Beiträge von Cattledogfan

    Ich habe mir nach zwei Fehlgriffen, einmal 1989 eine Pudel-Cocker-Mixhündin, die zum Schutz von abgelegten Jungtieren einen Maulkorb brauchte, und 2002 ein Huskymix, der irrtümlicherweise als kleiner Schäfermix im Tierschutz beschrieben wurde, ganz bewusst leichtführige Hunde mit einer wenig jagdaffinen Genetik ausgesucht.

    Und ja, das funktioniert, die jag(t)en nicht. Ich behaupte nicht, dass ich der Crack im Hundeerziehen bin, aber ich habe sehr den Daumen drauf und muss mich bei jetzt nur noch 2, vorher 3 Hunden auch ganz auf sie konzentrieren, denn Unaufmerksamkeit wird gnadenlos ausgenutzt, so nach dem Motto, hättest ja was sagen können, dass ich das nicht soll.

    Wer nicht zuverlässig wildrein ist, ist die jetzige Cattledoghündin - nicht, weil sie nicht leichtführig wäre, sondern weil sie mittlerweile krankheitsbedingt nicht mehr flott genug läuft, um mit dem 2 Jahre älteren Koolie mithalten zu können, und gerissen, wie sie ist, hat Madame natürlich mitbekommen, dass ich hinten keine Augen habe, so dass sie die meiste Zeit hinterher daddelt, jede Menge Kacke frisst, wenn welche rumliegt, und nur aufschließt, wenn der Koolie durch seine Körperhaltung etwas von Interesse signalisiert.

    Sie ist daher oft an der 5m-Gurtflexi angeleint, was in den ersten Jahren anders war. Da genügte es, sie mit einer Ladung Trockenfutter zu bewerfen, es also quasi auf sie herabregnen zu lassen, das war besser als flüchtendes Wild.

    Mit jetzt nur noch einem Rüden kümmere ich mich wenig um Leinenpflicht, obwohl die meines Wissens nach in SH ganzjährig im Wald gilt, weil bei uns das Wild schon über den Hofplatz spaziert. Als mein Mann noch Vieh hatte, war besonders im Winter viel los auf dem Siloplatz: leckeres Fresschen für Hasen, Rehe und das ein oder andere Wildschwein.

    Wären die Hunde da losgespurtet, hätte es ziemlich viele Unfälle auf dem Autobahnzubringer gegeben, an dem der Hof liegt.

    M. E. können erschreckend viele Hundehalter ihre Hunde nicht gut genug lesen und erkennen nicht, dass es von diversen Faktoren abhängt, ob, wann und wo ein Hund frei laufen kann.

    Ideal zum Trainieren von Wildreinheit finde ich immer verregnete Herbsttage, weil feuchter Boden nicht viel Wildgeruch abgibt, Bäume und Gebüsch Laub abgeworfen haben und die Felder abgeerntet sind, d. h. die Sicht ist gut, und die Wildtiere haben keine Jungen (Wildschweine ausgenommen).

    Für den Fall, dass eine professionelle Betreuung eine Option wäre, würde ich eher am Arbeitsort suchen, denn auch gewerbliche Hundebetreuer haben irgendwann Feierabend, und wenn man einen mindestens 9stündigen Arbeitstag (inkl. Standardpause) plus Fahrzeit für 200 km hinzurechnet, kann man durchaus mal 12 Stunden überschreiten, z. B. bei Stau/Bauarbeiten/Schlechtwetter.

    Noch ein Klugschiss-PS zu dieser Aussage hier:

    Er hat auch angefangen immer im Auto zu fiepen. Außer wir fahren dann von der Gassirunde wieder heim, dann ist er zufrieden und ruhig.

    Für mich liest sich das so, als freut sich der Bursche schlicht und ergreifend auf das Abenteuer Gassirunde. Und Freude kann durchaus ziemlich lautstark und nervig geäußert werden. Ich hatte z. B. eine Jodlerin, die sogar auf der ca. einstündigen Autofahrt zu meiner hundeverrückten und Hundeverwöhner-Mama die Streckenabschnitte erkannte.

