Beiträge von Camillo09

    Hallo zusammen,

    ich habe mal wieder eine Frage an euch und hoffe auf eure Hilfe für meine Entscheidungsfindung. Sorry, dass es länger wird, aber das ist leider wichtig.

    Ich war heute beim TA, weil unser Hund schon ziemliche Verhaltensauffälligkeiten zeigt und wir ein körperliches Problem ausschließen wollten. Noch kurz, wir haben den Hund seit Ende Februar aus dem TH. Er ist 3,5 Jahre alt.

    Sein auffälliges Verhalten: er zeigt kein Interesse an Spielzeug draußen, schnuppert nur ganz kurz an anderen Hunden (ohne Leine), geht dann wieder seines Weges, wenn nicht läufig, an der Leinen pöbelt er alles an (groß, klein, männlich, weiblich, ganz egal). Das einzige, was er macht, ist schnuppern, lecken und markieren. Alles andere ist ihm mehr oder weniger egal. Ab und an mal noch einer Fährte Kaninchen nachjagen. Aber da kann man ihn leichter abrufen als von einem leckeren Pipifleck. Inzwischen achtet er schon auf uns, passt auf, dass wir nicht verloren gehen. Ansonsten hat er Angst vor allem, anderen Menschen, anderen Tieren... Wir zeigen ihm nach und nach alles und er gewöhnt sich langsam (eigentlich wie ein Welpe, nur vieeeeel, viel langsamer). Anfassen lässt er sich nur von Menschen, die er kennt und denen er vertraut, ansonsten überhaupt nicht und knurrt und würde auch sich auch wehren.

    Die Aussage des Trainers, als er ihn ne Weile beobachtet hat: der Hund hat kaum Interesse an anderen Hunden, an anderen Menschen schon gar nicht und macht sein eigenes Ding. Spielen mit anderen Hunden hat er anscheinend nie gelernt. Er ist grundsätzlich verträglich mit allen Hunden, rauft nicht, auch nicht mit intakten Rüden in Anwesenheit von Hündinnen etc. Er geht nur einfach immer weg, und zeigt kein Interesse an sozialer Interaktion.

    Genau das gleiche hat jetzt im Endeffekt die TÄ gesagt nach der Untersuchung. Körperlich hat er nichts. Er lebt in seiner eigenen Welt, die der Gerüche. Da ist er sehr stark sexuell motiviert, leckt viel am Boden, aber anderes Sexualverhalten zeigt er quasi nicht, weil er dazu interagieren müsste und genau das tut er nicht. Er ist sehr, sehr unsicher und kann mit seiner Umwelt nichts anfangen. Wahrscheinlich mangelde Prägung + schlechte Erfahrungen im Welpenalter.

    Sowohl der Trainer als auch die TÄ haben unabhängig voneinander gesagt, dass sie einen Kastrationschip empfehlen würden. Der Trainer will mit uns auf jeden Fall an der Bindung arbeiten. Die TÄ meinte, dass sie im Chip eigentlich den einzigen Weg sieht, den Hund aus seiner Isolation zu holen und mit ihm zu arbeiten. Wenn mal die Hormone nicht mehr alles für ihn sind, kann man am Rest arbeiten. Aber so sieht sie (und in gewissem Maß auch der Trainer) kaum eine Chance, an ihn ran zu kommen. Unsicherer kann er im Grunde eh nicht mehr werden, es kann ihm nur helfen.

    Ich denke inzwischen schon, dass sie damit recht haben. In der Wohnung, ohne Gerüche, kann man gut mit ihm arbeiten. Ich mache Tricks mit ihm, bringe ihm spielen bei..., aber draußen lebt er in seiner eigenen Welt. Nicht, dass ich unbedingt Kastrationsfan bin, ich habe immer gesagt, wir probieren es so, wir schaffen es, aber es tut sich einfach nichts. Ich will meinem Hund doch nur helfen und wenn das seine Chance ist, will ich sie ihm geben.

    Hat hier zufällig jemand Erfahrung mit solchen Fällen? Letztlich haben alle Beteiligten das Gefühl, dass man dem Hund damit helfen würde. Die TÄ sagt zwar, dass man ihn wohl nie mehr zu einem normalen Hund machen kann, aber kann dann wenigstens mit ihm arbeiten.

