Wir drücken Daumen und Pfoten dafür, dass bei euch den Anfängen gewehrt wird, anders geht es einfach nicht. Hier in Niedersachsen dürfen Wölfe tun und lernen, was immer sie wollen, und verhalten sich in unserer Ecke wie das lebende Modell von Valerian Geist: Neun Jahre vollständig reibungsloses Zusammenleben, Wölfe unsichtbar im Wald, alles schick, alle zufrieden.
Letzten Winter wurden sie plötzlich tagsüber sichtbar, erlegten und fraßen Wild in Gärten, spazierten über Grillplätze - und so weiter. Tenor, auch hier im Thread: ist doch alles normal. Ich schätze mal, das wäre der Moment zum Eingreifen gewesen, vielleicht ein zur Bestandsregulierung geschossenes Jungtier, und sie wären wieder scheu geworden wie eh und je. Aber wie gesagt: ich schätze.
Es passierte also nichts, und diesen Sommer explodierte es dann quasi wie aus dem Nichts : Wölfe ,die tagsüber ungerührt durch die Dörfer streiften, im Wald verfolgte Reiter (angeblich auch alles normal, die kleinen Racker sind ja neugierig), und zum Herbst, zum ersten Mal, Risse, Risse, Risse. In einer Woche über 50 Schafe und Ziegen, die 27 Schafe direkt im Dorf. Die Weide war eigentlich gut abgesichert, sogar mit Erdankern überall, aber die Wölfe haben in aller Ruhe den Zaun so lange inspiziert, bis sie an einer Ecke die Schwachstelle hatten, und sich dann, 50 Meter vom nächsten Haus, durch eine ganz enge Lücke reingebuddelt. Ein höllisches Massaker, Tiere lebend zerfetzt (der Zaun war zu gut zum Ausbrechen), gefressen kaum was, Konsequenzen natürlich keine. War ja nicht genügend geschützt. Woche drauf: 30 Schafe und Ziegen, dicht am Hof, auf dem ich früher meine Ponys hatte. Und so weiter.
Hier ist also das friedliche Zusammenleben nach 9 Jahren vorbei, unsere ehemaligen Musterwölfe haben in aller Ruhe lernen können, dass ihnen nirgendwo Gefahr droht, haben ausgetestet und sich für den bequemen Weg entschieden, obwohl es im Wald noch gut Wild gibt, und dieses Jahr rekordverdächtig Nachwuchs produziert. Sieben Welpen ,alle großgeworden, alle gut angelernt. Fortsetzung folgt.