hund faszinierend andererseits hätte ich ihn nicht geschenkt haben wollen. Dies war der einzige Hund den ich als wirklich dominant (und zwar im negativen Sinne) bezeichnen würde. Er kam, sah und siegte. Jeder Hund machte ihm freiwillig Platz, keiner von den Menschen wagte es sich mehr irgendwo hinzusetzen, weil er gnadenlos jeden anpinkelte.
Der Trainer bat einen von uns Pascha bei sich zu behalten, damit er in Ruhe etwas erklären konnte.
Einer von uns gab das Kommando Sitz, Pascha stand. Franz erlaubte sich mit dem Finger auf das Hinterteil zu tippen, Pascha einen drohenden Blick mit leicht angehobenen Lefzen in Richtung nach oben auf Franz. Darauf stand Franz stramm und Pascha setzte sich dann gemächlich hin. Auch Pascha trug, wie auch ein paar andere Hunde Drahtmaulkorb mit Leder vorn verkleidet, da er durch den Maulkorb beißen konnte (Pascha schien damit auch ein absichtlicher Beschädigungsbeißer zu sein).
Pascha lebt heute nicht mehr, die Gefahr die tagtäglich von ihm ausging war wohl zu groß. Dies weiß ich allerdings nur aus 2ter Hand.
Pascha hat zu jedem Zeitpunkt versucht mit dem Einsatz seiner Zähne seine Interessen durchzusetzen. Er war kein unsicherer Hund. Kein Angstbeißer. Er wusste nur was er wollte und das er es wollte. Egal wie er zu diesem Ziel gelangt. Wie dieser Hund allerdings dazu geworden ist oder ob es genetisch bedingt war, weiß ich nicht.
Auch G. Bloch hat auf einem Seminar etwas ähnliches berichtet: die Tochter in einem Wolfsrudel hat wohl von Anfang an immer versucht ihre Interessen durchzusetzen. Die Mutter konnte zwar mit viel Einwirken ihre dominante Stellung verteidigen aber dass das nicht wirklich entspannend für das Rudel war ist verständlich.
Die Tochter verließ dann auch das Rudel, tauchte aber wohl einige Monate später wieder auf (wahrscheinlich hatte sie durch ihr Verhalten keinen Anschluß gefunden). Die Mutter machte den Zirkus wohl noch einen Weile mit aber tötete dann ihre Tochter.
Ich glaube eine (ich nenne sie jetzt einfach mal so) "positive" Dominanz drückt sich in erster Linie einfach durch souveränes, gelassenes und in sich ruhendes Verhalten aus (wie du es schreibst, Katzentier) und hilft allen Beteiligten ausgeglichener durchs Leben zu kommen.
Bei der negativen Dominanz scheinen diese Faktoren zu fehlen und sich Hauptsache auf selbssicheres und durchsetzungsfähiges Verhalten (unter Einsatz aller Mittel die zur Verfügung stehen) zu beschränken.
Hunde mit der "negativen" Dominanz lassen sich glaube ich an einer Hand abzählen. Und das ist schon hoch gegriffen. Aber auch Hunde mit "positiver" Dominanz (diese also auch ausstrahlen und dadurch eine Bereicherung sind) sind leider sehr selten.