    Zitat


    Am Montag steht ein TA-Termin an. Wir haben nämlich das Gefühl, und unser Trainer hat das von sich aus auch vermutet, dass Camillo sehr schlecht sieht. Wenn das so wäre, würde uns das schon viel erklären, warum er so ängstlich ist.
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    So, Termin ist um. Der Hund sieht zwar normal, aber die TÄ hat ihn als autistisches Kind bezeichnet. Er kann mit seiner Umwelt nicht in Kontakt treten, weil er wohl nichts kennt, kann nicht spielen, weder richtig mit uns (hat er inzwischen wenigstens ansatzweise gelernt, zumindest in der Wohnung) und mit anderen Hunden schon gar nicht. etc. Er zeigt schon starkes sexuelles Verhalten, was sich aber nur in Schnüffeln und Markieren äußert. Aufreiten u.ä. geht ja nicht, weil er dann wieder in Kontakt treten müsste. Er hat sich sozusagen in seine Geruchswelt zurückgezogen und will nichts von seiner Umwelt wissen. Alles andere ist ihm unwichtig draußen. Deshalb spielt er wohl auch draußen überhaupt nicht.

    Sie hat vorgeschlagen, dass man es zumindest versuchen sollte, mit einem Kastra-Chip ihn aus dieser Welt rauszuholen. Vielleicht klappt es ja. Man wird die schweren Verhaltensstörungen nie mehr ganz ausbügeln können, aber so hat man die Chance, vielleicht wieder an ihn ran zu kommen.

    Letzteres hatte unser Trainer auch vorgeschlagen, weil er ganz am Anfang genau der gleichen Ansicht war, er Hund hat massive Bindungsprobleme und lebt in seiner eigenen Welt.

    Danke für eure Antworten!

    Dann beantworte ich mal eure Fragen:

    - auf großen Feiern war ich bisher nicht. Mehr als 10 Leute waren es nicht, aber die werden jetzt über den Sommer kommen. Es macht keinen Unterschied, ob er da viele Leute kennt, neue sind immer schlimm. Auch wenn sie nacheinander kommen und er quasi immer nur eine Person nicht kennt. Zuhause gibt es so eigentlich nie größere Feiern, weil mein Freund und ich beide relativ weg weg von unseren Familien wohnen. Bei meinen Eltern, wo sich der Hund aber inzwischen auch recht heimisch fühlt, kommt das erste am kommenden WE (18. meiner Schwester). Deshalb habe ich auch gefragt, was ich am besten machen soll, weils eben jetzt mal wirklich ansteht.

    - das mit der Decke finde ich ne gute Idee, werde ich probieren. Ne Box für einen 55cm großen Hund ist halt schon etwas unhandlich ;). Aber gut, wenn es mit der Decke nicht hilft, probieren wir eben das auch mal. Wobei ich vermute, dass ne Box sehr gut wäre bei ihm. Er will sich auch immer unterm Tisch verkriechen, aber da dann ja die anderen auch dran sitzen, fühlt er sich dort wieder bedrängt, wenn man sich nicht so setzen kann, dass er um sich rum alle kennt.

    - Spielen tut er nur mit uns. Bei Fremden ist da garantiert nichts zu machen. Schon nicht mehr, wenn er das Gebiet nicht kennt. Das einzige, was geht, wenn er meine "Superleckerlies" von Fremden bekommt. Er baut da nur leider die Angst anscheinend nicht ab.

    - das mit dem Ignorieren "befehlen" werde ich machen. Und das muss dann auch konsequent umgesetzt werden. Sonst muss ich wohl gehen.

    Dauerstress glaube ich nicht. Es ging ja nach ner Weile auf 5m Abstand wieder. Da habe ich auch nichts mehr zugelassen. Es ist halt schade, er sieht halt "leider" niedlich und kuschelig aus, sodass man ihn gerne streicheln will. Zum Glück gibt es bei uns keine kleinen Kinder mehr, bzw. bei größeren ist es kein Problem mehr. Er findet es zwar nicht so toll, aber hat keine Angst und akzeptiert das.

    Am Montag steht ein TA-Termin an. Wir haben nämlich das Gefühl, und unser Trainer hat das von sich aus auch vermutet, dass Camillo sehr schlecht sieht. Wenn das so wäre, würde uns das schon viel erklären, warum er so ängstlich ist.

    Hat hier jemand Erfahrung mit Adaptil/DAP-Halsbändern? Ich weiß, dass es kein Wundermittel ist, aber vielleicht könnte das helfen? Als Erziehungshilfsmittel insofern, dass er lernt, dass ihm nichts passiert und ich ruhiges Verhalten belohnen kann.

    In dem Verein, in den ich gehen möchte, ist es auch so, man ins Obe-Training und bereitet sich auf die Beginner-Prüfung vor. Die BH wird nebenbei gemacht, weil die Elemente ja ähnlich sind, bzw. so, dass wenn sie auf Obe-Niveau sind, anerkannt werden. Anders rum leider nicht.

