(Reizoffenheit, Nervosität, überschäumender Bewegungsdrang, ….)
Zumindest Nervosität oder überschäumenden Bewegungsdrang brauchst du bei einem Koppelgebrauchshund ja nun sicher nicht. Meine Erfahrung ist eher, dass Enya extrem gut unterscheiden kann, jetzt passiert was (und dann ist sie 100% da) und jetzt passiert nichts (und da ist sie relaxt). Die Erwartungshaltung ist da aber sicher auch eine riesen Komponente. Fliegt da alle 10 Minuten bei einem Spaziergang ein Ball, da wäre Enya Dauer-"On", es könnte ja jederzeit passieren, sie würde sich abschießen... Weiß sie aber, in Situationen xy passiert genau nichts (hochpushendes), ist sie völlig entspannt. So denke ich sollte es auch bei einem Arbeits-Border sein. Was will ein Schäfer mit einem Hund, der ständig unter Strom steht und sich schon verausgabt hat/das Hirn weggeschossen hat, bevor die eigentliche Arbeit überhaupt los geht?
Genauso kommt Enya wunderbar mit Ruhetagen klar. Ich denke, auch das ist etwas, was ebenfalls dem AL-Border gegeben sein sollte. Ich glaube kaum, dass irgendein Farmer will, dass sein Hund an solchen Tagen mit "überschäumendem Bewegungsdrang" wie irre über den Hof schießt
.
In punkto Reizoffenheit: Shelties finde ich da "schlimmer", Enya eher sehr überlegt.
Ändert natürlich nichts daran, dass man diesen Hundetyp problemlos unter Dauerstrom setzen kann, wenn man ihn in eine permanente Erwartungshaltung bringt oder mit Reizen überflutet oder einfach zu viel macht. Ich finde ja eher bedenklich, dass so viele Menschen denken, ein Border bräuchte täglich stundenlange Beschäftigung...
Ich liebe an Enya eher diesen An-Aus-Schalter und wenn "An", wie unfassbar sie mitdenkt, wirklich alles gibt. Die restliche Zeit ist sie einfach ein normaler Hund. Dazu kommt, Border können ja ewig das gleiche Abspulen, das bedingt schon eine gewisse Frustrationstoleranz. Da finde ich Aussies um Längen schlimmer
. Birgt natürlich auf der anderen Seite die Gefahr von Stereotypien. Aber Frust finde ich beim Border wirklich überschaubar.
Klar, ich schreib jetzt nur von einem SL-Border (und ein wenig Eindrücke aus dem Verein/Hundesport), und Enya neigt bspw. auch nicht zu Stereotypien oder fehlgeleitetem Hüten, aber ich finde sie wirklich nicht schwierig oder "speziell", eher sehr einfach zu führen im Alltag und dazu macht es im Sport wahnsinnig Spaß mit ihr.
Ich schrieb ja in den Eingangszitaten schon: wir haben 5 Schafe. Und klar könnte ich jetzt versuchen bei Enya was zu wecken, Interesse von sich aus hat sie gar nicht. Aber ich brauchs fürs Handling halt nicht und Schafe sind keine Hunde-Spielzeuge. Ein gut veranlagter und gut ausgebildeter Hund macht es sicher für Schafe letztlich situativ stressfreier, bei Enya glaub ich da nicht dran...
Also so zusammenfassend: für mich persönlich passt Enya mit all ihren Eigenschaften hervorragend und ich habe weder den Eindruck, dass ihr etwas fehlt noch dass sie gestresst im Alltag ist. Bei Begleithunden (ohne jede Abwertung!) statt Hütehunden würde mir schon so einiges fehlen (hier sind es ja aktuell 2 Shelties, ein Aussie und eben Border Enya)