    Will sagen: Standen wir auf der Autobahn im Stau, wurde sie zwar nach ca. einer Stunde unruhig, legte sich aber trotz Stop&Go-Verkehr wieder ab. Keine Ahnung, woran sie erkannte, wann wir die Ausfahrt nahmen und auf der Landstraße weiterzuckelten, aber dann ging das Kommentieren in allen Varianten - Kläffen, Jaulen, Fiepen - los.

    Je nach eigener Gemütslage habe ich mich entweder mit ihr mitgefreut - "Jaaa, wir sind ja gleich bei M-U-T-T-I, wart's ab!" - oder sie angeraunzt, wenn es mich nervte.

    Wenn sie mir wirklich gewaltig auf die Nerven ging, flog auch schon mal der Schwamm für die Scheibe nach hinten.

    Viel wichtiger als das Abspulen von Methoden und Übungen finde ich in der Hundehaltung, authentisch zu sein. Diese Tiere leben so eng mit uns Menschen zusammen und haben so feine Antennen für unsere Stimmungen, dass man damit meiner Erfahrung nach situativ viel mehr erreichen kann als durch Kommandos, vor allem bei leichtführigen, kooperativen Hunden mit sehr feinen Antennen für ihr Gegenüber.

    Und die dürfte ein ursprünglich zum Viehtreiben gezüchteter Pembroke durchaus haben.

    Alles, was mit Empfindungen wie Angst, Freude, Aufgedrehtheit, etc. zu tun hat, finde ich persönlich schwer durch Kommandos zu regeln, wie z. B. das Alleinebleiben. Mir hilft es z. B. ungemein, meine eigenen Gefühle dem Hund gegenüber in Worte zu fassen.

    Ein Beispiel: Anderer bekannter Hund kommt entgegen, eigener freilaufender Hund soll zwecks manierlicher Kreuzung auf dem - ausreichend breiten - Weg auf die abgewandte Seite und auf den Seitenstreifen - aber die Koolie-Arschgeige meint, die entgegen kommende unwürdige Kreatur steifbeinig fixieren zu müssen, und läuft vor mir mit zentimeterweisem Abdriften in die Mitte des Weges.

    Ich finde das frech, denn König Hund weiß, was er soll, und er kann es auch, das ist nicht zu viel verlangt von ihm, wir haben diesen Hund schon Dutzende Male auf diesem Weg ohne Leine gekreuzt.

    Aber aus irgendeinem Grund hat er gerade Bock, den anderen einzuschüchtern.

    Anstatt "An die Seite", "Hier" oder was auch immer zu wiederholen, werde ich dann kurz laut und schnauze ihn an, so nach dem Motto, Hund, geh mir nicht auf den Senkel/willst Du Ärger, kannst Du haben/ich hau Dir den Frack voll (habe ich noch nie getan, da nicht nötig), oder so ähnlich.

    Und siehe da, der Rotzköter klappt kurz die Fledermausohren ein, guckt mich an, als wollte er sagen, stell Dich nicht so an, ist ja gut, ich will ja gar nix von dem da, trollt sich brav auf den Grünstreifen und hüpft aufgeregt am anderen Hund vorbei, um sich danach ausgiebig loben und belohnen zu lassen.

    Zu Deinem Beispiel mit dem Autofahren:

    Ich würde es wirklich über die Äußerung Deiner eigenen Gefühle versuchen, denn es ist ja auch schön, wenn sich so ein Tier so auf den gemeinsamen Gassigang mit Dir freut. Mit der Zeit findet man auch einen Weg, übermäßig nervendes Getue zumindest zu deckeln, wenn es schon nicht ganz abzustellen ist.

