Yevgeny Zamyatin – We / Wir
"Long live the United State! Long live the Numbers!! Long live the Well-Doer!!!"
"Wir ist ein dystopischer Roman, der in einer weit in der Zukunft liegenden Gesellschaft namens “The United State" spielt, in der das Leben vollständig von Logik, Mathematik und strenger Ordnung bestimmt wird. Die Menschen sind nicht durch Namen, sondern durch Nummern bekannt, und jeder Aspekt des täglichen Lebens – Arbeit, Freizeit, Beziehungen und sogar Gefühle – ist geplant und geregelt. Die Geschichte wird aus der Perspektive von D-503 erzählt, einem loyalen Bürger und Mathematiker, der an der Konstruktion eines Raumschiffs mitarbeitet, das die Ideale des United States über die Erde hinaus verbreiten soll. Er beginnt eine Reihe von persönlichen Aufzeichnungen zu schreiben, die seine Gesellschaft erklären und verherrlichen sollen. Dabei stößt er allmählich auf Erfahrungen und Ideen, die seine Annahmen über Vernunft, Freiheit und die Bedeutung des Menschseins in Frage stellen. Der Roman konzentriert sich nicht auf äußere Handlungen, sondern auf psychologische und philosophische Konflikte und zeichnet den inneren Wandel des Erzählers nach, der darum ringt, Ordnung und Individualität miteinander zu vereinbaren."
1921 geschrieben und große Inspiration für Orwell's 1984, ist Wir eine Charakterstudie, die den Niedergang von D-503 beschreibt, einem der loyalsten Bürger des Staates. Es gibt nicht viel explizites Worldbuilding aber man bekommt eine Idee der Routinen und Vorgaben und Regeln und Verfahrensweisen des Staates. Einerseits unglaublich interessant, andererseits echt beängstigend. Generell fand ich die Erzählstimme fantastisch, durch den Sarkasmus und schwarzen Humor, die verzweifelte Suche nach Rationalität und Logik im Angesicht von Irrsinn und Untergang, war diese Dystopie leichter zu ertragen und "zu genießen" als 1984.
Wir wurde in der Sowjetunion verboten, weil es als direkte ideologische Bedrohung für das entstehende sowjetische System angesehen wurde, auch wenn es nie ausdrücklich Russland oder den Kommunismus nennt. Die Gründe waren eher politischer, philosophischer und historischer als literarischer Natur.
Erforschte Themen: Vernunft vs. Freiheit – Individualität vs. Kollektivismus – Kontrolle und Überwachung – Emotionen, Verlangen und das Irrationale – Die Natur des Glücks
Die Unterschiede zu 1984 liegen in den Themen: Rationale Utopie vs. politischer Terror – Transparenz vs. Geheimhaltung – Tonfall und Stil – Art der Sprachkontrolle – Die Rolle der Vergangenheit
Überlappungen sind zu finden in den Themen: Totalitäre Kontrolle des täglichen Lebens – Kontrolle des Denkens, nicht nur des Verhaltens – intime, begrenzte Sichtweise