48. Lies ein Buch mit einem Vogel auf dem Cover ![]()
Niamh Ní Mhaoileoin – Ordinary Saints
Beiträge von Estandia
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Niamh Ní Mhaoileoin – Ordinary Saints
"I'm an odd child from an odd family, and the biggest problem is that I don't realise it."
"Jay wuchs in einem strenggläubigen Haushalt in Irland auf und lebt heute mit ihrer Freundin in London. Sie ist entschlossen, jeden Moment zu genießen und weder über die Zukunft noch über die Vergangenheit nachzudenken. Als sie jedoch erfährt, dass ihr geliebter älterer Bruder, der bei einem schrecklichen Unfall ums Leben kam, möglicherweise zum katholischen Heiligen erklärt wird, wird ihr klar, dass sie sich endlich ihrer Familie, ihrer Kindheit und sich selbst stellen muss ..."
Aus Jacinta's Perspektive – nach ihrem Coming out sich selbst als Jay bezeichnend – wird hier eine sehr interessante Diskussion um die Frage "Wer entscheidet darüber, wie das Vermächtnis einer Person nach ihrem Tod gestaltet wird – und wie viel davon entspricht der Wahrheit und wie viel ist Mythos?" aufgemacht. Die drei Teile um Jay's gegenwärtiges Leben und Umbrüche, die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit und dann Versöhnung und Neudefinition bilden keinen klar abgegrenzten, stringenten Handlungsbogen, eher ist alles miteinander verwoben und Jay's Erinnerungen und ihr konstanter Kampf mit ihrer Identität und Religion sind fortwährend Thema. Der Fokus liegt klar auf Jay's subjektiven Erinnerungen statt der objektiven Wahrheit, da sie ihren Bruder wie ihre Familie nur von einer Seite sehen kann, ihre privaten Ansichten und Erinnerungen stehen in Kontrast zu den öffentlichen Erzählungen über ihren Bruder, der schon früh wusste, dass er Priester werden wollte.
Erforschte Themen sind: Trauer und Erinnerung, Religion und das Erbe der katholischen Kirche, queere Identität vs. religiöse Tradition, Mythenbildung und Heiligkeit, Schweigen in der Familie und emotionale Unterdrückung
Die Stärken des Buches liegen für mich in der nuancierten Darstellung von Jays Innenleben. Ihre Gefühle gegenüber ihrem Bruder, ihren Eltern und ihrem Glauben sind widersprüchlich und ungelöst, was sie zu einer äußerst realistischen Figur macht. Anstatt die Kirche als rein bösartig darzustellen, zeigt der Roman Gläubige, die mitfühlend, aber fehlgeleitet sind sowie Institutionen, die Leben auf komplexe Weise prägen. Die Kritikpunkte an der Kirche, die Jay hervorbringt, sind wichtig und richtig, man merkt aber, dass diese Themen nicht einfach zu beantworten sind und Religion in den Menschen tief verwurzelt ist. Die einzigen Schwächen der Geschichte liegen für mich darin, dass einige Charaktere sich manchmal inkonstent verhalten und Nebencharaktere gern etwas mehr Tiefe verdient hätten.
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6. Lies ein Buch mit den Ziffern 2026 im Titel -> je mehr, desto besser
– immerhin die Zahl 2 hatte ich im Titel 
Temi Oh – Do you dream of Terra-Two -
Temi Oh – Do you dream of Terra-Two?
"No light, no sound. Most people can't last fifteen minutes before they begin to see things, begin to panic.