    Und dass der Kerl in seinem jugendlichen Übereifer schon entspannt bei Hundebegegnungen sein kann, halte ich für eine überzogene Erwartung. Ich würde einfach jede neue Begegnung ergebnisoffen auf mich zukommen lassen und immer besser lernen, den Erregungspegel des eigenen Hundes zu lesen und zu managen.

    Selbst wenn er sich aufführt wie die Axt im Walde, kann man daraus immer noch lernen, an was für Aufregern sich der Hund gerade hochgespult hat.

    Und anstatt Trainingsvideos würde ich mir Erklärvideos über Hundeverhalten ansehen.

    Die größte Frustrationsübung ist übrigens das normale Leben.

    Das ist wieder mal so ein kluger Satz, den sollte man ans virtuelle dogforum-Eingangstor pinnen :smiling_face:

    Ich persönlich empfinde solche gestellten Übungen übrigens als Schikane, weil ich mich frage, was damit erreicht werden soll: den Hund brechen?

    Das ist ein junger, heranwachsender Rüde, der strotzt wahrscheinlich vor Energie und verändert sich mit jeder Woche. Mit so einem Hunde-Teenie läge bei mir die Priorität auf meinem eigenen Timing und auf der Beobachtung des Hundes, um punktgenau lenkend eingreifen zu können, damit er lernt, manierlich auf andere Hunde zu reagieren.

    Die Hundeschule würde ich mir schenken, sondern vielmehr ausprobieren, wie Du es - siehe Zitat - schaffst, in Alltagssituationen die Aufmerksamkeit bei Dir zu halten.

    Und man muss lernen zu erkennen, wann jegliche Aufmerksamkeitsheischerei sinnlos ist und man einfach nur den Hund möglichst geschickt durch die jeweilige Situation durchmanövriert.

    Bei dieser ganzen modernen Begrifflichkeit von Ruhelernen, Impulskontrolle, Frustrationstoleranz, etc. pp. wird m. E. suggeriert, dass das quasi programmierbare Verhaltensweisen sind, die man nur "richtig" auftrainieren muss, anstatt den Tieren einfach die Möglichkeit zu geben, selber zu lernen - vorausgesetzt, die Lebensumstände geben das her und überfordern den Hund nicht per se.

    M. E. wird gerade bei Hundeneulingen in der heutigen Zeit zu viel Wert auf "Training" und "Arbeit" gelegt, anstatt sich auf das schöne Abenteuer einzulassen, den Hund lesen zu lernen und den Umgang mit dem Tier an sein Lebensumfeld anzupassen.

    Ich würde mich auf jeden Fall für die Reha entscheiden, allein schon deswegen, weil man selber meist noch gar keine Vorstellung von den Folgen einer Chemo hat.

    Ich hatte die Reha nach meiner Chemo abgelehnt, weil wegen Corona niemand wusste, wann der nächste Lockdown kommen würde (und der kam dann auch ziemlich bald nach dem vorgesehenen Termin), und ich keine Lust hatte, mit Maske ggf. im Zimmer kaserniert zu werden, wie es einem Bekannten in derselben Kurklinik ergangen war, der über eine Woche wegen eines Coronaausbruchs in dieser Klinik auf dem Zimmer bleiben musste und nur sehr eingeschränkt Anwendungen hatte.

    Der Hund wäre ja versorgt, wenn auch nicht in seiner gewohnten Umgebung.

    Er hatte allerdings auch wahnsinnig viel Stress, Angstzustände wegen den Symptomen und dann auch beim Tierarzt Panikattacken.

    Bei alten und kranken Hunden war für mich immer ein wichtiges Entscheidungskriterium, wie belastbar sie noch für weitere Untersuchungen und eventuelle Therapien waren, selbst wenn medizinisch noch Luft nach oben war.

    Und damit meine ich nicht den körperlichen Zustand, sondern etwas, was ich "tierarztmüde" nenne, d. h. wenn Auto fahren bedeutet, es geht wieder nur zum Tierarzt, und sie das Einsteigen bzw. vor der Praxis das Aussteigen verweigern, oder wenn sie zunehmend genervt, gestresst, gereizt, aggressiv, etc. auf Berührungen und Manipulationen durch Fremde reagieren.

