Kirsty Capes – Careless
"Um 15.04 Uhr an einem heißen, schwülen Tag im Juni erfährt Bess, dass sie schwanger ist.
Sie könnte es ihrem Sozialarbeiter Henry sagen, aber er ist nutzlos.
Sie sollte es ihrer Pflegemutter Lisa sagen, aber die würde es nicht verstehen.
Eigentlich sollte sie es Boy sagen, aber sie hat seit Wochen nicht mehr mit ihm gesprochen.
Bess weiß besser als jeder andere, dass Liebe nicht ohne Bedingungen zu haben ist.
Aber dies ist keine Liebesgeschichte..."
Bess ist 15 und wächst in den frühen 2000er Jahren in einer englischen Kleinstadt in Pflegefamilien auf. Als sie realisiert, dass sie schwanger ist, muss sie die Herausforderungen des Erwachsenwerdens, des Sozialamtes, der Freundschaft und der Identität bewältigen, während sie ihre Situation vor allen anderen verheimlicht. Die Geschichte erforscht ihre Beziehungen, insbesondere zu ihrer besten Freundin Eshal, die ebenfalls mit dem Druck ihrer eigenen Familie und kulturellen Erwartungen konfrontiert ist. Bess' Erzählstimme ist intim und unmittelbar und fängt die Dringlichkeit und Verwirrung des Teenagerlebens meiner Meinung nach gut ein. Es gibt nur wenige Rückblenden, die aber ein ausreichend greifbares Bild von Bess' Vergangenheit zeichnen. Ich habe die Komplexität von Bess, von ihren Beziehungen – vor allem Boy – und dem Teenagerleben an sich, sehr gemocht, es war eine spannende und emotionale Reise, eher ruhig, sehr glaubwürdig und auf einer hoffnungsvollen Note endend.
In dem Buch werden viele Formen von Care erforscht:
Pflegeeltern und Zugehörigkeit: Der Roman schildert die Instabilität des Pflegesystems und die Sehnsucht von Bess nach Familie, Bindung und Liebe.
Adoleszenz und Identität: Bess' Reise zum Erwachsenwerden dreht sich darum, ihre Stimme und ihren Einfluss in einer Welt zu finden, die junge Menschen wie sie oft ignoriert.
Weibliche Freundschaft: Ihre Freundschaft mit Eshal bietet sowohl Trost als auch Spannung und zeigt, wie sich Mädchen im Teenageralter unter Druck gegenseitig unterstützen und im Stich lassen.
Klasse und soziale Unsichtbarkeit: Capes hebt hervor, wie Armut und Vernachlässigung das Leben prägen und wie die Gesellschaft verletzliche junge Frauen oft übersieht.
Mutterschaft und Wahlfreiheit: Bess' Schwangerschaft wird zu einem Objektiv, durch das Fragen der Fürsorge, Verantwortung und Autonomie erforscht werden.