They don't even know what they're afraid of. Themselves, maybe. In the darkness every fear finds a face.""Vor einem Jahrhundert stellten Wissenschaftler die Theorie auf, dass es in einem nahe gelegenen Sonnensystem einen bewohnbaren Planeten gibt. Heute werden zehn Astronauten die sterbende Erde verlassen, um ihn zu finden. Vier von ihnen sind hochdekorierte Veteranen des Weltraumrennens des 20. Jahrhunderts. Sechs sind Teenager, Absolventen der exklusiven Dalton Academy, die fast ihr ganzes Leben lang für diese Mission trainiert haben. Das Team wird dreiundzwanzig Jahre brauchen, um Terra-Two zu erreichen. Dreiundzwanzig Jahre, die sie auf engstem Raum verbringen werden. Dreiundzwanzig Jahre, in denen sie sich nur aufeinander verlassen können. Dreiundzwanzig Jahre, in denen keine Rettung möglich ist, sollte etwas schiefgehen. Und etwas geht immer schief."
Aus der Sicht der sechs Teenager erzählt und geteilt in drei Phasen – Ausbildung und Selektion, Start und frühe Mission, Krise und Zerfall – legt diese SF-Geschichte weniger den Fokus auf die vielerwähnte 23-Jahre-dauernde Reise, sondern stellt eher die Frage "Wenn ein Traum erfordert, dass man sein ganzes Leben opfert, lohnt es sich dann trotzdem, ihn zu verfolgen?"
Die Themen, die hier erforscht werden – Kosten des Ehrgeizes, psychische Belastung und Isolation, Schicksal vs. Verdienst, utopische Träume, Identität und Adoleszenz – werden ausschließlich durch die Teenager dargestellt und wie diese Themen ihren Charakter und die Beziehungen zu den wenigen anderen Charakteren formen. Die Diskussionen um "Schuldgefühle von Überlebenden, Hochstapler-Syndrom und die Angst, seinen Platz nicht zu verdienen" fand ich allesamt sehr interessant, ebenso die Frage in welche Gesellschaft die Teenager hineinwachsen, wenn die gesamte Adoleszenz auf einem Raumschiff stattfindet und dann auf einem leeren Planeten. Im letzten Drittel kommt schließlich die Diskussion auf, ob die Mission ethisch vertretbar ist, ob die (damals noch) Kinder ihren Weg wirklich frei gewählt haben und ob Terra-Two jemals das Opfer wert war. Das Ende ist offen, was als Schwäche des Buches gewertet werden könnte, ich fand es gut, es lässt viel Raum zur Interpretation. Wirkliche Schwächen für mich waren das eher uneinheitliche Tempo, die Anzahl an (austauschbaren) Charakteren, die für mich nicht explizit genug ausgearbeitet waren und alle irgendwann dieselbe Stimme hatten. Was mich nicht gestört hat, war das schwache Worldbuilding. Es gibt diese Kulisse, dass Großbritannien ein starkes Weltraumprogramm leitet und deswegen diese Mission durchführen kann, die Wissenschaft und die Technologie dahinter sind aber nur Randnotiz.
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17. Lies ein Buch, bei dem der Name der Autorin und der Titel genau 26 Buchstaben haben

Kristin Hannah – The Great Alone -
Kristin Hannah – The Great Alone / Liebe und Verderben
"Did adults just look at the world and see what they wanted to see, think what they wanted to think? Did evidence and experience mean nothing?"
"Die dreizehnjährige Leni wird in einer turbulenten Zeit erwachsen. Gefangen in den Strudeln der leidenschaftlichen, stürmischen Beziehung ihrer Eltern, wagt sie zu hoffen, dass Alaska ihrer Familie eine bessere Zukunft und einen Ort der Zugehörigkeit bieten wird. Ihre Mutter Cora würde für den Mann, den sie liebt, alles tun und überall hingehen, selbst wenn das bedeutet, ihm ins Unbekannte zu folgen. Während Leni im Schatten der zunehmend unbeständigen Ehe ihrer Eltern aufwächst, lernt sie Matthew kennen. Und Matthew – nachdenklich, freundlich und mutig – lässt sie an die Möglichkeit eines besseren Lebens glauben."