    Das ist für mich auch ein wichtiger Gesichtspunkt für die noch vorhandene Lebensqualität

    Mir war es schon immer relativ egal, ob, wann und wie meine Hunde ruhten. Alle meine Hunde hatten stets genügend Zeit und Platz zum Schlafen oder Dösen. Unsere jetzige Hündin kam ja als Welpe zu zwei erwachsenen Rüden, und die tobte und hampelte die ersten ein, zwei Jahre oftmals so lange herum, bis sie buchstäblich ins Koma fiel.

    Trotzdem herrscht bei uns drinnen keine Anarchie, weil ich finde, dass das berühmt-berüchtigte "Ruhe lernen" am besten funktioniert, wenn man es dem Hund selber überlässt - immer vorausgesetzt, das Lebensumfeld ist nicht völlig ungeeignet für den jeweiligen Hund.

    Räumliche Begrenzung gab es bei mir nur, damit nichts geklaut, kaputt gemacht oder aufgefressen wurde, oder wenn ich keine Lust hatte, stets ein Auge auf einen Hund zu werfen, der evtl. noch nicht verstanden hatte, dass die Wohnungseinrichtung tabu ist, oder bei Hunden, die bei Besuch lieber weggesperrt wurden.

    Ich finde diese Diskussion über das "Abstempeln" wenig zielführend, weil es bei einer guten Vermittlung doch darum gehen sollte, dass Mensch und Hund bestmöglich zueinander passen.

    Und das Tierheim scheint ja gute Arbeit zu leisten, wenn Interessenten den Hund im Vorfeld ausgiebig kennenlernen können; in diesem Fall mit und ohne Kind.

    Und m. E. ist es um Klassen besser, dass sich schon in dieser Sondierungsphase bei Stutzel2025 und ihrer Familie Bedenken zeigen, als dass sie erst offenkundig werden, wenn der Hund schon fest übernommen wurde.

    Und ich finde es auch völlig legitim, solche Bedenken hier im Forum zur Diskussion zu stellen und sich mögliche Erklärungen für das Verhalten der Hündin durchzulesen, also quasi virtuell laut zu denken.

    [Habe ich auch gemacht und wertvollen Input für die Anschaffung von Hund Nr. 2 - Koolie-Schlitzohr Spockie - bekommen; danke dogforum!!]

    Was m. E. überhaupt keine Wertung für oder gegen den Hund darstellt, der offensichtlich auch ohne Stutzel2025 und ihre Familie gute Vermittlungschancen hat.

    Es wird ja ohnehin nicht jeder Interessent zu einem neuen Tierheimtierbesitzer, sei es, weil das Tierheim ablehnt, sei es, dass es sich der/die Interessent/in doch anders überlegt.

    Alles Gute bei der Hundeauswahl, Stutzel2025, und alles Gute für die junge Hündin!

    Völlig unabhängig von der Herkunft des Hundes und den Spekulationen bzw. der Interpretation des gezeigten Verhaltens würde ich mich immer dann, wenn mein Bauchgefühl mir Bedenken signalisiert, gegen einen Hund entscheiden, umso mehr, wenn sich das hier als kritisch eingestufte Verhalten als bedenklich oder gar gefährlich für ein Kind erweisen könnte.

    Und genau so würde ich das auch im Tierheim kommunizieren, nämlich dass ich mir diesen Hund nicht zutraue, weil ich sein Verhalten nicht einordnen kann, dass also von meiner Seite die Chemie nicht stimmt.

    Es mag ja durchaus sein, dass der Hund mit Kindern völlig unbedenklich ist bzw. wird - aber vielleicht dann nicht gerade bei Euch.

    Und wenn der Hund noch andere Interessenten hat, dann ist doch alles in bester Ordnung, dann stehen die Chancen doch gut, dass er bald ein eigenes Zuhause hat.