    Ich hätte sehr gerne einen Windhund, am Sloughi, Longhaired Whippet etc. Aber das wird wohl immer ein Traum bleiben, weil ich mit ihrem Jagdtrieb nicht klar kommen werde. Gleiches gilt für Huskys.

    Ich habe hier einen Mali-Mix, in dem angeblich auch Windhund drin ist. Sein Jagdtrieb reicht mir völlig und ich würde den nicht als sonderlich ausgeprägt bezeichnen. Das Problem ist nur, dass er nicht auf Sicht jagt, sondern nur Fährte.

    Ich kann mir gut vorstellen, wenn hier noch ein Hund einzieht, dass es ein reinrassiger Mali wird. Unser Mix wurde nicht nach Rasse ausgesucht (haben wir erst nach Wochen erfahren, was abgeblich drin ist), aber je mehr ich mich mit den Malis beschäftigt habe, desto mehr faszinieren mich diese Hunde. Zumal ich auch inzwischen welche kenne, die einfach toll sind.

    Mich würde das auch interessieren. Ich habe auch schon darüber nachgedacht, das zu benutzen, dass er sich bei Hundebegegnungen an der Leine nicht so aufkoffert. Gibt es Erfahrungen, ob das bei unsicherheitsbedingter Leinenaggression was bringt?

    Wir wollen das Problem zwar auch noch mit einem Trainer angehen, der uns aber erst mal zum TA geschickt hat, weil er, ebenso wie wir, das Gefühl hat, dass unser Hund sehr schlecht sieht und deshalb draußen so unsicher ist. Vielleicht klappt deshalb auch Zeigen und Benennen so überhaupt nicht, wenn unser Hund den anderen gar nicht sieht. Wann er ihn riecht, kann ich halt leider nicht beclickern.

    Zitat


    Wenn Max doch während ich näher komme brummelt und ich werfe ein Leckerchen hin, belohnen wir ihn dann nicht für das brummeln/knurren?

    Damit das nicht passiert, würde ich mit einer Situation, also einem Abstand, anfangen, bei dem er noch nicht brummelt. Nach und nach könnt ihr dann den Abstand verringern.

    Ich sehe hier so gut wie nie Leute mit mehreren Hunden, wenn überhaupt, dann nur Kleinhunde. Lediglich bei meinen Eltern auf dem Dorf, aber das liegt v.a. auch daran, dass es viele Jäger gibt, die ihre Meuten halten. In der HuSchu gibt es auch einige, aber das sind ja auch wieder andere Leute.

    Würde mir jemand einen souveränen Zweithund anbieten, der keine Baustellen hat ;) , ich würde ihn sofort nehmen. Leider hat unser Hund noch so einige Baustellen und das gleich zweimal würde mich definitiv überfordern.

    Grundsätzlich will ich später im Eigenheim, bessere finanzielle Absicherung und bei problemfreiem Ersthund auch noch einen zweiten. Aber im Moment wäre es einfach nur dumm. Ich finde es aber schon besser, wenn der Hund einen Artgenossen hat. Ich bin der Meinung, dass wir die nie richtig ersetzen können.

    Das einzige, was der Hund im Moment lernt, ist, dass er eben das Futter weggenommen bekommt. Dass er es am nächsten Tag wieder bekommt, kann der Hund nicht mehr damit verbinden. Und Futter weg will kein Hund und das zeigt er im Moment doch "nur" mir Knurren. Er lernt jetzt aber, dass das nichts hilft, also wird er u.U. demnächst weiter gehen und sein Futter noch mehr verteidigen.

    Unser Hund bekommt das meiste Futter aus der Hand, weil er es sich erarbeiten muss. Nichts desto trotz gibt es auch mal Dinge aus dem Napf und den würde unser Hund im Grunde auch verteidigen. Darf er auch. Ich habe es ihm gegeben, es gehört jetzt ihm. Trotzdem kann ich ihn beim Fressen unterbrechen, sogar Kauzeug wegnehmen etc., weil er Hund weiß, dass er es SOFORT, innerhalb der nächsten 2s wieder bekommt, nachdem er es mir gegeben hat. Nicht Stunden später. Nicht, dass ich das häufig mache und den Hund damit schikaniere oder meine Macht demonstriere, aber es sollte möglich sein, dass ich dran komme.

    "Rudelführer", dem der Hund vertraut, wird man nicht durch solche Machtdemonstrationen. Ein souveräner Führer zeichnet sich ganz anders aus, z.B. damit, dass er die Bedürfnisse der anderen wie Futter respektiert und nicht dazwischen funkt.