Ich finde es gar nicht so einfach dieses Buch zu beschreiben... Ich glaube das Wunderbarste an der Geschichte ist Alaska, die harschen, unbarmherzigen, langen Winter, die kurzen, atemberaubenden Sommer, die Wildnis, die Tiere, die kleine, eng zusammenhaltende Community an bunt zusammengewürfelten Menschen, die das Beste aus dem machen, was das Land bietet. Daneben steht die hochgradig toxische Beziehung von Lenis Eltern, ihr Vater der mit PTSD kämpft und von Seite 1 an merkt man, mit WEM man es zu tun hat, dann Lenis Mutter, die alles aushält, beschönigt, die Hoffnung nie aufgibt, nicht ohne diesen Mann sein kann... und dann Leni, die nach und nach mit den Jahren anfängt zu verstehen, dass die Liebe zwischen ihren Eltern keine Liebe ist. Ich habe den Vater wirklich gehasst, weil er so gut dargestellt ist und die Mutter als Ko-Abhängige mochte ich fast ebenso wenig. Diese Beziehung und was es heißt wenn zwei Frauen mit einem gewaltätigen, kontrollierenden, sich nicht mehr unter Kontrolle habenden, Mann und Vater zu leben nimmt wirklich einen großen Platz in dieser Geschichte ein. Die Liebegeschichte zwischen Leni und Matthew dagegen ist wesentlicher netter aber eben stark überschattet. Auch hier treffen die Teenager dumme Entscheidungen, die allerdings mehr ernste Folgen haben. Im letzten Drittel gibt es so einige Wendungen, die das Tempo ganz schön durcheinanderbringen und die Geschichte entwickelt sich eine Richtung, die ich etwas zuviel fand. Mein erster Gedanke nach Auslesen war, dass sich die Geschichte episch angefühlt hat, aber im Grunde, vor einer wunderschönen Kulisse, sehr voraussagbar war.
Erforschte Themen: Überleben und Natur, Trauma und Gewalt, Familie und Beziehungen, Isolation und Gemeinschaft, Erwachsenwerden, Trauma und Heilung
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46. Lies ein Buch einer dir unbekannten Autorin

A. G. Slatter – The Cold House -
A. G. Slatter – The Cold House
"It's not like I've given up on showering, but I can't recall the last time I brushed my hair.
Birds will nest in it and cats will start coming to my house, meowing to get it.
I really do need to get my shit together."Everly muss schreiben. Sie will endlich ihr nächstes Buch fertigbekommen, denn ein bisschen Geld wäre schön. Leider geht ihr ihre vierjährige dezent auf die Nerven, ebenso Ehemann Nick, den sie schließlich anweist mit der Kleinen endlich mal notwendige Lebensmittel kaufen zu gehen. Und so, in wohlverdienter Stille, schreibt Everly ... und schreibt ... und schreibt. Dass Mann und Kind nicht wieder heim gekommen sind, merkt sie erst sehr spät und auch nur weil zwei Polizisten an der Tür klingeln und ihr mitteilen, dass es einen Unfall gab... Inmitten Everly's Abstieg in Trauer und Depression taucht Nachlassverwalter Albert auf und bescheinigt ihr, dass sie nun eine sehr, sehr reiche Witwe wäre, denn ihr Mann Nick ist nicht derjenige, der er zu sein vorgab. Albert sieht, dass Everly nach dieser zusätzlichen Offenbarung vielleicht eine Auszeit ganz gut täte und schlägt ihr ein paar Tage frische Luft vor, weit weg, auf einer Insel, nur ein paar Einwohner, da gäbe es ein schönes großes Haus, die Eigentümer wären auf Reisen, sie könne dort gern unterkommen, vielleicht hilft es ja sogar beim schreiben... Everly stimmt zu und findet sich in einem gigantischen Herrenhaus wieder. Die Zimmer sind alle leer und doch ist Everly nicht allein ...
