Caitlin Starling – The Luminous Dead / Die leuchtenden Toten
"They were her reflections, all of them: selfish, driven people, strong and foolish, chasing money and glory and success without a care as to why somebody would pay them so much to come on an unknown expedition."
"Gyre Price dachte, sie würde auf dieser Expedition Mineralien untersuchen und ihre größten Probleme wären Höhlenzusammenbrüche. Sie dachte auch, der fette Gehaltsscheck bedeutet, dass ihr ein qualifiziertes Team beiseite steht, das ihre Umgebung überwacht und sie beschützt. Stattdessen bekommt sie Em. Em sieht nichts Falsches darin, Gyres Körper mit Drogen zu optimieren, um ›einen reibungslosen Betrieb‹ zu gewährleisten. Em weiß alles über Gyres gefälschte Anmeldeunterlagen. Doch Em hat ebenfalls Geheimnisse … Allein und desorientiert irrt Gyre durch die Dunkelheit und muss sich den Geistern in ihrem eigenen Kopf stellen. Und sie ist sich sicher, dass sie verfolgt wird …"
Eine Mischung aus Science-Fiction und Horror, die sich fast ausschließlich um zwei Figuren dreht: Höhlentaucherin Gyre und Fernbetreuerin Em. Die Handlung beschränkt sich komplett auf die Expedition in ein fremdes Höhlensystem, bei der Gyre angeblich veraltete Höhlenkarten und Mineralienvorkommen für ein Bergbauunternehmen aktualisieren soll. Gyre's Abstieg und Fortkommen in den Höhlen setzt sich linear fort, man merkt die Anstrengung und kann einer Karte am Anfang des Buches (überaus hilfreich!) folgen. Nicht-linear ist Gyre's Abstieg in ihren Wahnsinn, als sie langsam versteht warum sie in der Höhle ist. Man kann sich Gyre und ihren Beobachtungen nicht entziehen, genauso wenig wie Gyre sich den Höhlen und Gängen entziehen kann. Der Spannungsbogen entfaltet sich (absichtlich) in wiederkehren Zyklen: er beginnt mit körperlichen Hürden (klettern, kriechen, tauchen), dann folgt eine Belastung durch die Ausrüstung oder biologische Faktoren (wie Hunger, Verletzungen, Halluzinationen), dann ein Konflikt im Dialog mit Em, dann erfährt man Teilwahrheiten durch entprechende Gespräche und schließlich kommt Gyre weiter in der Höhle voran. Von Anfang an weiß man auch, dass es eine vage Bedrohung durch einen Höhlenbewohner gibt, eine Art riesiger Sandwurm, dessen Tunnel Gyre oft kreuzt. Im großen und ganzen mochte ich die Geschichte, die zweite Hälfte war etwas besser als die erste, Gyre fängt ab da an den Verstand zu verlieren. Der zyklische Aufbau ist anfangs etwas anstrengend, er bremst das Tempo hin und wieder, ähnlich Gyre, die in der Höhle immer wieder vor neuen Herausforderungen steht.
Erforschte Themen: Isolation und psychischer Zusammenbruch / Kontrolle, Macht und körperliche Selbstbestimmung / Vertrauen vs. Manipulation / Besessenheit und Trauer / Realität vs. Halluzination / Arbeit und kapitalistische Ausbeutung
Stärken der Geschichte sind auf jeden Fall die Atmosphäre und Beklemmung, die psychologische Tiefe, die komplexen Charakterdynamiken und die thematischen Zusammenhänge.
Schwächen sind v. a. das langsame und sich wiederholende Tempo, die begrenzte Handlungsentwicklung (womit ich kein Problem hatte) und ein polarisierender Beziehungsbogen (da war ich auch fein mit). Die Horrorelemente sind vage bis mehrdeutig und durch die Prämisse gibt es kein großartiges Worldbuilding.