Eine Horrornovelle, die modernem psychologischen Horror stilvoll solide Gothic-Atmosphäre und Folklore-Elemente beimischt. Es handelt sich weniger um eine handlungsorientierte Gruselgeschichte als vielmehr um eine straff strukturierte Meditation über Trauer, Identität und Verrat, die sich in einem Gebäude abspielt, in dem es vielleicht, vielleicht auch nicht, spukt. Ich mochte alles an dem Büchlein, Everly ist fantastisch, nichts und niemand ist so wie es/er zu sein scheint, Hinweise werden hier und da subtil gestreut und das Ende hat es in sich. Natürlich kann man auf knapp 160 Seiten keinen großen Wurf erwarten aber für mich war es einer.
Erforschte Themen: Trauer als Heimsuchung / Verrat und die Instabilität der Identität / ein Gruselhaus als psychologisches Symbol / Vieldeutigkeit zwischen Wahnsinn und Übernatürlichem / volkstümlicher Horror und geschlechtsspezifische Gewalt
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5. Lies ein Buch, das schon lange auf deinem SuB liegt

Hector Macdonald – Wahrheit (lag seit März 2021 auf meinem SuB
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Hector Macdonald – WAHRHEIT. Was wir dafür halten und wie wir damit umgehen (Sachbuch, erschienen 2018)
Macdonald ist britischer Kommunikations- und Storytelling-Experte, in seinem Buch geht es nicht nur um die systematische Untersuchung des Begriffs selbst, sondern vor allem darum wie Wahrheit entsteht, interpretiert, benutzt und missbraucht wird. Er versteht Wahrheit nicht als starres, objektives Konzept, sondern als vielschichtiges, oft konkurrierendes Phänomen, das von Kontext, Sprache, Absicht und Wahrnehmung geprägt wird.
Zentrale Thesen und Inhalte
- Mehrere Wahrheiten statt einer einzigen objektiven Wahrheit: Aussagen, die formal „wahr“ sind, können dennoch sehr unterschiedliche Eindrücke erzeugen
- Konkurrierende Wahrheiten: mehrere wahre Aussagen über ein Thema, die miteinander konkurrieren, da verschiedene Gruppen dieselben Daten unterschiedlich interpretieren oder gewichten
- Fallbeispiele und Analyse realer Situationen: Wie Zahlen manipuliert werden können (z. B. Statistik über Vergewaltigungsraten verschiedener Länder und deren Kontext) oder wie Storytelling in Werbung oder Politik wirkt, wenn Informationen weggelassen oder betont werden. Hier geht es darum zu zeigen, dass Wahrheit oft nicht falsch ist, aber doch irreführend wirken kann.
- Kategorien der Wahrheit: Teilwahrheiten, also unvollständige oder selektive Wahrheiten / subjektive Wahrheiten, die von persönlichen Perspektiven oder Normen abhängen / unbekannte Wahrheiten, die wir (noch) nicht kennen
Stärken des Buches
- Leicht verständlich, unterhaltsam und anwendungsbezogen geschrieben. Ich war angenehm überrascht, wie zugänglich und easy es wegzulesen war.
- Aktuelle Relevanz (auch wenn es schon 2018 erschienen ist): Gerade im Zeitalter von „Fake News“, Social Media und politischer Polarisierung
- Praxisorientiert: Viele Beispiele und Denkwerkzeuge, die einem hier an die Hand gegeben werden, um selbst kritisch(er) zu denken
- Breite Anwendung: Relevanz für Journalismus, politische Bildung, Medienkonsum und Alltagskommunikation
Einer meiner Kritikpunkte
- Teils oberflächlich: ich hätte mir hier und da tiefere theoretische Grundlagen oder wissenschaftlichere Analysen gewünscht
- Ebenso soll es keine völlig neuen Erkenntnisse bieten: Kritiker bemerken, dass das Buch wenig überraschend ist – viele der Ideen sind bereits aus anderen Werken zur Kommunikation und kognitiven Verzerrung bekannt (was ich nicht wirklich beurteilen kann)
Für mich ist dieses Buch das erste seiner Art und ich fand es einen sehr guten Einstieg in das Thema!